22-0678

Projekt Umgestaltung Bergedorfer Schloßstraße, Vinhagenweg und Abschnitte der Chrysanderstraße hier: Vorstellung des Konzeptentwurfes - Ergänzungsvorlage

Beschlussvorlage

Letzte Beratung: 01.07.2026 Stadtentwicklungsausschuss Ö 2

Sachverhalt

Die Planung wurde im Stadtentwicklungsausschuss 18.03.2026 vorgestellt. Es erfolgte keine Beschlussfassung, da einige Prüfaufträge formuliert wurden und eine Erörterung mit den Fachsprechern der Fraktionen des Stadtentwicklungsausschusses vorgesehen wurde. Dort wurde das in der vorgenannten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses diskutierte Format der Information der Öffentlichkeit vereinbart: Es erfolgte Vorstellung im Stadtteilbeirat des RISE-Gebiets Zentrum Bergedorf (am 20.05.2026).

Sachverhalt:

Mit dem städtebaulich-freiraumplanerischen Werkstattverfahren Entwicklung der Bergedorfer Innenstadt wurde neben den zwei Grundstücken des ehemaligen Karstadt am Sachsentor und des Parkhauses an der Bergedorfer Schloßstraße auch der umliegende öffentliche Raum betrachtet. Die Auslobung zum Wettbewerb wurde am 01.06.2022 vom Stadtentwicklungsausschuss beschlossen (21-1397). Als Ziel des Verfahrens wurde in der Auslobung definiert, adäquate und gleichzeitig innovative Lösungsvorschläge für die Gestaltung der beiden Grundstücke und des angrenzenden öffentlichen Freiraums zu erhalten, mit denen eine Aufwertung des Gesamtensembles der Bergedorfer Altstadt erreicht werden kann. Das Ergebnis des Verfahrens wurde dem Stadtentwicklungsausschuss in seiner Sitzung am 07.12.2022 vorgestellt (21-1397.01). Die im Wettbewerbsverfahren einbezogene Freiraumbetrachtung war ein Bearbeitungsteil ohne „Auftragsversprechen“.

Im Nachgang dazu hat das Bezirksamt eine eigenständige Auftragsvergabe für eine integrierte Verkehrs- und Freiraumplanung vorbereitet. Mit der Mitteilung der Verwaltung (21-1955) wurde der Stadtentwicklungsausschuss am 10.01.2024 über den Stand zum Projekt Umgestaltung Bergedorfer Schloßstraße, Vinhagenweg und Abschnitte der Chrysanderstraße sowie der angrenzenden Wochenmarktfläche zzgl. südlichen Schloßparkflächen informiert.

Die darauf aufbauenden und im Frühjahr 2025 durchgeführten Verkehrserhebungen liefern eine differenzierte Datengrundlage zu den aktuellen Verkehrsströmen und bestätigen den Handlungsbedarf für eine Umgestaltung. Die Ergebnisse wurde im September 2025 im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt (21-1955.01). Die Kfz-Verkehrsmengen bewegen sich zwischen 700 und 3.100 Fahrzeugen pro Tag und sind gegenüber 2020 um etwa 12 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass der Anteil des Durchgangsverkehrs mit bis zu 41 Prozent in der Spitzenstunde sehr hoch ist. Für den Fußverkehr ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen Alltags- und Markttagen: Während an Werktagen bis zu 2.700 Personen gezählt wurden, steigt das Aufkommen an Markttagen auf rund 5.000 Personen. Besonders im Vinhagenweg wurden überhöhte Geschwindigkeiten gemessen.

Auf Basis dieser fundierten Erkenntnisse und unter Berücksichtigung zahlreicher Anforderungen an den öffentlichen Raum erfolgt die Anpassung der Straßenquerschnitte. Insbesondere werden die Belange der Feuerwehr hinsichtlich notwendiger Durchfahrtsbreiten, die Verkehrssicherheit durch geeignete Gestaltungselemente sowie die reibungslose Anlieferung für Gewerbe und Handel umfassend berücksichtigt. Zudem wird die Barrierefreiheit nach den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung (StVO) sichergestellt, um den Zugang für alle Nutzergruppen zu gewährleisten. Durch diese ganzheitliche Herangehensweise können die Straßen nicht nur funktional optimiert, sondern auch an die vielfältigen Nutzungsbedürfnisse angepasst werden und damit die bereits verfolgten städtebaulichen und freiraumplanerischen Zielsetzungen gezielt weiterentwickeln. Sie ermöglichen es, die künftige Gestaltung auf fundierten Erkenntnissen abzustützen und die Maßnahmen präzise auf die tatsächlichen Verkehrs- und Nutzungsstrukturen abzustimmen. Damit wird sichergestellt, dass die Ausgestaltung des öffentlichen Raumes nicht nur gestalterisch hochwertig, sondern auch funktional tragfähig ist.

Die Parkraumorganisation und Stellplatzgestaltung sind ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Planung, um einerseits den ruhenden Verkehr bedarfsgerecht zu steuern und andererseits die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu verbessern. Im Kontext der politisch beschlossenen Ziele – wie der Schaffung von mehr Grünflächen und blau-grüner Infrastruktur, der Belebung der Marktfläche, der besseren Anbindung der Bergedorfer Schloßstraße an die Fußgängerzone sowie dem Ausbau der Außengastronomie – führt dies zwangsläufig zu einem gewissen Rückgang der Parkplätze. Diese Reduktion ergibt sich damit als Folge der vielfältigen Anforderungen an eine nachhaltige und lebenswerte Stadtraumgestaltung sowie aus verkehrstechnischen Anforderungen. Das Thema Parkplätze wurde dabei intensiv betrachtet und für die einzelnen Teilbereiche im Plangebiet entsprechend abgewogen und gesichert. Eine Maxime war dabei, dass der Verlust von Parkplätzen auf ein Minimum reduziert werden sollte. Gleichzeitig wird der Neubau des Parkhauses durch attraktive Parkebenen mit größeren Parkständen, die heutigen Fahrzeugabmessungen besser gerecht werden, die Anfahrbarkeit für Nutzerinnen und Nutzer erleichtern und auf diese Weise eine bessere Nutzung bzw. Erreichbarkeit im Plangebiet fördern.

Die nun herausgearbeiteten Gestaltungsideen des Projektgebietes zielen daher auf eine integrative Lösung ab, die Verkehrssicherheit, Aufenthaltsqualität und funktionale Anforderungen in Einklang bringen. In der Bergedorfer Schloßstraße wird eine gemeinsame Führung aller Verkehrsarten auf der Fahrbahn vorgesehen, wobei eine weiche Abgrenzung zwischen Fahrbahn und Gehweg durch eine geringe Bordhöhe vorgesehen ist, parallel zur Straße wird der sogenannte Flexstreifen geführt, auf dem sich Themen wie Anlieferung, Parken, Aufenthaltsflächen, Außengastronomie finden können. Für den Bereich außerhalb der Chrysanderstraße wird die Einrichtung eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs vorgeschlagen, um die Fußgängerströme und Gewerbelage in den Erdgeschossen besser zu berücksichtigen und den Geschwindigkeitsüberschreitungen entgegenzuwirken. Gleichzeitig bleibt die Befahrbarkeit für Kraftfahrzeuge erhalten. In der Chrysanderstraße bleibt der Zweirichtungsverkehr erhalten, wobei flankierende Maßnahmen zum Thema Starkregenereignisse geprüft werden.

Die Neugestaltung verfolgt das Ziel, den öffentlichen Raum bedarfsgerecht für jeden Teilbereich im Plangebiet als attraktiven und multifunktionalen Aufenthalts- und Bewegungsraum weiterzuentwickeln und somit zur Belebung beizutragen. Dabei sollen die Anforderungen des Wochenmarktes, die Gestaltung angrenzender Freiflächen sowie die neuen baulichen Entwicklungen berücksichtigt werden. Zentrale Bedeutung hat die Verbindung von funktionaler Nutzbarkeit, städtebaulicher Qualität und nachhaltiger Entwicklung. Diskutiert werden dabei unter anderem Möglichkeiten zur Einbindung wasserbezogener Elemente (Ausbau blau-grüner Infrastruktur), die Gestaltung und Integration der Marktfläche im Gesamtkontext, die Ausformung des Hangbereichs sowie die verbesserte Begrünung des Plangebiets. Ziel ist es, eine ganzjährige Nutzbarkeit sicherzustellen, den besonderen Charakter des Ortes zu bewahren und zugleich die Belastbarkeit der Flächen zu gewährleisten.

Aufgrund des Parkplatzmoratoriums, dass in dieser Legislaturperiode hamburgweit gilt, ist beabsichtigt, parallel zu der Vorstellung der Planung in den bezirkspolitischen Ausschüssen, die zuständigen Stellen in der Senatskanzlei und der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende mit dem Planungsstand zu befassen.

Zusammenfassend lässt sich für das Projekt festhalten:

Das freiraum- und verkehrsplanerische Konzept zur Umgestaltung der Bergedorfer Schloßstraße, des Vinhagenwegs sowie ausgewählter Abschnitte der Chrysanderstraße setzt wichtige Impulse für die nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung der Bergedorfer Innenstadt. Es verfolgt das Ziel, die Innenstadt als lebendigen, attraktiven und multifunktionalen Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität zu stärken und zugleich aber auch die verkehrlichen Funktionen zu erhalten.

Die Aufwertung der „zweiten Reihe“ schafft verbindende, belebende Orte, die neue soziale und wirtschaftliche Impulse setzen und die Innenstadt in ihrer Gesamtheit stärken.

Die Neugestaltung verbessert die Verkehrsführung maßgeblich und minimiert Konflikte zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern. Gleichzeitig wird die Förderung nachhaltiger Mobilität vorangetrieben: Fußgänger, Radfahrer und Nutzer alternativer Mobilitätsformen profitieren von sicheren, barrierefreien und attraktiven Wegenetzen.

Darüber hinaus berücksichtigt das Konzept wichtige funktionale Anforderungen an den Straßenraum wie Feuerwehrbelange, Anlieferung, Kurzzeitparken sowie die verbesserte Anfahrbarkeit und Nutzung des neuen Parkhauses. Diese Anforderungen werden bewusst mit anderen bislang wenig beachteten, aber zunehmend relevanten Aspekten wie der Starkregenvorsorge in Einklang gebracht, um eine ausgewogene und zukunftsfähige Gesamtplanung zu gewährleisten. Besondere Mehrwerte ergeben sich dabei durch die Integration von blau-grüner Infrastruktur, umfassender Begrünung und der Gestaltung von Hang- und Marktflächen. Diese Maßnahmen erhöhen die ökologische Resilienz des Stadtraums, reduzieren Starkregengefahren und verbessern das Mikroklima – eine wichtige Antwort auf die Herausforderungen des zukunftsfähiger Innenstadtlagen.

Der multifunktionale öffentliche Raum wird so gestaltet, dass er sowohl den Bedürfnissen des Alltags als auch besonderen Veranstaltungen gerecht wird. Die Belebung der Marktfläche und die verbesserte Integration der Außengastronomie schaffen eine lebendige Atmosphäre, die auch nach 18 Uhr zur Nutzung einlädt und die Innenstadt zum kulturellen und sozialen Treffpunkt macht. Durch die Sicherstellung der ganzjährigen Nutzbarkeit und Flächenbelastbarkeit entsteht ein flexibler Stadtraum, der vielfältige Nutzungen ermöglicht und die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner nachhaltig verbessert.

Insgesamt trägt das Konzept wesentlich dazu bei, Bergedorf als zukunftsfähigen, attraktiven und gut vernetzten Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität und nachhaltiger Mobilität zu positionieren.

Die Entwurfsideen für die neue Gestaltung des Projektgebietes werden im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt.

Ergänzung Juli 2026:

Die Planung zur Umgestaltung der Bergedorfer Schloßstraße, des Vinhagenwegs sowie ausgewählter Abschnitte der Chrysanderstraße wurde am 20.05.2026 im Stadtteilbeirat des RISE-Gebiets Zentrum Bergedorf vorgestellt. Die Planung wurde dort überwiegend positiv aufgenommen. Rückfragen betrafen die Baustellenkoordination und das Parken im Rahmen übergeordneter Konzepte. Anpassungsvorschläge wurden nicht eingebracht.

Zudem hatte der WSB – Wirtschaft und Stadtmarketing für die Region Bergedorf e.V. am 28.05.2026 eine Stellungnahme zur Planung abgegeben. Die Abstimmung mit der Polizei (PK43) erfolgte schon im Frühjahr 2026 positiv. Zudem konnte das Thema Anlieferung im Bereich der Tafel geklärt werden; hier wird eine Anlieferzone berücksichtigt.

Der Umgang mit den Anmerkungen der Politik sowie die Hinweise aus Wirtschaft und Informationsveranstaltung werden im Stadtentwicklungsausschuss als Ergänzungsfolien innerhalb der vorhandenen Präsentation vorgestellt.

Eine Rückmeldung der für das so genannte Parkplatzmoratorium zuständigen Stellen in der Senatskanzlei und der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende steht noch aus. Die Rückmeldung ist für den Sommer 2026 vorgesehen, da diese Stellen die Prüfung und Befassung von Straßenumbaumaßnahmen aufgrund der hohen Zahl in Hamburg insgesamt bündeln.

Petitum/Beschluss

Der Stadtentwicklungsausschuss stimmt dem Konzeptentwurf zur Umgestaltung der Bergedorfer Schloßstraße, Vinhagenweg und Abschnitte der Chrysanderstraße zu und beauftragt die Bezirksamtsleiterin, den Ausschuss zu gegebener Zeit über die weitere Planung zu informieren.

Bera­tungs­reihen­folge
Lokalisation Beta
Bergedorfer Schloßstraße Chrysanderstraße Sachsentor Vinhagenweg
Stadtteile

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Themen Beta

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