22-1310.01

Antwort auf Anfrage gem. §27 BezVG der GRÜNE-Fraktion betr. Verspätungsursachen und Qualitätsverbesserung auf den Buslinien 250 und 150

Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG

Letzte Beratung: 17.03.2026 Hauptausschuss Ö 4.1

Sachverhalt

Die Buslinien 250 (Fischbek – Altona) und 150 (Cranz – Altona) sind zentrale Verbindungen für den Bezirk Harburg. Beide Linien sichern eine der wenigen regelmäßigen ÖPNV-Elbquerungen abseits des Schienenverkehrs und bieten für Pendler*innen, Schüler*innen und Anwohner*innen aus Süderelbe eine direkte Alternative zu den S-Bahnlinien S3 und S5 für die Elbquerung, ohne dass ein Umstieg erforderlich ist.

Laut der Stellungnahme der BVM vom 16. Oktober 2025 (Drs. 22-0957) lagen die Pünktlichkeitswerte 2024 bei nur 88,5 % (Linie 250) und 89,1 % (Linie 150). Damit war knapp jede neunte Fahrt verspätet. Konkrete Informationen darüber, wo die Verspätungen entstehen, aus welchen Gründen sie auftreten und wie häufig Fahrten ausfallen, wurden bisher jedoch nicht linienbezogen transparent gemacht.

Beide Linien haben lange, verkehrlich anspruchsvolle Routen. Verzögerungen, die früh auf der Strecke entstehen, wirken sich dadurch oft auf die gesamte Rückfahrt aus – ein Problem, das durch Stau oder Störungen auf den Zufahrtsstrecken zum Elbtunnel zusätzlich verstärkt werden kann. Für eine spürbare Verbesserung der Betriebsqualität braucht es aktuelle Daten, eine klar zugeordnete Ursachenanalyse und realistische, überprüfbare Optimierungspläne.

Vor diesem Hintergrund fragen wir:

1. Welche drei Streckenabschnitte und Knotenpunkte sind je Linie am stärksten von Verspätungen betroffen – und wie hoch ist die durchschnittliche Verzögerung pro Fahrt in Minuten?

2. Welche konkreten Ursachen werden dort identifiziert?

3. Wie oft waren seit Jahresbeginn Verkehrsstörungen auf den Zufahrtswegen zum Elbtunnel ausschlaggebend für Verspätungen der Linien 250 oder 150 – und wie hoch war die Verzögerung im Durchschnitt?
(Bitte Werte nach Linie und Monat aufschlüsseln.)

4. Wie viele Fahrten sind bei den Linien 250 und 150 seit dem 1. Januar 2025 bis heute ausgefallen?
(Bitte tabellarisch je Linie und Monat darstellen.)

5. Aus welchen Gründen fielen die in vorheriger Frage benannten Fahrten aus?
Bitte unterscheiden nach:
– technischen Defekten,
– Personalmangel,
– Unfällen,
– Verkehrsstörungen (Stau, Baustellen, Sperrungen),
– und sonstigen Ursachen.

6. Welche konkreten Massnahmen schlagen die Verkehrsunternehmen und die BVM speziell für diese beiden Linien vor, um eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 95 % zu erreichen?

7. Welche davon sind innerhalb von 12 Monaten, in 1–3 Jahren oder erst nach 3 Jahren umsetzbar?

8. Welche finanziellen und personellen Mittel wären dafür nötig – und sind diese bereits im Haushalt oder in der Finanzplanung vorgesehen?



BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG

Der Vorsitzende



2. März 2026

Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) beantwortet die o.g. Anfrage der Fraktion DIE GRÜNEN., Drs. 22-1310, teilweise auf Grundlage von Auskünften der Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) wie folgt:

  1. Welche drei Streckenabschnitte und Knotenpunkte sind je Linie am stärksten von Verspätungen betroffen – und wie hoch ist die durchschnittliche Verzögerung pro Fahrt in Minuten?

Generell sorgt bei beiden Linien die Elbquerung zwischen den Haltestellen Behringstraße (AK Altona) und Dradenaubrücke für einen Anstieg der Verspätungen, welche sich dann auf den weiteren Linienverlauf auswirken.

Stadtbuslinie 150:

Die drei Haltestellen mit der geringsten Pünktlichkeit in 2025:

Richtung Altona:

Griegstraße

75,2 %

Fabrik

76,9 %

Friedensallee

78,1 %

Richtung Cranz:

Finkenwerder (Fähre)

74,9 %

Dradenaubrücke

75,6 %

Am Genter Ufer

75,6 %

Die abgefragten Werte werden in den nachfolgenden Tabellen als Dezimalzahlen statt Minuten und Sekunden angegeben. Dies vereinfacht die Summen- und Durchschnittsbildung. Die Werte sind jeweils mit 60 Sekunden zu multiplizieren, bspw. 0,61 * 60 Sekunden = 36,6 Sekunden.

Die drei Streckenabschnitte mit der größten durchschnittlichen Verzögerung in 2025.:

Richtung Altona:

Von

Nach

Ø Verzögerung (min)

Dradenaubrücke

Behringstraße (AK Altona)

1,88

Estebogen Abfahrt

Altes Estesperrwerk

1,03

Am Genter Ufer

Dradenaubrücke

0,89

Richtung Cranz:

Von

Nach

Ø Verzögerung (min)

Behringstraße (AK Altona)

Dradenaubrücke

2,04

Dradenaubrücke

Am Genter Ufer Ri. OFD

0,61

Bf. Altona Abfahrt B

Fabrik

0,52

Stadtbuslinie 250:

Die drei Haltestellen mit der geringsten Pünktlichkeit in 2025:

Richtung Altona

Griegstraße

67,1 %

Behringstraße

70,1 %

Fabrik

70,3 %

Richtung Neugraben:

Hausbrucher Bahnhofstraße

71,0 %

Altwiedenthaler Straße

71,3 %

Georg-Heyken-Straße

72,3 %

Die drei Streckenabschnitte mit der größten durchschnittlichen Verzögerung (in min) in 2025:

Richtung Altona:

Von

Nach

Ø Verzögerung (min)

Dradenaubrücke

Behringstraße (AK Altona)

2,05

Behringstraße (AK Altona)

Griegstraße

0,56

Hafenbahnhof Alte Süderelbe

Dradenauer Deichweg

0,47

Richtung Neugraben:

Von

Nach

Ø Verzögerung (min)

Behringstraße (AK Altona)

Dradenaubrücke

2,01

Ringheide

Fischbeker Heideweg

0,99

S Neugraben (Bereich B)

Neugrabener Markt

0,66

  1. Welche konkreten Ursachen werden dort identifiziert?

Auf beiden Linien sorgt die Durchfahrung des Elbtunnels für die jeweils mit Abstand größte durchschnittliche Verzögerung zwischen je zwei Haltestellen. Entsprechend finden sich jeweils nach Durchfahrung des Tunnels die Haltestellen mit den geringsten Pünktlichkeitsquoten. Dies ist auf wiederholte Staus im und vor dem Elbtunnel sowie auf zeitweise Vollsperrungen des Elbtunnels zurückzuführen.

  1. Wie oft waren seit Jahresbeginn Verkehrsstörungen auf den Zufahrtswegen zum Elbtunnel ausschlaggebend für Verspätungen der Linien 250 oder 150 – und wie hoch war die Verzögerung im Durchschnitt? (Bitte Werte nach Linie und Monat aufschlüsseln.)

Die Zahl der den gemessenen Verspätungen zu Grunde liegenden Verkehrsstörungen wird seitens der HOCHBAHN weder gemessen noch systematisch erfasst. Im Übrigen siehe Antworten zu 1. und 2.

  1. Wie viele Fahrten sind bei den Linien 250 und 150 seit dem 1. Januar 2025 bis heute ausgefallen? (Bitte tabellarisch je Linie und Monat darstellen.)

Monat

Ausfälle

Linie 150

Fahrten

Linie 150

Ausfälle

Linie 250

Fahrten

Linie 250

01/2025

32

5.173

12

3.355

02/2025

40

4.684

29

3.048

03/2025

55

5.127

21

3.301

04/2025

24

4.948

22

3.260

05/2025

40

5.084

18

3.330

06/2025

86

4.936

44

3.236

07/2025

55

5.224

30

3.357

08/2025

58

5.135

36

3.282

09/2025

52

5.044

40

3.258

10/2025

31

5.132

27

3.330

11/2025

26

4.949

27

3.243

12/2025

15

5.071

9

3.300

  1. Aus welchen Gründen fielen die in vorheriger Frage benannten Fahrten aus? Bitte unterscheiden nach: – technischen Defekten, – Personalmangel, – Unfällen, – Verkehrsstörungen (Stau, Baustellen, Sperrungen), – und sonstigen Ursachen.

Eine Unterscheidung nach den gewünschten Kriterien ist datenseitig nicht möglich.

  1. Welche konkreten Massnahmen schlagen die Verkehrsunternehmen und die BVM speziell für diese beiden Linien vor, um eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 95 % zu erreichen?
  1. Welche davon sind innerhalb von 12 Monaten, in 1–3 Jahren oder erst nach 3 Jahren umsetzbar?
  1. Welche finanziellen und personellen Mittel wären dafür nötig – und sind diese bereits im Haushalt oder in der Finanzplanung vorgesehen?

Um eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 95% zu erreichen, müsste der Elbtunnel für die Busse mit der gleichen Zuverlässigkeit wie eine durchschnittliche Stadtstraße in Hamburg befahrbar sein. Dies ist bei realistischer Einschätzung aufgrund der Besonderheiten des Elbtunnels leider nicht zu erwarten.




Hilfreich wäre aus Sicht der Verkehrsunternehmen jedoch, wenn zu den Zeiten, in denen alle vier Röhren des Elbtunnels zur Verfügung stehen, die jeweils rechte Fahrspur von der Anschlussstelle Othmarschen bis zur Ausfahrt des Tunnels bzw. von Anschlussstelle Waltershof bis Anschlussstelle Othmarschen als Sonderspur ausschließlich für Busse und Einsatzfahrzeuge freigegeben würde. Die verbleibenden drei Fahrspuren je Richtung stünden dann weiterhin dem allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr zur Verfügung.

Im Übrigen siehe Stellungnahme der BVM vom 16.10.2025 zur Drs. 22-0957, in der die Verkehrsunternehmen zur Verbesserung der Betriebsstabilität einen Bussonderfahrstreifen im Verlauf des Finkenwerder Rings als sinnvoll erachten, „um im Falle von Rückstaueffekten nach Autobahnstörungen den Busverkehr nicht übermäßig zu behindern.“ Des Weiteren ist „hinsichtlich der Baustellensituation auf den Autobahnen A1 und A7 […] bekannt, dass der Bezirk keine direkte Einflussnahme in der Angelegenheit hat. Dennoch könnte es sinnvoll sein, das Thema politisch stärker gegenüber dem Bund bzw. der Autobahn GmbH zu adressieren. Denkbar wäre […] die Einrichtung temporärer Bedarfs-Busspuren auf dem Standstreifen zu prüfen – eine Lösung, die in anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich praktiziert wird.“

gez. Böhm


f.d.R. Leptien

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