Antrag der Volt-Fraktion: Hamburgs Suchthilfe gesamtstädtisch denken - Versorgungsstruktur, Verlagerungseffekte und Prävention transparent machen
Letzte Beratung: 13.10.2026 Hauptausschuss Ö 5.3
Ein wirksames Suchthilfesystem muss Menschen möglichst frühzeitig, wohnortnah und niedrigschwellig erreichen. Dazu bedarf es eines abgestimmten Netzes aus Prävention, Beratung, aufsuchender Arbeit, Überlebenshilfe, Drogenkonsumräumen, medizinischer Versorgung, Therapie, Wohnangeboten und Nachsorge. Dieses Netz schützt suchtkranke Menschen und entlastet zugleich das Umfeld, den öffentlichen Raum und die sozialen Sicherungssysteme.
Werden einzelne Angebote geschlossen, reduziert oder räumlich konzentriert, verschwinden die bestehenden Hilfebedarfe nicht. Vielmehr besteht die Gefahr, dass sich Nutzerinnen und Nutzer auf immer weniger Einrichtungen und Sozialräume beschränken müssen. Aus einem Netz unterschiedlich spezialisierter Hilfen droht so ein Nadelöhr aus wenigen, zunehmend belasteten Standorten zu werden. Die Folgen können längere Wege und Betreuungsabbrüche für die Betroffenen, eine Überlastung der Beschäftigten und eine stärkere Belastung der jeweiligen Nachbarschaften sein.
Diese grundsätzliche Frage stellt sich aktuell mit besonderer Dringlichkeit. In Altona sollen die niedrigschwellige Anlaufstelle „Palette“, die nach Angaben der Einrichtung täglich von 40 bis 70 Menschen genutzt wird, sowie das Wohn- und Überlebenshilfeangebot „Malteser Nordlicht“ mit zuletzt 26 Plätzen geschlossen werden. Hinsichtlich der „Palette“ verweist die Sozialbehörde insbesondere auf das „Stay Alive“ und das „Drob Inn“. Damit werden Hilfebedarfe jedoch zunächst auf bereits bestehende Einrichtungen und andere Sozialräume verwiesen. Hinzu kommen Veränderungen der Angebotsstruktur im Hamburger Umland, deren Auswirkungen auf das Hamburger Hilfesystem bislang nicht ausreichend transparent dargestellt werden.
Für Harburg ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Mit dem Abrigado trägt der Bezirk seit Jahrzehnten Verantwortung für einen wichtigen Baustein der niedrigschwelligen Hamburger Suchthilfe. Gleichzeitig zeigen die erheblichen Belastungen im Umfeld des derzeitigen Standortes, dass die räumliche Konzentration von Hilfebedarfen Grenzen hat. Harburg stellt sich dieser gesamtstädtischen Aufgabe seit vielen Jahren.
Der Bezirk kann und darf sie jedoch nicht stellvertretend für große Teile Hamburgs sowie große Gebiete des Umlandes allein tragen.
Die Hamburger Basisdatendokumentation für das Jahr 2024 erfasst 18.073 Betreuungen von 15.174 unterschiedlichen Personen. Zugleich zeigen sich Veränderungen bei den konsumierten Substanzen und den erreichten Personengruppen: Die Zahl der unter 25-Jährigen mit einer Opioidproblematik ist im Zehnjahresvergleich von 206 auf 398 gestiegen; auch die Zahl der erreichten Menschen mit einer Kokainproblematik hat kontinuierlich zugenommen. Diese Entwicklungen machen eine regelmäßige, differenzierte und möglichst bezirks- und standortbezogene Betrachtung notwendig.
Aus den öffentlich zugänglichen Daten lässt sich bislang nicht belastbar ableiten, in welchem Umfang Schließungen, Angebotsreduzierungen und veränderte Konsummuster zu Verlagerungen zwischen den Bezirken oder aus dem Umland nach Hamburg und insbesondere nach Harburg führen. Ebenso wenig ist ausreichend transparent, nach welchen fachlichen Kriterien Standorte geschlossen, ersetzt, erweitert oder neu geplant werden. Die Bezirksversammlung benötigt deshalb eine nachvollziehbare Datengrundlage und eine Darstellung der gesamtstädtischen Strategie.
Die Bezirksversammlung möge beschließen:
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