Antwort Kleine Anfrage der FDP-Fraktion betr.: HVV - Pünktlich in Harburg
Letzte Beratung: 17.01.2023 Hauptausschuss Ö 1.6
Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende nahm Stellung zu der Drucksache 21 – 2169: „HVV – Pünktlich in Harburg“. Der Antrag hatte zum Hintergrund die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der S- Bahn in Harburg zu stärken. Es wurde ein Überblick über die bisherigen Maßnahmen, um eine Auflistung von Verspätungen, den Störungsgründen und den bisherigen und geplanten Lösungsansätzen beantragt. Stoßrichtung des Antrags und dieser Anfrage ist ein zuverlässiger ÖPNV- Anschluss für Harburg.
Vor diesem Hintergrund frage ich die Verwaltung:
1. Welche Erkenntnisse sollen aus dem im Aufbau befindliche Pünktlichkeitsmonitoring resultieren? Wie können die Erkenntnisse zu einer verbesserten Situation beitragen?
2. Woraus resultieren Langsamfahrstellen und Signalstörungen? Welche Maßnahmen können dem entgegenwirken?
3. Welche Baumaßnahmen mit Auswirkung auf das Harburger Netzt sind kurz- und langfristig zu erwarten?
4. Welche Witterungsverhältnisse führen zu Störungen? Welche Maßnahmen wirken dem entgegen?
5. Woraus resultieren die Mängel an der Infrastruktur? Welche Maßnahmen sollen in welchem Zeitraum die Mängel beheben? Mit welchen Störungen ist bis dahin zu rechnen?
6. Wie wird die Störung durch den LKW-Brand bewertet?
7. Welche Erkenntnisse konnte der Runde Tisch „Qualität und Pünktlichkeit“ hervorbringen? Wie wurde mit den Erkenntnissen weiter verfahren?
8. Wo und in welchem Umfang wurden im Rahmen der kurzfristig wirksamen Maßnahme Zäune entlang der Gleisanlagen errichtet?
9. In welchem Maß werden erhöhte Ressourcen in die präventive Instandhaltung eingebracht?
10. Inwiefern wird die Fahrplanstabilität mit mehr Linien auf derselben Strecke Hauptbahnhof-Neugraben erhöht?
11. In welchem Umfang ist eine Ertüchtigung der Strecke Hauptbahnhof – Neugraben mit der Energieversorgung notwendig? In welchem Zeitraum ist mit einer Ertüchtigung zu rechnen?
BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG
Der Vorsitzende 29.11.2022
Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende nimmt Stellung nur Anfrage der FDP-Fraktion (Drs. 21-2463) wie folgt:
Das Ziel eines in Aufbau befindlichen webbasierten Pünktlichkeitsmonitorings (siehe Drucksache 22/5635) ist eine transparente und objektive sowie aktuelle Darstellung der Betriebsqualität der Schiene. Die Pünktlichkeits- und Zuverlässigkeitswerte werden nach einzelnen Linien und Monaten dokumentiert. Außerdem werden bei signifikanten Abweichungen die Gründe hierfür angegeben. Durch die Transparenz und Detailinformationen rücken die Kennzahlen auch zu den S-Bahn-Linien S3 und S31 stärker in den Fokus der Öffentlichkeit und können in Zeitreihen miteinander verglichen werden. Hieraus können ggf. Problempunkte (zeitlich, räumlich) und geeignete Maßnahmenfelder abgeleitet werden.
Zur Sicherstellung der Verfügbarkeit der Gleise führt die Deutsche Bahn (DB) Netz AG (DB Netz) als Infrastrukturbetreiberin fristgerechte Überprüfungen der Gleislagen und Gleisqualität mit Messzügen durch. Aus den Messergebnissen werden Mängel frühzeitig ersichtlich, sodass hieraus präventive Maßnahmen abgeleitet werden. Erfordert das ermittelte Schadbild sofortiges Handeln, ist die Höchstgeschwindigkeit durch die DB Netz bis zur Beseitigung der Mängel nach vorgegebenen Standards durch Einrichten einer Langsamfahrstelle zu reduzieren.
Signalstörungen können im Signal selbst, der Gleisfreimeldeanlage von Gleisen und Weichen sowie den Innenanlagen der Stellwerke im Bereich der Hard- und oder Software auftreten. Die zuständige DB Netz wartet die vorgenannten Signalanlagen nach gesetzlichen Vorgaben und Fristenplänen. Bei akuten Störungen von Signalanlagen hält die DB Netz mobile Bereitschaften rund um die Uhr vor, die schnellstmöglich eine Entstörung einleiten und umsetzen.
Aufgelistet werden nur Sperrungen, die über das Wochenende und die Abendstunden hinausgehen:
Im Zusammenhang mit dem Ausbau des Harburger Streckenastes werden in den folgenden Jahren weitere Streckensperrungen nötig sein, die jedoch noch nicht terminiert sind.
Witterungsbedingte Störungen können aufgrund von überdurchschnittlicher Hitze, Kälte, Nässe und Schnee eintreten. Trotz vorausschauender Planung und Instandhaltung sind insbesondere die Außenanlagen außerhalb der Tunnelanlagen extremen Temperaturunterschieden ausgesetzt. Darüber hinaus kann es auch in Folge von Sturmereignissen zu Einschränkungen auf der S-Bahn-Infrastruktur kommen. Durch präventive Rückschnittmaßnahmen entlang der S-Bahnstrecken konnten in den letzten Jahren Sturmschäden verringert werden.
In den Herbstmonaten sorgt herabfallendes Laub zusammen mit Nässe zu einer Schmierfilmbildung auf den Gleisen, was das Beschleunigen und Bremsen der S-Bahnzüge erschwert. Als Abhilfemaßnahme setzt die S-Bahn Hamburg von Oktober bis Dezember täglich einen Schienenreinigungszug ein. Im Winter führen Nässe, Kälte und Schnee insbesondere an Weichen zu Einschränkungen, sodass diese nicht ordnungsgemäß bedient werden können. Als Präventivmaßnahme werden Weichen hierzu grundsätzlich mit elektrischen Heizungen ausgerüstet.
Seit Inbetriebnahme der Strecke Hauptbahnhof – Neugraben im Jahr 1983 werden Gleise, Weichen und Signale auf diesem Abschnitt nach gesetzlichen Vorgaben und Verschleißabhängigen Regeln gewartet und erneuert.
Trotz guter Instandhaltung haben die Außen- und Innenanlagen der Signalanlagen in absehbarer Zeit das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Darüber hinaus ist aufgrund der hohen Nachfrage auf diesem Streckenabschnitt die Einführung einer weiteren S-Bahnlinie vorgesehen. Hierfür plant die DB Netz derzeit die umfassende Erweiterung und Erneuerung der Infrastruktur (Gleise, Weichen, Signale, Stellwerke, Energieversorgung). Bis zur Erneuerung dieser Anlagen werden Stabilisierungsmaßnahmen, wie ein präventiver Austausch störungsanfälliger Bauteile, Sonderinspektionen, etc. durchgeführt. Dies soll die Leistungsfähigkeit erhalten und gleichzeitig die Anzahl der Störungen minimieren.
Ein derartiger und äußerst seltener Störfall an einem neuralgischen Punkt im Streckennetz, der als Überlagerung von mehreren Einzelereignissen zu sehen ist, kann nicht eingeplant, aber eben auch nie gänzlich ausgeschlossen werden.
Die daraus notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen wurden von DB Netz durchgeführt. Gleichzeitig gab es geplant und baubedingt größere Einschränkungen auf der benachbarten Fernbahnstrecke, was die leistbare Kapazität deutlich einschränkte. Im Rahmen der Möglichkeiten wurde durch die Freie und Hansestadt (FHH), dem Hamburger Verkehrsverbund (hvv) und mehreren Verkehrsunternehmen in kurzer Zeit ein Ersatzangebot auf Schiene und Straße aufgebaut.
Um den Zuwachs im Schienenverkehr in und um Hamburg kurz- und langfristig zu bewältigen, muss die Bahninfrastruktur gezielt ertüchtigt und ausgebaut werden. Die Deutsche Bahn (DB) hat in der Vergangenheit mehrfach ihre langjährigen Qualitäts- und Pünktlichkeitsniveaus nicht einhalten können. Daher werden seit 2019 im Rahmen des Runden Tisches „Qualität und Pünktlichkeit“ verschiedene Maßnahmen und Programme sowie Finanzierungsunterstützungen entwickelt, um das Pünktlichkeits- und Qualitätsniveau deutlich zu steigern.
Die Implementierung einer verkehrsträgerübergreifenden Baustellenkoordinierung ist ein wesentliches Ergebnis gewesen.
Konkrete Maßnahmen der DB werden u.a. in den Antworten zu Fragen 8 und 9 dargestellt.
Insgesamt wurden entlang der Strecke von Hammerbrook nach Neugraben ca. 5 km Zaunanlagen sowie 17 Toranlagen an verschiedenen Stellen errichtet. Die Arbeiten wurden Anfang 2022 abgeschlossen.
Die S-Bahn Hamburg arbeitet kontinuierlich sehr eng mit der DB Netz zusammen. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Programme entwickelt, die eine höhere Verfügbarkeit der Schieneninfrastruktur ermöglichen (u.a. Sonderprogramme für den Bereich der Leit- und Sicherungstechnik sowie im Bereich der Energieversorgung). Gleichzeitig werden die Schienen proaktiv bis zu zweimal im Jahr gefräst und geschliffen, um den Anlagenzustand zu verbessern. Das Volumen der präventiven Instandhaltung liegt bei mehreren Millionen Euro. Im Jahr 2022 konnte ein zusätzliches Sonderbudget in Höhe von 2 Millionen Euro allokiert werden. Diese Mittel werden in die Stabilisierung der Signaltechnik sowie die Stromversorgung investiert. An der Strecke von Neugraben bis Stade wurde beispielsweise die Teilerneuerung von Bahnübergängen fortgesetzt, sodass die Störungsursachen abgestellt wurden. Für die Jahre ab 2023 wurde die Initiative „Starke S-Bahn“ gegründet, an der die S-Bahn Hamburg, DB Netz und DB Station&Service AG gemeinsam arbeiten. Dieses Programm ist mit zusätzlichen Instandhaltungsmitteln in Höhe von 3,5 Millionen Euro ausgestattet. Im Fokus dieses Programms stehen präventive Oberbaumaßnahmen, so dass Fehlerbilder in den Schienen frühzeitiger bearbeitet und Langsamfahrstellen vermieden werden können. Weitere Mittel werden in die 50Hz-Versorgung sowie in Aufräum- und Reinigungsarbeiten an der Strecke und am Bahnhof investiert.
Grundlage für die Einführung einer dritten S-Bahn Linie auf der Strecke Hamburger Hauptbahnhof – Neugraben ist der Ausbau und die Ertüchtigung der Infrastruktur. Durch den Bau eines neuen elektronischen Stellwerks, zusätzlicher Weichen und Signale sowie dem Ausbau der Energieversorgung kann ein stabiler S-Bahnbetrieb mit drei Linien gewährleistet werden. Ab Dezember 2023 tritt das neue Liniennetz der S-Bahn Hamburg in Kraft, was zu einer höheren betrieblichen Stabilität führen wird und perspektivisch den Hamburg-Takt sowie die Einführung der S4 und eben der dritten Linie auf dem Harburger Ast ermöglichen wird.
Die Maßnahme „Neues S-Bahn Liniennetz“ wird dem Bezirk Harburg auch nochmals gesondert durch die S-Bahn Hamburg GmbH vorgesellt.
Die Ertüchtigung der Energieversorgung auf der Strecke Hamburger Hauptbahnhof – Neugraben umfasst die Errichtung vier neuer Gleichrichterwerke entlang dieses Abschnitts. Der Bau der Gleichrichterwerke soll mit Inbetriebnahme der dritten Linie auf dem Harburger Ast erfolgen.
Gez. Heimath
F.d.R. Martens
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