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Rekordhitze in Hamburg-Nord – wie gut schützt das Land Bevölkerung, Natur und Infrastruktur? Anfrage gem. § 27 BezVG

Anfrage nach § 27 BezVG

Sachverhalt

Der Juni 2026 war nach Angaben des europäischen Klimawandeldienstes Copernicus der heißeste jemals gemessene Juni in Westeuropa. Auch Hamburg-Nord war von der außergewöhnlichen Hitzeperiode betroffen. An der Wetterstation Hamburg-Fuhlsbüttel wurden am 27. Juni 2026 39,1 Grad Celsius gemessen. In anderen Teilen des Stadtgebietes wurden sogar noch höhere Temperaturen registriert.

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts starben bundesweit bis 23.8.2026 etwa 16.300 Menschen infolge der Hitze [1]. Allein in Folge der besonders heißen Woche vom 22. bis 28. Juni 2026 wurden rund 9.600 hitzebedingte Todesfälle geschätzt. 75 Prozent der Toten waren älter als 75 Jahre.

Hamburg-Nord trägt eine besondere Verantwortung hinsichtlich medizinischer Notlagen. Im Bezirk befinden sich mehrere große Krankenhäuser. Hinzu kommen wie überall zahlreiche Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Schulen, Kindertagesstätten und Senior*innenwohnanlagen. Mit dem Friedhof Ohlsdorf befindet sich außerdem eine zentrale Einrichtung des Hamburger Bestattungswesens im Bezirk.

Extreme Hitze ist kein unerwartetes Ereignis mehr. Politik und Behörden werden seit Jahren vor den gesundheitlichen Folgen zunehmender Hitzeperioden gewarnt. Zu klären ist daher, welche konkreten und messbaren Maßnahmen zum Hitzeschutz im Bezirk Hamburg-Nord seit früheren Hitzesommern tatsächlich umgesetzt hat, welche Erfolge erzielt wurden und ob diese in der jüngsten Hitzeperiode bereits Wirkung zeigten.

Hamburg hat im Januar 2025 einen Hitzeaktionsplan [2] veröffentlicht, der aber bisher nicht mit einer eigenständigen Finanzierung versehen wurde. Zur Rolle der Bezirksämter heißt es dort, dass diese insbesondere in ihren jeweiligen Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepten das Thema Hitze bearbeiten sollen. Daneben heißt es bezogen auf den Hitzeaktionsplan:

„Als Rahmenplan sieht er die Mitwirkung der Bezirksämter an den vorgeschlagenen Maßnahmen sowie die Prüfung der Forderung von weitergehenden, bezirkseigenen Maßnahmen zum hitzebezogenen Gesundheitsschutz vor. In Bezug auf die weitere Entwicklung und Umsetzung der Maßnahmen kommt den Bezirksämtern eine aktive und mitwirkende Rolle zu.

(…)

Der Hamburger HAP bietet als Rahmenplan eine orientierende und unterstützende Grundlage, ebenso fördert und berät die koordinierende Stelle die Bezirksämter bei der Wahrnehmung dieser Aufgabe.“

Der federführenden Sozialbehörde kommt also die Rolle zu, den Hitzeaktionsplan weiterzuentwickeln, wozu sie die Bezirke beteiligt und unterstützt. Sie hält die Fäden in der Hand.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die zuständige Sozialbehörde:

I. Allgemeine Umsetzung des Hitzeaktionsplans (HAP) in der Hitzeperiode Juni 2026

  1. Welche Maßnahmen des Hamburger Hitzeaktionsplans waren oder wurden während der Hitzeperiode im Juni 2026 konkret aktiviert? Bitte jeweils Zeitpunkt, verantwortliche Dienststelle, angesprochene Zielgruppen und Art der Maßnahme angeben.
  2. Welche Einrichtungen im Bezirk Nord wurden aktiv zur bevorstehenden Hitzelage kontaktiert, insbesondere Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Senior*innentreffs, Schulen, Kitas, Wohnungsunternehmen und Einrichtungen der Obdachlosenhilfe?
  3. Wie und zu welchen Zeitpunkten erfolgten diese Informationen?
  4. Gingen Rückmeldungen über Belastungen, Versorgungsprobleme oder fehlende Schutzmöglichkeiten beim Bezirksamt ein?

Bitte ggf. zusammenfassend benennen.

  1. Wurde während der Hitzeperiode ein Lagebild erstellt oder eine koordinierende Arbeitsstruktur aktiviert?
    1. Falls ja: Wer nahm daran teil, in welchem Rhythmus wurde die Lage bewertet und welche konkreten Entscheidungen wurden getroffen?
    2. Falls nein: Weshalb wurde bei einer außergewöhnlichen und frühzeitig vorhergesagten Hitzelage kein bezirkliches Lagebild erstellt?
  2. Welche im Hamburger Hitzeaktionsplan vorgesehenen Maßnahmen konnten nicht, verspätet oder nur teilweise umgesetzt werden? Aus welchen Gründen?
  3. Gab es auch Sicht der Sozialbehörde durch den Hamburger Hitzeaktionsplan bereits konkrete Verbesserungen verglichen mit früheren Hitzewellen? Bitte ggf. benennen, welche.
  4. Anhand welcher messbarer Kriterien beurteilt die Sozialbehörde, ob die Umsetzung des Hitzeaktionsplans erfolgreich verlief?
  5. Wurde Defizite im Hitzeschutz erst während der Hitzeperiode im Juni 2026 sichtbar?
  6. Ist die Sozialbehörde der Auffassung, dass Hamburg im Juni 2026 sowie in Zukunft bereits besser auf extreme Hitze vorbereitet ist als in früheren Jahren?
  7. Falls ja: Welche konkreten Maßnahmen und messbaren Erfolge belegen diese Einschätzung?
  8. Falls nein: Welche erheblichen Defizite bestehen weiterhin, worin liegen die Ursachen hierfür und bis wann sollen diese Defizite beseitigt werden?

II. Krankenhäuser und gesundheitliche Folgen

  1. Liegen Erkenntnisse über die Belastung folgender Einrichtungen während der Hitzewelle vor:

- Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

- Asklepios Klinik Barmbek

- Asklepios Klinik Nord, Standort Heidberg

- Asklepios Klinik Nord, Standort Ochsenzoll

- Israelitisches Krankenhaus

- Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf

- Katholisches Marienkrankenhaus

  1. Wurde ein Anstieg von Behandlungen aufgrund von Hitzschlag, Dehydrierung, Kreislaufproblemen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen oder hitzebedingten neurologischen Beschwerden festgestellt?
  2. Gab es Hinweise auf außergewöhnliche Belastungen der Rettungsdienste, Notaufnahmen, verlängerte Wartezeiten oder Kapazitätsengpässe?
  3. Welche Erkenntnisse liegen über die Hitzebelastung in nicht oder nur teilweise klimatisierten Patient*innenzimmern, Wartebereichen und Personalräumen vor?
  4. Wurden Beschwerden von Patient*innen oder Beschäftigten über unzumutbare Temperaturen bekannt?
  5. Welche Krankenhäuser verfügen nach Kenntnis der Sozialbehörde über verbindliche Hitzeaktionspläne?
  6. Gab es anlässlich der Hitzeperiode einen Informationsaustausch zwischen Sozialbehörde, Bezirksamt/Gesundheitsamt, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Rettungsdiensten? Falls nein: Weshalb nicht?

III. Schulen und Kindertagesstätten

  1. Besonders wegen des Rechtsanspruchs auf Betreuung halten sich Kinder inzwischen auch zu den heißesten Zeinten des Tages am späten Nachmittag in Schule und Kitas auf.
  2. Wie viele staatliche Schulen und wieviele Kitas im Bezirk Nord verfügen über klimatisierte Räume?
  3. Welche Beschwerden oder Schadensmeldungen gingen während der Hitzewelle ein?
  4. Welche Maßnahmen sind geplant, um die Hitzebelastung in Schulen und Kitas künftig zu reduzieren?

IV. Schutz von Senior*innen

  1. Was hat die Sozialbehörde bisher unternommen, um den Schutz der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe der Senior*innen zu verbessern?
  2. Wurde mittlerweile das Konzept des „Hamburger Hausbesuchs“, bei dem Senior*innen gezielt persönlich kontaktiert und aufgesucht werden, hinsichtlich des Themas Hitze weiterentwickelt? Falls ja, wie, falls nein, wann ist dies geplant?
  3. Welche Pflegeheime, Senior*innenheime oder Senior*innentreffs in HH-Nord verfügen nach Kenntnis der Sozialbehörde über klimatisierte oder kühle Räume oder verbindliche Hitzeaktionspläne?

V. Öffentlich rechtliche Unterbringung und Erstaufnahmen

  1. Welche Maßnahmen wurden für Bewohner*innen von öffentlich rechtlichen Unterkümnften und Erstaufnahmen, insbesondere im Bezirk Nord, zum Schutz vor der starken Hitze getroffen?
  2. Wurden dort lebende Eltern ausreichend über die Folgen von Überhitzung von Kindern gewarnt?
  3. Welche Möglichkeiten gibt es für Bewohner*innen zu kühlende und andere Lebensmittel zu lagern?
  4. Gab es gesundheitliche Probleme in den Räumen der Bewohner*innen, die auf die hohen Temperaturen zurückzuführen sein können?

VI. Übersterblichkeit

Die hamburgischen Standesämter geben Sterbefallzahlen an Bundeseinrichtungen wie das Statistische Bundesamt und das Robert-Koch-Institut weiter, die daraus teils auf dem Wege der Schätzung Übersterblichkeiten aufgrund besonderer Ereignisse (hier: Hitze) ermitteln. Laut Statistischem Bundesamt sollen erste vergleichbare Ergebnisse der Sterbefälle je Bundesland nach vier Wochen vorliegen.

  1. Liegen dem Bezirksamt Erkenntnisse zur Zahl der Sterbefälle in Hamburg und im Bezirk Nord während der Hitzewelle vor?
  2. Sind bereits alle Sterbefälle aus Juni 2026 im System erfasst oder gibt es einen Rückstand? (bitte ggf. beziffern)
  3. Wie viele Sterbefälle wurden im Juni 2026 insgesamt in Hamburg und im Bezirk Nord registriert?
  4. Wie viele Sterbefälle entfielen auf die Kalenderwoche 26 (22. bis 28. Juni 2026)?
  5. Wie verhalten sich diese Zahlen zu den entsprechenden Vergleichszeiträumen der Jahre 2021 bis 2025 und zu deren Durchschnitt? Bitte nötigenfalls den zur Beantwortung geeignetsten Vergleichszeitraum selbst festlegen und benennen.
  6. Wurde eine mögliche Übersterblichkeit in Hamburg und im Bezirk Nord gezielt untersucht? Falls nein: Weshalb nicht?

VII. Friedhof Ohlsdorf und Bestattungswesen

  1. Wie entwickelte sich während und nach der Hitzeperiode die Zahl der auf dem Friedhof Ohlsdorf zur Einäscherung, Kühlung oder Bestattung übernommenen Verstorbenen im Vergleich zu den entsprechenden Zeiträumen der vergangenen zehn Jahre?
  2. Kam es dabei zu einer außergewöhnlichen Auslastung der Kühl-, Aufbahrungs-, Kremations- oder sonstigen betrieblichen Kapazitäten?
  3. Waren die verfügbaren Kühlkapazitäten für Verstorbene während der gesamten Hitzeperiode ausreichend?
  4. Mussten zusätzliche Kühlkapazitäten, veränderte Betriebsabläufe, verlängerte Betriebszeiten oder andere besondere Maßnahmen eingerichtet beziehungsweise vorbereitet werden?
  5. Welche Notfall- oder Vorsorgeplanungen bestehen für den Fall eines kurzfristigen erheblichen Anstiegs der Zahl aufzunehmender Verstorbener?
  6. Wann wurden diese Planungen zuletzt überprüft oder praktisch erprobt?

VIII. Natur, Gewässer und Stadtgrün

  1. Sind bereits Auswirkungen der Hitzewelle auf Alster, Alsterkanäle und andere Gewässer im Bezirk bekannt (z.B. stark erhöhte Wassertemperaturen, Sauerstoffmangel oder Fischsterben)?
  2. Welche Erkenntnisse liegen zu Auswirkungen auf Wasservögel und andere Tierarten vor?
  3. Wie viele Bäume (Straßenbäume und Bäume in Grünanlagen) gingen seit 2022 in Hamburg und im Bezirk Nord mutmaßlich infolge von Trockenstress oder Hitzeschäden verloren? Hat sich die Zahl der so verloren gegangenen Bäume gegenüber früheren Jahrzehnten erhöht?

IX. Trinkwasser und öffentliche Infrastruktur

  1. Wie viele öffentliche Trinkwasserbrunnen existieren im Bezirk, aufgeschlüsselt nach Stadtteilen?
  2. Welche dieser Brunnen waren während der Hitzewelle tatsächlich in Betrieb?
  3. In welchen Stadtteilen bestehen keine wohnortnahen Trinkwassermöglichkeiten?
  4. Hält die Sozialbehörde die derzeitige Versorgung mit öffentlichen Trinkwasserbrunnen angesichts zunehmender Hitzeereignisse für ausreichend?
  5. Welche zusätzlichen Standorte im Bezirk Nord sind geplant?

X. Kühle-Orte-Karte

Im HAP heißt es unter anderem:

„Die neu erarbeitete Kühle-Orte-Karte für Hamburg (https://t1p.de/mhv7o) beinhaltet Angaben zu kostenfreien Trinkwassermöglichkeiten, kühlen Orten im Freien, im Innenbereich und am Wasser.“

Die verlinkte Karte bietet lediglich eine Sammlung bereits vorhandener, nicht weiter aufbereiteter Informationen zu Grünanlagen und Trinkwasserspendern in der Stadt. Auch Sportplätze, die bei hoher Sonneneinstrahlung wirklich nicht kühl sind, sind verzeichnet – nicht aber kühle Innenräume wie bspw. Kirchen, Museen, Verwaltungsgebäude oder andere.

  1. Warum sind in der Kühle-Orte-Karte anders als angekündigt keinerlei kühle Innenräume verzeichnet?
  2. Warum sind stattdessen besonders hitzeanfällige Orte wie Sportplätze verzeichnet?
  3. Was hat die Sozialbehörde unternommen, um mit städtischen, anderweitig behördlichen oder privaten Eigentümer*innen eine Aufnahme kühler Innenräume in die Karte zu vereinbaren bzw. bis wann soll dies erfolgen?

XI. Weiterentwicklung des Hitzeaktionsplans

  1. Welche Aktivitäten zur Weiterentwicklung des HAP haben seit dessen Veröffentlichung Anfang 2025 stattgefunden? Bitte kurz zusammenfassen.
  2. Wie sehen die Pläne zur weiteren Fortschreibung aus, insbesondere was die Unterstützung der Bezirksämter angeht?
  3. Wurden diese Aktivitäten aufgrund der Hitzeperiode im Sommer 2026 verändert oder ist dies geplant?

XII. Finanzierung

Praktisch alle Maßnahmen, die der HAP vorsieht, sind mit dem Einsatz -zusätzlicher- Ressourcen in Form von Personal oder Geld verbunden. Im HAP heißt es zum Thema:

“Ein Hitzeaktionsplan erfordert Ressourcen

Die Umsetzung des hitzebezogenen Gesundheitsschutzes im Sinne des HAP und die vollumfängliche Realisierung und Fortschreibung der Maßnahmen erfordert finanzielle Mittel. Die Implementierung einiger Maßnahmen ist ebenso mit Kosten verbunden wie die Anpassung bzw. der Aufbau von verwaltungsseitigen Strukturen.“

  1. Was hat die Sozialbehörde unternommen, um Gelder einzuwerben oder anderweitig vor allem die Bezirksämter in die Lage zu versetzen, die vielfältigen Aufgaben im Zusammenhang mit dem HAP wahrnehmen zu können?
  2. Gibt es Überlegungen, im Haushalt 2027/28 der FuHH für Maßnahmen des HAP Gelder zu hinterlegen? Bitte beschreiben.

Bezirksabgeordnete Daniela Clément, Christoph Reiffert, Marcel Bulawa, Katharina Fischer-Zernin, Sidney Gregor-Wielan, Nadja Grichisch, Katrin Hofmann, Dr. Anıl Kaputanoğlu, Timo B. Kranz, Azra Kültür, Isabel Permien, Angelina Platz, Carsten Redlich, Thorsten Schmidt, Nergis Zarifi

[1]

https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html - abgerufen am 7.9.2026

[2] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/sozialbehoerde/themen/gesundheit/gesundheitsfoerderung/hitzeschutz/hitzeaktionsplan-hamburg-1061706

Lokalisation Beta
Heidberg Friedhof Ohlsdorf Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Asklepios Klinik Barmbek Israelitisches Krankenhaus Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf

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Themen Beta
Grün, Parks & BäumeSoziales & Gesundheit

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