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Rekordhitze in Hamburg-Nord - wie gut werden Bevölkerung, Natur und Infrastruktur geschützt? Große Anfrage gem. § 24 BezVG der GRÜNE Fraktion

Große Anfrage nach § 24 BezVG

Sachverhalt

Der Juni 2026 war nach Angaben des europäischen Klimawandeldienstes Copernicus der heißeste jemals gemessene Juni in Westeuropa. Auch Hamburg-Nord war von der außergewöhnlichen Hitzeperiode betroffen. An der Wetterstation Hamburg-Fuhlsbüttel wurden am 27. Juni 2026 39,1 Grad Celsius gemessen. In anderen Teilen des Stadtgebietes wurden sogarnoch höhere Temperaturen registriert.

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts starben bundesweit bis Ende Juni 2026 rund 5.120 Menschen infolge der Hitze. Allein für die besonders heißen Woche vom 22. bis 28. Juni 2026 wurden rund 4.310 hitzebedingte Todesfälle geschätzt. Mehr als 80 Prozent der Toten waren älter als 75 Jahre.

Hamburg-Nord trägt eine besondere Verantwortung hinsichtlich medizinischer Notlagen. Im Bezirk befinden sich mehrere große Krankenhäuser. Hinzu kommen wie überall zahlreiche Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Schulen, Kindertagesstätten und Senior*innenwohnanlagen. Mit dem Friedhof Ohlsdorf befindet sich außerdem eine zentrale Einrichtung des Hamburger Bestattungswesens im Bezirk.

Extreme Hitze ist kein unerwartetes Ereignis mehr. Politik und Behörden werden seit Jahren vor den gesundheitlichen Folgen zunehmender Hitzeperioden gewarnt. Zu klären ist daher, welche konkreten und messbaren Maßnahmen zum Hitzeschutz das Bezirksamt Hamburg-Nord seit früheren Hitzesommern tatsächlich umgesetzt hat, welche Erfolge erzielt wurden und ob diese in der jüngsten Hitzeperiode bereits Wirkung zeigten.

Hamburg hat im Januar 2025 einen Hitzeaktionsplan [1] veröffentlicht, der aber bisher nicht mit einer eigenständigen Finanzierung versehen wurde. Zur Rolle der Bezirksämter heißt es dort, dass diese insbesondere in ihren jeweiligen Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepten das Thema Hitze bearbeiten sollen. Daneben heißt es bezogen auf den Hitzeaktionsplan:

Als Rahmenplan sieht er die Mitwirkung der Bezirksämter an den vorgeschlagenen Maßnahmen sowie die Prüfung der Forderung von weitergehenden, bezirkseigenen Maßnahmen zum hitzebezogenen Gesundheitsschutz vor. In Bezug auf die weitere Entwicklung und Umsetzung der Maßnahmen kommt den Bezirksämtern eine aktive und mitwirkende Rolle zu.

Analog zur allgemeinen Anpassung an den Klimawandel sind auch beim hitzebezogenen Gesundheitsschutz typische Herausforderungen zu beobachten, die in allen Bezirken in ähnlicher Weise bewältigt werden müssen. In Anbetracht der räumlich differierenden Hitzebelastung im urbanen Raum (…) sowie der variierenden Hitzebetroffenheit der einzelnen Bezirke (…) steht jeder Bezirk vor der Aufgabe, ein optimales, „bezirkseigenes” Set an Aktivitäten und Maßnahmen zu definieren, um die jeweiligen Bürgerinnen und Bürger bestmöglich vor den Gesundheitsrisiken durch Hitze zu schützen.“

Vor diesem Hintergrund fragen wir das Bezirksamt:

I. Umsetzung des Hamburger Hitzeaktionsplans in Hamburg-Nord

  1. Welche konkreten Aufgaben und Zuständigkeiten leitet das Bezirksamt Hamburg-Nord und insbesondere das bezirkliche Gesundheitsamt aus dem im Januar 2025 beschlossenen Hitzeaktionsplan Hamburg für sich ab?

Bitte ggf. nach kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen differenzieren.

  1. Verfügt das Bezirksamt über einen eigenen bezirklichen - formellen oder informellen - Umsetzungs-, Maßnahmen- oder Einsatzplan zur Durchführung des Hitzeaktionsplans Hamburg?
    1. Falls ja: Bitte verlinken oder beifügen. Wann wurde dieser beschlossen, welche Dienststellen und externen Einrichtungen sind darin einbezogen und welche konkreten Maßnahmen werden bei den jeweiligen Hitzewarnstufen ausgelöst?
    2. Falls nein: Wie stellt das Bezirksamt sicher, dass gesamtstädtische Vorgaben im Bezirk verbindlich, koordiniert und rechtzeitig umgesetzt werden?
  2. Welche Maßnahmen des Hamburger Hitzeaktionsplans waren oder wurden im Bezirk Hamburg-Nord während der Hitzeperiode im Juni 2026 konkret aktiviert? Bitte jeweils Zeitpunkt, verantwortliche Dienststelle, angesprochene Zielgruppen und Art der Maßnahme angeben.
  3. Welche öffentlichen Gebäude im Bezirk können als hle Räume genutzt werden?
  4. Wurden solche Einrichtungen - sofern vorhanden - aktiv beworben?
  5. Welche Einrichtungen im Bezirk wurden durch das Bezirksamt oder das Gesundheitsamt aktiv zur bevorstehenden Hitzelage kontaktiert, insbesondere Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Senior*innentreffs, Schulen, Kitas, Wohnungsunternehmen und Einrichtungen der Obdachlosenhilfe?
  6. Wie und zu welchen Zeitpunkten erfolgten diese Informationen?
  7. Gingen Rückmeldungen über Belastungen, Versorgungsprobleme oder fehlende Schutzmöglichkeiten beim Bezirksamt ein?

Bitte ggf. zusammenfassend benennen.

  1. Wurde während der Hitzeperiode ein bezirkliches Lagebild erstellt oder eine koordinierende Arbeitsstruktur aktiviert?
    1. Falls ja: Wer nahm daran teil, in welchem Rhythmus wurde die Lage bewertet und welche konkreten Entscheidungen wurden getroffen?
    2. Falls nein: Weshalb wurde bei einer außergewöhnlichen und frühzeitig vorhergesagten Hitzelage kein bezirkliches Lagebild erstellt?
  2. Welche im Hamburger Hitzeaktionsplan vorgesehenen Maßnahmen in bezirklicher Zuständigkeit gemäß Punkt 1 konnten in Hamburg-Nord nicht, verspätet oder nur teilweise umgesetzt werden? Aus welchen Gründen?
  3. Gab es auch Sicht des Bezirksamts durch den Hamburger Hitzeaktionsplan bereits konkrete Verbesserungen verglichen mit früheren Hitzewellen? Bitte ggf. benennen, welche.
  4. Anhand welcher messbarer Kriterien beurteilt das Bezirksamt, ob die Umsetzung des Hitzeaktionsplans im Bezirk erfolgreich verlief?
  5. Wurde Defizite im Hitzeschutz erst während der Hitzeperiode im Juni 2026 sichtbar?
  6. Ist das Bezirksamt der Auffassung, dass Hamburg-Nord im Juni 2026 sowie in Zukunft bereits besser auf extreme Hitze vorbereitet ist als in früheren Jahren?
  7. Falls ja: Welche konkreten Maßnahmen und messbaren Erfolge belegen diese Einschätzung?
  8. Falls nein: Welche erheblichen Defizite bestehen weiterhin, worin liegen die Ursachen hierfür und bis wann sollen diese Defizite beseitigt werden?

II. Krankenhäuser und gesundheitliche Folgen

  1. Liegen dem Bezirksamt Erkenntnisse über die Belastung folgender Einrichtungen während der Hitzewelle vor:

- Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

- Asklepios Klinik Barmbek

- Asklepios Klinik Nord, Standort Heidberg

- Asklepios Klinik Nord, Standort Ochsenzoll

- Israelitisches Krankenhaus

- Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf

- Katholisches Marienkrankenhaus

  1. Wurde ein Anstieg von Behandlungen aufgrund von Hitzschlag, Dehydrierung, Kreislaufproblemen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen oder hitzebedingten neurologischen Beschwerden festgestellt?
  2. Gab es Hinweise auf außergewöhnliche Belastungen der Rettungsdienste, Notaufnahmen, verlängerte Wartezeiten oder Kapazitätsengpässe?
  3. Welche Erkenntnisse liegen über die Hitzebelastung in nicht oder nur teilweise klimatisierten Patient*innenzimmern, Wartebereichen und Personalräumen vor?
  4. Wurden dem Bezirksamt Beschwerden von Patient*innen oder Beschäftigten über unzumutbare Temperaturen bekannt?
  5. Welche Krankenhäuser verfügen nach Kenntnis des Bezirksamtes über verbindliche Hitzeaktionspläne?
  6. Gab es anlässlich der Hitzeperiode einen Informationsaustausch zwischen Bezirksamt/Gesundheitsamt, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Rettungsdiensten? Falls nein: Weshalb nicht?

III. Übersterblichkeit

  1. Liegen dem Bezirksamt Erkenntnisse zur Zahl der Sterbefälle im Bezirk während der Hitzewelle vor?
  2. Sind bereits alle Sterbefälle aus Juni 2026 im System erfasst oder gibt es einen Rückstand? (bitte ggf. beziffern)
  3. Wie viele Sterbefälle wurden im Juni 2026 insgesamt in Hamburg-Nord registriert?
  4. Wie viele Sterbefälle entfielen auf die Kalenderwoche 26 (22. bis 28. Juni 2026)?
  5. Wie verhalten sich diese Zahlen zu den entsprechenden Vergleichszeiträumen der Jahre 2021 bis 2025 und zu deren Durchschnitt? Bitte nötigenfalls den zur Beantwortung geeignetsten Vergleichszeitraum selbst festlegen und benennen.
  6. Wurde eine mögliche Übersterblichkeit im Bezirk gezielt untersucht? Falls nein: Weshalb nicht?

IV. Pflegeeinrichtungen und einzelne sowie vulnerabler Gruppen

  1. Wie viele Pflegeeinrichtungen im Bezirk verfügen über klimatisierte Bewohner*innenzimmer oder Gemeinschaftsbereiche?
  2. Welche Erkenntnisse liegen über hitzebedingte Vorfälle in Pflegeeinrichtungen vor?
  3. Welche Senior*innentreffs, Begegnungsstätten oder sozialen Einrichtungen wurden in die Hitzevorsorge einbezogen?
  4. Wurden im Rahmen bezirklicher Zuständigkeiten Maßnahmen ergriffen, um Sporttreibende auf bezirklichen Anlagen zu schützen oder zu informieren? Welche waren dies?
  5. Das Bezirksamt wollte aufgrund der Diskussion zum Hitzeaktionsplan im Sozialausschuss SIIGK (Ende 2025, [2]) das Thema der Ansprache überwiegend nicht-deutschsprachiger Gemeinschaften im Bezirk nochmals prüfen. Was war das Ergebnis dieser Prüfung? Wie wird sichergestellt, dass auch diese Menschen gut informiert werden?

V. Natur, Gewässer und Stadtgrün

  1. Sind bereits Auswirkungen der Hitzewelle auf Alster, Alsterkanäle und andere Gewässer im Bezirk bekannt (z.B. stark erhöhte Wassertemperaturen, Sauerstoffmangel oder Fischsterben)?
  2. Welche Erkenntnisse liegen zu Auswirkungen auf Wasservögel und andere Tierarten vor?
  3. Wie viele Bäume (Straßenbäume und Bäume in Grünanlagen) gingen seit 2022 mutmaßlich infolge von Trockenstress oder Hitzeschäden verloren? Hat sich die Zahl der so verloren gegangenen Bäume gegenüber früheren Jahrzehnten erhöht?

VI. Denkmalschutz und Kühlung

  1. Wie viele Anträge auf Wärmepumpen oder andere Kühltechnologien in denkmalgeschützten Gebäuden wurden seit 2022 gestellt?
  2. Wie viele Anträge wurden genehmigt, teilweise genehmigt oder abgelehnt?
  3. Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um Eigentümer*innen denkmalgeschützter Gebäude den Einbau moderner, auch zur Kühlung geeigneter Systeme zu erleichtern inklusive Solarpaneele, die Strom für den Betrieb kühlender Geräte durch Solarenergie gewinnen?

Wir bitten um eine detaillierte Stellungnahme zu diesen Fragen und danken Ihnen für die Bearbeitung.

Dr. Bettina Schomburg

Bezirksamtsleitung

Anhänge

[1]

https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/sozialbehoerde/themen/gesundheit/gesundheitsfoerderung/hitzeschutz/hitzeaktionsplan-hamburg-1061706

[2] http://sitzungsdienst-hamburg-nord.hamburg.de/bi/to010.asp?SILFDNR=1003125

Lokalisation Beta
Heidberg Durchschnitt Fuhlsbüttel Bahn-Landwirtschaft Bezirk Hamburg e.V.

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