22-2720

Mittelverteilung und drastische Mittelkürzungen der „Sozialräumlichen Integrationsnetzwerke (SIN)“ im Bezirk Eimsbüttel

Kleine Anfrage gem. § 24 BezVG

Sachverhalt

Kleine Anfrage nach § 24 BezVG des Mitglieds der Bezirksversammlung Eimsbüttel, Jörg Pillatzke (AfD-Fraktion)
Titel: Mittelverteilung und drastische Mittelkürzungen der „Sozialräumlichen Integrationsnetzwerke (SIN)“ im Bezirk Eimsbüttel
Fortlaufende. Nr.: 22-242

Eingangsdatum: 25.09.2026
Datum der Antwort: 09.10.2026

Das Bezirksamt Eimsbüttel beantwortet die Kleine Anfrage wie folgt:

Sachverhalt:

Die städtischen Fördergelder für Sozialräumliche Integrationsnetzwerke (SIN) sichern existenzielle Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien, insbesondere im direkten Wohnumfeld von Unterkünften für „Flüchtlinge“. Sie dienen als Brücke in die Regelsysteme (wie Kitas und Schulen) und stabilisieren das soziale Gefüge in den Stadtteilen.

Für das Haushaltsjahr 2025 wurden dem Bezirksamt Eimsbüttel insgesamt 1.082.126 Euro für SIN-Projekte zugewiesen. Ein Großteil davon, nämlich 634.595 Euro, stammte jedoch aus sogenannten befristeten „Mehrbedarfen“. Nach aktuellen Planungen fallen diese Sonderbudgets ab 2026 komplett weg. Dem Bezirk bleiben regulär nur noch 447.531 Euro plus ein befristeter Zuschuss von 139.050 Euro für verbleibende „Kinderfreundliche Räume“. Das bedeutet einen Netto-Verlust von rund einer halben Million Euro für die soziale Infrastruktur in Eimsbüttel. Viele bewährte freizeitpädagogische Projekte und Beratungsangebote stehen vor dem plötzlichen Aus.

Vor diesem Hintergrund haben wir folgende Fragen an die Verwaltung:

  1. Genaue Mittelzuweisung 2025/2026:
    Wie hoch waren die dem Bezirk Eimsbüttel tatsächlich zur Verfügung gestellten SIN-Gesamtmittel im Jahr 2025 und wie hoch fallen diese nach aktuellem Planungsstand für die Jahre 2026 und 2027 aus (bitte aufschlüsseln nach regulären Rahmenzuweisungen und befristeten Mehrbedarfen)?

Dem Bezirksamt Eimsbüttel stehen folgende SIN-Mittel für die Jahre 2025, 2026 und 2027 zur Verfügung:

Jahr

Reguläre SIN-Mittel

Sog. flüchtlingsbedingte Mehrbedarfe

zzgl. zweckgebundene Mittel für sog. Kinderfreundliche Räume

Gesamt

2025

447.531€

634.595€

0€ (die dafür vorgesehenen Mittel waren bis 2025 in den „Mehrbedarfen“ enthalten)

1.082.126€

2026

460.957€

307.216€

139.050€

907.223€

2027

460.957€

0€

143.222€

604.179€

  1. Genaue Mittelverwendung und Träger:
    An welche konkreten Projekte, Initiativen, Institutionen und freien Träger im Bezirk Eimsbüttel (insbesondere in den Stadtteilen Niendorf, Schnelsen, Lokstedt und Eidelstedt) flossen die SIN-Mittel im Jahr 2025? Bitte listen Sie die Träger, die jeweiligen Projektlaufzeiten und die genauen Fördersummen detailliert auf.

In 2025 hat das Bezirksamt Eimsbüttel über die SIN-Mittel folgende Projekte gefördert:

Projekt

Träger

Laufzeit

Fördersumme

Kinderfreundliche Raum in der Kieler Straße

Großstadt Mission

01.01.2025 – 31.12.2025

40.000€

Koordination der Jugendhilfeangebote in der „Alten Schule/Villa“

Hamburger- Kinder und Jugendhilfe e.V.

01.01.2025 – 31.12.2025

235.520,00€

Angebote für junge Menschen mit Fluchterfahrung im Cafe 1

Verband für Kinder- und Jugendarbeit

01.01.2025 – 31.12.2025

144.549,40€

Integration von Familien am Standort Spielhaus Eidelstedt

ASP Wegenkamp e.V.

01.01.2025 – 31.12.2025

50.000€

Integration von Geflüchteten im Stadtteil Schnelsen (incl. Kinderfreundlicher Raum in der Unterkunft Oldesloer Straße)

Verband für Kinder- und Jugendarbeit Hamburg

01.01.2025 – 31.12.2025

199.667,44€

ASP Nord (Högenstraße)

Gruppenangebot und Einzelfallhilfe auf dem ASP Högenstraße

Verband für Kinder- und Jugendarbeit Hamburg

01.01.2025 – 31.12.2025

23.963,30€

Elterncafe Alma-Ohlmann-Weg

Hamburg Altona und Mitte gemeinnützige Gesellschaft
für Kinder, Soziales und Jugend KISO gGmbH

01.01.2025 – 31.12.2025

37.200€

Kinderfreundlicher Raum in der Pinneberger Straße

Großstadt-Mission Hamburg-Altona e.V.

01.07.2025 – 31.12.2025

21.725,24€

Fotoprojekte für Kinder und Jugendliche

Genety e.V.

01.01.2025 – 31.12.2025

67.500€

Fußballprojekt in der Erstaufnahmen

Schmiedekoppel

Twisselmann

01.01.2025 – 31.12.2025

20.277,50€

Offene Angebote für Jugendliche mit Fluchterfahrung im Jugendclub Burgwedel

Verband für Kinder- und Jugendarbeit Hamburg

01.01.2025 – 31.12.2025

8.000€

Quartier für Alle (Qualle)

Verband für Kinder- und Jugendarbeit Hamburg

01.01.2025 – 31.12.2025

70.850€

Offenes Tanzangebot für Kinder in den Ferien – „der Ort – Tanz wo du bist“

Tannen Trinidat

01.01.2025 – 31.12.2025

6.340€

Gesamt

925.592,88€

  1. Gefährdete Projekte durch den Wegfall der „Mehrbedarfe“:
    Welche (Teil-)Projekte, freizeitpädagogischen Angebote, offenen Kinder- und Jugendarbeiten (OKJA) oder Beratungskapazitäten in Eimsbüttel können aufgrund der wegbrechenden 634.595 Euro im Jahr 2026 und folgend nicht weitergeführt werden? Welche Träger und Standorte sind hiervon konkret betroffen?

Durch das reduzierte SIN-Budget konnten in 2026 folgende Projekte nicht mehr bzw. nur noch reduziert fortgesetzt werden:

Projekt

Träger

Laufzeit

Verbliebende Fördersumme

Anmerkungen

Fotoprojekte für Kinder- und Jugendliche

Genety e.V.

01.01.2026 – 31.12.2026

13.500€

In 2026 wurden statt fünf nur noch ein Fotoprojekt aus den SIN-Mitteln gefördert

Fußballprojekt in der Schmiedekoppel

Twisselmann

01.01.2026 – 31.12.2026

10.150€

In 2026 konnte nur noch die Hälfte des Projektes aus SIN gefördert werden

Integration von Familien am Standort Spielhaus Eidelstedt

ASP Wegenkamp e.V.

-

-

Das Projekt konnte 2026 nicht fortgesetzt werden

Offene Angebote für Jugendliche mit Fluchterfahrung im Jugendclub Burgwedel

Verband für Kinder- und Jugendarbeit

-

Die Angebote konnten durch „Reste“ in den Rahmenzuweisungen für offene Kinder- und Jugendarbeit fortgesetzt werden.

In der fachlichen Steuerung verfolgt das Bezirksamt Eimsbüttel für 2027 das Ziel, die größeren Projekte möglichst aufrecht zu erhalten. Dies sorgt einerseits für verlässliche und kontinuierliche Angebote. Andererseits kann dadurch eine flexiblere Anpassung und bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Angebote erfolgen. Vor diesem Hintergrund ist die Verteilung der verbliebenen SIN-Mittel für 2027 wie folgt vorgesehen.

Projekt

Träger

Laufzeit

Fördersumme

Koordination der Jugendhilfeangebote in der „Alten Villa“

Hamburger Kinder- und Jugendhilfe e.V.

01.01.2027 – 31.12.2027

185.956€

Angebote für junge Menschen mit Fluchterfahrung im Cafe 1

Jugendsozialarbeit Schanzenviertel e.V.

01.01.2027 – 31.12.2027

125.000€

Integration von Geflüchteten im Stadtteil Schnelsen (incl. Kinderfreundlicher Raum in der Unterkunft Oldesloer Straße)

Verband für Kinder- und Jugendarbeit Hamburg e.V.

01.01.2027 – 31.12.2027

197.741€

Kinderfreundlicher Raum in der Pinneberger Straße

Großstadt-Mission Hamburg-Altona e.V.

01.01.2027 – 31.12.2027

47.741€

Kinderfreundlicher Raum in der Kieler Straße

Großstadt-Mission Hamburg-Altona e.V.

01.01.2027 – 31.12.2027

47.741€

Gesamt

604.179€

  1. Erhalt der „Kinderfreundlichen Räume“:
    Welche drei „Kinderfreundlichen Räume“ im Bezirk werden durch die vom Senat zugesagten Restmittel in Höhe von 139.050 Euro für das Jahr 2026 vorübergehend abgesichert? Wie soll deren Finanzierung und personelle Kontinuität ab dem Haushaltsjahr 2027 gewährleistet werden?

Die drei Kinderfreundlichen Räume in der Kieler Straße, in der Pinneberger Straße und in der Oldesloer Straße werden im Jahr 2026 jeweils mit 46.350€ und in 2027 mit jeweils 47.741€ gefördert.

  1. Kompensationsmöglichkeiten des Bezirks:
    Verfügt das Bezirksamt Eimsbüttel über eigene Haushaltsreste oder anderweitige Kompensationsmöglichkeiten, um die drohenden Schließungen sozialer Angebote für Jugendliche und Familien abzufedern? Wenn ja, welche? Wenn nein, welche Gespräche wurden mit der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) geführt, um den Kahlschlag in der sozialen Infrastruktur zu verhindern?

Dem Bezirksamt Eimsbüttel stehen grundsätzlich weder Kompensationsmöglichkeiten noch Reste zur Verfügung. Deshalb können nur noch die unter Frage 3 aufgelisteten Projekte aus der SIN-Förderung fortgesetzt werden. Derzeit prüft das Bezirksamt Eimsbüttel, ob (Teil-) Projekte in 2027 über die Sozialräumlichen Angebote der Jugend- und Familienhilfe sowie über den Quartiersfonds weiter gefördert werden können. Die Planungen sind zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Deutlich wird aber, dass diese Möglichkeiten finanziell sehr begrenzt sind.

Die zuständige Fachbehörde ist über die Lage der Angebote im Bezirk informiert, es findet ein regelmäßiger Austausch statt.

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