Antwort auf Anfrage SPD betr. Zerstören Schädlinge die Fischbeker Heide?
Letzte Beratung: 08.09.2026 Hauptausschuss Ö 6.36
Kurz vor dem erwarteten Beginn der Heideblüte bietet die Fischbeker Heide einen dystopischen Anblick. Statt eines weiten lila Blütenmeeres blicken Besucher in ein blattloses grau-braunes, verdorrt und leblos anmutendes Fischbektal. Was schon im vergangenen Jahr wohl die Wulsmtorfer Heide befallen hatte, scheint jetzt auch verstärkt die Fischbeker Heide erreicht zu haben. Vermutlich handelt es sich um einen Befall durch Heideblattkäfer (Lochmaea suturalis), eine Käferart aus der Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae). Er ernährt sich von Besenheide (Calluna vulgaris) und anderen Heidearten. Der ausgewachsene Käfer verbringt den Winter im Schlafzustand in Moos oder Blättern unterhalb von Heidepflanzen. Nach Frühlingsanfang kann er mehrere Kilometer fliegen. Die Käfer fressen Heideblätter und -triebspitzen, die Larven fressen die Blätter bis auf die Außenhaut.
In manchen Jahren kommt es zur Gradation und massiver Schädigung der Heidegebiete. Die Massenvermehrung hängt mit der Niederschlagsmenge während der Entwicklung der Larven zusammen. Gibt es in drei direkt aufeinanderfolgenden Jahren von Mai bis Juli jeweils mehr als 43 Tage mit über 0,1 Millimeter Niederschlag, ist eine Massenvermehrung zu erwarten.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Heideblattkäfer)
Die herausragende Bedeutung der Heide aus ökologischer und auch touristischer Hinsicht ist - nicht nur im Naturschutz- und FFH-Gebiet Fischbeker Heide - unbestritten. Für die Region hat sie zudem identitätsstiftenden Charakter.
Wir bitten die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) um Beantwortung
1. Ist der BUKEA der Zustand der Fischbeker Heide bekannt?
2. Handelt es sich bei den erkennbaren Schäden um die Folgen eines Heideblattkäfer-Befalls? Falls nein, was ist der Grund für den Zustand?
3. Gab es bereits in den Vorjahren einen erkennbaren Befall im Fischbektal und / oder in anderen Heidegebieten der FUHH?
a. In welchen Jahren und in welchem Ausmaß an welchen Gebieten?
b. Ist eine Gradation erkennbar?
c. Hat sich die Häufigkeit des Befalls in den vergangenen Jahren / Jahrzehnten verdichtet bzw. ist statistisch gesehen eine höhere Auftretenswahrscheinlichkeit in der Zukunft ableitbar?
4. Ist eine natürliche Regeneration möglich / erwartbar und welche Auswirkungen haben die zunehmenden Auftretenshäufigkeiten auf die Regenerationsfähigkeit / Resilienz der Heide?
5. Welche Maßnahmen werden ergriffen?
a. Kurativ, also zur Behebung der aufgetretenen Schäden?
b. Präventiv, also zur Vermeidung künftiger Schäden?
6. Sind auch angrenzende Regionen (Landkreis Harburg) betroffen? Falls ja, in welchem Ausmaß und gibt es Kooperationen zur kurativen und präventiven Schadensreduzierung (welche)?
7. Sieht die BUKEA einen wahrscheinlichen kausalen Zusammenhang zwischen dem zunehmenden Befall und dem bisherigen Klimawandel?
8. Wie sieht die BUKEA die mittel- und langfristigen Perspektiven der Heidelandschaft unter Berücksichtigung des fortschreitenden Klimawandels und welche Maßnahmen ergreift sie zu ihrer Sicherung.
BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG
Der Vorsitzende
26. August 2026
Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) beantwortet die o.g. Anfrage der SPD-Fraktion, Drs. 22-1972, wie folgt:
Ja.
Ja, bei den aktuell sichtbaren Schäden handelt es sich maßgeblich um das Resultat eines Massenauftretens des Heideblattkäfers (Lochmaea suturalis).
In der Vergangenheit wurden nur vereinzelt und kleinteilig Flächen in der Fischbeker Heide vom Heideblattkäfer besiedelt. Der Heideblattkäfer ist eine natürlich vorkommende Art in Heideökosystemen. Im Normalfall erholen sich die Heidebestände selbstständig.
Ja, bei dem aktuellen Auftreten handelt es sich um eine Massenvermehrung, eine sogenannte Gradation.
Es gibt keine ausreichende Datengrundlage, die eine statistische Auswertung mit valider Prognose ermöglichen würde. Klar ist, dass solche Ereignisse Teil der Natur sind und ökologisch auch einen Zweck erfüllen. Der Heideblattkäfer frisst primär an Altheidebeständen. Gerade in älteren, strukturarmen Calluna-Beständen können Heideblattkäfer-Ausbrüche als Teil eines natürlichen Verjüngungsprozesses interpretiert werden.
Ja, in der Regel erholen sich befallene Heidebestände wieder. In naturnahen Heideökosystemen gehören solche Gradationen zur natürlichen Dynamik. Nach dem Absterben von Heidebeständen können sich je nach Standort:
• junge Heide regenerieren,
• Pionierstadien entwickeln,
• oder zeitweise Grasstadien entstehen.
Für viele Arten sind solche unterschiedlichen Sukzessionsstadien sogar wichtig. Es handelt sich also um ein natürliches Phänomen, das Potenzial für einen natürlichen Verjüngungsprozess bietet.
Problematisch ist die nahezu flächendeckende Moosschicht, die eine natürliche Verjüngung der Heide an der Stelle erschwert. Aus diesem Grund wird der Verjüngungsprozess maschinell unterstützt.
Die BUKEA plant, wie bereits regelmäßig in der Vergangenheit auch, im kommenden Herbst/ Winter Schoppermaßnahmen durchzuführen. Dabei werden die oberflächlichen Pflanzenreste, die Moosschicht sowie die obersten Zentimeter des Bodens abgetragen. So wird die Verjüngung der Heideflächen unterstützt und bspw. auch Blühplanzen/ Pionierarten die Neubesiedlung ermöglicht. Dies soll sukzessive und alternierend fortgeführt werden. Für viele Arten sind unterschiedliche Sukzessionsstadien sehr wichtig und die Widerstandskraft der Biotope wird durch eine mosaikartige Struktur gestärkt. Die Maßnahmen befinden sich zurzeit in der Ausschreibung.
In der angrenzenden Wulmstorfer Heide wurden nach einem Massenauftreten des Heideblattkäfers im vergangenen Winter Schoppermaßnahmen durchgeführt. Die BUKEA steht länderübergreifend im fachlichen Austausch.
Es ist der begrenzten Studienlage nach anzunehmen, dass der Klimawandel die Häufigkeit des Auftretens von Massenvermehrungen beeinflussen kann.
Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass sich die Häufigkeit des Auftretens von Massenvermehrungen durch den Klimawandel weiter erhöhen könnte. Als mögliche Ursachen werden neben milderen und feuchteren Frühjahren auch die milderen Winter sowie die allgemein verlängerte Vegetationsperiode genannt. Dies könnte die Vermehrung des Heideblattkäfers begünstigen. Für die Fischbeker Heide ist die langfristige Strategie weiterhin die Förderung eines strukturreichen Mosaiks aus unterschiedlichen Altersstadien der Heide, z.B. durch Schoppern oder Beweiden. Dies erhöht die Artenvielfalt und macht das Ökosystem resilienter, auch gegenüber Massenvermehrungen des Heideblattkäfers. Diese Anpassungen erfolgen sukzessive über die kommenden Jahre und werden dazu beitragen, die Fischbeker Heide als ökologisch wertvollen Lebensraum und Naturerlebnisraum langfristig zu erhalten.
gez. Böhm
f.d.R. Leptien
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