21-2329.01

Antwort Anfrage SPD betr. Hallenbad Süderelbe vorübergehend geschlossen

Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG

Letzte Beratung: 11.10.2022 Hauptausschuss Ö 1.5

Sachverhalt

"HALLENBAD SÜDERELBE VORÜBERGEHEND GESCHLOSSEN

Das Hallenbad Süderelbe ist vorübergehend geschlossen. Kurse, Schwimmunterricht und der Vereinsbetrieb finden weiter statt."

Das ist die Information, die Bäderland auf der Homepage stehen hat, wenn man sich über die Öffnungszeiten informieren möchte. Halle geschlossen? Sommerferien, heiße Tage und ausgerechnet in einer Region, in der sich viele Menschen keinen Urlaub leisten können, ist das Schwimmbad geschlossen. Bäderland nennt das "maßvolle Anpassungen", vor Ort sehen viele das anders.

Der Bedarf an zusätzlichen Schwimmmöglichkeiten ist gegeben und wurde seitens der zuständigen Behörde schon zu lange ignoriert. Der Ruf nach einem Kombibad in Süderelbe besteht seit Jahren und der Bedarf wurde trotz entsprechender positiver Bedarfsermittlung zu lange ignoriert und jetzt sind die Türen der Schwimmhalle in Süderelbe verschlossen. Das kleine Freibad Neugraben existiert nur noch, weil die Bezirksversammlung Harburg seit Jahren erhebliche finanzielle Zuschüsse dafür aufbringt. Auch hier gibt es Hinweise auf Schließtage. Ebenso ist das Bad in Finkenwerder geschlossen, einer der Ausweichmöglichkeiten. Hier stellt sich schon die Frage, ob bei der Wahl der geschlossenen Einrichtungen hinreichend nachgedacht wurde. Die Hallenbäder Blankenese, Elbgaustraße, Finkenwerder und Süderelbe sind betroffen.

1. Nach welchen Gesichtspunkten fand die Auswahl der geschlossenen Bäder statt?

2. Wurde die sozioökonomische Lage der Menschen im jeweiligen Einzugsgebiet dabei berücksichtigt? Falls ja, in welcher Weise, falls nein, warum nicht?

3. Wann werden die Bäder in Neugraben und Finkenwerder wieder für die Öffentlichkeit bereitstehen?

4. In welchem zeitlichen Umfang wird dies geschehen?

5. An welchen Tagen und aus welchen Gründen war das Freibad Neugraben nicht geöffnet?

6. Wann wird der Betrieb des Freibads in diesem Jahr eingeschränkt und in welchem Umfang und wann die Saison beendet?

7. Werden erweiterte Öffnungszeiten in den Bädern angeboten, um ausgefallene Kapazitäten zu ersetzen?

8. In welcher Art und Weise gedenkt Bäderland, die dramatische Nichtschwimmerquote der Viertklässler (unter Berücksichtigung aller wegen Corona-Schließungen nicht ausgebildeten Vorjahrgänge) in Übereinstimmung mit den Zielen der Behörde für Schule Berufsbildung zu senken?

BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG

Der Vorsitzende 19.09.2022

Die zuständige Fachbehörde antwortet vor dem Hintergrund vielfältiger Ansprüche und Bedarfsmeldungen hinsichtlich einer breiten Versorgung der Bevölkerung mit Schwimmlern- und Badnutzungsmöglichkeiten im Nachgang der Corona-Pandemie. Gemäß Beschluss der Bürgerschaft ist Kinderschwimmunterricht dabei mit Priorität zu behandeln. Aufgrund der Erwartung eines niedrigpreisigen Naherholungsangebots insbesondere für Familien und Kinder in den Sommerferien 2022, bei gleichzeitig absehbaren deutlichen Kostensteigerungen, insbesondere im Energiebereich sowie nach wie vor anhaltender Corona-Auswirkungen lag zudem ein Fokus auf dem gesicherten Freibadbetrieb, sofern dies nicht mit den wichtiger einzustufenden Anforderungen im Zuge der „Schwimmlernoffensive“ kollidierte. Parallel dazu ist Bäderland mit massiven Personalbeschaffungsproblemen im Nachgang der Corona-Pandemie konfrontiert, wodurch neben der Personalbindung für Schwimmlernangebote die Personaldecke für den zusätzlichen Betrieb der Freibäder nicht auskömmlich war. Der Bedarf an saisonalen Arbeitskräften kann aktuell – wie in diversen Dienstleistungs- und Freizeitbereichen – nicht gedeckt werden.

An den geschlossenen Hallenbadstandorten Blankenese, Elbgaustraße, Finkenwerder und Süderelbe findet weiterhin Schwimmlernunterricht und Vereinsbetrieb statt. Im Kombi-Bad Finkenwerder war lediglich die Halle geschlossen, das große Sommerfreibad stand uneingeschränkt sieben Tage die Woche auch als Ausweichstandort für das Hallenbad Süderelbe bzw. das Sommerfreibad Neugraben zur Verfügung. Zusätzlich wurde das zentral gelegene Holthusenbad geschlossen, um das damit freiwerdende Personal ebenfalls zur Sicherstellung des stadtweiten Freibadbetriebs einzusetzen.

Dies vorausgeschickt, beantwortet die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) unter Beteiligung der Bäderland Hamburg GmbH (BLH) die o.g. Anfrage der SPD-Fraktion (Drs. 21-2329) wie folgt:

Zu 1.:

Nach welchen Gesichtspunkten fand die Auswahl der geschlossenen Bäder statt?

In Bädern mit nahegelegenem bzw. angegliedertem Sommerfreibad wurde teilweise der Betrieb eingeschränkt bzw. in manchen Fällen wurden diese für die allgemeine Nutzung geschlossen, um die öffentliche Badversorgung für die jeweiligen Stadtteile bzw. Quartiere sicher zu stellen. Eine Ausnahme stellt Billstedt dar, da dort aufgrund des modernisierungsbedingten, vorübergehenden Ausfalls der Alster-Schwimmhalle die lokale Versorgung aufgefangen werden muss. Das Personal der betroffenen Hallenbäder bzw. Teilangebote wurde für den Betrieb der jeweiligen Sommerfreibäder umdisponiert.

Zu 2.:

Wurde die sozioökonomische Lage der Menschen im jeweiligen Einzugsgebiet dabei berücksichtigt? Falls ja, in welcher Weise, falls nein, warum nicht?

Ja, die Entscheidung wurde angesichts der zu erwartenden hochsommerlichen Wetterlage und mit Blick auf die vergleichsweise niedrigeren Eintrittspreise zugunsten der Sommerfreibäder getroffen, so dass gerade auch Familien, die nicht in den Urlaub fahren konnten, die Möglichkeit hatten, die heißen Tage in den Sommerferien zu niedrigen Preisen im Schwimmbad zu verbringen.

Zu 3.:

Wann werden die Bäder in Neugraben und Finkenwerder wieder für die Öffentlichkeit bereitstehen?

Ab dem 01.09.2022 zum üblichen Ende der Freibadsaison am 31.08.2022.

Zu 4.:

In welchem zeitlichen Umfang wird dies geschehen?

Im Rahmen der normalen, in vergleichbaren Bädern geltenden Öffnungszeiten, aber bis auf Weiteres abhängig von der Personalverfügbarkeit bzw. anstehenden Bautätigkeiten an Nachbarstandorten.

Zu 5.:

An welchen Tagen und aus welchen Gründen war das Freibad Neugraben nicht geöffnet?

Das Bad wurde zu Beginn der Sommerferien in Betrieb genommen und blieb jeweils montags und dienstags geschlossen. Ursache für den späten Saisonbeginn war bis Mitte Juni – analog für alle reinen Sommerfreibäder – die Wetterlage, bis zum Ferienbeginn und im weiteren Betrieb ist die geschilderte Personallage ursächlich.

Zu 6.:

Wann wird der Betrieb des Freibads in diesem Jahr eingeschränkt und in welchem Umfang und wann die Saison beendet?

Der Betrieb eines Sommerfreibades ist immer wetterabhängig. In 2022 wurde der Betrieb nicht früher eingeschränkt, das Ende der Freibadsaison war regulär am 31.08.2022. Im Übrigen siehe Antworten zu 3. und 5.

Zu 7.:

Werden erweiterte Öffnungszeiten in den Bädern angeboten, um ausgefallene Kapazitäten zu ersetzen?

Nein. Die nicht in den Hallen angebotenen Kapazitäten wurden in den Sommerferien in den Freibädern angeboten. Schwimmlernangebote fanden weiterhin unverändert bzw. in größerem Maße in den Hallenbädern statt. Zusätzlich kam es in den Sommerferien im Rahmen der „Schwimmlernoffensive“ zu einer verstärkten Nutzung der Wasserflächen durch Vereine zum Nachholen der Corona-Ausfälle. Es werden ab September 2022 die normalen Öffnungszeiten wie in den vergleichbaren Bädern gelten.

Zu 8.:

In welcher Art und Weise gedenkt Bäderland, die dramatische Nichtschwimmerquote der Viertklässler (unter Berücksichtigung aller wegen Corona-Schließungen nicht ausgebildeten Vorjahrgänge) in Übereinstimmung mit den Zielen der Behörde für Schule Berufsbildung zu senken?

Gemäß den Beschlüssen der Bürgerschaft bietet Bäderland seit Ende der Corona-bedingten Schließanordnungen in 2021 mit Priorität Schwimmlernkurse für Kinder an. Zur Intensivierung dieser langfristig angelegten Anstrengungen war u.a. das Hallenbad Süderelbe zu Beginn des Jahres 2022 zwischenzeitlich für drei Monate nicht für den allgemeinen Badbetrieb verfügbar. Auch im Rahmen der zweiten Stufe der „Schwimmlernoffensive“ fand im Sommer 2022 verstärkt Kinderschwimmunterricht am Standort statt. Außerhalb der Ferien laufen Schul- und Vereinsbetrieb auf normalem Niveau und sind um die entsprechenden Nachholprogramme erweitert. Darüber hinaus werden alle sinnvoll verfügbaren Kapazitäten Bäderlands (Personal und Wasserfläche) für Kinderschwimmunterricht eingesetzt. Dies beinhaltet auch die Vermietung nicht selbst oder durch Vereine bedienbarer Wasserflächen an kommerzielle Schwimmlernanbieter.

Gez. Heimath

F.d.R. Martens

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