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Auf Kurs Richtung 2040! Baumscheiben konsequent schützen und Altbäume erhalten – Baumstandorte in Hamburg-Nord vor Befahren und Beparken sichern Antrag der Volt-Fraktion

Antrag

Letzte Beratung: 08.10.2026 Bezirksversammlung Ö 6.7

Sachverhalt

Zusammenfassung in Einfacher Sprache:

Wer beantragt was? Die Volt-Fraktion im Bezirk Nord stellt einen Antrag.

Worum geht es? Autos fahren oder parken auf Baumscheiben. Dadurch können Bäume und ihre Wurzeln geschädigt werden.

Was soll erreicht werden? Gefährdete Baumstandorte sollen erkannt und mit Pfählen, Steinen oder anderen einfachen Maßnahmen geschützt werden.

Warum ist das wichtig? Große Bäume spenden Schatten, kühlen die Stadt und helfen bei Starkregen. Deshalb sollen besonders alte Bäume geschützt werden.

Am 3. September 2026 hat die Bezirksversammlung das Klimaanpassungskonzept für Hamburg-Nord beschlossen[1]. Es bildet damit die aktuelle fachliche Grundlage für die Anpassung des Bezirks an zunehmende Hitze, Trockenheit und Starkregen. Das Konzept legt einen besonderen Schwerpunkt auf naturbasierte Maßnahmen und den Erhalt einer leistungsfähigen grünen Infrastruktur. Zugleich weist es auf den erheblichen zusätzlichen Finanzierungsbedarf für die Umsetzung der Klimaanpassung hin.

Eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels kommt den vorhandenen Stadtbäumen zu. Das Klimaanpassungskonzept stuft die Maßnahme „Neue Baumpflanzungen und Standortverbesserung für Altbaumbestände im öffentlichen Raum“ mit hoher Priorität ein[2]. Straßenbäume sind durch begrenzten Wurzelraum, Trockenperioden und geringe Wasserverfügbarkeit besonders belastet. Das Konzept fordert daher ausdrücklich, insbesondere den Altbaumbestand mit seinen positiven stadtklimatischen Wirkungen zu schützen. Große Bäume verschatten Straßen und Plätze und kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung. Offene, funktionsfähige Baumstandorte können Niederschlagswasser aufnehmen und unterstützen damit den lokalen Wasserhaushalt.

Aber: Bodenverdichtung durch regelmäßig abgestellte oder über die Baumscheiben geführte Fahrzeuge verschlechtert die Versorgung der Wurzeln mit Wasser, Sauerstoff und Nährstoffen. Die Hamburger Baumschutzverordnung[3] erfasst Bodenverdichtung im Wurzelbereich ausdrücklich als mögliche Schädigung eines geschützten Baumes.

Das “Entwicklungskonzept Stadtbäume” unter der Federführung der UHH und HCU schildert die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Bäume sehr eindeutig und wissenschaftlich fundiert: “Die Durchsetzung eines Verdichtungsverbots auf den unversiegelten Baumscheiben gegenüber den Interessen der Städter ist praktisch unmöglich, da die Flächen traditionell [...] auch zum Parken von PKW gebraucht werden. Die Sicherstellung des Wasser- und Luftaustauschs im Bereich der Baumscheibe kann daher nur konstruktiv sichergestellt werden, indem z. B. Bügel das Parken in der Nähe des Stamms ausschließen, Kantsteine Fahr- und Gehwiderstände aufbauen und die Verwendung grober Substrate den Wasser- und Luftaustausch auch bei verdichtender Nutzung ermöglichen.” An vielen Stellen in Hamburg-Nord werden baumbestandsnahe Nebenflächen wiederholt befahren oder beparkt. Da eine Ahndung dieser Regelverstöße nicht in hinreichendem Umfang geschieht, sollten die durch Bodenverdichtung bedrohten Bäume im Bezirk identifiziert werden, um geeignete Schutzmaßnahmen einzuleiten. In der Hamburger Klimaanpassungsstrategie[4] ist hierzu zu lesen: “Gleichzeitig wird die Bedeutung eines langfristig vitalen Straßenbaumbestands weiter zunehmen, weshalb ihm vermehrt Vorrang gegenüber anderen Belangen einzuräumen ist.” Um die Wurzelbereiche der Bestandsbäume dementsprechend konsequent von regelwidrig abgestellten Fahrzeuge zu schützen, können vorhandene Hinweise aus dem Online-Portal für Verkehrsordnungswidrigkeiten, Erkenntnisse der Wegewarte und der zuständigen Fachbereiche sowie das Hamburger Straßenbaumkataster zusammengeführt werden. Das Straßenbaumkataster enthält unter anderem Angaben zu Baumart, Pflanzjahr, Stammumfang und Kronendurchmesser. Diese Daten erlauben eine Priorisierung nach wiederkehrendem Parkdruck, Zustand des Baumstandortes und Bedeutung des Baumes. Eine vollständige Neuerhebung im gesamten Bezirk ist dafür nicht erforderlich.

Einfache bauliche Sicherungen, wie Eichenspaltpfähle, Findlinge oder vergleichbare bauliche Maßnahmen, sind modular einsetzbar, verhältnismäßig preiswert und können schrittweise an besonders belasteten Standorten umgesetzt werden. Die konkrete Ausführung muss den jeweiligen Wurzelraum, die Barrierefreiheit, Sichtbeziehungen, Entwässerung und Verkehrssicherheit berücksichtigen. Bei bereits verdichteten Standorten sollte die Sicherung nach Möglichkeit mit einer Verbesserung des Baumstandortes verbunden werden. So entsteht aus einer einfachen Schutzmaßnahme ein in der Kosten-Nutzen-Abwägung überaus günstiger Baustein zur Umsetzung des neuen Klimaanpassungskonzepts.

[1]https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1215722/bfc00f6eed18be94fc3f65d6dac4d2f7/klimaanpassungskonzept-data.pdf

[2]ebd., S. 262

[3]https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/64324/9de60cadabcab6df9b8fa40525e7edf6/baumschutzverordnung-2023-data.pdf

[4]https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1023070/d91af265423c662f23accb68a6b712b0/d-klimaanpassungsstrategie-data.pdf

Petitum/Beschluss

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Die Bezirksversammlung möge beschließen:

Das Bezirksamt Hamburg-Nord wird gebeten,

  1. Baumscheiben, die regelmäßig befahren oder beparkt werden, beispielsweise entlang der Straßen Meenkwiese, Salomon-Heine-Weg, Alsterdorfer Damm, u.a. zu identifizieren. Hierfür sollen vorrangig bereits vorhandene Erkenntnisse der Wegewarte und der zuständigen Fachbereiche, das Straßenbaumkataster, sowie Bürger*innenhinweise genutzt werden. Es sollten auch räumlich auswertbare Hinweise aus dem Online-Verfahren zur Anzeige von Verkehrsordnungswidrigkeiten einbezogen werden.
  1. an den identifizierten Standorten den Verdichtungs- bzw. Beschädigungsgrad näherungsweise zu bestimmen.
  2. besonders betroffene Baumstandorte gegen eine weitere Verdichtung des Bodens durch Befahren und Beparken zu sichern. Abhängig von der örtlichen Situation sollen hierfür geeignete und möglichst kostengünstige Maßnahmen wie Eichenspaltpfähle, Findlinge oder vergleichbare Begrenzungselemente eingesetzt werden. Altbäume und bereits erkennbar beeinträchtigte Standorte sollen prioritär berücksichtigt werden.
  3. Sofern das nach Ermessen des Fachamts als hilfreich angesehen würde, wäre zu erwägen, für die Bewertung und Priorisierung der Standorte ein einheitliches Kriterienraster zu entwickeln. Dieses soll insbesondere den Baumzustand, das Baumalter beziehungsweise Pflanzjahr, den Kronendurchmesser, die stadtklimatische Bedeutung, den Grad und die Häufigkeit der Befahrung oder des Beparkens sowie die bauliche und verkehrliche Eignung möglicher Schutzmaßnahmen berücksichtigen.
  4. sofern das nicht vom Fachamt ohnehin vorgesehen ist, bei bereits geschädigten oder verdichteten Baumscheiben im Zuge der Sicherung geeignete Maßnahmen zur Verbesserung des Baumstandortes vorzunehmen.
  5. dem Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität halbjährlich über den Stand der Umsetzung zu berichten, insbesondere über identifizierte Problembereiche, umgesetzte Sicherungsmaßnahmen und weitere geplante Schritte.

Für die Volt-Fraktion: Dr. Jörg Bormann (Bezirksabgeordneter Volt-Fraktion)

Bera­tungs­reihen­folge
Datum/Gremium
TOP
08.10.2026
Ö 6.7
Anhänge

Beispiele für Pkw, die im unmittelbaren Wurzelbereich von Bäumen parken. Aufgenommen in den Straßen Alsterdorfer Damm, Meenkwiese, Salomon-Heine-Weg.

Lokalisation Beta
Meenkwiese Salomon-Heine-Weg Alsterdorfer Damm

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Themen Beta

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