Protokoll
Herr Gottlieb begrüßt die Ausschussmitglieder, die Vertreterin des Bezirksseniorenbeirats und die Vertretenden der Verwaltung.
Die Fraktionen benennen die Vertretenden für die abwesenden stimmberechtigten Ausschussmitglieder.
Er weist darauf hin, dass es zu Protokollzwecken eine Tonaufzeichnung gibt. Diese werde nach Genehmigung der Niederschrift gelöscht.
Es liegen keine Befangenheitserklärungen seitens der Ausschussmitglieder vor.
Er begrüßt Herrn Boom-Aker als neues Mitglied im Ausschuss und weist ihn auf die Pflichten für Ausschussmitglieder hin.
Die AfD-Fraktion macht keinen Wahlvorschlag.
Es liegt keine Niederschrift zur Genehmigung vor.
Es liegen keine Fragen vor.
Gäste:
Frau Sommer, Schulleiterin Schule Hinter der Lieth
Frau Petersen, Abteilungsleitung, förderkordination Schule Hinter der Lieth
Die Referentinnen erläutern, dass die Schule eine Sonderstellung habe aufgrund der Kombination aus hohem Sozialindex, Folgeunterkunft und Flüchtlingsbeschulung, betonen jedoch, dass auch andere Schulen herausfordernde Kontexte und Kooperationen mit der Jugendhilfe aufwiesen. Die Schule verfüge über interne Gremien zur Fallbearbeitung: ein schulisches Beratungsteam (mit Förderkoordination, Kinderschutzbeauftragter, Beratungslehrkraft und Schulleitung) und Klassenkonferenzen bzw. runde Tische zur Klärung von Struktur-, Ordnungs- und pädagogischen Maßnahmen; diese Gremien dienten der Vorabklärung, bevor formale schulgesetzliche Schritte eingeleitet würden. Die Kinderschutzbeauftragte pflege enge Kontakte zur Koordination der Jugendhilfe und zur Behörde; bei Bedarf werde der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) hinzugezogen, wenn schulische Maßnahmen und die Einbindung der Familie nicht ausreichten. Ziel der Zusammenarbeit zwischen Schule, Jugendhilfe und Familien sei stets die gemeinsame Lösungsfindung zum Wohl des Kindes; die Jugendhilfe sei primäre Anlaufstelle in akuten Krisensituationen, unterstütze aber auch präventiv und trage wesentlich zum Gelingen von Beschulung und Integration bei. Schulinterne runde Tische dienten als frühe Schnittstelle zum ASD; die Ganztagsstruktur (Lehrkräfte vormittags, Kooperationspartner nachmittags) erfordere enge Abstimmung zwischen allen Akteuren. Es existiere eine regelmäßige Beratungsrunde mit dem regionalen Bildungszentrum, geleitet von der Förderkoordinatorin; dort würden besondere Förderbedarfe, sonderpädagogische Fragestellungen und Anträge aus den Klassen diskutiert; die Beratungslehrkraft und die Schulleitung würden nach Bedarf eingebunden. Die Schule verfüge über ein gut aufgestelltes sonderpädagogisches Team (derzeit vier Sonderpädagoginnen und -pädagogen), das Funktionen wie Förderkoordination, Abteilungsleitung und Kinderschutzaufgaben übernehme; diese Multiprofessionalität ermögliche differenzierte Perspektiven und transparente Entscheidungsprozesse, ob schulinternes Vorgehen ausreiche oder externe Hilfe durch den ASD notwendig sei.
Die Schulleitung habe vom Jugendhilfeausschuss profitiert: die Koordination mit der für geflüchtete Kinder zuständigen Fachkraft sowie der enge Austausch mit dem Sozialraummanagement der Erstaufnahme Schmiedekoppel würden die Vernetzung stärken und vielfältige Angebote der Jugendhilfe ermöglichen. In der Erstaufnahme seien Kinder teils sehr lange stationär; dies erhöhe die Relevanz von Kindeswohlprüfungen und stelle die Frage, ob die Erstaufnahme stets ein geeigneter Ort für inklusives Ankommen und gelingende Beschulung sei; in diesen Fällen stehe die Schulbehörde im Austausch mit der Schule. Angebote der Jugendhilfe (z. B. Elternarbeit, musikpädagogische Angebote, Spiel- und Bewegungsangebote) verbesserten die Ankunfts- und Lernvoraussetzungen der Kinder und würden von der Schule als sehr hilfreich wahrgenommen. Ehrenamtliche Träger und lokale Netzwerke spielten eine zentrale Rolle: Der Verein Herzliches Lokstedt e.V. fungiere als Schnittstelle zur Jugendhilfe, biete Sprachkompetenz, Begleitung zu medizinischen Terminen, Elternarbeit und Nachmittagsangebote; Ehrenamtliche unterstützten stark bei Alltags- und Integrationsfragen, sofern die Familien zustimmten. Weitere lokale Träger ergänzten das Hilfespektrum durch Lebensmittelausgaben, Sprachförderung und weitere niedrigschwellige Angebote; Schule, Ehrenamt und Jugendamt arbeiteten hier verzahnt.
Künftig erhoffe sich die Schule eine stärkere Ausstattung mit Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern durch einen Beschluss der Schulbehörde, der die Zuweisung auch für Schulen mit Sozialindex 4, 5 und 6 vorsähe; dies werde als wichtige professionelle Ergänzung der bestehenden Gremien- und Kooperationsstrukturen bewertet. Die Schule kooperiere mit externen Bildungsangeboten und Netzwerkarbeit; geplante präventive Maßnahmen sollen mit einer Netzwerkerin des Fachamts Jugend- und Familienhilfe zeitnah erörtert werden, um schulisch-jugendhilfliche Präventionsangebote zu stärken.
Zu möglichen ergänzenden Strukturen erläutere die Schulleitung zwei Konzepte: temporäre Lerngruppen (zeitlich begrenzte, intensive Förderung in regionalen Bildungszentren) und integrierte Lerngruppen (Schulkooperationen, die zusätzliche Inklusionsräume schaffen); bislang verfüge die Schule nicht über integrierte Lerngruppen, könne aber künftig mit der Zuweisung eines Schulsozialarbeiters überlegen, ob eine solche Richtung sinnvoll sei.
Herr Dzaferi fragt, wie hoch der finanzielle und personelle Aufwand für die Erstunterkunft ungefähr sei.
Frau Sommer sagt, die Schule erhalte Ressourcen für die Beschulung der Kinder, diese würden zugewiesen; sie hätten dort eine „kleine Schule“ mit abgeordneten Lehrkräften, teils unterrichten diese vor Ort, teils an der Stammschule; die Ressourcen richteten sich nach Schülerzahlen; aktuell gebe es zwei Lerngruppen in der Erstaufnahme und hier eine IVK 3/4; weitere Schulen (Döhrnstraße, Wegenkamp) seien ebenfalls von der Erstaufnahme betroffen; die Schule trage die Aufgabe nicht allein, sondern vernetze sich im Bezirk/ Stadtteil.
Frau Krüger fragt, ob die abgeordneten Lehrkräfte aus dem Stammpersonal stammen oder zusätzlich gestellt worden seien.
Frau Sommer erklärt, man bekomme zeitlich befristete Lehrerressourcen, da die Fluktuation in der Erstaufnahme weiterhin bestehe; die Zuteilungen dauerten meist ein halbes Jahr, abhängig von Kinderzahlen; es handle sich um Lehrauftragslehrkräfte mit qualifizierter Ausbildung, die für Flüchtlingsbeschulung, interkulturelle Koordination und als Sprach-/Kulturmittler geschult seien; sie gehörten zu einem Pool und würden nach Bedarf zwischen Schulen eingesetzt; zudem gebe es Stammbeschäftigte, die sich zu interkulturellen Koordinatorinnen weitergebildet hätten.
Herr Ehlers fragt nach den drei Hauptschwerpunkten der Internationalen Vorbereitungsklassen (IVK) und dem pädagogischen Sinn dieser „Insel“.
Frau Sommer erläutert, IVK seien im Hamburger Schulgesetz vorgesehen; ankommende Kinder müssten ein Jahr IVK durchlaufen und dann in Regelklassen übergehen; Ziel sei Ankommen, Fortbildung und anschließende Integration in Regelschulen; altersbedingt würden manche dann an andere Schulformen (Gymnasium, Stadtteilschule) wechseln; das IVK-Konzept habe sich in Hamburg bewährt.
Herr Ehlers fragt, ob es thematische oder problematische Schwerpunkte gebe, die Lehrkräfte einhellig benennen würden.
Frau Sommer antwortet, die Aussage gelte nur für ihre Schule: die Schule sei multikulturell und mehrsprachig nicht nur in IVK, sondern auch in Regelklassen; die IVK-Lehrerin sei interkulturell ausgebildet; die Arbeit sei vernetzt, mehrere Lehrkräfte gingen in die Klassen, nicht nur eine Einzelperson.
Frau Sommer beschreibt die Schülerschaft als unabhängig von Flüchtlingsstatus sehr heterogen; digitale Herausforderungen und veränderte Befindlichkeiten von Schülern und Eltern stellten Anforderungen an die Schule.
Frau Petersen fügt hinzu, die Schulbereitschaft sei gesunken; viele Kinder könnten den Vormittag nicht durchhalten, aus unterschiedlichen Gründen; Inselbereiche würden kleinere Settings bieten, teils finanziert über Sonderpädagogik, um grundlegende Fähigkeiten (z. B. Feinmotorik, Arbeit an Papier) wieder aufzubauen; diese Gruppen könnten auch hochbegabte Kinder betreffen, die dennoch in bestimmten Bereichen Unterstützung bräuchten.
Frau Sommer ergänzt, strukturell sei die Insel ein zusätzlicher Begegnungsraum: aus großen Klassen könne man in kleinere Lerngruppen mit bekannter Lehrkraft wechseln, die anders pädagogisch arbeite, mit dem Ziel, die Kinder wieder in Regelklassen zurückzuführen.
Herr Manzella fragt, ob die Entscheidung zur Schmiedekoppel 30 Auswirkungen auf die Beschulung der Erstaufnahmekinder gehabt habe; konkret, ob die Kindergruppen kleiner geworden seien.
Frau Sommer berichtet, zuvor habe man zwei Standorte betrieben; durch Veränderungen gebe es jetzt weniger Kinder, man konzentriere sich auf einen Standort, benötige weniger Lehrkräfte und Räume.
Frau Velmede verweist auf die zuvor betonte Vernetzung und fragt, wo aus der Zusammenarbeit die größten Herausforderungen lägen und was – abgesehen von Personal und Geld – noch wichtig sei.
Frau Sommer sagt, man habe über Modelle nachgedacht (Bauspielplatz, Haus der Jugend, Bildungshäuser), doch benötige man Platz, Ressourcen und Finanzen; sie skizziert, dass manche Schulen eng mit Jugendhäusern zusammenarbeiteten; ihre Schule versuche mit vorhandenen Rahmenbedingungen zu arbeiten, wolle Profil und Nachhaltigkeitsprinzip (z. B. Schafe, Grünraum als „dritter Pädagoge“) erhalten; sie wäre offen für Ideen der Jugendhilfe, habe aber bisher keine weiteren Schritte unternommen.
Herr Radau weist auf Schulbegleitung als mögliche Unterstützung hin und fragt nach den Auswirkungen massiver Kürzungen.
Frau Petersen berichtet, die Schulbegleitung sei etwa zur Hälfte gekürzt worden; das Antragsverfahren habe für alle gleich gegolten; die Kürzung sei ein schwerer Einschnitt.
Frau Sommer erläutert, die Schule habe versucht, kreativ mit den Rahmenbedingungen umzugehen und Ressourcen intern wie extern zu organisieren; man zeige „reflektierte Akzeptanz“ gegenüber Vorgaben und wahre Loyalität gegenüber Dienstherren; als Maßnahme habe man FSJlerinnen über die Jugendhilfe integriert und arbeite eng mit deren Ausbildern zusammen; man habe eine Pool-Lösung für Schulbegleitungen entwickelt, um Personal flexibel einzusetzen statt klassische Eins-zu-eins-Betreuung, die ineffektiv gewesen sei, wenn Begleitungen nur für ein Kind zuständig und bei dessen Fehlen nicht einsetzbar waren.
Frau Petersen ergänzt, die jetzt eingestellte Person werde über Schulbegleitung geführt und als Vollstelle eingesetzt; das Problem sei nicht nur Arbeitszeitumfang, sondern die Möglichkeit, Personen in Krisenfällen flexibel einzusetzen; trotzdem bleibe es knapp; es gebe viele ehrenamtliche Unterstützer älterer Generation, die entlasteten, aber nicht die Professionalität für schwerwiegende Fälle hätten; es existierten verschiedene Bedürftigkeitsgrade, z. B. ängstliche Kinder oder Trennungsprobleme, die auch ohne hochprofessionelle Intervention Unterstützung bräuchten.
Der Vorsitzende erklärt, dass eventuell eine Vertreterin des Fachamts Sozialraummanagement in der kommenden Sitzung berichten werde.
Der Vorsitzende weist darauf hin, dass es in diesem Jahr kein interkulturelles Forum mehr geben werde.
Es liegen keine Mitteilungen vor.
Es liegen keine Mitteilungen vor.
Frau Papendorf erläutert die Drucksache.
Ergebnis: Die Drucksache wird einstimmig angenommen.
Der Vorsitzende stellt fest, dass der Antrag nicht fristgerecht gemäß § 18 Absatz 5 der Geschäftsordnung eingereicht wurde und der Antrag die Kriterien für eine dringliche Behandlung nicht erfüllt. Auf Frage des Vorsitzenden stimmt der Ausschuss trotzdem einstimmig für die sofortige Behandlung des Antrages.
Frau Papendorf erläutert die Drucksache.
Ergebnis: Die Drucksache wird einstimmig angenommen.
Es liegen keine Wortmeldungen vor.