Sicherung der umfassenden Auskömmlichkeit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA), der Jugendsozialarbeit (JSA), der Familienförderung (FamFö), der Sozialräumlichen Integrationsnetzwerke (SIN) und der Sozialräumlichen Angebote der Jugend- und Familienhilfe (SAJF)! - Dringend den Haushalt 2027 nachsteuern und die finanzielle Ausstattung grundsätzlich deutlich verbessern! Entwurfstext eingereicht von der Volt-Fraktion sowie den Mitgliedern auf Vorschlag der Träger der freien Jugendhilfe
Der Jugendhilfeausschuss und die Bezirksversammlung Altona haben in den vergangenen Jahren immer wieder auf die strukturelle Unterfinanzierung der oben benannten finanziellen Mittel hingewiesen. Nun erreicht diese mit dem laufenden Haushalt erneut einen neuen Tiefpunkt:
In Altona wurden die SIN-Mittel um 30,61 % gekürzt von 1.222.000 Euro in 2026 auf 847.000 Euro in 2027. Im Bereich Kinder- und Jugendarbeit/ Jugendsozialarbeit (KJ/JSA) sinken die insgesamt zur Verfügung stehenden Mittel von 5.606.275,94 Euro im Jahr 2026 auf 5.554.411,58 Euro im Jahr 2027. Das entspricht einem Rückgang um 51.864,36 Euro bzw. rund 0,93 %. In der Familienförderung sinken die insgesamt zur Verfügung stehenden Mittel von 887.558,22 Euro im Jahr 2026 auf 865.123,60 Euro im Jahr 2027. Das entspricht einem Rückgang um 22.434,62 Euro bzw. rund 2,53 %. Für den Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit spricht der Senat von einer 1,5-%-Dynamisierung der finanziellen Mittel. Diese bezieht sich aber auf Anfang 2026 und beinhaltet nicht die Tarifsteigerungen des Jahres, somit ist es faktisch eine Kürzung.
Die Auswirkungen der Unterfinanzierung sind jetzt schon an einigen Stellen deutlich spürbar:
- Auf dem Aktivplatz B-You fallen sechs Angebotsstunden für die Zielgruppe „Kinder mit Behinderungen“ weg und ein Viertel der Zeiten des queeren Angebotes sowie Wegfall des gesundheitsfördernden Kochangebotes
- Im Kölibri fallen sechs Stunden des medienpräventiven Angebotes pro Woche weg
- Im Haus 3 fällt die professionelle Begleitung eines Selbstverteidigungsangebotes weg sowie ein Kletterangebot und der montägliche Kindertreff
- Im Mädchen*Club der GWA St. Pauli fällt ein Drittel der Sport-, Bewegungs-, Theater- und Kreativangebote weg
(vgl. Protokoll des Unterausschusses Haushaltsangelegenheiten des Jugendhilfeausschusses Altona vom 20.05.2026)
Die Finanzierung der Einrichtungen und Projekte war bereits in den letzten Jahren nicht auskömmlich. Durch die weiterhin steigenden Personalkosten (Tarifsteigerungen), Betriebskosten (Energiekosten) als auch die Kosten für Materialien und Lebensmittel (Inflation) sind die Kürzungen noch drastischer. Bereits jetzt steht fest, dass die bezirkliche Zuweisung 2027 nicht ausreicht, um den Bestand und die pädagogische Arbeit in gleichbleibender Qualität zu sichern.
Dies widerspricht auch der immer wieder verkündeten Absicht, alle Angebote in ihrem pädagogischen Angebot und ihrer fachlichen Qualität zu sichern. Wie soll dieser Anspruch mit den Kürzungen ermöglicht werden? Eine bedarfsdeckende, auskömmliche Finanzierung sieht anders aus. Seit Jahren weisen der Jugendhilfeausschuss und die Bezirksversammlung Altona auf die strukturelle Unterfinanzierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und der Familienförderung hin und bekunden ihre Sorge ob der genannten Entwicklungen.
Nach einstimmiger Auffassung des Jugendhilfeausschusses Altona wird auf die in den letzten Jahren erheblich gestiegenen Bedarfe der Jugendhilfe nicht auskömmlich reagiert. Die mangelhafte materielle und personelle Ausstattung führt dazu, dass die hohen auch gesetzlichen geforderten Ansprüche an eine gelingende inklusive Kinder-, Jugend- und Familienarbeit durch den Bezirk nicht mehr ausreichend gewährleistet werden können. Dabei ist zu betonen, dass die Unterdeckung nicht durch eine Ausweitung der Angebote entsteht, obwohl diese in einer wachsenden Stadt notwendig wären, sondern sich bereits deutlich in dem Erhalt des jetzigen Status Quo zeigt. Diese Situation ist für die Einrichtungen und Projekte der OKJA/ JSA/ FamFö/ SAJF untragbar.
Die Kinder- und Jugendarbeit leistet in Altona und Hamburg einen bedeutenden und unverzichtbaren Beitrag in der Entwicklung und Sozialisation junger Menschen. Für viele Kinder und Jugendliche sind die Einrichtungen ein Ort, an dem verlässliche Beziehungen erlebt und identitätsbildende Erfahrungen gesammelt werden, sie bildungspolitische Prozesse kennenlernen und ihre Freizeit gestalten. Ihre Einrichtungen bieten den Kindern und Jugendlichen einen offenen, niedrigschwelligen Zugang mit vielen attraktiven, beitragsfreien Angeboten, vor allem in benachteiligten Stadtteilen.
Die betreffenden Einrichtungen übernehmen mit ihrer offenen und niedrigschwelligen Zugangsstruktur gerade in diesen herausfordernden Zeiten eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Sie tragen jeden Tag zur Persönlichkeitsentwicklung, Selbstorganisation und Bildung junger Menschen bei. Die in den Einrichtungen geleistete Arbeit ist insbesondere im Hinblick auf die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen mit der Zunahme von rassistischen, sexistischen und queerfeindlichen Übergriffen ein Ort der Demokratiebildung, eine Möglichkeit, die Bereicherung von Vielfalt zu erleben und einen diskriminierungsarmen, geschützten Raum zu erfahren – ganz im Sinne der Altonaer Deklaration, die hier praxisnah und unter Beteiligung der Besucher:innen umgesetzt wird.
In den letzten Jahren stiegen Arbeitsbelastungen und Arbeitsanforderungen in der pädagogischen Arbeit durch neu hinzugekommene Aufgaben und Erwartungen, durch die Erhöhung der Arbeitskomplexität und der Arbeitsverdichtung. Dadurch ist deutlich zu erkennen, dass eine Erhöhung der benannten Zuweisungen zwingend notwendig ist, um die bisherigen Einrichtungen und Angebote weiterhin zu gewährleisten sowie bedarfsgerecht auf die Entwicklungen einer wachsenden Stadt eingehen zu können. Deshalb muss eine Überprüfung der Mittelvergabe und eine nachhaltige Finanzierung vorgenommen werden, um die wertvolle Arbeit für die Kinder und Jugendlichen zu sichern.
Exemplarisch sind hier einige der (finanziellen) Herausforderungen benannt:
- Deutliche Zunahme von Fällen teils starker psychischer Belastungen bei Kindern, Jugendlichen, Jungerwachsenen und Alleinerziehenden
- Erhöhter Bedarf an psychosozialer Beratung
- Arbeit mit (jüngeren) Geflüchteten, auch in den Unterkünften
- Inklusion und Barrierefreiheit, gesetzliche Aufgaben, insbesondere das Kinder- Jugendstärkungsgesetz
- Ausbau und Umsetzung der Beteiligung
- Verschärfung der Problematiken in Familien durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, zum Beispiel großes Thema: Hunger, dies bedeutet Zunahme der Lebensmittelkosten für Einrichtungen
- Zusätzliche Angebote im digitalen Bereich, Digitalisierung
- Erhöhter Bedarf an Supervision und Fortbildung
- Erhöhter Anteil der Netzwerkarbeit
- Zunahme des Aufwands für die finanzielle Sicherung der Einrichtungen durch verschiedene Anträge (Sondertöpfe, Stiftungen)
- Erhöhter Verwaltungsaufwand durch Raumkoordination
- Starke Steigerung der Betriebs- und Honorarkosten
Der Aufgabenzuwachs, sowohl in Menge als auch Intensität, ist mit der bisherigen Personalkapazität nicht mehr zu leisten. Das Arbeitsfeld wird so zunehmend unattraktiv und der Fachkräftemangel wirkt sich aus.
Obendrein bleiben bei der Bemessung der Mittelzuweisung, insbesondere der deutliche Bevölkerungsanstieg in der Zielgruppe der Maßnahmen nach dem SGB VIII, eine starke Nachverdichtung in ohnehin bereits belasteten Quartieren und die Schaffung zahlreicher Neubaugebiete unberücksichtigt. Altona ist in den letzten 20 Jahren erheblich gewachsen; neue Wohnquartiere sind entstanden und Sozialräume haben sich verändert! Und Altona wird weiterhin wachsen. In den Quartieren rund um die Mitte Altona und in Bahrenfeld sind eine große Vielzahl an neuen Wohnungen geplant. Auch die Einrichtungen für geflüchtete und hier Schutz suchende Menschen in Altona bedingen neue und zusätzliche Bedarfe. Hier muss zwingend die Schaffung einer die neuen und zusätzlichen Bedarfe deckenden sozialen Infrastruktur folgen, was ohne eine erhebliche Ansatzverstärkung der finanziellen Mittel nicht möglich sein kann. Dies gilt auch im Hinblick darauf, dass auch mit der Nachverdichtung bereits belasteter Stadtteile steigende Herausforderungen an die Angebote der Jugendarbeit verbunden sind. Hier müssen dringend weitere Freiräume für junge Menschen geschaffen werden.
Da bereits der Status quo der jetzigen Einrichtungen und Angebote mit den derzeitigen Mitteln nicht gewährleistet werden kann, ist eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der OKJA ebenso wenig möglich, wie eine echte Jugendhilfeplanung. Das hat mit Gestaltung nichts zu tun! Hier bedarf es einer sehr deutlichen Ansatzverstärkung und am Ende wird dies bei einer Gesamtbetrachtung auch nicht wirklich teurer werden. Eine nicht gelingende und auskömmlich finanzierte offene und niedrigschwellige Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Jungerwachsenen und Familien wird nämlich mittel- und langfristig zu einem Anstieg bei den teuren Einzelmaßnahmen der Hilfen zur Erziehung führen.
Vor diesem Hintergrund beschließt die Bezirksversammlung:
Ausdrücklich möchten die Bezirksversammlung und der Jugendhilfeausschuss darauf hinweisen, dass diese Summe ausschließlich dazu dient, den Bestand der Einrichtungen und Angebote auf dem Stand von 2026 zu sichern.
Der Unterausschuss Haushaltsangelegenheiten wird um Beratung, ggf. Beschlussfassung und Weiterleitung an den Jugendhilfeausschuss gebeten.
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