Stellungnahme zum Volt Antrag: Bücherhalle Harburg als Third Space stärken - Sonntagsöffnung mit niedrigschwelligem Zugang ermöglichen
Letzte Beratung: 09.09.2026 Regionalausschuss Harburg Ö 6.1
Öffentliche Bibliotheken sind weit mehr als Orte der Medienausleihe. Sie sind zentrale Orte der Bildung, Begegnung und sozialen Teilhabe und erfüllen damit wichtige Funktionen eines sogenannten „Third Space“. Der Begriff des „Third Space“ beschreibt Orte neben Zuhause und Arbeitsplatz, an denen Menschen unabhängig von Einkommen oder sozialem Status zusammenkommen können – zum Lesen, Lernen, Austausch oder einfach zum Verweilen.
Gerade öffentliche Bibliotheken erfüllen diese Funktion in besonderer Weise: Sie bieten freien Zugang zu Wissen, Aufenthaltsmöglichkeiten ohne Konsumzwang, Arbeitsplätze für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende und ermöglichen kulturelle Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen.
Die Bücherhallen Hamburg bilden mit über 30 Standorten das größte kommunale Bibliothekssystem Deutschlands und sind zugleich die publikumsstärkste Kultureinrichtung der Stadt mit jährlich mehreren Millionen Besucherinnen und Besuchern.
In vielen Hamburger Bücherhallen wurden in den vergangenen Jahren innovative Modelle entwickelt, um die Nutzung der Bibliotheken auch außerhalb klassischer Servicezeiten zu ermöglichen. Dazu gehört unter anderem das sogenannte FlexiBib-System, das Nutzerinnen und Nutzern mit gültiger Bücherhallenkarte den Zugang zu Bibliotheksräumen auch ohne Personal ermöglicht.
Zudem gibt es bereits Beispiele für Sonntagsöffnungen von Bibliotheken in Hamburg. So ist etwa die Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg regelmäßig sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet, auch ohne umfassenden Personalbetrieb, um Besucherinnen und Besuchern einen Aufenthalts- und Lernort zur Verfügung zu stellen.
Die Bücherhalle Harburg hingegen hat derzeit an Sonntagen geschlossen und ist lediglich von Dienstag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.
Gerade in einem wachsenden und sozial vielfältigen Bezirk wie Harburg könnten zusätzliche Öffnungszeiten einen wichtigen Beitrag zur sozialen Infrastruktur leisten. Eine Sonntagsöffnung würde insbesondere:
Vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten und wachsender sozialer Unterschiede sind solche frei zugänglichen Räume von besonderer Bedeutung. Bibliotheken können damit eine wichtige Rolle im lokalen Netzwerk der Third Spaces spielen und soziale Teilhabe unabhängig von finanziellen Möglichkeiten ermöglichen.
Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll zu prüfen, ob auch die Bücherhalle Harburg perspektivisch von erweiterten oder flexiblen Öffnungszeiten – insbesondere an Sonntagen – profitieren könnte.
Das Bezirksamt wird gebeten, sich gegenüber der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen sowie den zuständigen Fachbehörden dafür einzusetzen, dass die Bücherhalle Harburg künftig auch sonntags geöffnet werden kann, beispielsweise im Rahmen eines niedrigschwelligen Zugangsmodells (z. B. analog zum FlexiBib-System) mit Zugang über eine gültige Bücherhallenkarte.
Dabei soll insbesondere geprüft werden,
Die Verwaltung wird gebeten, über die Ergebnisse dieser Gespräche sowie über mögliche Perspektiven für erweiterte Öffnungszeiten der Bücherhalle Harburg im Regionalausschuss Harburg zu berichten.
BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG
Der Vorsitzende
14.07.2026
Die Behörde für Kultur und Medien nimmt auf Grundlage von Auskünften der private Stiftung Hamburger öffentliche Bücherhallen (HÖB) zu dem Antrag wie folgt Stellung:
Neben der Zentralbibliothek sind auch die Stadtteilbücherhallen der HÖB klassische Dritte Orte, die mit ihren vielfältigen Angeboten zum Aufenthalt einladen und den gesellschaftlichen und kulturellen Austausch, Leseförderung und Bildungsprozesse unterstützen. Dieses gilt auch für die Bücherhalle Harburg mit ihrem bestehenden Angebot.
Um die Öffnungszeiten zu erweitern, ermöglicht die HÖB im Rahmen der sog. FlexiBib in 26 von 32 Stadtteil-Bücherhallen erwachsenen Kundinnen und Kunden den Zugang zur Bücherhalle auch außerhalb personalbesetzter Zeiten (i.d.R. montags bis sonntags von 07.00-22.00 Uhr). Das FlexiBib-Angebot wird stadtweit sehr gut angenommen und funktioniert in der Regel ohne größere Störungen. Aufgrund dieser guten Erfahrungen möchte die HÖB die FlexiBib generell an möglichst vielen Standorten anbieten. Dieses gilt grundsätzlich auch für die Bücherhalle Harburg, für die die HÖB den Bedarf als hoch einschätzt.
Die Bücherhalle Harburg befindet sich im Harburg-Carrée, direkt gegenüber vom Cinemaxx Hamburg-Harburg in der ersten Etage (Eddelbüttelstraße 47a, 21073 Hamburg). Der Standort hat sich in Bezug auf Sicherheit und Sauberkeit in den vergangenen Jahren sukzessive verschlechtert, weshalb längerfristig ein Umzug in das ehemalige Karstadt-Gebäude geprüft wird. Um doppelte Umzüge und den damit verbundenen Aufwand sowie temporäre Schließungen zu vermeiden, soll der bestehende Standort bis dahin erhalten bleiben.
Die HÖB hat sich seit 2023 (vgl. Anfrage der BV Harburg vom 9. Juni 2023 (Drs. 21-2938)) intensiv mit den Möglichkeiten einer Einführung der FlexiBib für diesen Standort auseinandergesetzt. Im Ergebnis geht sie davon aus, dass eine vollautomatisierte FlexiBib an diesem Standort aufgrund der verschärften Standortsituation nicht erfolgreich umgesetzt werden kann. Um den FlexiBib-Service dennoch ermöglichen zu können, hat die HÖB ein von der vollautomatisierten Technik abgewandeltes Konzept einer sog. FlexiBib light entwickelt. Dieses sieht vor, dass nur ausgewählte Teile der Flexibib-Technik installiert und die FlexiBib-Zeiten mit einem Sicherheitsdienst sowie z.B. einer studentischen Hilfskraft flankiert werden. Ein solcher nicht vollautomatisierter FlexiBib-Betrieb ist (neben einmaligen Investitionskosten) jedoch mit laufenden Zusatzkosten verbunden, die sich je nach FlexiBib-Öffnungszeiten grob geschätzt auf rund 25 TEUR (Öffnung: 5h am Sonntag) bis 65 TEUR (Öffnung: 19h, Samstagnachmittag, Sonntag, Montag) pro Jahr belaufen.
Das Ergebnis dieser Prüfung wurde dem Bezirksamt mit Schreiben vom 12. Juli 2024 mitgeteilt und dem Kulturausschuss der Bezirksversammlung in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Regionalausschuss am 27. November 2024 durch den Vorstand der HÖB vorgestellt. In vertiefenden Gesprächen mit Mitgliedern des Kulturausschusses unter der Leitung von Herrn Simon Dhemija im Februar 2025 hatte die HÖB schließlich angeboten, die Investitionskosten (rd. 25 TEUR) sowie 30% der laufenden Kosten zu übernehmen, sofern die verbleibenden Kosten durch den Bezirk Harburg übernommen werden. Grundlegend für eine Zusammenarbeit wäre zudem eine mehrjährige Förderzusage des Bezirks (u.a. aufgrund der Investitionskosten). Zu diesem Angebot liegt der HÖB noch keine Rückmeldung vor.
Der Vorstand der HÖB sieht im Zentrum Harburgs weiterhin einen hohen Bedarf und würde daher gern gemeinsam mit dem Bezirk eine FlexiBib light in Harburg ermöglichen. Für weitere Gespräche steht er daher zur Verfügung.
gez. Böhm
f.d.R.
Sommer
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