22-1769.01

Antwort auf Anfrage FDP Fraktion Bewirtschaftung von Grünflächen und Spielplätzen unter veränderten Rahmenbedingungen

Antwort / Stellungnahme des Bezirksamtes

Letzte Beratung: 16.06.2026 Hauptausschuss Ö 4.17

Sachverhalt

Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels mit zunehmenden Hitze- und Trockenperioden sowie gleichzeitig steigender Kosten für Pflege, Personal und Materialien bei begrenzten bzw. nicht entsprechend wachsenden Haushaltsmitteln sehen wir erheblichen Klärungsbedarf hinsichtlich der nachhaltigen Sicherstellung dieser öffentlichen Infrastruktur.

Insbesondere stellt sich aus unserer Sicht die Frage, wie der Bezirk künftig mit Zielkonflikten zwischen Qualität, Umfang und Finanzierbarkeit der Grünflächenpflege umgehen will.

Vor diesem Hintergrund fragen wir:

  1. Wie haben sich die Kosten für die Pflege, Bewirtschaftung und Instandhaltung der öffentlichen Grünflächen und Spielplätze in den vergangenen fünf Jahren entwickelt (bitte nach Kostenarten aufschlüsseln)?
  2. Wie haben sich im gleichen Zeitraum die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel entwickelt?
  3. In welchem Umfang führen klimatische Veränderungen (z. B. Trockenheit, Starkregen, Hitzebelastung) zu einem erhöhten Pflege- und Investitionsbedarf?
  4. Ist es derzeit gewährleistet, sämtliche Grünflächen im Bezirk in dem bisherigen Umfang und Qualitätsstandard zu bewirtschaften?
  5. Falls nein: Welche Einschränkungen bestehen bereits heute bzw. sind absehbar?
  6. Prüft die Verwaltung Konzepte, wonach pflegeintensive Grünanlagen teilweise in extensiv bewirtschaftete Flächen (z. B. einfache Wiesenflächen) umgewandelt werden, um Kosten zu reduzieren?
  7. Wenn ja: Nach welchen Kriterien erfolgt eine solche Priorisierung bzw. Auswahl von Flächen?
  8. Welche Auswirkungen hätte ein solcher Rückbau auf Aufenthaltsqualität, Biodiversität und Nutzbarkeit der Flächen für die Bürgerinnen und Bürger?
  9. Wie stellt sich die Situation bei der Instandhaltung und Pflege von Spielplätzen dar?
  10. Ist sichergestellt, dass alle Spielplätze weiterhin in einem verkehrssicheren und nutzbaren Zustand gehalten werden können?
  11. Gibt es Überlegungen, das Angebot an Spielplätzen quantitativ oder qualitativ anzupassen?
  12. Inwieweit sieht die Verwaltung die Gefahr, dass perspektivisch nicht mehr alle Grünflächen und Spielplätze im Bezirk vollständig abgedeckt werden können?
  13. Reichen die derzeitigen Haushaltsmittel aus, um alle bestehenden Grünanlagen, Spielplätze und sonstigen öffentlichen Freiräume angemessen zu bewirtschaften?
  14. Falls nicht: Welche Maßnahmen plant die Verwaltung, um dieser Entwicklung zu begegnen?
  15. Welche strategischen Ansätze verfolgt der Bezirk, um die Grünflächenbewirtschaftung langfristig effizienter, resilienter gegenüber Klimafolgen und zugleich finanziell tragfähig zu gestalten?

Wir bitten um eine zeitnahe und differenzierte Beantwortung dieser Anfrage.



FREIE UND HANSESTADT HAMBURG

Bezirksamt Harburg

9. Juni 2026

Das Bezirksamt Harburg nimmt zu der Großen Anfrage der FDP-Fraktion,
Drs. 22-1769, wie folgt Stellung:

  1. Wie haben sich die Kosten für die Pflege, Bewirtschaftung und Instandhaltung der öffentlichen Grünflächen und Spielplätze in den vergangenen fünf Jahren entwickelt (bitte nach Kostenarten aufschlüsseln)?

Die Abteilung Stadtgrün kann hierzu keine verlässliche Aussage treffen. Die von der BUKEA dem Bezirksamt zur Verfügung gestellten Mittel werden zur Gänze ausgegeben.

Vergl. Tabelle zu Frage 2.

  1. Wie haben sich im gleichen Zeitraum die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel entwickelt?

  1. In welchem Umfang führen klimatische Veränderungen (z. B. Trockenheit, Starkregen, Hitzebelastung) zu einem erhöhten Pflege- und Investitionsbedarf?

Durch die Erwärmung steigen die Kosten zur Unterhaltung der Grünanlagen. Der Bewässerungsbedarf der neugepflanzten Bäume und der Staudenpflanzungen steigt zum Beispiel. Dadurch erhöhen sich, je nach Witterungsverlauf, die Kosten für die Pflege. Bei Neuplanungen wird auf die Situation, z. B. in der Pflanzenauswahl, eingegangen. Es werden nur Pflanzen verwendet, die standortgerecht und trockenheitsverträglich sind.

  1. Ist es derzeit gewährleistet, sämtliche Grünflächen im Bezirk in dem bisherigen Umfang und Qualitätsstandard zu bewirtschaften?

Die Harburger Grünanlagen sind insgesamt in einem guten Zustand.

Durch die Einführung eines Erhaltungsmanagements (EMG) im nächsten Jahr, sollen für die gesamte FHH einheitliche Qualitätsstandards werden. Ziel des EMG ist es, die Qualität der Grünanlagen und Kinderspielplätze zu erhalten bzw. zu verbessern. Dazu sollen durch bezirksübergreifend vergleichbare Daten über den Zustand der jeweiligen Grünanlage bzw. des jeweiligen Spielplatzes ermittelt und daraus Berechnungen zur Höhe der benötigten Haushaltsmittel angestellt werden. Um einen potenziellen Instandhaltungsstau entgegenzuwirken, sollen diese Unterhaltungsgelder in Zukunft noch effizienter und zielgerichteter eingesetzt werden.

  1. Falls nein: Welche Einschränkungen bestehen bereits heute bzw. sind absehbar?

Siehe Antwort zu Frage 4

  1. Prüft die Verwaltung Konzepte, wonach pflegeintensive Grünanlagen teilweise in extensiv bewirtschaftete Flächen (z. B. einfache Wiesenflächen) umgewandelt werden, um Kosten zu reduzieren?

Die Umwandlung von regelmäßig gemähten Rasenflächen zu einer zweischürigen Wiesenflächen führt nicht zu einen Kostenreduzierung, da die Aufwendung für eine Wiesenflächen mit Abtrag und Entsorgung des Grasschnittes höher ist als der regelmäßige Rasenschnitt: 1,76 € m² für Wiesenschnitt und 0,74 € m² für Rasen.

Bei der kostenreduzierenden zweimalig gemähten Langgrasflächen wird das Schnittgut gehäckselt und verbleibt auf den Flächen. Dies ist ökologisch weniger sinnvoll und wird hauptsächlich in Randbereichen eingesetzt.

  1. Wenn ja: Nach welchen Kriterien erfolgt eine solche Priorisierung bzw. Auswahl von Flächen?

Langgrasflächen befinden sich in den Randbereichen der Grünanlagen, auf denen der Nutzungsdruck gering und ein Wiesenumbau ökologisch nicht sinnvoll ist. Die Umwandlung von Langgrasflächen in Wiesenflächen ist abhängig von der Lage, Größe und dem Vernetzungspotential.



  1. Welche Auswirkungen hätte ein solcher Rückbau auf Aufenthaltsqualität, Biodiversität und Nutzbarkeit der Flächen für die Bürgerinnen und Bürger?

Die Umwandlung von intensiv gemähten Rasenflächen in Langgraswiesen und den ökologisch wertvolleren zweischürigen Wiesenflächen hat bereits großflächig stattgefunden. Rasenflächen in Grünanlagen mit hohem Nutzungsdruck und auf Kinderspielplätze blieben für Spiel und Lagern erhalten.

Die Umwandlung von Langgrasflächen in Wiesenflächen erhöhen die Biodiversität und schaffen einen Lebensraum für Insekten und andere Kleinstlebewesen - ohne spürbare Auswirkungen auf die Nutzung. Das Naturerleben der Bürgerinnen und Bürger wird verstärkt. Eine blühende Wiesenlandschaft kann den ästhetischen Wert einer Grünanlage massiv verstärken.

Festzuhalten bleibt: Wiesenflächen anzulegen ist kein Rückbau, sondern eine kostenintensive ökologische Aufwertung der Grünanlagen.

  1. Wie stellt sich die Situation bei der Instandhaltung und Pflege von Spielplätzen dar?

Siehe Antwort zu Frage 4

  1. Ist sichergestellt, dass alle Spielplätze weiterhin in einem verkehrssicheren und nutzbaren Zustand gehalten werden können?

Die Verkehrssicherheit auf Kinderspielplätzen wird kontinuierlich überprüft und ist durchgehend gewährleistet. Instandhaltungsmaßnahmen werden ebenso kontinuierlich durchgeführt. Die Sicherheit auf den Kinderspielplätzen hat in der Verwendung der zur Verfügung gestellten Ressourcen die oberste Priorität.

  1. Gibt es Überlegungen, das Angebot an Spielplätzen quantitativ oder qualitativ anzupassen?

Bei Neuplanungen der Spielplätze werden die Anforderungen durch den Klimawandel, wie z.B. durch die Auswahl der Materialien, berücksichtigt.

Bei Neuplanungen wird darauf geachtet, dass vermehrt schattenspendende Bäume gepflanzt werden.

  1. Inwieweit sieht die Verwaltung die Gefahr, dass perspektivisch nicht mehr alle Grünflächen und Spielplätze im Bezirk vollständig abgedeckt werden können?

Siehe Antworten zu den Fragen 1 und 2.

  1. Reichen die derzeitigen Haushaltsmittel aus, um alle bestehenden Grünanlagen, Spielplätze und sonstigen öffentlichen Freiräume angemessen zu bewirtschaften?

Grundsätzlich ja.

  1. Falls nicht: Welche Maßnahmen plant die Verwaltung, um dieser Entwicklung zu begegnen?

Siehe Antwort zu 4.

  1. Welche strategischen Ansätze verfolgt der Bezirk, um die Grünflächenbewirtschaftung langfristig effizienter, resilienter gegenüber Klimafolgen und zugleich finanziell tragfähig zu gestalten?

Strategische Ansätze für die Unterhaltung erfolgen überwiegend Hamburg-weit. Die daraus resultierenden Möglichkeiten hat das Bezirksamt Harburg bereits ausgeschöpft.

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