22-1429.01

Antwort auf Anfrage der FDP Fraktion Versickerungsflächen im Parkstreifen

Antwort / Stellungnahme des Bezirksamtes

Letzte Beratung: 17.03.2026 Hauptausschuss Ö 4.19

Sachverhalt

In der Haakestraße wurden Versickerungsflächen im Parkstreifen der Straße geschaffen. Dazu wurden große Gruben ausgehoben und scheinbar mit Kies befüllt, um bei Starkregenereignissen Wasser nicht abfließen, sondern vor Ort versickern zu lassen.

Wir fragen die Verwaltung:

  • Aufgrund welcher Starkregenprognosen wurden die Versickerungsflächen eingerichtet?
  • Sind die Regenrückhaltebecken in der Denickestraße nicht mehr ausreichend für prognostizierte Starkregenereignisse?
  • Aufgrund welcher Überlegungen wurden Versickerungsgruben gerade in der Haakestraße eingerichtet?
  • Welche Kapazitäten haben die Versickerungsgruben? Welche Starkregenspitzen können damit abgefangen werden? Welche Auswirkungen haben die Versickerungsgruben ggf. für die Kapazitäten der Regenrückhaltebecken in der Denickestraße?
  • Warum werden die Versickerungsgruben im Straßenraum zulasten von Stellplätzen eingerichtet und nicht im Seitenraum im Bereich von Grünstreifen?
  • Warum werden die Versickerungsbereiche auf Höhe der Haakestraße110 nicht für weitere barrierefreie Querungsmöglichkeiten für Fußgänger baulich ertüchtigt?
  • Welche Kosten sind für die Einrichtung entstanden und in welchem Kosten-Nutzen-Verhältnis steht die zu versickernde Regenmenge?
  • Welche weiteren Versickerungsgruben sind in Harburg geplant? Sind weitere Versickerungsgruben im Straßenraum zulasten von PKW-Stellplätzen geplant?
  • Welche alternativen, kostengünstigeren Varianten gibt es, um Regenwasser im öffentlichen Raum versickern zu lassen, zum Beispiel Entsiegelung von Flächen, Schaffung einfacher Mulden im Seitenraum von Straßen oder ähnliches.
  • Für die Versickerungsgruben, in der Haakestraße wurden die Wurzeln der Straßenbäume stark geschädigt (siehe Foto). Haben diese Schädigungen Einfluss auf die Vitalität der Bäume? Ist gegebenenfalls mit einem Absterben der Bäume zu rechnen? Welche Vorkehrungen wurden getroffen, um ein Absterben der Bäume zu verhindern? Wurden alternative Standorte geprüft, bei denen es zu keinen gravierenden Eingriffen in den Wurzelbereich von Bäumen gekommen wären?

FREIE UND HANSESTADT HAMBURG

Bezirksamt Harburg

20. Februar 2026



Das Bezirksamt Harburg beantwortet die Kleine Anfrage der FDP-Fraktion, Drs. 22-1429, wie folgt:

Vorbemerkung:

Zwischen dem Eißendorfer Pferdeweg und dem Lohmannsweg ist kein Regenwassersiel vorhanden. Das gesamte Niederschlagwasser aus diesem Abschnitt fließt ungeregelt bis zum Lohmannsweg und dort bergab Richtung Norden.

2021 wurde auf Höhe Kiefernberg eine Querungshilfe hergestellt. Die verbauten Ent- wässerungsrinnen setzen sich durch Laubabwurf regelmäßig zu, was zu Pfützenbildung führt, da das Niederschlagwasser nicht ausreichend abfließen kann. Durch die Ableitung des Regenwassers vor der Einengung soll diesem Problem begegnet werden.

Bei Starkregen war auf Höhe Lohmannsweg zu beobachten, dass der gesamte Regen- wasseranfall am nördlichen Fahrbahnrand der Haakestraße als meterbreiter Schwall bis zur Bordkantenhöhe in Richtung B 73 fließt. Im Bereich der Ampel kam es dadurch zu Behinderungen für Passanten und dem auf dem Lohmannsweg südwärts fahrenden Kraftfahrzeugverkehr.

Zur Beseitigung dieser Missstände wurden die Versickerungsanlagen am Fahrbahnrand der Haakestraße bei Haus-Nr. 95/112 und Nr. 73a/92 als geregelte Ableitung des Nieder- schlagwassers geplant und hergestellt.

  • Aufgrund welcher Starkregenprognosen wurden die Versickerungsflächen eingerichtet?

Die Anlagen wurden eingerichtet, um die nachweislich auftretenden Abflussprobleme (ungeregelter Oberflächenabfluss, Rückstau-/Pfützenbildung an der Querungssituation, Beeinträchtigungen im Bereich Lohmannsweg/Ampel) zu beheben und den Oberflächenabfluss bei Starkregenereignissen zu reduzieren.

Die Bemessung der Anlagen erfolgte nach den einschlägigen technischen Regelwerken (siehe Punkt 4) und orientiert sich an einem definierten Bemessungsregen (Wiederkehrzeit 5 Jahre).


  • Sind die Regenrückhaltebecken in der Denickestraße nicht mehr ausreichend für prognostizierte Starkregenereignisse?

Die Regenrückhaltebecken sind in der Zuständigkeit von Hamburg Wasser und dienen hauptsächlich dem privaten Regenwasser. Für die Entwässerung von Straßenflächen sind separate Lösungen durch das zuständige Bezirksamt zu entwickeln.

Die Kapazität der Rückhaltebecken wurde daher für dieses Bauvorhaben nicht betrachtet.

  • Aufgrund welcher Überlegungen wurden Versickerungsgruben gerade in der Haakestraße eingerichtet?

Die Versickerungsanlagen wurden daher dort angeordnet, wo der Oberflächenabfluss zielgerichtet aufgenommen, zwischengespeichert (retentiert) und vor Ort versickert werden kann, um Abflussmengen und Abflussspitzen insbesondere im Bereich Lohmannsweg/Ampel zu mindern. Im Übrigen siehe Vorbemerkung.

  • Welche Kapazitäten haben die Versickerungsgruben? Welche Starkregenspitzen können damit abgefangen werden? Welche Auswirkungen haben die Versickerungsgruben ggf. für die Kapazitäten der Regenrückhaltebecken in der Denickestraße?

Gemäß den Regelwerken (u. a. DWA-A 138, Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser) wurde das Retentionsvolumen für ein 5-jährliches Regenereignis bemessen.

Der bislang zu beobachtende Wasserabfluss am Lohmannsweg in Richtung Norden verläuft in die entgegengesetzte Richtung zu den Rückhaltebecken in der Denickestraße und hat somit keine Auswirkungen auf deren Kapazität.

  • Warum werden die Versickerungsgruben im Straßenraum zulasten von Stellplätzen eingerichtet und nicht im Seitenraum im Bereich von Grünstreifen?

Der Seitenraum zwischen Fahrbahn und Gehweg ist als Grünstreifen mit dichtem, gewachsenem Baumbestand (Allee) ausgebildet. Eine Anordnung der Versickerungsanlagen in diesem Bereich hätte erhebliche Eingriffe in den Wurzelraum der Straßenbäume erfordert oder Baumfällungen nach sich ziehen können.

Der Erhalt des vorhandenen Baumbestandes war daher ein zentrales Planungsziel. Ausgewachsene Straßenbäume erfüllen im urbanen Raum eine herausragende ökologische und klimapolitische Funktion: Sie binden CO₂, spenden Schatten, reduzieren Hitzeinseln durch Verdunstung, verbessern die Luftqualität und tragen wesentlich zur Biodiversität sowie zur Aufenthaltsqualität bei. Ihr Schutz und langfristiger Erhalt ist insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels als besonders wichtig einzustufen.

Vor diesem Hintergrund wurde die Anordnung im Straßenraum gewählt. Der damit verbundene Wegfall einzelner Parkstände wurde im Rahmen der Abwägung berücksichtigt.

  • Warum werden die Versickerungsbereiche auf Höhe der Haakestraße110 nicht für weitere barrierefreie Querungsmöglichkeiten für Fußgänger baulich ertüchtigt?

Die Versickerungsfunktion erfordert eine offene Oberfläche. Eine bauliche Querungshilfe würde demgegenüber eine geschlossene Oberfläche erfordern und steht damit im Zielkonflikt zur vorgesehenen Funktion.

  • Welche Kosten sind für die Einrichtung entstanden und in welchem Kosten-Nutzen-Verhältnis steht die zu versickernde Regenmenge?

Die Kosten für die bauliche Umsetzung betrugen 317.000 €. Die Maßnahme dient nicht nur der Behebung der unzureichenden Entwässerung und damit der Verkehrssicherung sowie der Schadensprävention, sondern erfüllt darüber hinaus in erheblichem Maße ökologische und klimaanpassungsbezogene Ziele.

Die dezentrale Versickerung von Niederschlagswasser am Ort des Anfalls ist aus wasserwirtschaftlicher und klimapolitischer Sicht ausdrücklich sinnvoll und entspricht den anerkannten Grundsätzen einer nachhaltigen Regenwasserbewirtschaftung.

Durch die Rückhaltung und Versickerung wird der natürliche Wasserhaushalt gestärkt, die Grundwasserneubildung gefördert und die Ableitung großer Wassermengen in kurzer Zeit vermieden. Dadurch werden Abflussspitzen bei Starkregenereignissen reduziert und Gefährdungen sowie Belastungen in tieferliegenden Straßenabschnitten minimiert.

Zudem leistet die Maßnahme einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung im urbanen Raum. Versickerungsanlagen unterstützen Verdunstungsprozesse, wirken hitzemindernd und tragen zur Stabilisierung des lokalen Mikroklimas bei.

Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Starkregenereignisse und längerer Trockenperioden ist es fachlich geboten, Regenwasser möglichst im Quartier zu halten, anstatt es schnell abzuleiten. Das Vorgehen entspricht dem Prinzip der sogenannten „Schwammstadt“, wonach Städte Wasser aufnehmen, speichern und zeitverzögert wieder abgeben sollen.

Vor diesem Hintergrund ist der Nutzen der Maßnahme nicht ausschließlich anhand der unmittelbar versickerten Wassermenge zu bewerten, sondern umfasst langfristige ökologische, infrastrukturelle und klimatische Effekte. Die Planung erfolgte unter Abwägung wirtschaftlicher Gesichtspunkte sowie unter Berücksichtigung der dauerhaft positiven Wirkungen auf Wasserhaushalt, Stadtklima und Verkehrssicherheit.

  • Welche weiteren Versickerungsgruben sind in Harburg geplant? Sind weitere Versickerungsgruben im Straßenraum zulasten von PKW-Stellplätzen geplant?

Im Zuge der Instandsetzung der Haakestraße zwischen Lohmannsweg und Alter Postweg ist in Höhe Haus-Nr. 57/68 der Einbau von Rigolen geplant. Der Zulauf erfolgt hier über Straßenabläufe - auf Tiefbeete wird zum Erhalt des Parkraums verzichtet.

  • Welche alternativen, kostengünstigeren Varianten gibt es, um Regenwasser im öffentlichen Raum versickern zu lassen, zum Beispiel Entsiegelung von Flächen, Schaffung einfacher Mulden im Seitenraum von Straßen oder ähnliches.

Alternative Auffangmöglichkeiten für Niederschlagwasser brauchen viel Platz, der hier ohne massiven Eingriff in den Baumbestand nicht gegeben wäre. Entsprechende Varianten wurden im Rahmen der Planung mit betrachtet und abgewogen.

  • Für die Versickerungsgruben, in der Haakestraße wurden die Wurzeln der Straßenbäume stark geschädigt (siehe Foto). Haben diese Schädigungen Einfluss auf die Vitalität der Bäume? Ist gegebenenfalls mit einem Absterben der Bäume zu rechnen? Welche Vorkehrungen wurden getroffen, um ein Absterben der Bäume zu verhindern? Wurden alternative Standorte geprüft, bei denen es zu keinen gravierenden Eingriffen in den Wurzelbereich von Bäumen gekommen wären?

Die Tiefbauarbeiten wurden durch einen Baumpfleger begleitet. Wurzelwerk im Bereich der unterirdisch verbauten Entwässerungseinrichtungen wurden durch den Fachmann beurteilt, bewertet und entsprechend behandelt.

Starke Beschädigungen wurden dabei vermieden. Auf Basis dieser Begleitung wird nicht davon ausgegangen, dass es zu einem Absterben der betroffenen Bäume aufgrund der Maßnahme kommen wird.



Carstensen

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