22-2777

Kopfsteinpflaster glätten: Radverkehr stärken, Fußverkehr schützen und Verkehrslärm mindern Antrag der Volt-Fraktion

Antrag

Sachverhalt

Zusammenfassung in Einfacher Sprache:

Worum geht es?

In Hamburg-Nord gibt es viele Straßen mit unebenem Kopfsteinpflaster. Das Fahrradfahren ist dort oft unbequem. Manche Radfahrende weichen deshalb auf den Gehweg aus. Das kann für Fußgänger*innen gefährlich sein.

Was soll erreicht werden?

Ein neues Verfahren kann Kopfsteinpflaster glätten. Der Bezirk soll prüfen, auf welchen Straßen dieses Verfahren sinnvoll ist. Anschließend soll es auf einer geeigneten Straße erprobt werden.

Warum ist das wichtig?

Radfahrende sollen die Fahrbahn sicher und bequem nutzen können. Fußgänger*innen sollen auf den Gehwegen besser geschützt werden. Gleichzeitig können das historische Straßenbild erhalten und möglicherweise Kosten gespart werden.

Sachverhalt:

Historisches Kopfsteinpflaster prägt das Straßenbild vieler Wohnquartiere in Hamburg-Nord. Seine unebene Oberfläche und ausgeprägten Fugen erschweren jedoch die Nutzung durch Radfahrende und können die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Insbesondere starke Erschütterungen und eingeschränkter Fahrkomfort veranlassen Radfahrende dazu, auf Gehwege auszuweichen. Dadurch entstehen Nutzungskonflikte mit Fußgänger*innen, die besonders für Kinder, ältere Menschen und mobilitätseingeschränkte Personen problematisch sind. Über entsprechende Konflikte und Unfälle in Hamburg wurde zuletzt wiederholt berichtet.[1] [2] Zugleich verursacht der Kfz-Verkehr auf grobem Kopfsteinpflaster ausgeprägte Abroll- und Stoßgeräusche, die mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit die Lärmbelastung der Anwohnenden erheblich erhöhen können. Eine Verbesserung der Fahrbahnoberfläche kann daher sowohl den Fuß- und Radverkehr stärken als auch zur Lärmminderung und Steigerung der Wohnqualität beitragen.

Ein vielversprechender Ansatz hierfür ist das sogenannte Precision Grinding[3], bei dem die Oberfläche vorhandener Pflastersteine mithilfe rotierender Diamantwerkzeuge präzise geglättet wird. Das Verfahren wurde unter Beteiligung der Technischen Hochschule Wildau entwickelt und unter anderem am Berliner Priesterweg[4] sowie in Eichwalde erfolgreich erprobt.[5] Die Ergebnisse zeigen deutliche Verbesserungen des Fahrkomforts und eine Verringerung der Fahrgeräusche. Gleichzeitig bleiben das Pflasterbild und bei geeigneter Fugengestaltung die Versickerungsfähigkeit erhalten. Da die vorhandene Fahrbahn weitgehend weiterverwendet wird, bestehen zudem Potenziale zur Einsparung von Baukosten, Material und Ressourcen.

Die Eignung des Verfahrens zur Steigerung der Verkehrssicherheit und des Fahrkomforts in Hamburg-Nord hängt insbesondere vom Zustand des Pflasters, seiner Bettung und der erforderlichen Bearbeitungstiefe ab. Auch Griffigkeit, Entwässerung und langfristige Haltbarkeit sind zu berücksichtigen. Bei historischen Straßen sind zudem die denkmalrechtlichen Anforderungen zu prüfen, da die Bearbeitung einen dauerhaften Eingriff in die Steinsubstanz darstellt. Eine vergleichende Bewertung mit herkömmlichen Sanierungsverfahren ist daher sinnvoll. Ein weiteres Anwendungspotenzial besteht bei Straßen, deren historisches Kopfsteinpflaster nachträglich mit Asphalt überdeckt wurde. Frostbedingte Aufbrüche und Schlaglöcher können dort wie auf anderen Asphaltstraßen wiederkehrende und kostenintensive Reparaturen erforderlich machen. Sofern das darunterliegende Pflaster ausreichend gut erhalten ist, könnte die Entfernung der Asphaltdecke mit anschließender Glättung eine langfristig wirtschaftliche Sanierungsalternative darstellen.

Viele Straßen in den Quartieren des Bezirks Hamburg-Nord verfügen über Kopfsteinpflaster, so z.B. Teile der Krochmannstraße, der Baumkamp, die Himmelstraße, die Frustbergstraße, die Husumer Straße und die Osterbekstraße. Anhand eines geeigneten Pilotabschnitts könnten die technische Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit, verkehrlichen Auswirkungen und Lärmbelastung unter den örtlichen Bedingungen erprobt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten anschließend als Grundlage für weitere Maßnahmen zur fahrradfreundlichen und lärmmindernden Gestaltung bestehender Pflasterstraßen dienen. Bereits 2017 befasste sich der Regionalausschuss Eppendorf-Winterhude mit der Glättung von Kopfsteinpflaster. Für die östliche Semperstraße empfahl er einstimmig, neben einem vollständigen oder teilweisen Austausch des Pflasters auch dessen Abschleifen zur Verbesserung der Befahrbarkeit für den Radverkehr einschließlich eines Kostenvergleichs zu prüfen (Drs. 20-4553). Damit wurde der Ansatz, Radverkehrskomfort und den Erhalt des historischen Straßenbildes miteinander zu verbinden, bereits frühzeitig im Bezirk aufgegriffen.

[1] https://www.abendblatt.de/hamburg/politik/article413308061/verkehr-hamburg-so-angespannt-ist-die-lage-zwischen-radfahrern-und-fussgaengern.html

[2] https://www.abendblatt.de/hamburg/politik/article413256030/hamburger-radler-fahren-fussgaenger-auf-dem-gehweg-um-die-rechtslage-01.html

[3] https://www.zdfheute.de/panorama/precision-grinding-kopfsteinpflaster-schleifen-100.html

[4] https://www.infravelo.de/projekt/pilotprojekt-priesterweg-hans-baluschek-park/

[5] https://www.nudafa.de/teilprojekte/komfortables-kopfsteinpflaster/

Petitum/Beschluss

Der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität möge beschließen:

  1. Das Bezirksamt wird gebeten, die Eignung des Verfahrens Precision Grinding zur Verbesserung der Befahrbarkeit bestehender Kopfsteinpflasterstraßen in Hamburg-Nord zu prüfen. Dabei sollen insbesondere die Krochmannstraße, der Baumkamp, die Himmelstraße, die Frustbergstraße, die Husumer Straße und die Osterbekstraße sowie gegebenenfalls weitere geeignete Straßenabschnitte berücksichtigt werden.
  1. Im Rahmen der Prüfung sollen die technischen Voraussetzungen, insbesondere der Zustand des Pflasters, seine Griffigkeit, Entwässerung und Dauerhaftigkeit, sowie die denkmalrechtlichen Anforderungen untersucht werden. Hierbei sollen auch die Erfahrungen aus den Pilotprojekten in Berlin und Eichwalde, sowie der aktuelle Sachstand in Bezug auf die Leverkusenstraße im Bezirk Altona (Drucksache 22-2242) einbezogen werden.
  2. Die voraussichtlichen Herstellungs- und Unterhaltungskosten sollen mit denen alternativer Sanierungsverfahren, insbesondere einer Neupflasterung, der Herstellung einer ebenen Kernfahrbahn und einer Asphaltierung, verglichen werden. Dabei sind auch mögliche Einsparungen bei Bauzeit, Materialeinsatz und Entwässerungsmaßnahmen zu berücksichtigen.
  3. Bei positiver technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Bewertung wird das Bezirksamt gebeten, einen geeigneten Straßenabschnitt für ein Pilotprojekt vorzuschlagen und dessen Umsetzung einschließlich möglicher Finanzierungswege vorzubereiten.
  4. Ein durchgeführtes Pilotprojekt soll hinsichtlich Fahrkomfort, Griffigkeit, Verkehrssicherheit, Nutzung der Gehwege durch Radfahrende, Lärmentwicklung und Unterhaltungsaufwand evaluiert werden. Hierfür sollen nach Möglichkeit Vorher-Nachher-Vergleiche durchgeführt werden.
  5. Das Bezirksamt wird gebeten, dem Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität sowie den zuständigen Regionalausschüssen bis zum Ende des zweiten Quartals 2027 über die Ergebnisse der Prüfung und das weitere Vorgehen zu berichten.
  6. Ergänzend soll geprüft werden, ob bei Straßen mit einer Asphaltüberdeckung auf historischem Natursteinpflaster die Entfernung der Asphaltdecke und anschließende Glättung durch Abfräsen des freigelegten Pflasters eine technisch geeignete und langfristig wirtschaftliche Sanierungsalternative darstellt. Hierzu sollen insbesondere Straßen mit wiederkehrenden Fahrbahnschäden betrachtet und die voraussichtlichen Gesamtkosten einschließlich erforderlicher Vorarbeiten und langfristiger Unterhaltung mit denen wiederholter Asphaltreparaturen, einer erneuten Asphaltierung sowie einer grundhaften Fahrbahnsanierung über einen vergleichbaren Betrachtungszeitraum gegenübergestellt werden.

Für die Volt-Fraktion: Antje Nettelbeck, Jan D. Talleur, Dr. Jörg Bormann (Bezirksabgeordnete Volt-Fraktion), Ulrike Dockhorn

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