Stellungnahme nach § 28 BezVG der Bezirksversammlung Eimsbüttel zur Nutzung der Container am Standort Schmiedekoppel für das Winternotprogramm
Letzte Beratung: 29.10.2020 Bezirksversammlung Ö 9.6
Die Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration hat mit Schreiben vom 5. Oktober 2020 bekanntgegeben, zum 1. November 2020 auf dem Grundstück Schmiedekoppel 29 in Niendorf einen zusätzlichen Standort für das Winternotprogramm 2020/21 einzurichten. Vorgesehen ist eine temporäre Nutzung der bereits vorhandenen und vormals zur Unterbringung von Geflüchteten genutzten Wohncontainer mit einer Belegung von bis zu 250 Plätzen.
Die Zahl wohnungsloser Menschen hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Nicht nur die Öffnung des Arbeitsmarktes für Arbeiterinnen und Arbeiter aus Osteuropa, die hier meist in prekären Arbeitsverhältnissen ausgebeutet werden und dadurch bei Arbeitsverlust grundsätzlich von Obdachlosigkeit bedroht sind, auch der immer härter umkämpfte Wohnungsmarkt lassen mehr Menschen in die Obdachlosigkeit fallen.
Doch auch die zunehmende Zahl von Singlehaushalten und die Vereinsamung der Menschen verstärken diese Entwicklung.
Obdachlose leben und sterben oft auf der Straße. Jedes Jahr sterben in Hamburg etwa 120 Menschen im Winter draußen, oft erfrieren sie.
Das Winternotprogramm bietet den Menschen einen niedrigschwelligen Erfrierungsschutz. Fast ohne bürokratische Hürden bietet es Menschen einen Ort zum Übernachten. Tagsüber jedoch sind die Einrichtungen geschlossen.
Vor dem Hintergrund der aktuell erforderlichen Abstands- und Hygienevorkehrungen sowie einer gestiegenen Zahl Schutzbedürftiger hält die Sozialbehörde die temporäre Ausweisung eines weiteren Standorts zum Schutz der Menschen für nötig.
Bereits seit 1. November 2018 existiert in Eimsbüttel ein Standort des Winternotprogrammes, in der Kollaustraße 15. Seit April 2020 wird dieser Standort als Folge der Corona-Pandemie für das neue Notunterbringungs- und Versorgungsprogramm mit mehr als 150 Nutzerinnen und Nutzern eingesetzt. Betreiber ist das städtische Unternehmen „fördern und wohnen“.
Die Bezirksversammlung hat nach § 28 BezVG Gelegenheit, binnen Monatsfrist Stellung zu nehmen. Daher ist eine Beschlussfassung in der BV am 29.10. nötig. Die normale Meldefrist wird nicht eingehalten, da bereits im Vorfeld eine Einigung aller Fraktionen angestrebt wird, um dieses überaus wichtige Thema interfraktionell beschließen zu können.
Der Vorsitzende der Bezirksversammlung Eimsbüttel wird gebeten, dem Hamburger Senat in der Stellungnahme zur geplanten Nutzung des Standorts Schmiedekoppel 29 für das Winternotprogramm mitzuteilen:
Standort, Belegung und Information
Zu dieser Information gehören neben einer öffentlichen Veranstaltung vor Inbetriebnahme der Unterkunft und dem regelmäßigen Austausch zwischen den Akteuren und Beteiligten auch der Hinweis auf Kontaktmöglichkeiten zum Betreiber der Unterkunft mit festen Ansprechpartnern bzw. Ansprechpartnerinnen. Auf diese Weise kann die neue Nachbarschaft sich und die jeweiligen Bedürfnisse gegenseitig besser kennenlernen, es können frühzeitig mögliche Schwierigkeiten beseitigt und die Akzeptanz der geplanten Nutzung für das Winternotprogramm im Stadtteil erhöht werden. Dabei sollen die am Standort Kollaustraße gesammelten Erfahrungen einbezogen werden.
Öffnungszeiten und Bus-Shuttle
Tagesaufenthaltsstätten in Hamburg / Soziale Infrastruktur vor Ort
Hygienekonzept und Betrieb
Die Bezirksversammlung weist in Bezug auf die angrenzenden Grün- und Landschaftsschutzflächen darauf hin, dass diese Erholungsgebiete für alle Hamburgerinnen und Hamburger sind und zu jeder Tageszeit vielfältig genutzt werden. Im Sinne einer guten Nachbarschaft ist es daher geboten, diese Flächen besonders im Blick zu haben. Auch die Nutzerinnen und Nutzer des Winternotprogramms sind hier herzlich willkommen, haben sich aber wie alle anderen auch an die gegebenen Regeln zu halten. Verstößen soll der Betreiber pro-aktiv entgegenwirken und mit den zuständigen Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten.
Die Bezirksversammlung weist darauf hin, dass eine diskriminierungsfreie Tätigkeit des Sicherheitsdienstes sowohl für die Unterkunft selbst als auch die Nachbarschaft ein wichtiger Faktor für ein gelingendes Miteinander ist und bittet darum, dies entsprechend sicherzustellen.
Gabor Gottlieb, Ines Schwarzarius, Koorosh Armi, Torge Urbanski, Dr. Ann-Kathrin Riegel, Ernst Christian Schütt, Moritz Altner, Dagmar Bahr, Ralf Meiburg, Paulina Rügge, Janina Satzer und Annika Urbanski (SPD-Fraktion)
Falk Schmidt-Tobler, Sebastian Dorsch, Ali Mir Agha, Nina Schübel, Kathrin Warnecke, Dietmar Kuhlmann, Carl-Maria Bohny, Aramak Erk, Dr. Jost Leonhardt Fischer, Harald Hasselmann, Dr. Lynne Hunter, Robert Klein, Kevin Köhler, Jan Koriath, Cornelia Kost, Gabriela Küll, Jim Martens, Lutz Schmidt, Nico Thies (GRÜNE-Fraktion)
Jutta Höflich, Rüdiger Kuhn, Hans-Hinrich Brunckhorst, Sören Ehrlich, Sascha Greshake, Christian Holst, Dr. A.W. Heinrich Langhein, Andreas Stonus (CDU-Fraktion)
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