Wechselbepflanzungen im Bezirk, aber zu welchen Kosten?
Große Anfrage
der BAbg. Potthast, Bendt-Soetedjo und Fraktion der GRÜNEN
Im Bezirk Bergedorf werden an verschiedenen öffentlichen Orten saisonal wechselnde Zierpflanzungen eingesetzt. Bekannte Standorte sind unter anderem der Mohnhof, der Lohbrügger Markt, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal sowie das Grüne Zentrum in Lohbrügge. Wechselbepflanzungen bestehen häufig aus Zierpflanzen wie Stiefmütterchen oder Sommerblumen, die einen vergleichsweise geringen ökologischen Wert aufweisen. Sie bieten Insekten wenig bis keinen Nutzen als Nahrungsquelle, sind häufig nicht heimischer Herkunft und müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Zudem erfordert diese Bepflanzungsform in den Sommermonaten eine künstliche Bewässerung, um ein Absterben der Pflanzen zu verhindern, was mit zusätzlichem Personal- und Ressourcenaufwand verbunden ist.
Vor dem Hintergrund der laufenden Klimaanpassungsstrategie des Bezirks, der Verpflichtungen aus dem „Vertrag für Hamburgs Stadtgrün“ sowie der wachsenden Bedeutung ökologisch wertvoller Grünflächen stellt sich die Frage, ob die derzeitige Praxis der Wechselbepflanzung dem Anspruch einer zukunftsfähigen, ressourcenschonenden und insektenfreundlichen Grünflächengestaltung gerecht wird.
Das Bezirksamt nimmt wie folgt Stellung:
Im Bezirk Bergedorf hat die Pflanzenproduktion traditionell eine besondere Bedeutung. So ist mit den Vier- und Marschlanden eins der größten zusammenhängenden Blumenanbaugebiete Deutschlands mit einer langen Geschichte im Bezirk verortet. Zwar geht insgesamt die Zahl der Betriebe in der Hansestadt Hamburg zurück, die Pflanzen erfreuen sich aber nach wie vor großer Beliebtheit. Im Jahr 2025 wurden etwa in Hamburg immer noch 15,5 Millionen Beet- und Balkonpflanzen erzeugt, darunter allein 6 Millionen Veilchengewächse, siehe Statistik Nord, Statistik informiert Nr. 7/2026.
Gerade auch vor diesem Hintergrund gibt es im Bezirk eine Bandbreite heimisch produzierter Pflanzen im öffentlichen Raum und zwar sowohl Flächen mit saisonaler Wechselbepflanzung als auch dauerhaft angelegte Staudenpflanzungen. Beide Formen der Bepflanzung haben ihre Berechtigung und setzen unterschiedliche gestalterische Schwerpunkte. Die Wechselbepflanzung zeichnet sich durch eine besonders hohe Blühintensität und Farbwirkung aus und trägt damit positiv zur Aufenthaltsqualität und zum Erscheinungsbild öffentlicher Räume bei. Gleichzeitig erfreuen sich viele Menschen an naturnah gestalteten Staudenflächen, die einen anderen, stärker landschaftsbezogenen Charakter vermitteln.
Die intensiv blühenden Anlagen, etwa im Bereich des Kaiser-Wilhelm-Denkmals und des Mohnhofs, erfreuen sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Für die Flächen am Lohbrügger Markt wurde die Bepflanzungsart auf Grundlage eines Beschlusses der Bezirksversammlung gewählt, vgl. Drs. 22-0154. Gleichzeitig finden sich im Schlosspark Staudenpflanzungen, die sich harmonisch in die Gesamtgestaltung der historischen Anlage einfügen. Vergleichbare Pflanzungen findet man auf dem „Alten Friedhof Lohbrügge“ und auch im Grünzug Bornbrook beim „Duftgarten“.
Die Annahme, Staudenpflanzungen seien grundsätzlich kostengünstiger als Wechselbepflanzungen, trifft in dieser Pauschalität nicht zu. Zwar müssen bei Staudenpflanzungen in der Regel nur einzelne ausgefallene Pflanzen ersetzt werden, diese sind jedoch in der Anschaffung deutlich teurer als Sommerblumen. Zudem erfordert die Pflege von Staudenpflanzungen ein hohes Maß an Fachwissen. Die Entwicklung der Pflanzungen muss kontinuierlich beobachtet und durch gezielte Pflegemaßnahmen gesteuert werden. Beide Pflanzungsarten bedürfen im Ergebnis einer dauerhaften Pflege und müssen insbesondere in Trockenperioden bewässert werden. Zwar fallen bei Staudenpflanzungen häufig weniger Pflegegänge an, diese sind jedoch aufgrund der notwendigen fachlichen Expertise aufwendiger und damit kostenintensiver.
Insgesamt bewegen sich die Kosten beider Pflanzungsformen in einer vergleichbaren Größenordnung.
Eine naturnahe Gestaltung mit heimischen Pflanzen kann aus ökologischer Sicht besondere Vorteile bieten. Gleichzeitig können auch Wechselbepflanzungen einen ökologischen Wert haben, etwa wenn darauf geachtet wird, überwiegend einfach blühende Arten und Sorten zu nutzen, die etwa als bienenfreundlich eingestuft werden und somit einen Beitrag zur Förderung von Bestäubern leisten.
Dies vorausgeschickt beantwortet das Bezirksamt die Fragen wie folgt:
Im Straßenbegleitgrün (STBG) Mohnhof (174 m²) und Lohbrügger Markt (60 m²); Rathauspark 273 m³, Kaiser Wilhelm Brunnen und Denkmal 370m²; Schlosspark + Schillerufer 1748 m², Grü-nes Zentrum Lohbrügge-Vogelvoliere ca. 2.500 m²
Alle unter 1 genannten Flächen werden nur im Frühjahr und Sommer bepflanzt.
Siehe Frage 2
Mohnhof ca. 15.600,00 €
Lohbrügger Markt ca. 5.400,00 €
Rathauspark ca. 6.200 €
Schlosspark + Schillerufer ca. 40.000 €
Kaiser-Wilhelm-Platz und -Denkmal ca. 8.400€
Grünes Zentrum Lohbrügge-Vogelvoliere ca. 7.000€.
In den Grünanlagen kommen Personalkosten hinzu, da die Pflanzung und die Bewässerungs-gänge mit eigenem Personal erfolgen.
Mohnhof: Pflanzenlieferung 3.600,00 €; Pflanzung Pflege und Entsorgung 12.000,00 €
Lohbrügger Markt: Pflanzenlieferung 1.250,00 €; Pflanzung Pflege und Entsorgung 4.150,00 €
In Grünanlagen werden die Pflanzen über eine Sammelbestellung für alle Anlagen: ca. 30.000 € beschafft.
Die Pflegeleistungen im Revier Bergedorf betragen 31.000€ zuzüglich eigene Personalkosten für Pflanzung und Bewässerungsgänge.
Pflanzung, Pflegeleistungen und Bewässerungsgänge im Grünen Zentrum - Vogelvoliere wer-den von eigenem Personal sowie von Mitarbeitende von Sprungbrett durchgeführt. Eine Aufschlüsselung der Personalkosten für diesen Träger erfolgt nicht.
STBG Mohnhof: ca. 4.860,00 €;
STBG Lohbrügger Markt: ca. 1.676,00 €
In Grünanlagen erfolgt die Bewässerung in Eigenleistung, der Personalaufwand ist witterungs-abhängig, max. bis zu 4-6 Pers. bis zu 3x/Woche für alle Grünanlagen.
An den o.g. Standorten im Frühjahr Freilandstiefmütterchen mit verschiedenen Farbtönen und Hornveilchen.
Im Sommer: Leberbalsam; Schmuckkörbchen, Husarenköpfe, Salbei, Petunien, Mittagsblume, Buntblatt, Margeriten, Steinkraut, Nelken, Ziertabak, Zinnien, Eisenkraut, Sonnenwende, Zwerg Wucherblume, Begonien
Durch die Bepflanzung der ausgesuchten Standorte soll ein harmonisches, stimmungsvolles und farbenfrohes Bild erzeugt werden Es werden insektenfreundliche und keine gefüllt blühen-den Pflanzen verwendet.
Die Pflanzen stammen aus Anzuchtbetrieben in den Vier- und Marschlanden.
Die Beschaffung erfolgt über die Vergabestelle des Bezirksamtes Altona auf der Basis des Um-weltleitfadens, in dem verschiedene Parameter ausgewählt werden können. Für die Beschaffung von Pflanzen werden kurze Transportwege (regional produziertes Pflanzenmaterial) sowie wie-derverwendbare Verpackung als Anforderung zugrunde gelegt.
Nein.
Zur Beschaffung der Pflanzen siehe Antwort zu 10. Die Pflegearbeiten werden beschränkt ausgeschrieben.
Die Vergabe erfolgte in den vergangenen drei Jahren an lokale ortsansässige Bergedorfer Be-triebe.
Siehe Antwort zu 10.
Zu den Fragen 4. 5 und 6
Die Kosten für die Pflanzenlieferung, Pflanzarbeiten, Entsorgung, Pflege und Wässern teilen sich wie folgt auf:
Straßenbegleitgrün |
Pflanzenlieferung |
Pflanzarbeit, |
Wässern |
Gesamtkosten |
Mohnof |
3.600,00 € |
7.140,00 € |
4.860,00 € |
15.600,00 € |
Lohbrügger Markt |
1.250,00 € |
2.474,00 € |
1.676,00 € |
5.400,00 € |
Grünanlagen |
Pflanzenlieferung |
Pflege |
Gesamtkosten |
Rathauspark |
1.700,00 € |
3.600,00 € |
5.300,00 € |
Schloßpark mit Schillerufer |
10.700,00 € |
22.700,00 € |
33.400,00 € |
Kaiser-Wilhelm-Platz |
2.300,00 € |
4.800,00 € |
7.100,00 € |
Grünes Zentrum Lohbrügge |
15.300,00 € |
Sprungbrett |
15.300,00 € |
Bei den Grünanlagen erfolgen das Pflanzen und Wässern durch eigenes Personal. Im Grünen Zentrum Lohbrügge unterstützen zusätzlich die Mitarbeiter von Sprungbrett. Dieser Aufwand wird jedoch nicht gesondert erfasst.
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