Ergebnisse der Bedarfsermittlungsworkshops der Jugendhilfeplanung 2026
Letzte Beratung: 13.10.2026 Jugendhilfeausschuss Ö 7.3
Im Rahmen der Jugendhilfeplanung führt das Fachamt Sozialraummanagement jährlich in jedem der drei Bergedorfer Planungsräume einen Workshop zur Bedarfsermittlung mit Fachkräften durch. 2026 fanden die Workshops zum dritten Mal statt: in Lohbrügge am 03.07.2026, in Neuallermöhe und Bergedorf-West am 06.07.2026 sowie in Bergedorf-Kern und Vier- und Marschlande am 08.07.2026. An jedem Workshop nahmen zwischen 15 und 20 Fachkräfte aus Jugendhilfeträgern, dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD), Schulen, Vereinen und der Verwaltung teil.
Vorgehen und Einordnung der Ergebnisse
Die Workshops bestanden aus zwei Teilen: einer datengestützten Präsentation zu sozioökonomischen Kennziffern und ausgewählten Kennzahlen des Berichtswesens sowie einer anschließenden Arbeitsphase. In Kleingruppen sammelten die Teilnehmenden Nennungen zu vier Feldern: Bedarfe der Fachkräfte, Bedarfe der Eltern, Bedarfe der Kinder und Jugendlichen sowie „Was läuft gut?“.
Planungsraumübergreifende Themen
Die folgenden Themen wurden 2026 in allen drei Workshops benannt:
In zwei Planungsräumen wurden darüber hinaus Medienkonsum und Mediensucht als eigenständiges Handlungsfeld, Wohnraum als Voraussetzung gelingender Hilfen, Lücken an Altersübergängen (etwa zwischen Spielhaus und Jugendclub oder bei Hilfen zur Erziehung ab 18 Jahren) sowie Gruppenangebote für Kinder psychisch oder suchtkranker Eltern und für Trennungskinder genannt.
Schwerpunkte in den Planungsräumen
In Lohbrügge wurden insbesondere Qualifizierungs- und Personalbedarfe im Umgang mit (Rechts-)Extremismus, Radikalisierung und interreligiösem Dialog, geschlechtsspezifische Gruppenangebote für Jungen und Mädchen sowie der Ausbau der interkulturellen Sozialberatung benannt. Letzteres wurde damit begründet, dass derzeit häufig Kinder für ihre Eltern übersetzen müssten.
In Neuallermöhe und Bergedorf-West standen Sprachmittlung (Dolmetscherpool und Kostenübernahme), Unterstützung bei Schulabsentismus und Supervision für Fachkräfte im Vordergrund. Als Belastungen wurden die Lage auf dem Wohnungsmarkt, Armut von Jugendlichen, die Mehrfachbelastung insbesondere von Müttern sowie bereits erfolgte und angekündigte Sparmaßnahmen genannt.
In Bergedorf-Kern und Vier- und Marschlande wurden Planungssicherheit, ein Lotsensystem für Fachkräfte, die Vernetzung von stationären Hilfen, Offener Kinder- und Jugendarbeit und Jugendamt sowie öffentliche Treffpunkte und die ÖPNV-Anbindung für Jugendliche hervorgehoben. Für Geflüchtete am Gleisdreieck wurde auf den Wegfall des Shuttles zu den Schulen im ländlichen Raum hingewiesen.
Entwicklung seit 2024
Mehrere Themen werden seit Beginn der Workshops durchgehend genannt: die gesundheitliche Versorgung (2024 vor allem Kinderärztinnen und Kinderärzte, 2025 Therapieplätze, 2026 beides in allen Planungsräumen), Personalmangel und Planungssicherheit, der Wunsch nach einer Übersicht über bestehende Angebote sowie Sprachmittlung.
Auffällig und hervorzuheben im Jahr 2026 sind vor allem drei Punkte: Medienkonsum und Mediensucht entwickeln sich von einem Fortbildungsthema zu einem eigenständigen Handlungsfeld. Der Umgang mit (Rechts-)Extremismus und Radikalisierung wurde noch einmal betont und scheint als Problemfeld zuzunehmen. Zudem werden aktuelle Sparmaßnahmen ausdrücklich als Belastung genannt, verbunden mit einem wahrgenommenen Konflikt zwischen Kürzungen und bestehenden Bedarfen.
Als Stärken des Bezirks werden über alle drei Jahre bemerkenswert stabil die Sozialraumgremien und Arbeitsgemeinschaften, die Trägermesse und die Sozialraumrallye, die Zusammenarbeit mit dem ASD sowie eine trägerübergreifende Kooperation ohne ausgeprägtes Konkurrenzdenken genannt.
Zusammenfassung
Die Ergebnisse zeigen über drei Jahre hinweg ein recht stabiles Bild. Bestehende Handlungsfelder wie Treffpunkte im öffentlichen Raum sowie Radikalisierung bleiben bestehen und nehmen an Relevanz sogar zu. Auch deutet der Wunsch nach Lotsenfunktionen auf weiteres Optimierungspotential bei der Informationsbereitstellung hin. Ein erheblicher Teil der zentralen Bedarfe, insbesondere die gesundheitliche Versorgung und der Wohnraum, liegt außerhalb des unmittelbaren Handlungsrahmens der Jugendhilfe, wirkt sich jedoch spürbar auf deren Arbeit aus. Zugleich wird die Vernetzung im Bezirk durchgängig als Stärke wahrgenommen, an die bei der weiteren Planung angeknüpft werden kann.
Der Jugendhilfeausschuss nimmt zur Kenntnis.
Protokoll der Bedarfsermittlungsworkshops 2026
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