Eine Route der Industriekultur an der Wandse! Eingabe
Letzte Beratung: 08.06.2021 Ausschuss für Haushalt und Kultur Ö 4.1
Die beigefügte Eingabe liegt der Geschäftsstelle vor:
„Die Landschafts-Achse entlang der Wandse ist derzeit Gegenstand vielfältiger politischer Planungen.
Die Transformation des mittleren Wandsetals zugunsten von Klimaschutz und Ökologie
steht an. Der Uferbereich am traditionsreichen „Arbeitsbach“ (H. Fricke), der seinen Namen
Wandse erst seit Beginn des Industriezeitalters trägt, stand lange im Schatten öffentlicher Aufmerksamkeit.
Als Destination für Wohnstandorte und Freiraum am Wasser gewinnt er nun auch
gesamtstädtisch an Bedeutung. Aber noch immer werden die attraktiven Uferparks: Mühlenteichpark,
Eichtalpark und Botanischer Sondergarten aus Hamburger Sicht kaum wahrgenommen
(s. HA vom 5.04.2021. S. 10: Edgar S. Hasse, Die kleinen Schwestern von Elbe und Alster).
Das liegt u. a. daran, dass der bis Eilbek bereits gut ausgebaute Wanderweg im Abschnitt
durch das Wandsbeker Kerngebiet nicht durchgängig ist, ja Unorte und Gefahrenstellen aufweist.
Dies soll in den nächsten Jahren zum Glück anders werden. Die Potenziale der Region
sind nicht zuletzt durch den Wettbewerb zum Otto-Linne-Preis 2019 erkannt. Auch das 10-
Jahresprojekt Natürlich Hamburg! von BUKEA ist im Gange. Die Freunde des Eichtalparks e. V.
und andere Initiativen entlang der Wandse leisten seitens der Zivilgesellschaft ihren Beitrag.
Das KULTORHAUS wird zunehmend zum Publikumsliebling, vorerst als Galerie und Ausgangspunkt
für Aktivitäten im Park.
Jedoch die z. T. noch sichtbaren Bauwerke und Denkmäler der reichen Industriekultur im
Wandsetal sind kaum bekannt, wenn man von einigen Straßennamen absieht. Auch fehlt die
Perspektive der Hamburger Geschichts-schreibung auf die einstige „Werkbank“ im Osten, die
dort oft mit Naturzerstörung und Knochenarbeit einherging. Vergessen scheint gleichfalls die
enorme Anziehungskraft Wandsbeks als Kultur- und Ausflugsziel der Großstädter bis weit ins
20. Jahrhundert, begünstigt durch Pferde-, Dampf und Straßenbahn.
Die Geschichtswerkstatt Wandsbek hat seit 2013 in zahlreichen Rundgängen, Vorträgen und
Ausstellungen (Mikrokosmos Brauhaus-Viertel, 200 Jahre Wandsbek-Markt (1759-1959), Mühlenstandort
Eichtal, Beitrag zum Europajahr 2019: Europa und wir, Neues Bauen in Wandsbek)
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auf markante Schauplätze des Grenz-, Markt- und Fabrikorts und den Gewerbefleiß der
Wandsbeker hingewiesen, der sich hier bis heute in vielen Branchen fortsetzt. Zahlreiche Portraits
Wandsbeker Betriebe liegen in Wort und Bild vor, nicht zuletzt aufgrund der Arbeiten von
Walter Klein und Helmut Fricke. Es mangelt jedoch an Sichtbarkeit der Wiege der Industriekultur
seit 700 Jahren am Wandse-Ufer. Das grüne Band der sich jetzt wandelnden
Landschaftsachse könnte als ökologisches, kulturelles und touristisches Ziel gewinnen:
(1) Aussichtspunkte mit Info-Tafeln verweisen auf die ökonomischen Traditionen am Fluß, auf
Mühlen, Manufak-turen und Industriebetriebe, die nicht weniger unseren Ort prägen als der
adelige Herrensitz und dessen oft einflussreiche Machthaber zwischen Hamburg und Kopenhagen.
(2) Reizvolle Abschnitte am Wanderweg, mit Namen versehen, könnten eine durchgängige
„Route der Industriekultur an der Wandse“ anschaulich begleiten. Was an der Ruhr, der Wupper
oder anderwärts zur Identität einer Industrie- und Kulturlandschaft beiträgt, sollte auch bei uns
gelingen.
Anbei ein erster Entwurf mit den Zeugen des Wirtschaftsstandorts Wandsbek. Für ein solches
Vorhaben können wir, ggf. mit anderen lokalen Akteuren, zum inhaltlichen Input beitragen. Am
Tag des offenen Denkmals 11./12.09.2021 soll es in Kooperation mit dem Kulturschloss
Wandsbek ein Angebot in zwei Etappen geben. Entlang der bereits bestehenden Wanderroute
könnten mittelfristig erste Info-Stelen stehen, z. B. nach dem Vorbild des Dulsberg-Rundgangs.
Durch öffentliche Beteiligung an der Namensgebung für einzelne Uferabschnitte und für eine
„Geschichte der Arbeit“ rund um die Wandse per QR-Code und als Booklet käme das
Vorhaben dem aktuellen Trend zur Verortung im Quartier sehr entgegen, auch als Attraktion für
die nahen Bauvorhaben und Neubürger. Das Anliegen, Kontinuität und Wandel der Wirtschaftsund
Kulturstandorte an der Wandse im öffentlichen Bewusstsein zu halten, kann zugleich für
Stadtentwicklung zugunsten von Renaturierung und Aufwertung des Wandse-Grünzugs
werben. Wo die alten Industrieanlagen und Konversionsflächen verschwinden, bieten sich neue
Chancen für lebenswerte durchgrünte Quartiere im Mix von Wohnen, Arbeiten und Kultur. Für
das Projekt erbitten wir politischen Rückhalt und ein Signal für die Machbarkeit. Das ist
Zweck dieser Eingabe. Danke, wenn Sie das vorgestellte Projekt politisch begleiten und finanziell
unterstützen.“
Bild und Kartenmaterial (nicht-öffentlich)
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