22-1314.01

Stellungnahme zum Antrag FDP (neu) betr. Einrichtung einer Bus-Ringlinie im Bezirk Harburg

Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG

Letzte Beratung: 08.09.2026 Hauptausschuss Ö 5.8

Sachverhalt

Das bestehende Busnetz im Bezirk Harburg ist derzeit nahezu vollständig auf den Verkehr über den zentralen Busbahnhof ausgerichtet (aktuell vorübergehend Harburg Rathaus). Direkte Querverbindungen zwischen den einzelnen Stadtteilen bestehen nur unzureichend oder gar nicht.

Dies führt in der Praxis zu erheblichen Umwegen für Fahrgäste. So ist es beispielsweise bei einer Fahrt von Sinstorf nach Heimfeld zum Allgemeinen Krankenhaus Harburg (AKH) erforderlich, zunächst den Umweg über die gesamte Winsener Straße bis zum Busbahnhof in Kauf zu nehmen und dort in eine weitere Linie (z. B. Linie 142) umzusteigen. Diese Verkehrsführung ist insbesondere für ältere Menschen, mobilitätseingeschränkte Personen sowie für Fahrten zu medizinischen Einrichtungen wenig praktikabel.

Zur Verbesserung der Erreichbarkeit und zur Entlastung des zentralen Busbahnhofs bietet sich die Einrichtung einer bin beide Richtungen Bus-Ringlinie an, die als Querverbindung zwischen den Stadtteilen fungiert und dabei überwiegend bestehende Haltestellen anderer Buslinien nutzt.

Als mögliche Streckenführungen kommen insbesondere folgende Varianten in Betracht:

  • Variante 1:
    Bahnhof Harburg Winsener Straße Sinstorfer Kirchweg Beuttnerring Friedhofstraße Weusthoffstraße AKH B73 Bahnhof Harburg
  • Variante 2:
    Bahnhof Harburg Winsener Straße Sinstorfer Kirchweg Marmstorfer Weg Friedhofstraße Weusthoffstraße AKH B73 Bahnhof Harburg

Eine solche Ringlinie würde die innerbezirkliche Mobilität deutlich verbessern, Querverkehre erleichtern und die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs im Bezirk steigern.

Eventuelle Engpässe bei zur Verfügung stehenden Fahrzeuge könnte man durch den Einsatz von Bussen der kVG auf anderen Linien ausgleichen.

Petitum/Beschluss

Die Bezirksversammlung Harburg möge sich gegenüber der zuständigen Fachbehörde sowie dem Verkehrsunternehmen (Hamburger Hochbahn AG bzw. HVV) dafür einsetzen, die Einrichtung einer Bus-Ringlinie im Bezirk Harburg zu prüfen. Dies soll nicht die Einführung einer X-Bus-Verbindung zwischen Neugraben/Süderelbe und Altona einschränken.

Ziel soll es sein, zeitnah eine geeignete bedarfsgerechte Linienführung zu entwickeln und sofern die fachlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt sind eine entsprechende Busverbindung umzusetzen, um die Querverbindungen zwischen den Stadtteilen nachhaltig zu verbessern.

BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG

DER VORSITZENDE

13.Juli 2026

Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) nimmt teilweise auf Grundlage von Auskünften der Hamburger Verkehrsverbund GmbH (hvv) wie folgt Stellung:

Grundsätzlich stellen Ringlinien, insbesondere gegenläufige Ringlinien, stets eine große Herausforderung für die Fahrgäste dar und erfordern einen hohen Aufwand hinsichtlich der Kundeninformation. Sowohl die Frage, welcher der kürzere, schnellere und/oder günstigere Weg zwischen zwei Haltestellen ist als auch die Verwirrung, die dadurch entstehen kann, dass dies auf der Hinfahrt und auf der Rückfahrt unterschiedlich sein kann bzw. die Nutzung verschiedener Linien erfordert, sind für viele Nutzer:innen nicht trivial. Hinzu kommt, dass das am Fahrzeug ausgeschilderte Fahrtziel dabei zur Orientierung nicht hilfreich ist bzw. geographisch näher oder wahrgenommen in der falschen Richtung liegen kann. Zur Vermeidung dieser Herausforderungen wird daher im hvv im Grundsatz auf die Einrichtung von Ringlinien verzichtet, sofern dies vermeidbar ist.

Bezüglich der vorgeschlagenen Linienverläufe sei folgendes anzumerken: Im Abschnitt zwischen Bahnhof Harburg und dem Sinstorfer Kirchweg sowie auf der B73 erfolgt bereits heute eine Bedienung im dichten Takt. Eine Angebotsverdichtung durch zusätzliche, ganztägig bediente Linienwird als nicht erforderlich eingeschätzt. Auch stehen teils betrieblicheHerausforderungen und beachtliche Kosten einer Angebotsverdichtung entgegen.

Die verbleibenden Abschnitte des vorgeschlagenen Linienwegs entsprechen in etwa der ehemaligen Buslinie 444 vom Sinstorfer Kirchweg über die Straßenzüge Sinstorfer Weg Ernst-Bergeest-Weg Friedhofstraße Weusthofstraße Denickestraße und den Eißendorfer Pferdeweg nach Bostelbek. Diese Linie wurde in den 1990er Jahren betrieben und folgte der durchaus bestehenden und im Antrag aufgeführten Notwendigkeit zur Schaffung tangentialer Verbindungen zwischen den außengelegenen Stadtteilen im Bezirk Harburg ohne Führung über das Zentrum bzw. den Harburger Ring. Die Linie 444 wurde wegen mangelnder Nutzung wieder eingestellt. Es hat sich herausgestellt, dass die sich tatsächlich einstellende Nachfrage zwischen diesen außengelegenen Stadtteilen für die Aufrechterhaltung einer eigenständigen Linie im attraktiven Takt nicht ausreicht. Aufgrund der hohen Fahrtendichten auf den ins Harburger Zentrum führenden Achsen waren zudem Umweg und Umstieg im Harburger Zentrum in zahlreichen Fällen noch immer günstiger als ein Warten auf den nächsten Bus, welcher nachfragegerecht im angemessenen 20-Minuten-Takt verkehrt. Ein nennenswerter Reisezeitvorteil entsteht zudem nur zwischen benachbarten Stadtteilen bzw. Achsen und insbesondere dann, wenn die Achsen nicht nur gequert werden, was dann vielfach einen erneuten Umstieg zwischen der tangentialen Linie und den Linien auf den Achsen erfordert.

Es wird davon ausgegangen, dass sich diese Bedingungen seit den 1990er Jahren nicht wesentlich geändert haben und somit eine entsprechende tangentiale Linie vergleichbar schlecht nachgefragt werden rde.

Grundsätzlich stehen der hvv, die Verkehrsunternehmen und die BVM in der Netz- und Angebotsplanung für den Busverkehr in einem stetigen und konstruktiven Austausch, um das Leistungsangebot im Busverkehr bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und zu optimieren. So wurde im Bezirk Harburg in den vergangenen Jahren begonnen, den Ausbau kleinräumiger Verbindungen zwischen den Achsen zu verbessern. Beispielsweise wurde die Verbindung zwischen dem Sinstorfer Kirchweg und Marmstorf über den Sinstorfer Weg mit der Stadtbuslinie 345 wieder eingeführt. Die Stadtbuslinie 543 bietet eine Verbindung zwischen dem westlichen Eißendorf und der westlichen Heimfelder Straße sowie dem AK Harburg. Die sukzessive ausgebaute Stadtbuslinie 146 verbindet die B73 und die Eißendorfer Straße (TU) über den Eißendorfer Pferdeweg und das AK Harburg. Ein weiterer Ausbau auf diesen Linien konnte bislang insbesondere aufgrund der Kapazitätsengpässe der Busanlage Bf. Harburg nicht erfolgen.

Von der Einführung einer Ringlinie wird aus genannten Gründen Abstand genommen.

gez. hm f.d.R. Hille

Bera­tungs­reihen­folge
Datum/Gremium
TOP
08.09.2026
Ö 5.8
Lokalisation Beta
Winsener Str. Sinstorfer Kirchweg Friedhofstraße Weusthoffstraße Marmstorfer Weg Sinstorfer Weg Ernst-Bergeest-Weg Denickestraße Eißendorfer Pferdeweg Harburger Ring Heimfelder Str. Eißendorfer Straße Heimfeld B73 Ernst-Bergeest-Weg Bostelbek Eißendorf

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