21-3518.01

Antwort auf Anfrage der FDP-Fraktion betr.: Pisa-Schock und die Konsequenzen für Harburg - Neue Schulkonzepte für einen Stadtteil mit überdurchschnittlichen Herausforderungen

Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG

Letzte Beratung: 12.03.2024 Hauptausschuss Ö 1.8

Sachverhalt

Erfolgreiche Schulbildung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Lebensperspektiven von Schülern. Die aktuelle PISA-Studie zeigt, dass insbesondere der hohe Migrationsanteil zu einem sinkenden Leistungsniveau führt. Harburg, mit seinem sehr hohen Anteil an Personen mit Migrationshintergrund und entsprechend vielen Schülern u.a. mit geringen Deutschkenntnissen, steht dabei vor besonderen Herausforderungen.

Gleichzeitig zeigen erfolgreiche Schulprojekte, wie das der Alemannenschule in Wutöschingen[1][1] oder das der Quinoa Schule in Berlin-Wedding[2][2] wie mit innovativen Lehrkonzepten auch in benachteiligten Stadtteilen erfolgreich Bildung vermittelt werden kann, wie am Ende die Bildungs- und Zukunftsperspektiven aller Schülern verbessert werden können.

Erfolgsfaktoren sind u.a.:

- Weniger klassischer Frontalunterricht

- Stärkung des Selbstwertgefühls der Schüler

- Persönlicher Bindungsaufbau zwischen Lehrern und Schülern zur Steigerung der Lernmotivation

- Stärkere Ausrichtung auf eigenständiges Lernen

- Einbindung der Eltern

- Arbeitszeitmodelle für die Lehrer, in denen die persönliche/soziale Arbeit berücksichtigt wird

Wir fragen die Verwaltung:

1. Wie sehen die Ergebnisse der PISA-Untersuchung für den Bezirk Harburg aus?

2. Wie viele Schulabbrecher gab es in den letzten Jahren im Bezirk Harburg?

3. Wie hoch ist die Abbrecherquote bei Schülern mit Migrationshintergrund, mit Lernschwächen und konfliktreichen sozialen Hintergründen?

4. Wie wird sich der Anteil an benachteiligten Schülern entwickeln, welche Prognosen gibt es?

5. Mit welchen Maßnahmen reagieren Harburger Schulen, beziehungsweise die Schulbehörde, um den Schulerfolg von benachteiligten Schülern zu erhöhen?

6. Sind diese Maßnahmen evaluiert worden und welche Ergebnisse liegen gegebenenfalls vor?

7. Welche Möglichkeiten sieht die Behörde, erfolgreiche neue Lehrkonzepte insbesondere an Harburger Schulen umzusetzen?

8. Gibt es Überlegungen, zur Entlastung der öffentlichen allgemeinbildenden Schulen, private Schulen in Hamburg einzurichten/zu fördern, nicht für privilegierte Bürger (Waldorfschule), sondern für benachteiligte Kinder, denen so konkrete Perspektiven für den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg gemacht werden können.


[1]https://deutsches-schulportal.de/konzepte/alemannenschule-wutoeschingen-mit-der-schmetterlingspaedagogik-zum-lernprofi/

[2]https://www.welt.de/politik/deutschland/plus247626722/Quinoa-Schule-in-Berlin-Wedding-Rund-90-Prozent-aus-Familien-nicht-deutscher-Herkunft-alle-schaffen-den-Abschluss.html






BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG

Der Vorsitzende

21. Februar 2024


Die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) beantwortet die o.g. Anfrage wie folgt:

Zu 1.

An der internationalen PISA-Studie 2022 (PISA = Programme for International Student Assessment, siehe auch die deutsche Website https://www.pisa.tum.de/pisa/pisa-2022/) haben insgesamt 260 Schulen aus ganz Deutschland teilgenommen, sechs davon kamen aus Hamburg. Die Ergebnisse beziehen sich auf Deutschland als Ganzes und erlauben keine Aussagen über einzelne Bundesländer oder sogar Hamburger Stadtbezirke.

Der nationale Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) aus dem Jahr 2022 (siehe auch www.iqb.hu-berlin.de/bt/BT2022/), erlaubt zwar den Vergleich der Ergebnisse einzelner Bundesländer, Aussagen auf Bezirksebene sind aber auch beim IQB-Bildungstrend nicht möglich

.
Zu 2. - 5.

Siehe Drs. 22/13346.

Zu 6.


Alle in der o. g. Drucksache genannten Maßnahmen unterliegen einer kontinuierlichen, internen Erfolgskontrolle. So weisen die Ergebnisse des Monitoringverfahrens regelmäßig auf die Bedeutsamkeit frühzeitiger Fördermaßnahmen hin und zeigen, dass Kinder von einer frühzeitigen Förderung profitieren und Lernrückstände aufholen können. Gezielte Maßnahmen der zusätzlichen Lernförderung wie das Corona-Aufholprogramm „Anschluss“ wurden umfassend evaluiert und brachten positive Effekte hervor (s. Individuelle Förderung zum Abbau von Lernrückständen: Hamburger Mentorenprogramm „Anschluss“ erfolgreich - hamburg.de). Auch das so genannte BiSS-Lesetraining wird seit der Pilotierung wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse zeigen die Wirksamkeit des Ansatzes für die Entwicklung der Leseflüssigkeit und des Leseverstehens (s. Gailberger et al., 2021). Die etablierten Programme zur Elternkooperation wurden ebenfalls evaluiert. So wurde der Erfolg von Family Literacy (FLY) in internationalen Studien belegt und auch in einer Sekundäranalyse Hamburger Daten nachgewiesen (Pietsch & Heckt, 2016; Rabkin et al, 2018). Auch das Projekt Schulmentoren im Rahmen von 23+ wurde evaluiert und zeigt erfolgreiche Ergebnisse (s. https://www.hamburg.de/contentblob/16006758/93ff3ff541dce96a81371905585eeae2/data/hand-in-hand-download.pdf). Weitere Elemente des Programms 23+ sowie die Einführung des Bildungsprogramms für Vorschulklassen werden qualitativ und quantitativ evaluiert, Ergebnisse dazu liegen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vor.

Zu 7.

Die Entwicklung und Umsetzung erfolgreicher Unterrichtsgestaltung liegt in der gemeinsamen Verantwortung der selbstverantworteten Schulen und dem Unterstützungssystem der BSB. Im Orientierungsrahmen Schulqualität (https://www.schulqualitaet-hamburg.de/) ist u.a. festgelegt, was in Hamburg unter gutem Unterricht verstanden wird und woran z.B. auch die Schulinspektion die Unterrichtsqualität einer Schule misst. Aus den öffentlich einsehbaren Rückmeldungen der Schulinspektion (https://www.hamburg.de/inspektionsberichte/) lässt sich ablesen, dass die Unterrichtsqualität an Harburger Schulen einen guten Standard aufweist.

Zu 8.

Siehe Drs. 22/13346.


gez. Heimath

f.d.R.

Leptien

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