Antrag SPD Wann kommt das Kombibad Süderelbe
Bereits seit 2015 verfolgt der Bezirk Harburg gemeinsam mit der Gemeinde Neu Wulmstorf die Idee, dass im Westen des Stadtteils Neugraben-Fischbek ein modernes Kombibad anstelle des mehr als 50 Jahre alten Hallenbades entsteht. Das Kombibad soll den Interessen der stark wachsenden Bevölkerung in Süderelbe dienen, zugleich aber in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Neu Wulmstorf betrieben werden, da auch Neu Wulmstorf Bedarf für ein öffentliches Bad hat, weil das Hallenbad in Neu Wulmstorf in hohem Maße durch Schul- und Vereinssport ausgelastet wird.
Die Einwohnerzahl des Stadtteils Neugraben-Fischbek ist aufgrund der Neubaugebiete Vogelkamp und Fischbeker Heidbrook bereits erheblich gewachsen und wird mit der Entwicklung des Neubaugebietes Fischbeker Reethen mit rund 2.300 Wohnungen sowie weiterer Wohnungsbauplanungen weiter wachsen und absehbar die Einwohnerzahl allein im Stadtteil Neugraben Fischbek auf mehr als 45.000 erhöhen.
Mit dem Stadtteil Hausbruch (Neuwiedenthal), dem Hamburger Alten Land und der Gemeinde Neu Wulmstorf kommt die Region dann auf deutlich über 90.000 EinwohnerInnen.
Dieses gemeinsame Projekt eines interkommunalen Bades im Rahmen der Metropolregion Hamburg ist nicht nur geeignet, die Schwimmkapazitäten an den dadurch veränderten Bedarf anzupassen und EinwohnerInnen, Schulen und Vereinen eine zeitgemäße Bäderstruktur zur Verfügung zu stellen, sondern es soll auch als Beispiel dafür dienen, dass die Metropolregion Hamburg mehr ist als ein wohlklingendes Lippenbekenntnis. Angesichts immer größerer Herausforderungen an die Infrastruktur und die wirtschaftliche Zusammenarbeit, bietet ein interkommunales Bad ein gutes Beispiel dafür, dass auch im Kleinen die Metropolregion eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit ermöglicht.
Bereits 2019 hatte die Bürgerschaft dieses Potenzial erkannt und die Mittel für eine Machbarkeitsstudie für ein interkommunales Kombibad bereitgestellt. Entgegen den Vorgaben der Bürgerschaft wurde diese Machbarkeitsstudie 2019 nicht der Bürgerschaft vorgestellt, sondern etwa 1 Jahr von Bäderland unter Verschluss gehalten, bis die Bürgerschaftswahl 2020 durchgeführt war.
Statt die Machbarkeitsstudie vorzustellen, wurden seitens Bäderland im Hamburger Abendblatt (29.01.2020) erklärt, man sehe keinen Bedarf für ein Kombibad. Dieser sei hinreichend gedeckt. Die Machbarkeitsstudie hingegen (https://www.hamburg.de/resource/blob/159240/ba5a52fef1bfab0e488438abce7eb244/d-badeangebot-raum-suederelbe-data.pdf) hat ergeben, dass aufgrund des Bevölkerungswachstums und der Kooperation mit der Gemeinde Neu Wulmstorf durchaus ein Bedarf für ein modernes, größeres Kombibad im Süderelberaum besteht und auch den Einwand widerlegt, es gebe keine funktionierenden Beispiele für interkommunale Bäder.
Der Vorschlag der Machbarkeitsstudie war der Bau eines Kombibads in dem neuen Baugebiet Fischbeker Reethen.
Im Jahr 2024 haben der Bezirk Harburg und die Gemeinde Neu Wulmstorf einen letter of intent für das Kombibad unterzeichnet, der seitdem noch der Unterschrift der zuständigen Fachbehörde, der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) bedarf.
Dabei ist jetzt Zeit und Gelegenheit, das Vorhaben schnell und entschieden voranzutreiben.
Im Koalitionsvertrag haben sich die Koalitionspartner SPD und Grüne im Frühjahr 2025 zum Bau des Kombibades bekannt. Damit ist der politische Wille hierfür vorhanden.
Entsprechend des Vorschlags aus der Machbarkeitsstudie ist in dem Neubaugebiet Fischbeker Reethen ein Grundstück für das Kombibad vorgesehen. Der diesbezügliche Bebauungsplan NF 67 ist vor wenigen Wochen öffentliche bekanntgemacht worden, so dass nunmehr auch gebaut werden kann.
Es gibt also keinen Grund mehr, der einen zügigen Fortgang hindern können sollte, da sowohl die politische Entscheidung als auch die planungsrechtlichen Voraussetzungen nun vorliegen. Passiert ist jedoch nichts.
Im Gegenteil hat insbesondere Bäderland zunächst eine Bäderbedarfsanalyse für Hamburg in Auftrag gegeben, bei der auch der Bedarf eines neuen Bades in Süderelbe erneut geprüft werden soll. Diese Analyse liegt nach wie vor nicht vor.
Auch die Beantwortung der Anfrage der SPD-Bezirksfraktion zur Bädersituation in Süderelbe (Dr.S. 22-1976.01) lässt wenig Willen erkennen, den politischen Willen umzusetzen. Dort führen die BUKEA und Bäderland aus:
“Gegenwärtig wird vor dem Hintergrund einer langfristig gesicherten Versorgung durch die Wiedereröffnung der Schwimmhalle in Neu Wulmstorf und gleichzeitig der laufenden Erweiterung der Angebotsfläche in Kern-Harburg durch eine neue Trainingshalle, eine (Ersatz-)Investition in die Schwimmbadinfrastruktur in der Region Süderelbe geprüft. Weiterhin sind wesentliche Planungsvoraussetzungen in Klärung. Dazu zählen insb. die künftige Versorgungslage in der Region und die grundlegende Finanzierung.”
Zu Gesprächen mit der Gemeinde Neu Wulmstorf wird weiter mitgeteilt:
“Aufgrund der o.g. Ausgangslage wurden zuletzt keine weiteren Gespräche mit der Gemeinde Neu Wulmstorf für einen gemeinsamen Betrieb eines Kombibads geführt. Über Form und Zeitpunkt einer Wiederaufnahme der Gespräche wird noch entschieden.”
Hier werden die Wiedereröffnung der Schwimmhalle in Neu Wulmstorf und der neu geplante Anbau eines Sportbeckens im MidSommerland als Begründung genommen, eine Ersetzung und Kapazitätserweiterung durch einen Neubau eines Kombibads für die alte und nicht mehr zeitgemäße Schwimmhalle für den Süderelberaum in Frage zu stellen.
Dabei würde eine Kommunikation mit der Gemeinde Neu Wulmstorf zeigen, dass diese weiterhin ein Interesse an dem interkommunalen Kombibad hat, da nicht beabsichtigt ist, die Schwimmhalle langfristig für die Öffentlichkeit offen zu halten. Neu Wulmstorfs Bürgermeister Tobias Handtke (SPD) betonte kürzlich im „Abendblatt“, dass die Gemeinde weiterhin ein „unbändiges Interesse“ an dem Kombibad habe. Das Freibad Neu Wulmstorf feierte in diesem Jahr sein 64-jähriges Bestehen und ist damit durchaus im rentenfähigen Alter. Für eine grundlegende Sanierung des Freibades Neu Wulmstorf werden inzwischen rund 12 Millionen Euro als Größenordnung angesetzt und für einen dauerhaften Betrieb des Freibades über 20 Jahre wurden für Investitionen und Unterhaltung zusätzlich zu den Sanierungskosten insgesamt rund 19,84 Millionen Euro errechnet. Und hinsichtlich des neuen Sportbeckens im MidSommerland könnte die Frage eher sein, ob nicht durch den Neubau nur die in den Jahren seit 1996 bestehende Unterversorgung des Harburger Kerngebiets mit Möglichkeiten zum Erlernen der Schwimmfähigkeit und für das schulische und vereinsgebundene Schwimmen beseitigt wird.
1. Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) und die städtische Bäderland Hamburg GmbH werden aufgefordert, die nächsten Schritte zur Umsetzung des im Hamburger Koalitionsvertrag vorgesehen Baus eines Kombibades Süderelbe zu unternehmen und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Neu Wulmstorf eine Vereinbarung über den Bau und den Betrieb dieses Kombibads zu schließen.
2. Der Vorsitzende der Bezirksversammlung und der Bezirksamtsleiter werden gebeten, sich weiterhin gegenüber der BUKEA und Bäderland für eine zügige Einigung mit der Gemeinde Neu Wulmstorf und die Schaffung der Voraussetzungen sowie die Umsetzung des Projekts Kombibad Süderelbe in den Fischbeker Reethen einzusetzen.
3. Der Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, auskunftsfähige Vertretende der BUKEA und der Bäderland Hamburg GmbH in den Stadtentwicklungsausschuss einzuladen, um zeitnah bis spätestens Ende Januar 2027 über die Ergebnisse der bislang nicht vorgelegten Bäderbedarfsanalyse und über den Sachstand, sowie das weitere Vorgehen und den Zeitplan zur Realisierung des Kombibads Süderelbe zu berichten.
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