Antrag der GRÜNE-Fraktion betr. Das Heusenstammer Modell für die Francoper Straße
Im kleinen Städtchen Heusenstamm im Rhein-Main-Gebiet in Hessen ist man in Sachen Radverkehr innovativ unterwegs. Bürgermeister Steffen Ball von der CDU und die Verwaltung wollten die Bedingungen für den Radverkehr verbessern. Dazu entwickelten sie vor rund drei Jahren zusammen mit dem Experten für Verkehrsplanung und Verkehrssicherheit Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann der Hochschule Darmstadt das sogenannte "Heusenstammer Modell" und testen es seitdem in einem ausgiebigen Verkehrsversuch. Nach dem Heusenstammer Modell werden auch auf schmalen Straßen Schutzstreifen für Radfahrende markiert. In der Mitte gibt es eine einspurige Fahrbahn für Autos und keinen Mittelstreifen mehr. Im Begegnungsverkehr weichen die Autos auf die Fahrradstreifen aus.
Die Zwischenergebnisse seien laut dem Verkehrsexperten Follmann sehr vielversprechend. Die Zahl der Radfahrenden stieg um 20 Prozent. Der Anteil der Radfahrenden auf dem Bürgersteig sank zugleich von 88 auf 19 Prozent. Autofahrende seien deutlich defensiver unterwegs, Verletzte durch Unfälle gab es im Versuchszeitraum gar nicht. Auch der Anteil an Überholvorgängen mit weniger als 1,50 Metern Abstand sank von 30 auf 11 Prozent. Das überrascht nicht, da das Modell in anderen europäischen Ländern wie in den Niederlanden längst etabliert und erfolgreich ist. Ein ausführlicher Bericht ist nachzulesen unter https://www.hessenschau.de/panorama/heusenstammer-modell-soll-radverkehr-revolutionieren-probleme-macht-nur--v1,heusenstammer-modell-100.html.
Aufgrund der herausragenden Ergebnisse für ein bessere Verkehrssicherheit im Rad- und Fußverkehr sowie ein besseres Miteinander mit dem Kfz-Verkehr im Verkehrsversuch Heusenstamm soll das Konzept in Hessen ausgerollt werden, ein entsprechender Erlass werde erarbeitet, so Follmann.
Auch in Bayern gibt es einen ähnlichen Verkehrsversuch in der Gemeinde Neuendettelsau im Landkreis Ansbach, siehe auch www.landkreis-ansbach.de/Theme...rkehr/ . Seit dem 1. Juni 2026 läuft hier ein einjähriger Verkehrsversuch mit markierten Schutzstreifen für den Radverkehr auf sogenannten beengten Kernfahrbahnen.
Eine entsprechende Situation gibt es im Bezirk Harburg auch in der Francoper Straße. Für die reguläre Anordnung von Schutzstreifen laut StVO ist die Fahrbahn zu schmal, eine Verbreiterung der Verkehrsfläche ist wegen der Straßenbäume und des Verlaufs durch ein geschütztes Moorgebiet problematisch. Gleichzeitig verlaufen die geplante Radroute Plus von Neugraben nach Finkenwerder sowie ein Schulweg über diese Straße, eine sichere Radverkehrsführung ist daher dringend notwendig.
Die Verwaltung wird gebeten, Herrn Prof. Dr.-Ing. Follmann oder eine Vertreter*in aus seinem Team von der Hochschule Darmstadt in den Ausschuss für Mobilität und Inneres einzuladen (gern digital), um über die Verkehrsversuche in Heusenstamm und Neuendettelsau, deren (Zwischen-)Ergebnisse und die Übertragbarkeit auf den Bezirk Harburg und insbesondere die Francoper Straße zu berichten.
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