Fragesteller: Jörn Frommann
Bürgerschaftliches Engagement im Bereich der urbanen Grünpflege leistet einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität, zum Mikroklima und zur sozialen Kohäsion in unseren Stadtteilen. Im Bezirk Hamburg-Mitte nimmt die Elbinsel Wilhelmsburg hierbei eine Sonderrolle ein: Als dicht besiedelter Stadtteil mit gleichzeitig großen Potenzialflächen für urbane Natur und Biodiversität bieten sogenannte Beet- und Grünpatenschaften (z.B. für Baumscheiben oder öffentliche Grünstreifen) enorme Chancen. Sie stärken die lokale Identität und helfen dabei, dicht besiedelte Quartiere resilienter gegen sommerliche Hitzeinseln zu machen.
Gerade auf Wilhelmsburg berichten engagierte Bürger jedoch immer wieder von logistischen Hürden, zum Beispiel bei der kritischen Wasserversorgung im Sommer und von administrativen Problemen. Für eine gezielte Unterstützung und den Abbau bürokratischer Hürden bedarf es einer präzisen Datengrundlage.
Vor diesem Hintergrund frage ich das Bezirksamt:
- Bestand und Entwicklung auf der Elbinsel
- Wie viele aktive Beet- und Grünpatenschaften existieren aktuell (Stand: Oktober 2026) im gesamten Bezirk Hamburg-Mitte und wie viele davon entfallen konkret auf den Stadtteil Wilhelmsburg (bitte aufgeteilt nach Postleitzahlen 21107 und 21109)?
- Wie hat sich die Anzahl der abgeschlossenen Verträge bzw. Vereinbarungen speziell in Wilhelmsburg in den letzten drei Jahren entwickelt?
- Gibt es in Wilhelmsburg geografische Schwerpunkte (z.B. Reiherstiegviertel, Kirchdorf-Süd) oder bestimmte Straßen, in denen Patenschaften besonders stark oder auffallend schwach vertreten sind?
- Wie bewirbt das Bezirksamt die Möglichkeit der Patenschaften?
- Verfahren und bürokratische Hürden vor Ort
- Wie lange dauert das Antrags- und Genehmigungsverfahren für eine Grünpatenschaft in Wilhelmsburg im Durchschnitt von der ersten Anfrage bis zur finalen Vereinbarung?
- Welche spezifischen Auflagen oder Gestaltungsrichtlinien (z.B. hinsichtlich Verkehrssicherheit auf stark frequentierten Wilhelmsburger Straßen oder Vorgaben des Denkmalschutzes) müssen Paten im Stadtteil beachten?
- Ist dem Bezirksamt bekannt, ob potenzielle Paten in Wilhelmsburg aufgrund langwieriger Verfahren oder strenger bürokratischer Vorgaben von einer Antragstellung absehen, und wie steuert die Verwaltung hier gegen?
- Die Überlebensfrage: Bewässerung und Infrastruktur
- Die Bewässerung von patenschaftlichen Flächen in den trockenen Sommermonaten stellt eine erhebliche Barriere für das Ehrenamt dar. Wie unterstützt das Bezirksamt die Paten in Wilhelmsburg konkret bei der Wasserversorgung?
- In welchen Fällen genehmigt oder stellt das Bezirksamt Wassertanks (z.B. IBC-Container) an stark frequentierten Patenschaftsflächen auf der Elbinsel auf?
- Gibt es Kooperationen mit lokalen Institutionen (z.B. Schulen, Stadtteilbeiräten, Wohnungsbaugesellschaften oder Hamburger Friedhöfen wie dem Friedhof Finkenriek), um die logistische Infrastruktur für Grünpaten zu verbessern?
- Finanzielle und materielle Unterstützung
- Gibt es ein zweckgebundenes Budget oder Sachleistungen (Mutterboden, heimisches Saatgut, Stauden, Gartengeräte), die das Bezirksamt den Paten in Wilhelmsburg unkompliziert zur Verfügung stellt? Wenn ja, wie wird dieses Angebot koordiniert?
- Werden Wilhelmsburger Initiativen, die sich gemeinschaftlich um das Stadtteilgrün kümmern (z.B. im Rahmen von Urban-Gardening-Projekten), bevorzugt oder gesondert gefördert?
- Kontrolle, Monitoring und Überprüfung der Flächen
- Auf welche Weise und in welchen zeitlichen Abständen kontrolliert das Bezirksamt (z.B. durch den Ordnungsdienst oder Mitarbeiter des Managements des öffentlichen Raumes) die patenschaftlich gepflegten Flächen in Wilhelmsburg?
- Erfolgen diese Kontrollen turnusmäßig (z.B. einmal pro Quartal/Jahr) oder ausschließlich anlassbezogen, beispielsweise nach Beschwerden aus der Bevölkerung oder Hinweisen auf Vernachlässigung?
- Welcher personelle und zeitliche Aufwand entsteht der Verwaltung jährlich für die reine Überprüfung und Qualitätssicherung dieser ehrenamtlich gepflegten Flächen?
- Konflikte, Verstöße und Auflösung von Vereinbarungen
- In wie vielen Fällen wurden in den letzten Jahren (2020 bis 2025 und laufendes Jahr 2026) Grünpatenschaftsverträge in Wilhelmsburg vorzeitig aufgelöst bzw. entzogen?
- Was waren die Hauptgründe für diese Vertragsauflösungen (bitte aufschlüsseln nach: mangelnde oder ausbleibende Pflege, Verstöße gegen Gestaltungsrichtlinien wie das Anpflanzen verbotener Gewächse, Zweckentfremdung der Flächen oder bauliche Veränderungen)?
- Kam es in den vergangenen 24 Monaten in Wilhelmsburg zu dokumentierten Konflikten bezüglich der Flächennutzung (z.B. durch Vandalismus, illegale Sperrmüllablagerungen auf den Patenschaftsflächen oder Nachbarschaftsstreitigkeiten) und wie wurde vonseiten des Bezirksamtes darauf reagiert?
- Wie läuft das Verfahren ab, wenn eine Fläche nicht mehr ordnungsgemäß gepflegt wird? Gibt es einen festgelegten Stufenplan (z.B. schriftliche Ermahnung, Fristsetzung zur Nachbesserung), bevor es zu einer endgültigen Auflösung der Vereinbarung kommt?