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Antwort: Kinderbauernhof Kirchdorf-Süd wirklich gerettet? (Anfrage der CDU-Fraktion)

Kleine Anfrage nach § 24 BezVG

Sachverhalt

Fragesteller: Jörn Frommann

Im Spätsommer des vergangenen Jahres berichteten die Medien von Gesprächen über die Zukunft des Kinderbauernhofes Kirchdorf-Süd (KiBaHo) zwischen Verwaltung, Politik und Trägerschaft über die Nachfolge bei eben dieser, u.a. um dringend notwendige Sanierungen durchführen zu können.

Seit fast 40 Jahren gibt es den KiBaHo am Rande der Siedlung Kirchdorf-Süd. Tiere und Natur direkt vor der Haustür erleben. Diese praktische Umweltpädagogik macht ihn nicht nur in Kirchdorf-Süd einzigartig. Die Finanzierung des Bauernhofs gelang dabei im Wesentlichen durch Spenden und Gruppenbesuche sowie organisierte Kindergeburtstage. Auch, um einen neuen Schwung in die Finanzierung zu bekommen, war offensichtlich ein Wechsel des Trägers angedacht. Die gemeinnützige „Das Geld hängt an den Bäumen“ gGmbH, ebenfalls auf der Elbinsel ansässig, sollte zum Ende des Jahres 2025 neuer Träger werden, um die benötigten Sanierungen und Modernisierungen auf dem Hof durchzuführen zu können. Die Verträge waren den Verlautbarungen nach bereits im Herbst des vergangenen Jahres vorbereitet. Seither hat aber offensichtlich kein Wechsel bei der Trägerschaft stattgefunden.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Verwaltung:

Das Bezirksamt Hamburg-Mitte beantwortet die Anfrage wie folgt:

1. Ist es richtig, dass es Gespräche zur Übernahme der Trägerschaft zwischen der „Das Geld hängt an den Bäumen“ gGmbH und dem Bezirk gegeben hat? Wenn ja, wann und mit welchem Ergebnis?

Ja, die Gespräche wurden im 4. Quartal 2024 begonnen. Der genannte Träger hat sich im Jahr 2025 über einen längeren Zeitraum um ein tragfähiges Betriebs- und Finanzierungskonzept bemüht. Ein am 27. November 2025 vorgelegtes Kurzkonzept erwartete sodann eine weitreichende, mehrjährige Übernahme der Betriebskosten durch den Bezirk, die dieser nicht hätte bedienen können. Anfang 2026 wurden die Gespräche über eine Übernahme der Trägerschaft sodann einvernehmlich beendet.

2. Gab es im Laufe des letzten halben Jahres bereits weitestgehend durchverhandelte Verträge zur Übertragung der Trägerschaft? Wenn ja, wie waren die formulierten Bedingungen und wie ist der Stand zu den Verträgen?

Nein, nach Kenntnis des Bezirksamtes gab es zwischen dem bisherigen Träger und dem zwischenzeitlich interessierten Träger keine entsprechenden Vereinbarungsentwürfe. Der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) hat seinerseits in Abstimmung mit dem Bezirksamt Hamburg-Mitte einen Vertragsentwurf zur Verfügung gestellt, mit dem das Pachtverhältnis von dem bisherigen auf den neuen Träger übertragen worden wäre. Der Vertrag wurde in Ermangelung der Übernahme der Trägerschaft von den Beteiligten nicht unterzeichnet.

3. Welches genaue Ziel verfolgt die Übertragung der Trägerschaft an einen neuen Träger?

Ziel ist die nachhaltige Neuausrichtung und Weiterentwicklung des Kinderbauernhofs als soziale Begegnungsstätte, naturnaher Lernort und inklusives Angebot für Kinder, Familien und Nachbarschaft. Der neue Träger soll die bauliche, organisatorische und konzeptionelle Neuausrichtung verantworten und den Betrieb langfristig sichern.

4. Ist es richtig, dass auf dem Gelände des KiBaHo Sanierungen an Gebäuden und Anlagen durchgeführt werden müssen, um den Betrieb aufrecht zu halten? Wenn ja, um welche handelt es sich im Einzelnen?

Ja, es sind umfassende Sanierungs- und Neubauarbeiten erforderlich, da die bestehenden Gebäude erhebliche bauliche und genehmigungsrechtliche Defizite aufweisen. Einzelne Maßnahmen betreffen:

  • Abriss und Neubau der Bestandsgebäude (Hauptgebäude, Stallungen, Werkstatt, Lager, Spielbereiche)
  • Brandschutz, Hygiene, Arbeitsstätten, energetischer Standard
  • Erneuerung der Elektroinstallationen, Küchen, Rettungswege, Spielgeräte, Werkstattbereiche

5. Wenn es geplante Sanierungsmaßnahmen für die Rettung des KiBaHo gibt, welchen finanziellen Umfang haben diese (bitte aufgeteilt nach Einzelmaßnahmen)?

Derzeit geht das Bezirksamt aufgrund des baulichen Zustandes und der übrigen örtlichen Gegebenheiten von der Notwendigkeit eines vollständigen Abbruchs und Neubaus aus. Der finanzielle Umfang ergibt sich sehr wesentlich aus dem konkreten Konzept eines neuen Trägers, die Bezirksamtsleitung hat hierfür aktuell eine Kostengrenze von 1,5 Millionen Euro benannt. Diese einmalig notwendigen Mittel sollen aus einschlägigen politischen Haushaltsmitteln, wie dem investiven Quartiersfonds oder dem Stadtentwicklungsfonds, eingeworben werden.

6. Waren die ungefähren Höhen der Kosten für die Sanierungsmaßnahmen bei Aufnahme der Gespräche bekannt? Wenn ja, wurde dies an den neuen Träger kommuniziert? Wenn nein, was war die Basis der Gespräche mit dem neuen Träger?

Die angedachte Kostengrenze war dem Träger bekannt, wurde im Kurzkonzept jedoch nicht eingehalten.

7. Woher plante die Verwaltung, die Gelder für die in Rede stehenden Sanierungsmaßnahmen zu nehmen und in welchem Haushaltstitel sind diese berücksichtigt?

Siehe Antwort zu Frage 5.

8. Wenn der Vertrag trotz des beiderseitigen Bekundens des Willens im vergangenen Spätsommer bisher nicht zustande gekommen ist, woran lag dies?

Siehe Antwort zu Frage 2.

9. Wurden Gespräche auch mit anderen Trägern geführt? Wenn ja, mit welchen? Wenn nein, warum nicht?

Ja, es wurden in der Vergangenheit bereits Gespräche mit den dem Kinderbauernhof bereits seit Längerem verbundenen Trägern Passage gGmbH und Stiftung Alsterdorf geführt. Beide Träger wünschen sich auch in Zukunft eine Kooperation, jedoch keine Übernahme der Trägerschaft.

10. Wie sehen die nächsten Schritte zur Rettung des KiBaHo aus?

Siehe Kinderbauernhof Kirchdorf: Neuer Träger für Übernahme und Weiterentwicklung gesucht - hamburg.de.

11. Wie ist sichergestellt, dass der KiBaHo, nachdem er sich auf den Trägerwechsel verlassen hat, der nunmehr offensichtlich nicht zustande kommt, die nötigen Mittel zur Fortführung des Betriebs erhält und die Tiere ausreichend Futter und Pflege erhalten?

Der bisherige Träger hat bekundet, die Trägerschaft jedenfalls noch bis ins bevorstehende Jubiläumsjahr 2027 fortzuführen zu wollen. Neben dem Einsatz öffentlicher Mittel wirbt der Träger seit jeher fortlaufend und erfolgreich auch um Spenden. Die Versorgung der Tiere ist durch eine Zuwendung für eine 0,5-Stelle Tierpfleger, bis zu sieben geringfügig Beschäftigte und Ehrenamtliche gesichert, die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert werden. Das Bezirksamt hat die Frage der notwendigen Betriebsmittel fortlaufend in der Betrachtung.

12. Bereits im Dezember 2024 hat die Verwaltung im öffentlichen Teil des Jugendhilfeausschusses angekündigt, dass man nach einem neuen Träger suchen würde, „… da der derzeitige Träger nicht mehr in der Lage ist, die Bauanträge und die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.“ Was bedeutete dies konkret und wie wurde der Jugendhilfeausschuss oder andere politische Gremien seither über den Fortgang informiert?

Der bisherige Träger hat selbst den Wunsch nach einem perspektivischen Trägerwechsel geäußert. Die politischen Gremien werden bei wesentlichen Meilensteinen informiert, unter anderem zunächst der Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel. Über Zwischenstände aus laufenden Verhandlungen wurde hingegen nicht informiert.

13. Im öffentlichen Teil des Jugendhilfeausschusses am 06. November 2023 kündigte die Verwaltung an, sie „…wird zudem versuchen eine befristete Stelle für die finanzielle Verwaltung des Projektes zu schaffen.“ Ist die Stelle geschaffen worden? Wenn ja, in welcher Abteilung und mit welchem Umfang? Wenn nein, warum nicht und wann wurde die Politik hierüber wo informiert?

Nein, da sich wesentliche Rahmenbedingungen verändert haben. Die mit dem Kinderbauernhof bereits verbundene Passage gGmbH beauftragte seinerzeit ein Architekturbüro, das zu dem Ergebnis kam, dass für die Genehmigungsfähigkeit ein kompletter Rückbau und Neubau auf der anderen Seite der Wettern erfolgen muss. Darüber wurde der Jugendhilfeausschuss am 09.12.2024 informiert Die finanzielle Abwicklung erfolgte und erfolgt aktuell weiterhin über die Passage gGmbH ebenso wie die Abwicklung der Abrechnung des Tierpflegers mit der Sozialbehörde und die Mittelverwaltung im Rahmen des ESF-Projektes.

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