Eine Gedenktafel für Carl von Ossietzky in der Grindelallee
Letzte Beratung: 13.04.2026 Kerngebietsausschuss Ö 6.2
Der gebürtige Hamburger Carl von Ossietzky (1889–1938) war ein bedeutender Demokrat
mit Spuren in Eimsbüttel, ein herausragender Publizist und Pazifist der Weimarer Republik –
ein Mann, der mit Mut, Integrität und analytischem Scharfsinn gegen Aufrüstung,
Militarismus und Nationalsozialismus Stellung bezog.
Dass Ossietzky als Herausgeber der Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“ für Enthüllungen
über die geheime Aufrüstung der Reichswehr (die einen Verstoß gegen den Versailler Vertrag
darstellte) und seine antimilitaristische Aufklärungsarbeit verurteilt und schließlich von den
Nationalsozialisten in Konzentrationslager verschleppt und dort gefoltert wurde, machte ihn
weltweit zum Symbol für Gewissensfreiheit, Zivilcourage und unabhängigen Journalismus.
Er verstarb 1938 an den Haftfolgen. Sein Leben steht für Zivilcourage, Gewissensfreiheit und
den Mut, der Wahrheit die Ehre zu geben.
Ossietzkys letzter Hamburger Wohnsitz war die Grindelallee 1 – gegenüber der heutigen
Staats- und Universitätsbibliothek (SUB), die seit 1983 seinen Namen trägt.
Auf dem Gehweg erinnert ein Stolperstein an ihn – doch dieser liegt für viele Passant:innen
verborgen. Und: Stolpersteine ehren Ermordete – Tafeln erklären Leben und Wirken. Der
vorhandene Stolperstein erinnert an das Leiden, nicht an die historische Bedeutung
Ossietzkys.
Eine Gedenktafel kann Ossietzkys Wirken positiv erinnern und einordnen, z. B. mit Verweis
auf seine Artikel in der „Weltbühne“ oder seinen Widerstand gegen die NS-Diktatur.
Eine gut sichtbare Gedenktafel würde seinen Aufenthalt an diesem Ort konkret verorten, seine
Lebensleistung würdigen und zur historisch-politischen Bildung beitragen. Die
gegenüberliegende Universitätsbibliothek trägt seinen Namen – doch ohne Kontext bleibt der
Bezug abstrakt. Eine Tafel schlägt die Brücke zwischen Geschichte, Bildung und Ort.
In Zeiten, in denen Pressefreiheit, Friedenspolitik und Zivilcourage wieder unter Druck
geraten, ist eine solche Würdigung hochaktuell, pädagogisch wertvoll und eine sichtbare
Stärkung demokratischer Erinnerungskultur in Eimsbüttel.
Die Staats- und Universitätsbibliothek bemüht sich ausgiebig um das Gedenken an Carl von
Ossietzky. Diese Arbeit verdient Unterstützung und Anerkennung durch den Bezirk.
Zur Stärkung des Bezugs zum Namensgeber der SUB und wegen des deutlich höheren
Fußgängeraufkommens auf der Bibliotheksseite der Grindelallee wird eine freistehende Stele oder die Anbringung einer Gedenktafel an der Fassade auf dieser Seite vorgeschlagen. Der genaue Standort bedingt auch die Zuständigkeit von Bezirk oder SUB. Daher ist eine Kooperation bei Standortfindung und auch Abstimmung eines konkreten Textes für die Gedenktafel sinnvoll.
Vorschlag für die Inschrift:
Carl von Ossietzky (1889–1938)
Publizist, Pazifist, Friedensnobelpreisträger (1935)
Herausgeber und Chefredakteur von „Die Weltbühne“,
mutiger Kritiker von Militarismus und Nationalsozialismus
Für sein demokratisches und publizistisches Engagement in der Weimarer
Republik mehrfach angeklagt, von den Nationalsozialisten 1933 inhaftiert,
in ein Konzentrationslager verschleppt und dort gefoltert. 1938 an den
Haftfolgen gestorben.
Sein letzter Hamburger Wohnsitz: Grindelallee 1 – gegenüber der heutigen
Staats- und Universitätsbibliothek, die seit 1983 seinen Namen trägt.“
Der Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, die Errichtung einer Gedenktafel für Carl von Ossietzky in der Grindelallee auf Bibliotheksseite anzustoßen.
Sollte die Planung dazu führen, dass die Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) zur Realisierung der Gedenktafel finanzielle Unterstützung aus bezirklichen Sondermitteln benötigt, bitten wir die Bezirksamtsleitung die SUB bei einem entsprechenden Sondermittelantrag zu unterstützen, der dann dem KGA und HaKuS als Beschlussvorlage vorgelegt wird.
Mikey Kleinert und Fraktion Die Linke in der Bezirksversammlung Eimsbüttel
Die Erkennung von Orten anhand des Textes der Drucksache kann ungenau sein. Es ist daher möglich, das Orte gar nicht oder falsch erkannt werden.
Die Themen werden automatisch anhand von Stichworten, Ausschüssen und Orten zugeordnet und können daher unvollständig oder falsch sein.