Schutz der Bürger vor Betrugsanrufen im Bezirk Bergedorf
Letzte Beratung: 27.08.2026 Bezirksversammlung Bergedorf Ö 6.12
Auskunftsersuchen
der BAbg. Krohn, Seiler, Winkelbach, Meyer, Zimmermann, Unbehauen, Schander und der AfD Fraktion Bergedorf
Mit der Antwort auf das Auskunftsersuchen „Schutz der Bürger vor Betrugsanrufen im Bezirk Bergedorf“ (Drs. 22-0450.01) hat die Behörde für Inneres und Sport dargelegt, dass Telefonbetrug weiterhin einen Schwerpunkt der kriminalpräventiven Arbeit in Hamburg darstellt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass weder eine bezirksspezifische statistische Erfassung der Fälle erfolgt noch konkrete Angaben zur Anzahl der Betrugsanrufe, der Schadenshöhe oder der ermittelten Täter für den Bezirk Bergedorf vorliegen.
Die Behörde verwies auf zahlreiche Präventionsmaßnahmen der Polizei Hamburg, darunter Informationskampagnen, Vorträge in Senioreneinrichtungen, Informationsmaterialien sowie die Zusammenarbeit mit lokalen Einrichtungen. Dennoch erreichen die AfD-Fraktion weiterhin Hinweise von Bürgern, die über aktuelle Betrugsversuche durch Schockanrufe, falsche Polizeibeamte, angebliche Bankmitarbeiter, WhatsApp-Betrug oder betrügerische Gewinnversprechen berichten.
Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung und sich ständig wandelnder Betrugsmaschen besteht weiterhin ein erhebliches öffentliches Interesse an der Wirksamkeit der bisherigen Präventionsmaßnahmen sowie an neuen Erkenntnissen zur Bekämpfung dieser Kriminalitätsform. Insbesondere ältere Menschen sind häufig Ziel solcher Straftaten und bedürfen eines besonderen Schutzes.
Die Behörde für Inneres und Sport (BIS) nimmt wie folgt Stellung:
Vor diesem Hintergrund fragen wir:
1. Welche neuen Erkenntnisse liegen der Behörde beziehungsweise der Polizei seit der Beantwortung der Drucksache 22-0450.01 zu Betrugsanrufen und vergleichbaren Betrugsdelikten im Bezirk Bergedorf vor?
2. Welche neuen Betrugsmaschen sind seit August 2025 im Bezirk Bergedorf beziehungsweise hamburgweit verstärkt festgestellt worden?
3. Wie bewertet die Behörde die Wirksamkeit der in der Drucksache 22-0450.01 genannten Präventionsmaßnahmen?
4. Wurden seit September 2025 zusätzliche Präventions- oder Aufklärungsmaßnahmen eingeführt? Wenn ja, welche?
Die Polizei beobachtet die Entwicklung der Betrugsdelikte fortlaufend und passt ihre Präventionsarbeit an neue Vorgehensweisen der Täterinnen und Täter an.Durch die von der Polizei durchgeführten Präventionsmaßnahmen wird die Sensibilität für das Thema erhöht, die Bereitschaft zur Anzeige gestärkt und potenziell Betroffene werden gezielt unterstützt.
Seit Anfang 2026 stellt die Polizei hamburgweit eine Zunahme von Anrufen in betrügerischer Absicht fest, bei denen die Täter in russischer Sprache Kontakt aufnehmen. Dabei wenden sie das bekannte Vorgehen des sogenannten Unfall- oder Schockanrufs an. Bei dieser Variante werden oftmals Mitarbeitende von Personenbeförderungsunternehmen, wie beispielsweise Uber- oder Taxifahrende, als Kuriere für die Übergabe der angeblichen Kaution eingesetzt.
Um potenziell Betroffene sowie Personenbeförderungsunternehmen zu informieren, hat die Polizei Informationsblätter – auch in russischer Sprache – entwickelt und über die örtlichen Polizeikommissariate verteilt. Zusätzlich wurden Hinweise und Präventionstipps im digitalen Fachmagazin für die Taxibranche auf der Regionalseite für Hamburg veröffentlicht (abrufbar unter:https://taxi-times.com/neue-masche-das-lka-bittet-taxler-um-unterstuetzung/).
Das im Rahmen der Bund-Länder-Projektgruppe zur Bekämpfung des Telefonbetrugs (CESA – Callcenter Enkeltrick Schockanrufe) erarbeitete Informationsmaterial wird flächendeckend in Hamburg über die Stadtteilpolizistinnen und -polizisten angeboten und verteilt. Im November und Dezember 2025 fand hierzu eine deutschlandweite Plakatkampagne statt.Seit Anfang 2026 steht Banken und Sparkassen eine elektronische Lernanwendung mit Videoclip zur Verfügung. Alle Informationen, einschließlich der SocialMedia-Pakete, sind im Internet abrufbarunter:https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/schockanrufe/.
Ebenso wurden innerhalb der Region Bergedorf neben den etablierten Präventionsveranstaltungen (wie beispielsweise die in Drs. 22-0450.01 erwähnten „Sicherheits- und Blaulichttage“) auch Sensibilisierungs- und Präventionsmaßnahmen in Kirchengemeinden, Nahversorgungszentren, Vereinen/Verbänden und Bankfilialen durchgeführt.
Darüber hinaus liegen der Polizei keine neuen Erkenntnisse im Sinne der Fragestellungen vor.
5. Wie viele Präventionsveranstaltungen zum Thema Telefon- und Internetbetrug wurden seit September 2025 im Bezirk Bergedorf durchgeführt?
6. An welchen Orten beziehungsweise in welchen Einrichtungen fanden diese Veranstaltungen statt?
7. Wie viele Personen haben an diesen Veranstaltungen teilgenommen?
In der Region Bergedorf fanden mit Erhebungsstand 16. Juli 2026 im erfragten Zeitraum insgesamt 32 Präventionsveranstaltungen statt. Diese sind der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen:
Datum |
Veranstaltungsort |
01.09.2025 |
HASPA Lohbrügger Landstraße 133 |
18.09.2025 |
Haus Brügge, Leuschnerstraße 86 |
28.09.2025 |
Blaulichttag, Unterer Landweg 77/IKEA |
07.10.2025 |
„Seniorenwoche“, Aktionstag, Süderquerweg 101/REWE |
07.10.2025 |
Infostand Edeka-Center, Alte Holstenstraße 30 |
08.10.2025 |
Infostand Edeka-Center, Alte Holstenstraße 30 |
12.10.2025 |
Sozialverband Kirchwerder |
03.11.2025 |
Seniorenberatung, Binnenfeldredder 34/HASPA |
03.11.2025 |
HASPA Binnenfeldredder 32 |
26.11.2025 |
Infostand Grachtenplatz |
27.11.2025 |
Infostand CCB, Bergedorfer Str. 105 |
14.01.2026 |
Forschertag, Kirchenheerweg 85/STS Kirchwerder |
22.01.2026 |
Seniorenberatung Malteser, Bornbrook 11 |
02.02.2026 |
Seniorenberatung, Süderquerweg 105, VR Volksbank |
04.02.2026 |
Seniorenberatung, Kirche Ochsenwerder |
05.02.2026 |
Infostand Werner-Neben-Platz |
06.02.2026 |
Seniorenberatung, Neuengammer Hausdeich 215, EDEKA Clausen |
12.02.2026 |
Infostand im Haus im Park, Gräpelweg 8 |
13.02.2026 |
Infostand Grachtenplatz |
25.02.2026 |
Seniorenberatung, Kirche Allermöhe |
27.02.2026 |
Infostand HASPA, Vierlandenstraße 2 |
02.03.2026 |
Infostand HASPA, Vierlandenstraße 2 |
12.03.2026 |
Seniorenberatung Christopherus-Gemeinde, Riehlstraße 64 |
02.04.2026 |
Infostand HASPA, Fleetplatz 2-4 |
16.04.2026 |
Infostand HASPA, Vierlandenstraße 2 |
21.04.2026 |
Seniorenberatung AWO, Boberger Anger 115-119 |
04.05.2026 |
Infostand HASPA, Vierlandenstraße 2 |
12.05.2026 |
Seniorenberatung AWO, Boberger Anger 115-119 |
29.05.2026 |
Infostand Seniorenaktivtag, Sachsentor |
01.06.2026 |
Seniorenberatung, Süderquerweg 105, VR Volksbank |
08.06.2026 |
Infostand HASPA, Vierlandenstraße 2 |
10.06.2026 |
Infostand HASPA, Fleetplatz 2-4 |
Die Anzahl der Teilnehmenden variierte je nach Veranstaltungsart und -ort. An größeren Veranstaltungen, wie dem Blaulichttag oder in Seniorenwohnanlagen, nahmen bis zu 400 Personen teil. Bei kleineren Veranstaltungen, wie zum Beispiel an Infoständen, lag die Zahl der Teilnehmenden zwischen 15 und 50 Personen.
8. Welche Informationsmaterialien zum Schutz vor Telefon- und Internetbetrug wurden seit September 2025 im Bezirk Bergedorf verteilt?
Siehe Antwort zu 1 bis 4.
9. Welche Rolle spielen die örtlichen Polizeikommissariate und die Stadtteilpolizisten bei der Aufklärung über aktuelle Betrugsmaschen?
10. Gibt es eine Zusammenarbeit mit Senioreneinrichtungen, Kirchengemeinden, Vereinen oder anderen lokalen Akteuren zur Aufklärung über Betrugsdelikte? Wenn ja, in welcher Form?
Die örtlichen Polizeikommissariate sind die erste Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, die nach einer Betrugstat Anzeige erstatten möchten. Die Stadtteilpolizistinnen und -polizisten übernehmen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung über aktuelle Betrugsmaschen. Sie führen regelmäßig Präventionsmaßnahmen durch, zum Beispiel in Form von Beratungen und Informationsveranstaltungen und stehen im engen Austausch mit Senioreneinrichtungen, Kirchengemeinden, Vereinen und weiteren lokalen Akteuren, um über Betrugsdelikte aufzuklären. Sie folgen darüber hinaus regelmäßig Einladungen zu Veranstaltungen der genannten Einrichtungen und informieren bei diesen Terminen informieren im Rahmen von Vorträgen oder an Informationstischen über aktuelle Betrugsmaschen und geben praktische Tipps zur Vorbeugung
Im Falle einer bereits eingetretenen Betrugstat bieten sie Nachsorge an und unterstützen die Betroffenen. Durch ihre regelmäßige Präsenz vor Ort haben sie einen guten Zugang zur Bevölkerung und sind in die örtlichen Strukturen eingebunden. So entstehen häufig Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern, in denen sie gezielt über aktuelle Betrugsmaschen informieren und aufklären können.
Im Übrigen siehe Antwort zu 5 bis7.
11. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um Menschen mit eingeschränkten Deutschkenntnissen über aktuelle Betrugsmaschen zu informieren?
Die örtlich zuständigen Polizeidienststellen stehen in engem Kontakt zu den Wohnunterkünften. Im Rahmen der Sozialberatung und angebotener Sprechstunden erklären die Polizeibeamtinnen und -beamten neuen Bewohnerinnen und Bewohnern die Aufgaben und die Erreichbarkeit der Polizei.
Wenn es notwendig ist, besuchen Polizeibeamtinnen und -beamten die Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam mit Mitarbeitenden von Fördern und Wohnen auch direkt in ihrem gewohnten Umfeld, um Anzeigen aufzunehmen oder Beratungen durchzuführen. Zusätzlich besteht ein regelmäßiger Austausch mit freiwilligen Helferinnen und Helfern, um Bedarfe zu erkennen und gezielt Informationen weiterzugeben.
In besonderen Fällen, zum Beispiel bei einem erhöhten Informationsbedarf für Menschen ohne Deutschkenntnisse, stellt die Polizei gezielt Informationen in anderen Sprachen bereit.
12. Werden aktuelle Warnhinweise zu neuen Betrugsformen gezielt an Einrichtungen mit besonders gefährdeten Personengruppen weitergegeben? Wenn ja, wie?
Ja, dies geschieht vor allem durch Informationsveranstaltungen, Informationstische und persönliche Gespräche, zum Beispiel in Senioreneinrichtungen.
Zusätzlich stehen Bürgerinnen und Bürgern verschiedene digitale Angebote zur Verfügung. Dazu gehören Apps wie Watchlist oder SIBA (Sicherheitsbarometer), die auch eine Sprachauswahl bieten. Über diese Apps sowie die Internetseiten der Landespolizeien und des Bundeskriminalamtes können sich Nutzerinnen und Nutzer jederzeit über aktuelle Betrugsphänomene informieren. Insbesondere im Bereich Betrug bieten diese Plattformen umfangreiche und aktuelle Informationen sowie Warnhinweise für alle gängigen Betrugsmaschen.
Im Übrigen siehe Antwort zu 1 bis 4 sowie 9 bis 10.
13. Welche Erkenntnisse liegen über die Nutzung von Messenger-Diensten, sozialen Netzwerken oder Künstlicher Intelligenz für Betrugszwecke vor?
14. Gibt es besondere Präventionsmaßnahmen gegen sogenannte „Schockanrufe“, WhatsApp-Betrug oder durch Künstliche Intelligenz manipulierte Stimmen?
Erkenntnisse der Polizei zeigen, dass Täterinnen und Täter auch im Bereich Betrug verschiedene Messenger-Dienste nutzen. Sie nehmen über diese Dienste Kontakt zu potenziellen Opfern auf oder führen bestehende Kontakte weiter. Dabei nutzen sie häufig anonyme Kommunikationswege oder verschleiern ihre Identität durch das sogenannte Spoofing von Mobilfunknummern.
Abgesehen von sogenannten BOT-Anrufen, also automatisierten Telefonanrufen, konnte eine signifikante Nutzung von Künstlicher Intelligenz für Betrugszwecke bisher nicht festgestellt werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass KI-basierte Hilfsmittel bereits in erheblichem Umfang eingesetzt werden. Dazu zählen zum Beispiel Übersetzungen, automatisierte Anrufe, Weiterleitungen oder die Erstellung gefälschter Beweisbilder für betrügerische Reklamationen gegenüber Onlinehändlern.
Im Übrigen siehe Antwort zu 1 bis 4 sowie Drs. 22-0450.01.
15. Welche Stellen können Bürgerinnen und Bürger im Bezirk Bergedorf kontaktieren, wenn sie einen Betrugsversuch melden oder sich beraten lassen möchten?
Bürgerinnen und Bürger im Bezirk Bergedorf können einen Betrugsversuch jederzeit bei jedem Polizeikommissariat melden. Alternativ besteht die Möglichkeit, eine Anzeige online über die Internetwache der Polizei Hamburg zu erstatten (siehe Link: https://www.polizei.hamburg/onlinewache/).
Im Übrigen siehe Antwort zu 9 bis 10.
16. Gibt es Überlegungen, die bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangebote für Betroffene von Betrugsdelikten auszubauen? Wenn ja, welche?
Nein.
17. Welche Maßnahmen plant die Behörde für die Jahre 2026 und 2027, um die Bevölkerung noch wirksamer vor Telefon- und Internetbetrug zu schützen?
Siehe Antwort zu 1 bis 4 und Drs. 22-0450.01.
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