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Aktivitäten im Bezirk Altona im Rahmen der Hamburger Kampagne gegen Antiziganismus Auskunftsersuchen von Claudia Dyroff, Yavuz Fersoglu, Julia Koppke, Karsten Strasser, Andrea Benkert, Ricardo Bolaños González (alle Fraktion DIE LINKE)

Auskunftsersuchen

Letzte Beratung: 04.11.2026 Jugendhilfeausschuss Ö 9.1

Sachverhalt

Im Zusammenhang mit der Hamburger Kampagne gegen Antiziganismus, die am 9. April 2026 begann und am 18. Juni 2026 endete, bitten wir um Auskunft über die konkrete Umsetzung der Kampagne im Bereich Altona sowie über geplante Folgemaßnahmen im Rahmen der fortlaufenden Gesamtstrategie.

Wir bitten darum, die folgenden Fragen zu beantworten:

  1. Welche Veranstaltungen, Workshops, Lesungen, Dialogformate oder sonstige Aktivitäten wurden im Bereich der Kampagne im Bezirk Altona durchgeführt?

Bitte nennen Sie Orte, Datum, beteiligte Einrichtungen, sowie Kooperationspartner.

  1. Welche Vereine, Verbände oder Interessengemeinschaften der Sinti und Roma wurden an den Veranstaltungen beteiligt? Bitte je nach Veranstaltungen/Formaten einzeln auflisten.

Vorbemerkung: Diskriminierungserfahrungen werden besonders im schulischen Bereich erlebt. Deshalb ist die Umsetzung der Kampagne gegen Antiziganismus im schulischen Bereich von besonderem Interesse.

  1. In welchem Umfang wurden Schulen im Bezirk Altona beteiligt?
  1. Welche Schulen waren beteiligt?
  2. Welche Formate wurden dort durchgeführt? - Workshops, Projekttage, Fortbildungen o.a.
  3. Wann sind weitere schulbezogene Maßnahmen (für Lehrer:innnen und Schüler:innen) geplant und welche? Wer koordiniert diese?
  1. Gibt es jetzt im Bezirk Altona dauerhafte Ansprechpersonen, Einrichtungen, Beauftragte oder Kooperationsstrukturen, welche im Themenfeld Antiziganismusprävention aktiv sind oder künftig eine Rolle spielen werden?

Vorbemerkung: Die Aufklärung über den "vergessenen" Teil unserer Geschichte ist von zentraler Bedeutung, da die Unkenntnis des Porajmos, der auch der "vergessene Holocaust" genannt wird, bis heute zu sozialen Spannungen, Vorurteilen, Entmenschlichung und strukturellen Antiziganismus beiträgt.

    1. Wird im Rahmen der Kampagne und der fortlaufenden Antiziganismus-Strategie angedacht, über den Völkermord an den Sinti und Roma zu informieren?

Falls ja: In welcher Form und mit welchem Zeitplan?

Falls nein: Weshalb nicht?

  1. In welchem Umfang wurde das Thema Vergangenheitsbewältigung in den bisherigen Maßnahmen berücksichtigt?

Ist eine Vertiefung der historischen Bildungsarbeit geplant? Wenn ja: In welchen Bereichen?

Vorbemerkung: Die Bürger:innen sollten die Möglichkeit haben, sich über die Ergebnisse der Antiziganismus-Kampagne informieren zu können.

  1. Wo, wann und in welcher Form ist eine Evaluation rund um das Thema Antiziganismus-Kampagne geplant? Zu welchen Ergebnissen ist die Evaluation gekommen?

Die Behörde für Kultur und Medien (BKM) beantwortet die Fragen wie folgt;

Zu 1 – 4:

Fehlanzeige

Das Altonaer Museum hatte jedoch fast zeitgleich zum Kampagnenzeitraum (vom 11. März bis 27. April 2026) die Ausstellungspräsentation „Was heißt hier Minderheit? Eine Wanderausstellung des Minderheitensekretariats der vier autochthonen Minderheiten und Volksgruppen“ zu Gast. Die deutschen Sinti:zze und Rom:nja sind eine der autochthonen Minderheiten. In der Ausstellung wurde jedoch kein Hinweis auf die Kampagne gegeben.

Die interaktive Wanderausstellung war die erste gemeinsame Präsentation der vier autochthonen nationalen Minderheiten und Volksgruppen Deutschlands sowie der Sprechergruppe Niederdeutsch, die in allen Bundesländern gezeigt wurde.

In der Ausstellung geben die Lausitzer Sorben, die deutschen Sinti:zze und Rom:nja, die dänische Minderheit, die friesische Volksgruppe sowie die Plattsprecher einen gemeinsamen Einblick in ihre Geschichten und ihre gelebte Gegenwart im heutigen Deutschland. Wie steht es um das Miteinander von Mehrheit und Minderheit? Und was wünschen sich Angehörige der Gruppen für ihre Zukunft? Die Ausstellung lenkte den Blick auf einen Aspekt unseres gemeinsamen Landes, der vielen bisher unbekannt ist. In sechs Ausstellungsstationen geben beispielhafte Erzählungen Einblick in die spannungsreiche Beziehungsgeschichte zur Mehrheitsgesellschaft.

Eine Kooperation mit den lokalen Vereinen der Sinti:zze und Rom:nja kam trotz einer Einladung nicht zustande.

Zu 5b:

Eine wichtige Aufgabe der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen (SHGL) ist die Sichtbarmachung der Verfolgung der Rom:nja und Sinti:zze. Die Stiftung wird von der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) institutionell maßgeblich gefördert. Zugleich unterliegt sie der staatlichen Rechtsaufsicht, und der Senator für Kultur und Medien führt den Vorsitz im Stiftungsrat.

Im Stiftungsbeirat sind der Landesverein der Sinti in Hamburg e.V. und die Rom und Cinti Union e.V. vertreten. Die SHGL spielt eine wichtige Rolle bei der antiziganismuskritischen Bildungsarbeit. Gedenk- und Lernorte in Hamburg, die auch die Verfolgung von Rom:nja und Sinti:zze betreffen, sind insbesondere die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, das denk.mal Hannoverscher Bahnhof, der Geschichtsort Stadthaus und die Gedenkstätte Plattenhaus Poppenbüttel. An den ersten drei genannten Gedenkstätten finden regelmäßig Angebote zur Verfolgung von Rom:nja und Sinti:zze statt.

Die Behörde für Gesundheit, Soziales und Integration (Sozialbehörde) beantwortet die Fragen wie folgt:

Zu 5.a:

Die Öffentlichkeitskampagne zur Sichtbarkeit von Sinti und Roma in Hamburg und zur Prävention von Antiziganismus leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Sichtbarkeit der Sinti und Roma als gleichberechtigte Mitglieder der Stadtgesellschaft zu erhöhen. Dabei gingen Einzelinhalte der Kampagne weit über Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma im Nationalsozialismus hinaus. Weitere Infos zur Kampagne können dem Internetangebot der FHH entnommen werden: Warum eine Kampagne gegen Antiziganismus? - hamburg.de. Im Übrigen siehe Drs. 23/3817, 23/3685 und Drs. 23/4116.

Gleichwohl sind die Geschichte der NS-Verfolgung und des Genozids an den Sinti und Roma als zentrale Aufgaben ausdrückliche Bestandteile der Gesamtstrategie gegen Antiziganismus. Die Hamburger Stadtgesellschaft soll vertieft zu einschlägigen Themen informiert und sensibilisiert werden. Der Wortlaut der Strategie verfolgt hierzu zahlreiche strategische Ansätze, die vor allem die Bereiche historische Aufarbeitung, Erinnerungskultur sowie die Schule betreffen. Siehe hierzu ausführlich Drs. 22/15346, insbesondere die Kapitel 4.3, 4.5 und 4.6.1, ferner auch das Kapitel 3.3.

Zu 6:

Die Umsetzung der als Crossmedia-Kampagne angelegten Kampagne zur Erhöhung der Sichtbarkeit und Teilhabe von Sinti und Roma und zur Prävention von Antiziganismus lief von April bis Juni 2026 und setzte auf Social Media, Fahrgast-TV in U-Bahnen, Infoscreens am Hauptbahnhof, Litfaßsäulen, Print- und Online-Anzeigen sowie auf ergänzendes Infomaterial wie Postkarten und Plakate. Begleitend wurden Veranstaltungen (Lesung, Theater- und Filmvorführung) angeboten. Die Kampagne wurde in enger Abstimmung mit dem Partizipationsgremium, in dem Selbstorganisationen der Hamburger Sinti und Roma vertreten sind, realisiert. Drei Angehörige der Minderheit traten als „Role Models“ an die Öffentlichkeit und gaben der Kampagne ein Gesicht.

Eine erste, behördeninterne Auswertung ergab die folgenden Ergebnisse:

Mediale Resonanz:

- 4 Radio- und TV-Beiträge u. a. bei NDR, SAT.1 und Radio Hamburg

- 13 Artikel in Online- und Printmedien

- 1 Podcast-Interview im Format „blickpunkt personal“

Social-Media Kennzahlen:

- 5 Social-Media-Beiträge der Sozialbehörde

- Gesamtaufrufe: 17.358

- Gesamtreichweite: 8.761

- Gesamtinteraktionen: 524

- Durchschnittliche Engagement-Rate: 6.0%

Die Auswertung dokumentiert insgesamt eine hohe mediale Resonanz für das Thema der Kampagne. Ebenso erzeugten die Social-Media-Beiträge, und hier insbesondere die „Role Models“, eine starke Aufmerksamkeit.

Vereinzelt kam es auf Social Media jedoch auch zu (Hass-) Kommentaren mit antiziganistischen Inhalten, die mit den Betroffenen besprochen und weiterverfolgt wurden.

Eine weitere Auswertung der Kampagne mit dem Partizipationsgremium ist für die erste Sitzung im Jahr 2027 angesetzt.

Die Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) beantwortet die Frage wie folgt:

Zu 3:

Der für Bildung zuständigen Behörde liegen keine Erkenntnisse dazu vor, welche Schulen sich im Rahmen der Kampagne beteiligt haben und welche konkreten Formate dort durchgeführt wurden. Schulen gestalten ihre entsprechenden Aktivitäten grundsätzlich eigenständig.

Unabhängig von der Kampagne unterstützt die für Bildung zuständige Behörde Schulen sowie Schülerinnen und Schüler aus den Communities der Sinti und Roma durch verschiedene dauerhaft angelegte Maßnahmen. Hierzu gehören insbesondere der Einsatz von Bildungsberaterinnen und Beratern sowie Sprach- und Kulturmittlerinnen bzw Sprach- und Kulturmittlern, die Schulen, Schülerinnen und Schüler und deren Familien beraten und begleiten. Ergänzend stehen den ReBBZ Mittel für die individuelle Förderung von Sinti- und Roma-Schülerinnen und Schülern zur Verfügung. Darüber hinaus entscheiden die Schulen im Rahmen ihrer pädagogischen Eigenverantwortung, welche ergänzenden Maßnahmen und Projekte sie durchführen und welche Fortbildungsangebote sie wahrnehmen.

Darüber hinaus sind für 2027 vom Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen (LI) derzeit folgende Maßnahmen vorgesehen:

Ein Fachtag zum Thema Roma und Sinti befindet sich in Vorbereitung. Nach aktuellem Stand wird die Veranstaltung voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2027 stattfinden. Ein konkreter Termin steht noch nicht fest. Die weitere Planung wird gemeinsam mit den zuständigen Vertreterinnen und Vertretern des Referats „Steigerung der Bildungschancen“ in der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung, der Landeszentrale für politische Bildung und den beteiligten Vereinen abgestimmt.

Am 14. April 2027 findet ein Stadtrundgang zum Hannoverschen Bahnhof für Lehrkräfte und das pädagogische Personal statt.

Beim sogenannten i-Day am 23. Juni 2026 wurde unter anderem ein Safer Space zum Thema Antiziganismus für Schülerinnen und Schülern ab Jahrgang 9 angeboten. Darüber hinaus ist der i-Day, der im Zweijahresrhythmus stattfindet, für 2028 ebenfalls geplant.

Petitum/Beschluss

Die Bezirksversammlung wird um Kenntnisnahme gebeten.

Bera­tungs­reihen­folge
Datum/Gremium
TOP
04.11.2026
Ö 9.1
03.11.2026
Ö 13.2
Lokalisation Beta
Stadtteile

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Themen Beta

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