22-1891.01

Stellungnahme zum Antrag SPD betr. Reanimationsunterricht an Schulen

Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG

Sachverhalt


Im Jahr 2024 erlitten in Deutschland rund 136.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Für die Überlebenschancen der Betroffenen ist der möglichst schnelle Beginn von Wiederbelebungsmaßnahmen entscheidend. Dabei kommt der Laienreanimation eine besondere Bedeutung zu. Dennoch wird derzeit nur in etwas mehr als der Hälfte der Fälle bereits vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. Schätzungen zufolge könnten dadurch jährlich bis zu 10.000 zusätzliche Menschenleben gerettet werden.

Bereits im Jahr 2014 empfahl der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz die Einführung von mindestens zwei Unterrichtsstunden Reanimationsunterricht pro Schuljahr ab der 7. Klasse. Bis heute ist diese Empfehlung jedoch nicht bundesweit verbindlich umgesetzt worden. Die Ärztekammer Hamburg fordert daher, den Reanimationsunterricht verpflichtend in den Lehrplänen zu verankern.

Petitum/Beschluss


Der Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, Vertreterinnen und Vertreter der Schulbehörde zu einer Sitzung des Ausschusses für Bildung und Sport einzuladen, um über folgende Punkte zu berichten:

  1. An welchen Schulen im Bezirk Harburg wird bereits Reanimationsunterricht angeboten?
  2. Welche Inhalte werden im Rahmen dieses Unterrichts vermittelt?
  3. Wann ist die verbindliche Einführung des Reanimationsunterrichts an allen Schulen vorgesehen?
  4. Wie viele Schulen im Bezirk Harburg sind derzeit mit Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) ausgestattet.

BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG

Der Vorsitzende

15. September 2026

Die Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung nimmt zu dem Antrag der SPD-Fraktion (Drs. 22-1891) wie folgt Stellung:

Hamburg verfolgt das Ziel, durch regelmäßige und praxisnahe Laienreanimationstrainings eine Generation heranzubilden, die in Notfallsituationen kompetent, selbstbewusst und hilfsbereit handelt, um die Überlebenschancen bei Herzstillstand signifikant zu erhen und gesellschaftliche Solidarität zu stärken. Für das Pilotprojekt HerzretterStadt Hamburg hatte im Jahr 2023 der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher, die Schirmherrschaft übernommen. Schulen sind hier ein wichtiges Handlungsfeld neben Unternehmen, Vereinen, Behörden und Hochschulen. Es wurden wichtige Grundlagen geschaffen, um lebensrettende Kenntnisse in der Stadtgesellschaft zu verankern. Zahlreiche Schulen kooperieren erfolgreich mit externen Partnern wie den Hamburger Hilfsorganisationen, Krankenhäusern, der Feuerwehr oder Herzretter e.V., die praxisnahe Trainings anbieten und so eine hohe Akzeptanz und Motivation bei Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie Eltern erreichen (siehe auch Drs. 21-2195, Bezirksversammlung Harburg).

Der seit 2016 bestehende Arbeitskreis Reanimation (bzw. Runder Tisch Reanimation) am Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung fungiert als zentrales Gremium für den fachlichen Austausch und die Weiterentwicklung von Konzepten zur Laienreanimation im schulischen Kontext.

1. An welchen Schulen im Bezirk Harburg wird bereits Reanimationsunterricht angeboten?

Die erfragten Daten werden von der für Bildung zuständigen Behörde nicht zentral erfasst. Gleichwohl gelten für die Schulen im Bezirk Harburg identische Anforderungen wie für alle Hamburger Schulen. Diese stellen sich wie folgt dar:

In Hamburg ist das Thema „Maßnahmen zur Ersten Hilfe“ bereits umfassend und altersgerecht in den Bildungsplänen verankert, beginnend in der Grundschule und fortgeführt bis in die weiterführenden Schulen. Diese curricularen Vorgaben gewährleisten, dass Schülerinnen und Schüler frühzeitig grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, die im Notfall lebensrettend sein können. Dabei wird bewusst auf eine altersgerechte Vermittlung gesetzt, um insbesondere bei jüngeren Kindern eine angstfreie und motivierende Auseinandersetzung mit dem Thema zu ermöglichen.

2. Welche Inhalte werden im Rahmen dieses Unterrichts vermittelt?

Dass die Vermittlung von Erste-Hilfe-Maßnahmen und damit das Thema Laienreanimation bereits in den Bildungsplänen verankert ist, zeigt, dass Hamburg das Thema ernst nimmt und aktiv fördert. Die Umsetzung dieser curricularen Vorgaben erfolgt im Rahmen der selbstverantworteten Schule, wodurch jede Schule eigenständig den Umfang, die Schwerpunkte und die methodische Gestaltung des Laienreanimationsunterrichts festlegt. Diese Flexibilität erlaubt es den Schulen, auf ihre spezifischen Bedürfnisse und Ressourcen einzugehen und zugleich Kooperationen mit fachlich und pädagogisch qualifizierten Partnern wie dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der Initiative Herzretter e.V. sowie weiteren Hilfsorganisationen, Krankenhäusern und Institutionen zu etablieren. Die r Bildung zuständige Behörde stellt hierfür Handlungshilfen und Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern bereit, insbesondere über das Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung an Schulen (LI).

Bildungspläne Aufgabengebiet Gesundheitsförderung

In den Hamburger Bildungsplänen ist das Thema „Maßnahmen zur Ersten Hilfe“ verbindlich verankert:

Die Hamburger Bildungspläne zum Aufgabengebiet Gesundheitsförderung fördern nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern auch die Entwicklung einer positiven Haltung zur Hilfeleistung und Gesundheitsbewusstsein als Schutzfaktoren gegen gesundheitsschädigendes Verhalten.

In der Grundschule wird bereits ab der ersten Jahrgangsstufe das Absetzen eines Notrufs und altersgerechte Erste-Hilfe-Maßnahmen vermittelt (Kapitel 2.2, Gesundheitsförderung).

In der Sekundarstufe I (Stadtteilschulen und Gymnasien) werden die Inhalte um das Verhalten in Notfallsituationen und die Reanimation erweitert, inklusive der Herzdruckmassage und dem Umgang mit dem AED (Automatisierter Externer Defibrillator).

3. Wann ist die verbindliche Einführung des Reanimationsunterrichts an allen Schulen vorgesehen?

Die Rahmung, die über die Bildungspläne Gesundheitsförderung hergestellt wird, ist bewusst gewählt: Die Schulen entscheiden in ihrer Selbstverantwortung, wie sie diese Vorgaben umsetzen. So werden schulortbezogen Erfahrungen gesammelt, um die Wirksamkeit der Trainings sicherzustellen und die Akzeptanz bei allen Beteiligten zu fördern. So kann eine nachhaltige und effektive Umsetzung gewährleistet werden, die den besonderen Bedürfnissen der Hamburger Schullandschaft gerecht wird. Das LI bietet entsprechende Unterstützung an.

Zudem sind an etwa 90 Hamburger Schulen Schulsanitätsdienste etabliert, die durch regelmäßige Trainings und Wettbewerbe die praktische Anwendung von Erste-Hilfe-Maßnahmen, einschließlich der Herzdruckmassage, fördern und das Bewusstsein für lebensrettende Interventionen stärken.

Das zurzeit in Zusammenarbeit des Landesinstitutes mit Hamburger Hilfsorganisationen, Krankenhäusern und weiteren Institutionen entwickelte und sich in finaler Abstimmung befindliche Umsetzungskonzept „Herzschlag Hamburg - Kurs auf Leben“ zur Durchführung von Laienreanimationstraining an Hamburger Schulen wird den Schulen eine praxisorientierte Handlungshilfe bieten, die eine effektive und altersgerechte Vermittlung der Reanimationskompetenzen sicherstellt. So werden für alle Jahrgangsstufen beginnend von der Grundschule Unterrichtsinhalte mit Bezug zu den Bildungsplänen dargestellt. Außerdem werden Bausteine zur Umsetzung skizziert, vertiefende Informationen sind auf den Internetseiten des LI zu finden (Angebote für Reanimationstraining an Hamburger Schulen).

Im September 2026 wird in der Woche der Wiederbelebung (21.-27.09.) eine Auftakt-Veranstaltung zur Verabschiedung des Konzeptes „Herzschlag Hamburg Kurs auf Leben: Laien-Reanimation macht Schule“ an einer Hamburger Schule, Gymnasium Allee in Altona, stattfinden, bei der alle Akteure ihre Angebote präsentieren. Mit der Auftaktveranstaltung realisiert das Landesinstitut eine adressatengerechte Veranstaltung, die das Kennenlernen der Anbietenden von Reanimationsunterricht in Hamburg ermöglicht: Hilfsorganisationen, Krankenhäuser und weitere Institutionen stellen vor, wie sie Laienreanimation praxisnah vermitteln.

Flankierend werden im Schuljahr 2026/27 zum ersten Mal Fortbildungen für Lehrkräfte und andere pädagogische Fachkräfte durchgeführt: An drei Terminen im 1. Schulhalbjahr finden am Landesinstitut Multiplikatoren-Fortbildungen für Lehrkräfte und pädagogisches Personal der Sekundarstufe I zum Erlernen der praxisorientierten Laien-Reanimation im Unterricht statt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass

1. die bestehenden curricularen Verankerungen,

2. die Schulsanitätsdienste an Schulen,

3. das Umsetzungskonzept „Herzschlag Hamburg Kurs auf Leben“ flankiert von einer Auftaktveranstaltung sowie gezielten Fortbildungen durch das LI

4. eingebunden in die etablierten Kooperationsstrukturen

sowie

5. die laufenden konzeptionellen Weiterentwicklungen, u.a. durch den „Runden Tisch Reanimation“ am LI als zentrales Gremium,

eine hinreichende Grundlage für die Vermittlung lebensrettender Reanimationskompetenzen an Hamburger Schulen bilden.

4. Wie viele Schulen im Bezirk Harburg sind derzeit mit Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) ausgestattet

Die erfragten Daten werden von der für Bildung zuständigen Behörde nicht zentral erfasst.

gez. hm

f.d.R.

Hypko

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