Stellungnahme zum Antrag CDU betr. Hamburg-Takt - gehört der Bezirk Harburg nicht zu Hamburg?
Letzte Beratung: 10.09.2026 Ausschuss für Mobilität und Inneres Ö 14.1
Der sogenannte „Hamburg-Takt“ wird vom Senat seit Jahren als verkehrspolitisches Vorzeigeprojekt präsentiert. Bereits 2019 wurde den Hamburgerinnen und Hamburgern in Aussicht gestellt, bis 2030 innerhalb weniger Minuten überall in Hamburg ein attraktives öffentliches Mobilitätsangebot erreichen zu können. Seither wurde der Begriff in zahlreichen Senatsverlautbarungen, Strategiepapieren und PR-Kampagnen als Symbol einer modernen Mobilitätswende vermarktet.
Im Alltag vieler Menschen im Bezirk Harburg ist von diesem Zukunftsversprechen bislang jedoch wenig zu spüren. Statt eines verlässlichen und leistungsfähigen ÖPNV erleben viele Pendler weiterhin überfüllte S-Bahnen, störanfällige Verbindungen, unzureichende Querverkehre sowie Buslinien, die insbesondere in den Randlagen weder den propagierten Takt noch die notwendige Verlässlichkeit bieten. Hinzu kommen regelmäßige Gleissperrungen und Ersatzbusverkehre in den Sommermonaten.
Die Mittel scheinen hingegen eher in den Ausbau von Velorouten oder in milliardenschwere ÖPNV-Projekte in anderen Teilen der Stadt zu fließen. Diese werden geplant und öffentlichkeitswirksam präsentiert; zugleich entsteht zunehmend der Eindruck, dass der Hamburger Süden bei der Umsetzung des Hamburg-Takts allenfalls nachrangig berücksichtigt wird. Auch Jahre nach der groß angekündigten Einführung bleiben viele konkrete Verbesserungen für Harburg unklar oder beschränken sich auf Ankündigungen, Prüfaufträge und langfristige Perspektiven. Schon allein die Barrierefreiheit an den Bahnhöfen wird nicht konsequent vorangetrieben. Zudem verliert der ÖPNV zunehmend an Attraktivität, da viele S-Bahnhöfe verschmutzt sind und es in den Zügen immer häufiger zu Belästigungen kommt – sowohl tagsüber als auch nachts.
Hinzu kommt, dass der Senat den „Hamburg-Takt“ inzwischen deutlich vorsichtiger formuliert als noch zu Beginn der Debatte. Aus dem ursprünglich offensiv kommunizierten Zielbild bis 2030 scheint schrittweise ein unverbindliches Dauerprojekt geworden zu sein, dessen tatsächliche Umsetzungsperspektive insbesondere für Harburg zunehmend offen bleibt.
Vor diesem Hintergrund besteht erheblicher Aufklärungsbedarf darüber, welche Teile des Hamburg-Takts im Bezirk Harburg überhaupt realistisch umgesetzt werden sollen, in welchem Zeitraum dies geschehen soll und welche ursprünglich angekündigten Ziele inzwischen stillschweigend aufgegeben wurden.
Die Bezirksversammlung beschließt:
Der Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, eine Vertreterin beziehungsweise einen Vertreter der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) in den Ausschuss für Mobilität und Inneres einzuladen, um zum tatsächlichen Stand der Umsetzung des Hamburg-Takts im Bezirk Harburg zu berichten.
Der Bericht soll insbesondere beinhalten:
Hamburg, am 08.05.2026
BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG
DER VORSITZENDE
20. Juli 2026
Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) nimmt zu dem Antrag wie folgt Stellung:
Der umfassende Ausbau des ÖPNV bleibt unverändert das Ziel des Hamburg-Takts und ist im Arbeitsprogramm des Senats für die laufende Legislaturperiode festgehalten. Die Maßnahmen und Zielsetzungen sind im Klimaplan 2023 und in der Strategie Mobilitätswende verankert. Zu den Angebotsausweitungen der letzten Jahre im Busverkehr sowie bei der S-Bahn wird auf die Stellungnahmen der BVM zu den BV-Drs. 22-383 und 22-957 verwiesen.
Zukünftige Maßnahmen im Busverkehr befinden sich aktuell in Abstimmung. Im Bereich S-Bahn wird die im Ausbau befindliche Maßnahme „S6 bzw. Korridormaßnahme“ Ende 2029 in Betrieb gehen und für eine weitere angebotsorientierte Steigerung des Verkehrsangebotes auf der S-Bahn im Bezirk Harburg sorgen. Im Zuge der geplanten Inbetriebnahme der S6 ist auch eine Teilmodernisierung von einzelnen Stationen vorgesehen. Bezüglich der in der Drucksache angesprochenen Barrierefreiheit siehe bürgerschaftliche Drs 23/4294.
Vor diesem Hintergrund verzichtet die BVM auf die Entsendung eines Vertreters bzw. einer Vertreterin.
gez. Böhm f.d.R.
Schulz
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