Antwort Kleine Anfrage FDP-Fraktion: Wie werden Methan-Leckagen in Harburg (bzw. Hamburg) bekämpft?
Letzte Beratung: 17.01.2023 Hauptausschuss Ö 1.27
Aus gutem Grund kämpfen wir gegen die Freisetzung von Klimagasen. Den Schwerpunkt bildet dabei CO2. Ein weiteres sehr potentes Klimagas, das in großen Mengen freigesetzt wird, ist Methan. Methan hat die 17-fache Klima-Wirkung im Vergleich zu CO2 (Ein Teil Methan hat die 86-fache Klimawirkung wie ein Teil CO2. Allerdings verbleibt ein Methanmolekül nur bis zu 20 Jahren in der Atmosphäre, ein CO2-Molekül über 100 Jahre. Daher beträgt die Klimawirkung eines Methan-Moleküls aufsummiert über 100 Jahre 1720 „Wirkungspunkte“ (20*86), die von CO2 100. Auf ein Jahr bezogen ergibt dies eine 17-fache Klimawirkung gegenüber CO2.) Trotzdem gehen ca. 30 % der Klimaerwärmung auf das Konto von Methan. So gelangen rund 80 Mio. Tonnen Methan jährlich in die Atmosphäre aus Erdöl- und Erdgasgewinnung, aber auch aus Leckagen. Beim Fracking entweicht das 6-Fache an Methan gegenüber der normalen Förderung. Rechnet man alle diese Mengen zusammen, ergibt sich kein Vorteil für Erdgas gegenüber Kohle, eher ein Nachteil.
https://www.3sat.de/wissen/nano/220901-sendung-nano-100.html
https://www.3sat.de/wissen/wissenschaftsdoku/220901-sendung-wido-104.html
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:
1. Wie werden Methan-Lecks in Harburg vermieden?
2. Wie oft finden Überprüfungen statt?
3. Finden kontinuierliche Überwachungen statt? Wenn nicht, warum nicht?
4. Wie werden solche Methanemissionen bekämpft? Wenn nicht, warum nicht?
5. Wie erfolgreich ist dies?
6. Wie viele Methan-Lecks wurden im Bezirk Harburg in 2021 gefunden?
7. Wie werden ehemalige Bohrlöcher überwacht?
8. Wie wird die Beseitigung von Leckagen überwacht?
9. Welche diffusen Methanquellen sind bekannt (Deponien, Schlickablagerungen, usw.)?
10. Wie werden diffusen Methanquellen vermieden und überwacht?
11. Gibt es Mengenangaben zur den entweichenden Methanmengen?
(Liegen keine Angaben für den Bezirk Harburg vor, reichen auch die Angaben für Hamburg)
BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG
Der Vorsitzende 05.01.2022
Bitte beachten Sie im Anschluss an die Antwort der BWI die der BUKEA folgt
Die Behörde für Wirtschaft und Innovation (BWI) beantwortet die Anfrage der FDP-Fraktion (Drs. 21-2586) wie folgt:
In Hamburg wird ausschließlich und in geringem Maße Erdöl gefördert. Diese Förderung erfolgt an zwei Standorten im Hamburger Stadtgebiet, wovon eine sich im Bezirk Harburg befindet.
Gemäß Aussage des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) ist die Ermittlung von Methanemissionen nach § 22b Nr. 5 der Allgemeinen Bundes-Bergverordnung (ABBergV) eine Pflicht der Unternehmerinnen und Unternehmer. Eigene Erhebungen liegen dem LBEG nicht vor. Über Daten darüber verfügt der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG), der für diese Anfrage von der BWI ebenfalls befragt wurde.
Die Behörde für Wirtschaft und Innovation (BWI) beantwortet die Fragen teilweise auf der Grundlage von Auskünften des BVEG.
Zu 1. Wie werden Methan-Lecks in Harburg vermieden?
Zu 2. Wie oft finden Überprüfungen statt?
Zu 3. Finden kontinuierliche Überwachungen statt? Wenn nicht, warum nicht?
Im Fall der Erdölförderung in beziehungsweise um Hamburg findet eine durchgehende Drucküberwachung der Leitungen statt, mit deren Hilfe Undichtigkeiten und Leckagen bemerkt werden. Zusätzlich werden nach Instandhaltungsmaßnahmen potenzielle Leckagestellen z.B. mit „Lecksuchspray“ untersucht. Leckagen im Sinne eines plötzlich eintretenden Ereignisses sollen die Unternehmen zudem dem LBEG melden. Die Meldungen werden dann in der Regel als Sofortmeldung an die jeweiligen Fachaufsichtsbehörden weitergeleitet.
Für das kommende Jahr plant der Betreiber der Anlagen in Hamburg darüber hinaus ein umfassendes „Leak Detection and Repair“ (LDAR)-Programm, das für alle Anlagenkomponenten durchgeführt wird.
Zu 4. Wie werden solche Methanemissionen bekämpft? Wenn nicht, warum nicht?
In der Erdgas- und Erdölindustrie werden Methan-Leckagen durch Reparatur der entsprechenden Komponenten zeitnah behoben, da dies nicht nur dem Klimaschutz, sondern auch der Anlagensicherheit dient.
Zu 5. Wie erfolgreich ist dies?
Dazu liegen der BWI keine Erkenntnisse vor.
Zu 6. Wie viele Methan-Lecks wurden im Bezirk Harburg in 2021 gefunden?
Mit Bezug zur Erdgas- und Erdölproduktion wurden nach Auskunft des Betreibers im Jahr 2021 im Bezirk Harburg keine Methan-Leckagen festgestellt.
Zu 7. Wie werden ehemalige Bohrlöcher überwacht?
In der Erdgas- und Erdölindustrie wird nach Beendigung der Produktion durch das Unternehmen ein Sonderbetriebsplan zur Verfüllung bei den zuständigen Behörden gestellt und die Bohrung (Bohrloch) im Anschluss dauerhaft verfüllt und damit verschlossen.
Zu 8. Wie wird die Beseitigung von Leckagen überwacht?
Die Beseitigung von Leckagen in der Erdgas- und Erdölindustrie liegt in der Verantwortung des Betreibers, der schon aus Anlagensicherheitsgründen ein Interesse an der Behebung von Leckagen hat.
Zu 9. Welche diffusen Methanquellen sind bekannt (Deponien, Schlickablagerungen, usw.)?
Fehlanzeige. Deponien oder Flächen zur Lagerung von Schlick in Hamburg fallen in die Zuständigkeit der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA).
Hinweis: Der Teil der Frage wird von der BUKEA beantwortet.
Zu 10. Wie werden diffusen Methanquellen vermieden und überwacht?
Fehlanzeige.
Hinweis: Dies fällt ebenfalls in die Zuständigkeit der BUKEA.
Zu 11. Gibt es Mengenangaben zur den entweichenden Methanmengen?
(Liegen keine Angaben für den Bezirk Harburg vor, reichen auch die Angaben für Hamburg)
Nach Angaben des BVEG hat der Betreiber im Jahr 2021 für die Aktivitäten in Hamburg durch inkomplette Verbrennung und diffuse Emissionen 6,5 kg Methan berechnet. Im Jahr 2020 waren es 8,6 kg – zur allgemeinen Einordnung: dies entspricht weniger als 10% der Emissionen, die eine einzelne Kuh im Jahr emittiert (circa 100 kg/Jahr).
Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) beantwortet unter Beteiligung des Gasnetz Hamburg GmbH (GNH) die Anfrage der FDP-Fraktion (Drs. 21-2586) wie folgt:
Zu 1. Wie werden Methan-Lecks in Harburg vermieden?
Das Hauptrisiko bei der Beschädigung von Gasleitungen ist der fehlerhafte Einsatz von Baumaschinen (sog. Baggerschäden). Oft sind auch alte Beschädigungen die Ursache für Korrosionen und Folgeschäden. Daher liegt das Augenmerk der GNH auf der Vermeidung von Beschädigungen durch Dritte. Dazu bietet GNH beispielsweise spezielle Schulungen für Baggerführer:innen an. Durch sogenannte „Aufgrabescheinverfahren“ informiert GNH außerdem über Leitungen bei Baumaßnahmen auf öffentlichem Grund. In besonderen Fällen führt GNH auch Leitungseinweisungen vor Ort durch.
Um Gasaustritte frühzeitig zu erkennen und Methanemissionen zu vermeiden, wird das Erdgas seitens GNH mit einem Warngeruch (Odorierung) versehen.
Zusätzlich gehen speziell ausgebildete Prüfexpertinnen und -experten der GNH die Leitungen zu Fuß ab, digitale Karten zeigen ihnen dabei die genau Lage der Gasleitungen an und mit Hilfe eines Gasspür-Messgerät, welches die Luft ansaugt, können selbst allerkleinste Gasmengen erkannt werden. Bei Freileitung unter Brücken (Sonderbauwerke) erfolgt die Überwachung gemäß der Vorgaben des DVGW, bei erdverlegten Gasleitungen in nicht bebauten Gebieten (innerhalb und außerhalb Hamburgs) wird die Überwachung durch monatliches Befliegen vorgenommen.
Alle Anlagen und Leitungstrassen werden in regelmäßigen Abständen einer planmäßigen Wartung und Instandsetzung unterzogen. Um die noch zum geringen Teil verbauten Stahlleitungen bestmöglich zu schützen, sind sie teilweise zusätzlich zu ihrer standardmäßigen Antikorrosionsbeschichtung (sogenannter passiver Rohrschutz) mit einem kathodischen Rohrschutz ausgestattet, welcher als aktiver Rohrschutz bezeichnet wird.
Zu 2. Wie oft finden Überprüfungen statt?
Im Abstand von vier Jahren werden alle Leitungen des Nieder- und Mitteldrucknetzes (insgesamt 6.850 km) durch besonders qualifizierte Fachpersonen der GNH als auch zertifizierte Dienstleister mit Hilfe von hochempfindlichen Sonden und digitalen Karten überprüft. Dabei werden die Hamburger Stadtteile so aufgeteilt, dass jedes Jahr zwischen April und Oktober in jeweils rund 25 Stadtteilen sämtliche Leitungen kontrolliert werden können. Das gesamte Hochdrucknetz (1.050 km) wird zweimal im Monat visuell begangen bzw. befahren.
Bei andauerndem Frostwetter werden zusätzlich zu den oben genannten Überprüfungen zusätzliche Hohlraumüberprüfungen durchgeführt.
Zu 3. Finden kontinuierliche Überwachungen statt? Wenn nicht, warum nicht?
Die kontinuierliche Überwachungen findet nach den Vorgaben des Technischen Regelwerkes des DVGW (G465) zur Rohrnetzüberwachung statt.
Zu 4. Wie werden solche Methanemissionen bekämpft? Wenn nicht, warum nicht?
Durch das Austauschprogramm der Graugussleitungen im Stadtgebiet zwischen 1990 und 2005 konnten Schäden an Gasleitungen deutlich reduziert werden, wodurch auch die Methanemissionen deutlich verringert werden konnten. Derzeit werden die alten Stahlleitungen sukzessive durch PE-Leitungen (Kunststoff) ersetzt.
Darüber hinaus verfügt GNH über die technischen Möglichkeiten, bei Bauarbeiten Methanemissionen zu verhindern. Dazu gehören Maßnahmen wie z.B. der Einsatz von mobilen Verdichtern und mobilen Fackeln, welche das Ausblasen von Leitungen nicht mehr erforderlich machen, als auch der Verzicht auf pneumatische Ventile.
Sollte es trotz allen Vorkehrungen zu einer Leckage kommen, arbeitet die Störungsbereitschaft der GNH rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr an mehreren Standorten über das gesamte Stadtgebiet verteilt, wodurch sichergestellt werden kann, dass die Techniker innerhalb weniger Minuten am Einsatzort eintreffen, um die Leckage zu beheben.
Zu 5. Wie erfolgreich ist dies?
Die Anzahl der meldepflichtigen Ereignisse im Rahmen der Schadens- und Unfallstatistik gemäß DVGW-Regelwerk G410 ist rückläufig. Die Methanemissionen der deutschen Erdgas-Branche haben sich seit 1990 um 39% verringert, siehe auch https://www.dvgw.de/medien/dvgw/leistungen/publikationen/methanemissionen-erdgas-zahlen-fakten-dvgw.pdf.
Den technisch sehr guten Wartungszustand belegt die Einordnung der GNH beim Ranking des SAIDI-Wertes (SAIDI = System Average Interruption Durration Index) der Bundesnetzagentur, der die Zuverlässigkeit des Netzes misst: Im Durchschnitt hatte 2021 jede GNH-Kundin bzw. jeder GNH-Kunde in Hamburg eine störungsbedingte Versorgungsunterbrechung von nur sieben Sekunden. Im Vergleich dazu lag der bundesweite Wert bei zwei Minuten und elf Sekunden.
Zu 6. Wie viele Methan-Lecks wurden im Bezirk Harburg in 2021 gefunden?
Es wurden sechs Gasfreisetzung auf Grund von beschädigten Leitungen und acht Gasfreisetzungen auf Grund von Drittbeschädigung (sog. Baggerschäden) im Jahr 2021 gezählt.
7. Wie werden ehemalige Bohrlöcher überwacht?
Es sind keine Bohrlöcher vorhanden und dementsprechend ist keine Überwachung durch GNH erforderlich.
Zu8. Wie wird die Beseitigung von Leckagen überwacht?
Die zentrale Meldestelle Gas ist für die Störungsarbeiten bei GNH zuständig. Hier werden alle Störungs- und Alarmmeldungen koordiniert, weitergeleitet und bis zur Erledigung dokumentiert.
Gasleckagen müssen gemäß des Technischen Regelwerkes des DVGW (G 404) entsprechend ihres Gefährdungspotenzials klassifiziert werden. Dies ermöglicht die Steuerung der vorhandenen Kapazitäten (Material und Fachpersonal) durch die technische Einheit der GNH sowie die schnellstmögliche Beseitigung der Leckagen.
Zu 9. Welche diffusen Methanquellen sind bekannt (Deponien, Schlickablagerungen, usw.)?
Diffuse Methanquellen sind:
Zu 10. Wie werden diffusen Methanquellen vermieden und überwacht?
Zurzeit werden Deponiegase aus vier ehemaligen Deponien über Entgasungsanlagen abgesaugt (Georgswerder, Böverstland, Höltigbaum, Süderfeldstraße) und damit diffusen Methanemissionen entgegengewirkt. Das abgesaugte Gas wird energetisch weiterverwendet oder durch Aerobisierung zu dem im Vergleich mit Methan weniger klimaschädlichen Kohlenstoffdioxid umgewandelt. Im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes wird derzeit der klimaschutzgemäße Umbau und die Erneuerung der Entgasungsanlage Böverstland geplant.
Deponiegase aus ehemaligen Deponien entweichen in der Regel nicht flächig gleichmäßig, sondern punktuell über sogenannte Hotspots in der Deponieabdeckschicht. Zur Minderung der Deponiegasemissionen wären Hotspot Sanierungen erforderlich.
Messungen an diffusen Methanquellen werden von der BUKEA nur an ausgewählten Standorten vorgenommen. Über das bei der BUKEA bestehende Deponiegas-Messprogramm werden bei derzeit ca. 40 Altablagerungen ausschließlich die Deponiegaskonzentrationen an festinstallierten Messtellen im Deponiekörper regelmäßig überwacht.
Zu 11. Gibt es Mengenangaben zur den entweichenden Methanmengen?
(Liegen keine Angaben für den Bezirk Harburg vor, reichen auch die Angaben für Hamburg)
Es gibt für die Altablagerungen keine Daten zu den diffus entweichenden Methanmengen.
Für die Schlickdeponien, die von der HPA betrieben werden, liegen der BUKEA keine Daten vor.
GNH teilt mit, dass eine Berechnung anhand der Emissionsfaktoren, welche im Nationalen Inventarbericht (NIR) verwendet werden, einen Bereich von 155 bis 1.350 Tonnen pro Jahr bundesweit aufzeigt. Genauere Angaben kann GNH für Hamburg zum aktuellen Zeitpunkt nicht machen, auf Basis der insgesamt registrierten Störmeldungen ist aber davon auszugehen, dass die Menge für Hamburg im oben genannten Bereich liegt.
Aktuell baut GNH eine Methanemissionsberichterstattung nach den Vorgaben des Oil and Gas Methane Partnership (OGMP) 2.0 Framework auf. Diese Berichterstattung erfordert eine umfangreiche Datenauswertung und Berechnung, welche derzeit geprüft und verifiziert wird. Zukünftig können somit genauere Mengenangaben gemacht werden.
Gez. Heimath
F.d.R. Martens
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