22-1699.01

Antwort auf Anfrage CDU betr. Barrierefreiheit am S-Bahnhof Neugraben - aktueller Sachstand, Planung und Betriebssicherheit

Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG

Letzte Beratung: 16.06.2026 Hauptausschuss Ö 4.4

Sachverhalt

Die Herstellung vollständiger Barrierefreiheit am S-Bahnhof Neugraben ist seit über einem Jahrzehnt Gegenstand politischer Beschlüsse und Diskussionen in der Bezirksversammlung Harburg.
In einer Stellungnahme der zuständigen Fachbehörde aus dem Jahr 2016 wurde in Aussicht gestellt, die bestehenden Schrägaufzüge im westlichen Bahnsteigbereich durch neue Vertikalaufzüge zu ersetzen und die Barrierefreiheit bis etwa 2019 herzustellen.
Im Jahre 2019 erfolgte ein Bericht durch die Deutsche Bahn im Stadtentwicklungsausschuss.

Dieses Ziel wurde bekanntermaßen nicht erreicht.
Bis heute bestehen weiterhin erhebliche Einschränkungen:

  • Die vorhandenen Schrägaufzüge gelten aufgrund ihres Alters und ihrer technischen Anfälligkeit als unzuverlässig und es führen wiederkehrende Ausfälle regelmäßig dazu, dass eine barrierefreie Nutzung des Bahnhofs nicht gewährleistet ist.
  • Konkrete Fortschritte bei der Umsetzung der angekündigten Maßnahmen im östlichen Bereich sind für die Öffentlichkeit und die Bezirksversammlung nicht ausreichend transparent.
  • Die Aufzüge im Treppenturm am Nord-Ostausgang sind regelmäßig defekt.

Gleichzeitig wurden in der Vergangenheit wiederholt Planungen, Prüfungen und bauliche Überlegungen angekündigt, ohne dass es zu einer erkennbaren Umsetzung gekommen ist.
Vor diesem Hintergrund besteht weiterhin erheblicher Klärungsbedarf – insbesondere für mobilitätseingeschränkte Menschen, Familien mit Kinderwagen und ältere Fahrgäste im Bezirk Harburg.

Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende sowie die Deutschen Bahn werden gebeten die folgenden Fragen zur Barrierefreiheit am S-Bahnhof Neugraben zu beantworten:

1. Aktueller Planungsstand

  • Welche konkreten Planungen zur Herstellung der vollständigen Barrierefreiheit am S-Bahnhof Neugraben bestehen aktuell?
  • Welche baulichen Varianten (insbesondere auf der Ostseite) werden derzeit verfolgt?
  • In welchem Planungsstadium befinden sich diese Maßnahmen?

2. Zeitliche Perspektive

  • Welche konkreten Zeitpläne bestehen für Planung, Ausschreibung und Umsetzung?
  • Wann ist nach aktuellem Stand mit einer tatsächlichen baulichen Realisierung zu rechnen?
  • Welche Gründe haben zu den erheblichen Verzögerungen gegenüber den ursprünglichen Zielsetzungen (u. a. Fertigstellung bis 2019) geführt?

3. Umsetzung bislang zugesagter Maßnahmen

  • Welche der in der Vergangenheit angekündigten Maßnahmen wurden umgesetzt, welche nicht?
  • Welche Planungen wurden verworfen oder grundlegend verändert und aus welchen Gründen?

4. Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit

  • Wie stellt sich die Ausfallquote der derzeit vorhandenen Aufzüge (insbesondere der Schrägaufzüge) dar?
  • Wie häufig kam es in den vergangenen drei Jahren zu Störungen und längeren Ausfällen?
  • Welche Maßnahmen werden ergriffen, um die Verfügbarkeit kurzfristig zu verbessern?

5. Übergangslösungen

  • Welche Maßnahmen werden ergriffen, um bis zur endgültigen Herstellung der Barrierefreiheit eine möglichst verlässliche Nutzung sicherzustellen?

Die Antworten sollen dem Mobilitätsausschuss vorgelegt werden.

Hamburg, am 19.04.2026


BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG

Der Vorsitzende



1. Juni 2026

Die Behörde für Mobilität und Verkehrswende (BVM) beantwortet die o.g. Anfrage der CDU-Fraktion, Drs. 22-1669, wie folgt:

1. Aktueller Planungsstand

• Welche konkreten Planungen zur Herstellung der vollständigen Barrierefreiheit am S-Bahnhof Neugraben bestehen aktuell?

• Welche baulichen Varianten (insbesondere auf der Ostseite) werden derzeit verfolgt?

• In welchem Planungsstadium befinden sich diese Maßnahmen?

Die Deutsche Bahn AG (DB) wird die Barrierefreiheit zwischen der Personenüberführung (Ostseite der Station und dem Bahnsteig Gleis 2/3 durch den Neubau eines Vertikalaufzugs herstellen. Hierzu muss der komplette Treppenaufgang erneuert und die im Keller- und Erdgeschoss (Bahnsteigebene) befindlichen Technikräume dauerhaft verlegt werden.

Die Planungen für diese Maßnahmen sind abgeschlossen.

2. Zeitliche Perspektive

• Welche konkreten Zeitpläne bestehen für Planung, Ausschreibung und Umsetzung?

• Wann ist nach aktuellem Stand mit einer tatsächlichen baulichen Realisierung zu rechnen?

• Welche Gründe haben zu den erheblichen Verzögerungen gegenüber den ursprünglichen

Zielsetzungen (u. a. Fertigstellung bis 2019) geführt?

Im Jahr 2016 wurde gegenüber der Bezirksversammlung Harburg das nun in Umsetzung befindliche bzw. bereits umgesetzte Konzept vorgestellt, die Personenüberführung auf der Ostseite der S-Bahnstation Neugraben als barrierefreie Hauptroute auszubauen. Die Überführung stellt die Verbindung zwischen P+R Parkhaus, Nordseite Bahnhof, Bahnsteigen und Südseite (Busanlage und Versorgungszentrum) dar. Die Personenunterführung auf der Westseite dient demnach primär der Erschließung der Wohnentwicklungsgebiete im Nordwesten zum Versorgungszentrum südlich der Bahnstrecke.

Dieser Entscheidung ging ein Einvernehmen zwischen der DB, der zuständigen Fachbehörde, dem Bezirksamt Harburg, dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) und der IBA Hamburg GmbH als Gebiets-Entwicklungsträgerin voraus. Anlage 1 zeigt die Erschließungssituation.

Die DB nahm die Planungen für die barrierefreie Erschließung auf der Ostseite von Bahnsteig Gleis 2/3 im Jahr 2020 auf, nachdem die Finanzierung 2019 sichergestellt werden konnte. Ein Fertigstellungstermin wurde laut Angaben der DB damals explizit noch nicht bekannt gegeben. Erst im weiteren Verlauf der Planungen hat die DB das Ziel kommuniziert, die neue Aufzugsanlage im Jahr 2025 fertigzustellen.



Leider ist es mit Voranschreiten der Projektplanung zu unterschiedlichen Verzögerungen gekommen. So wurde im Zuge der Ausführungsplanung festgestellt, dass Kabel für die technischen Anlagen nicht im Bestandskabelsystem unter dem Bahnsteig Gleis 2/3 verlegt werden können. Nach Beendigung der Ausführungsplanung für den ersten Bauabschnitt musste die anschließende Ausschreibung ohne Angebotsabgabe beendet worden. Erst nach wiederholter Ausschreibung konnten die Leistungen vergeben werden, sodass der Bau nach derzeitigem Stand im Frühjahr dieses Jahres beginnen kann. Vorbereitende Arbeiten wie das Ausweisen von Baustelleneinrichtungsflächen und Kabelverlegungen haben bereits begonnen. Die Fertigstellung ist abhängig von noch ausstehenden Vergabeverfahren und kann daher erst nach Ablauf dieser final datiert werden.

3. Umsetzung bislang zugesagter Maßnahmen

• Welche der in der Vergangenheit angekündigten Maßnahmen wurden umgesetzt, welche nicht?

• Welche Planungen wurden verworfen oder grundlegend verändert und aus welchen Gründen?

Die Aufzugsanlage am Süd-Ost-Ausgang (Personenüberführung ZOB/Versorgungszentrum) hat der LSBG im 2019 in Betrieb genommen. Der Treppenturm am Nord-Ostausgang in redundanter Ausführung mit zwei Aufzugsanlagen folgte im Jahr 2021.

Erste Skizzen der DB zur barrierefreien Erschließung des Bahnsteigs Gleis 2/3 zeigten den Aufzug östlich an die Personenüberführung angeschlossen. Bei näherer Planung erwies sich dies wegen zu knapper Durchgangsbreiten als nicht richtliniengerecht durchführbar. Es mussten daher weitere Varianten erarbeitet und auf Machbarkeit geprüft werden.

4. Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit

• Wie stellt sich die Ausfallquote der derzeit vorhandenen Aufzüge (insbesondere der Schrägaufzüge) dar?

• Wie häufig kam es in den vergangenen drei Jahren zu Störungen und längeren Ausfällen?

• Welche Maßnahmen werden ergriffen, um die Verfügbarkeit kurzfristig zu verbessern?

Schrägaufzug Bahnsteig, Gleis 2/3 (Westseite)

Außerbetriebnahme: 28.02.2026

Verfügbarkeit 2025: 72 %

Verfügbarkeit 2024: 26 %

Verfügbarkeit 2023: 63 %

Schrägaufzug Bahnsteig, Gleis 1 (Westseite)

Außerbetriebnahme: 15.12.2024

Verfügbarkeit 2024: 38 %

Verfügbarkeit 2023: 52 %

Aufzug Süd-Ost-Ausgang (ZOB; Versorgungszentrum):

Verfügbarkeit 2026: 99 %

Verfügbarkeit 2025: 85 %

Verfügbarkeit 2024: 90 %

Verfügbarkeit 2023: 95 %

Aufzug 1 Nord-Ost-Ausgang (P+R Parkhaus)

Verfügbarkeit 2026: 95 %

Verfügbarkeit 2025: 98 %

Verfügbarkeit 2024: 80 %

Verfügbarkeit 2023: 75 %

Aufzug 2 Nord-Ost-Ausgang (P+R Parkhaus)

Verfügbarkeit 2026: 92 %

Verfügbarkeit 2025: 67 %

Verfügbarkeit 2024: 92 %

Verfügbarkeit 2023: 76 %

Für die beiden Schrägaufzüge auf der Weststeite der Station hat die BVM zuletzt trotz bereits erheblich erhöhter Betriebskosten noch einmal zusätzlich finanzielle Mittel für Ersatzteile und den Weiterbertieb bereitgestellt. Letztendlich musste der Betrieb trotzdem im Jahr 2026 bzw. 2024 auf Grund von Sicherheitsmängeln dauerhaft eingestellt werden.

Bahnsteig Gleis 2/3 ist damit bis zu der Inbetriebnahme des neuen Aufzugs der DB bis voraussichtlich Ende 2027 nicht barrierefrei zugänglich.

Für alle Aufzugsanlagen bestanden und bestehen Wartungs- u. Instandhaltungsverträge. Diese beinhalten auch eine 24/7 Bereitschaft des Anlagenherstellers

5. Übergangslösungen

• Welche Maßnahmen werden ergriffen, um bis zur endgültigen Herstellung der Barrierefreiheit eine möglichst verlässliche Nutzung sicherzustellen?

Bahnsteig Gleis 1 ist an der Ostseite ebenerdig und barrierefrei etwa auf Höhe der Busumsteigeanlage mit dem Straßenraum verbunden.

Weiterhin haben Fahrgäste mit der Fahrplanauskunft auf der hvv Webseite oder in der hvv App jederzeit die Möglichkeit, barrierefreie Verbindungen abzufragen. Dabei werden Aufzüge, die nicht in Betrieb sind, berücksichtigt, so dass immer eine stufenfreie Verbindung als Ergebnis ausgegeben wird. Fahrgäste sollten in diesem Fall die Suchoption „Rollstuhl/Kinderwagen“ (hvv Webseite) oder „Handicap: Rollstuhl“ (hvv App) nutzen.

Daher empfiehlt die Hamburger Verkehrsverbund GmbH (hvv) insbesondere mobilitätseingeschränkten Fahrgästen, vor einer Fahrt im hvv immer die Nutzung der hvv Fahrplanauskunft, um stufenfrei und bequem an ihr Ziel zu gelangen.

Weiterhin können Fahrgäste auf den Bahnsteigen aller U- und S-Bahn-Stationen immer auch die Informations- und Notrufsäule nutzen, um Unterstützung sowie weiterführende Informationen zu erhalten. Außerdem können der spezielle DB-Service für mobilitätseingeschränkte Menschen respektive die Kundedialoge von S-Bahn oder hvv angerufen werden.

gez. Böhm


f.d.R. Leptien

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