22-2555

Eingabe: Sicherheits- und Belastungssituation KJND & Koops-Quartier

Mitteilungsvorlage vorsitzendes Mitglied

Letzte Beratung: 09.09.2026 Jugendhilfeausschuss Ö 6.2

Sachverhalt

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach telefonischer Rücksprache möchten wir uns mit der folgenden Eingabe an die Bezirksversammlung Nord wenden und bitten um Weiterleitung an die zuständigen Ausschüsse. Über eine Einladung zur Sitzung, die unsere Eingabe behandeln kann, würden wir uns freuen.

Sicherheits- und Belastungssituation rund um den KJND Gemeinsame Lösungen für das Koops-Quartier

Als Bewohnerinnen und Bewohner des Koops-Quartiers sowie des Geländes der Evangelischen Stiftung Alsterdorf wenden wir uns an Sie, weil wir die Entwicklung im Umfeld des Kinder- und Jugendnotdienstes (KJND) mit zunehmender Sorge beobachten.

Zunächst möchten wir ausdrücklich betonen, dass wir den gesetzlichen Auftrag des KJND und die wichtige Arbeit seiner Mitarbeitenden anerkennen. Kinder und Jugendliche in akuten Krisen benötigen Schutz, Betreuung und professionelle Unterstützung. Unser Anliegen richtet sich daher ausdrücklich nicht gegen den Bestand des KJND oder gegen junge Menschen, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden, sondern gegen eine Entwicklung, die nach unserer Wahrnehmung sowohl die Sicherheit als auch die Lebensqualität im angrenzenden Quartier zunehmend beeinträchtigt.

Viele von uns wohnen bewusst auf dem Gelände der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (ESA). Die Stiftung wirbt mit dem Leitbild eines offenen, inklusiven Quartiers, in dem Familien mit Kindern, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und weitere Bewohner*innengruppen gemeinsam leben. Dieses Leitbild unterstützen wir ausdrücklich und identifizieren uns damit. Gerade deshalb beobachten wir mit Sorge, dass sich die Situation im unmittelbaren Umfeld des KJND in den vergangenen Monaten deutlich verschärft hat.

Es kommt im Umfeld des KJND regelmäßig zu:

  • erheblichen Ruhestörungen, insbesondere in den Abend- und Nachtstunden, durch lautes Rufen und Schreien
  • größeren Ansammlungen von Jugendlichen (bis zu 12 Personen) am Spielplatz und den umliegenden Parkbänken in direkter Nähe zu den Wohnung im Koopser Quartier
  • verbalen Auseinandersetzungen und Körperverletzungen der Jugendlichen untereinander
  • Drogenkonsum im öffentlichen Raum
  • Beleidigungen gegenüber Anwohnerinnen und Anwohnern, aggressivem Verhalten sowie Fällen von Bedrohungen beziehungsweise versuchten körperlichen Übergriffen

Durch die oben erwähnten Problematiken wird von den Anwohner*innen mehrmals täglich der Sicherheitsdienst der ESA angerufen, um einen Standortwechsel der Jugendlichen herbeizuführen. In den Nachtstunden nach 23 Uhr und am Wochenende wird regelmäßig die Polizei kontaktiert.

Besonders betroffen sind der Spielplatz des Koops-Quartiers sowie der an das Quartier angrenzende Park. Familien berichten, dass sie diese Orte zu diesen Zeiten meiden, weil sie sich dort nicht mehr sicher fühlen. Die Anwohner*innen, die direkten Blick auf den Park oder Spielplatz haben, fühlen sich auf den eigenen Terrassen oder Balkonen nicht mehr wohl.

Hinzu kommt, dass nach Aussage mehrerer Anwohner*innen im Bereich des Spielplatzes sowie an verschiedenen Stellen des Koops-Quartiers wiederholt Betäubungsmittel aufgefunden beziehungsweise entsprechende Konsumhandlugen beobachtet wurden. Hierbei handelte es sich nach den Schilderungen der Betroffenen sowohl um Marihuana als auch in einzelnen Fällen um Kokain. Unabhängig von den jeweiligen Verantwortlichkeiten ist bereits das Vorhandensein solcher Substanzen auf einem Gelände, das von Kindern, Familien sowie Menschen mit Behinderung genutzt wird, aus unserer Sicht nicht hinnehmbar und bedarf einer konsequenten Aufarbeitung.

Diese Entwicklungen führen dazu, dass sich viele Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld zunehmend unsicher und unwohl fühlen und öffentliche Wege und Aufenthaltsbereiche meiden. Familien äern Sorge um die Sicherheit ihrer Kinder, Bewohner*innen berichten von einem spürbar veränderten Sicherheitsgefühl.

Wir sind überzeugt, dass diese Situation nicht allein als Problem einer einzelnen Einrichtung betrachtet werden kann. Uns ist bewusst, dass viele der im KJND betreuten Kinder und Jugendlichen selbst erhebliche Belastungen und traumatische Erfahrungen mitbringen. Gerade deshalb sehen wir die Ursache der geschilderten Probleme nicht bei einzelnen jungen Menschen, sondern vielmehr in den strukturellen Herausforderungen, mit denen die Jugendhilfe derzeit konfrontiert ist. Hier treffen mehrere öffentliche Interessen aufeinander: der Schutz besonders belasteter Kinder und Jugendlicher, die Verantwortung für ein funktionierendes inklusives Wohnquartier sowie das berechtigte Sicherheits- und Schutzbedürfnis der dort lebenden Bevölkerung.

In den letzten Jahren und auch Jahrzehnten haben bereits verschiedene Hamburger Medien über die angespannte Situationim und um den KJND herum berichtet. Es ist daher schwer verständlich, dass sich die Politik bislang nicht ausreichend mit der Thematik beschäftigt hat. Die Jugendlichen des KJND scheinen aufgrund fehlender Betreuungs- und (sozial-)pädagogischer Angebote nicht die Hilfe zu erhalten, die sie eigentlich bei der Bewältigung ihrer akuten Lebenssituationen benötigen. Private Nachfragen beim KJND selbst ergeben regelmäßig, dass für eine angemessene Betreuung Personalressourcen fehlen. Außerdem wird immer wieder berichtet, dass außer regelmäßigen Mahlzeiten nur ein rudimentäres Angebot angeboten wird und die Jugendlichen daher tagsüber nur wenig Struktur erfahren. Dass die Wohnsituation und die Unterbringung im KJND nicht dem eigentlich notwendigen geschützten Rahmen für die Jugendlichen entspricht,hrt aus unserer Sicht daher dazu, dass sich die Jugendlichen ziel- und planlos in der Nachbarschaft aufhalten und sich sozial unverträglich entwickeln. Es fehlt zudem offensichtlich ein geeigneter Aufenthaltsort im Freien, der den Bedürfnissen der Jugendlichen entgegenkommt.

r eine wohlhabende und grundsätzlich gut organisierte Stadt wie Hamburg ist es für uns schlicht unverständlich, wie der Senat den Jugendlichen die Hilfe verwehrt, die sie eigentlich benötigen. Wir erachten Kinder und Jugendliche als Grundpfeiler und die Zukunft unserer Gesellschaft. Insbesondere die Kinder und Jugendlichen des KJND benötigen ein Umfeld, das sie unterstützt und nicht fallen lässt.

Aufgrund der anhaltend belastenden Situation wurde bereits durch die Bewohner*innen sowie der Quartiersbegleitung der ESA das Gespräch sowohl mit der zuständigen Polizeibehörde als auch mit dem KJND gesucht - mit dem Ziel, Ideen und Lösungen zur Verbesserung der Situation zu sammeln.

Daraus entstanden ist u.a. dieses Anschreiben an die politischen Gremien und Behörden, in dem wir um die Prüfung folgender Fragen bitten:

  • Wie wird die aktuelle Sicherheits- und Belastungssituation rund um den KJND bewertet?
  • Welche Maßnahmen werden bereits ergriffen, um Störungen im Wohnumfeld zu reduzieren?
  • Welche zusätzlichen personellen, pädagogischen oder sicherheitsrelevanten Maßnahmen werden geprüft?
  • Wie können auch die Sozialbehörde und das Bezirksamt in die Zusammenarbeit mit dem KJND, der Polizei und der ESA integriert werden, um die Situation nachhaltig zu verbessern?
  • Welche Möglichkeiten bestehen, den Spielplatz und das Koops-Quartier insbesondere in den Abend- und Nachtstunden besser zu schützen?
  • Wie soll langfristig sichergestellt werden, dass der Schutzauftrag des KJND mit dem Anspruch eines sicheren und inklusiven Wohnquartiers in Einklang gebracht wird?
  • Welche Zukunftsaussichten hat der KJND in der aktuellen Situation? Wird geprüft, ob evtl. eine dezentrale Unterbringung der Kinder und Jugendlichen die Situation des KJND verbessern kann?

Darüber hinaus regen wir an:

  • einen regelmäßigen Austausch zwischen KJND, Sozialbehörde, Bezirksamt, Polizei, ESA und der Anwohnerschaft einzurichten,
  • die bereits bei der Polizei erfassten Vorfälle im Quartier und im KJND systematisch auszuwerten,
  • die Anwohnerschaft regelmäßig über Maßnahmen und Entwicklungen zu informieren,
  • zu prüfen, ob die personelle und therapeutische Ausstattung des KJND den heutigen Anforderungen noch ausreichend gerecht wird.

Unser Anliegen verfolgt nicht das Ziel, den Schutzauftrag des KJND infrage zu stellen. Vielmehr wünschen wir uns Lösungen, die sowohl den betreuten Kindern und Jugendlichen als auch den berechtigten Interessen der Anwohnerschaft gerecht werden. Ein inklusives Quartier kann nur dann dauerhaft funktionieren, wenn alle Menschen, die dort leben, arbeiten oder betreut werden, sich sicher fühlen können.

Wir bitten Sie daher, dieses Anliegen in den zuständigen Ausschüssen zu beraten und gemeinsam mit allen Beteiligten nach tragfähigen Lösungen zu suchen. Für einen persönlichen Austausch stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Petitum/Beschluss

Um Kenntnisnahme wird gebeten.

Isabel Permien

Bera­tungs­reihen­folge
Datum/Gremium
TOP
09.09.2026
Ö 6.2
Anhänge

Unterschriftenliste (nicht öffentlich)

Lokalisation Beta
Kinder- und Jugendnotdienst (KJND) für Kinder und Jugendliche aus Hamburg Alsterdorf

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