RISE Fördergebiet Wilhelmsburg Ost - Zwischenbilanzierung; Zustimmung zur IEK-Fortschreibung mit Laufzeitverlängerung bis 31.12.2030
Letzte Beratung: 10.09.2026 Stadtplanungsausschuss Süd Ö 3.1
Das RISE-Fördergebiet „Wilhelmsburg Ost“ umfasst im Kern die beiden nördlich des Stadtteilzentrums am Berta-Kröger-Platz gelegenen Wohnquartiere Bahnhofs- und Korallusviertel. Auf Grundlage der Anmeldung des Bezirksamtes Hamburg-Mitte wurde das Fördergebiet per Senatsbeschluss am 06.08.2019 als Gebiet der Sozialen Stadt nach § 171e Baugesetzbuch (BauGB) festgelegt und in das Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) mit einer Gebietslaufzeit bis Ende 2026 aufgenommen. Im Zuge der Weiterentwicklung der Städtebauförderung wurde es per Senatsbeschluss vom 15.12.2020 in das Programm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung – Lebenswerte Quartiere gestalten“ überführt und als Stadtumbaugebiet nach § 171b BauGB neu festgelegt.
Handlungsrahmen für die Gebietsentwicklung ist das im Jahr 2023 beschlossene Integrierte Entwicklungskonzept (IEK). Es wurde durch das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung auf Basis der Ergebnisse eines städtebaulich-freiraumplanerischen Werkstattverfahrens für ein räumliches Gesamtkonzept und unter Beteiligung der Bewohner:innen und weiterer Akteursgruppen, einschließlich des Quartiersbeirats Wilhelmsburg Ost, sowie in Abstimmung mit den Trägern öffentlicher Belange erarbeitet.
Das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung hat nunmehr die erste Zwischenbilanzierung des Gebietsentwicklungsprozesses von 2019 bis Ende 2025 im RISE-Fördergebiet Wilhelmsburg Ost gezogen. Im Ergebnis wird die Verlängerung der Gebietslaufzeit bis Ende 2030 verfolgt. Hierfür wurde das IEK fortgeschrieben.
Das IEK fasst Strategien und Zielsetzungen für die städtebauliche, freiraumplanerische, verkehrliche, klimatische und soziale Entwicklung des Gebiets in einem Gesamtkonzept zusammen und benennt konkrete Projekte zur Erreichung der einzelnen Fachziele. Die im IEK verankerten Handlungsbedarfe bestehen insbesondere darin, die Wohnfunktion und städtebaulichen Strukturen durch Wohnungsneubau und Sanierung der Bestände zu stärken, die öffentlichen und privaten Grün- und Freiflächen aufzuwerten, die verkehrliche Situation zu verbessern und den sozialen Zusammenhalt durch bedarfsgerechte Angebote zu festigen.
Neben drei übergeordneten Gebietsleitzielen wurden in insgesamt neun Handlungsfeldern Ziele formuliert und Projekte benannt, die zur Weiterentwicklung und Stärkung des Bahnhofs- und Korallusviertels vorgesehen sind.
Schlüsselprojekte der Gebietsentwicklung sind die städtebaulichen Neuentwicklungen im „Neuen Korallusviertel“ östlich der Bahntrasse und am „Quartierseingang Süd“ am Kirchenstandort im Bahnhofsviertel, der Umbau der Wehrmann- und Korallusstraße zum sogenannten „Boulevard der Nachbarschaften“, die Schaffung einer grünen Quartiersmitte im Korallusviertel („Atlaspark“) sowie die Herstellung einer öffentlichen Grün- und Spielfläche im nördlichen Korallusviertel mit Anbindung an die Wilhelmsburger Dove-Elbe. Daneben sind für eine erfolgreiche Gebietsentwicklung die Lösung der verkehrlichen Probleme einschließlich einer Neuordnung des ruhenden Verkehrs und die weitere Sanierung der Wohnungsbestände und Wohnumfelder von zentraler Bedeutung. Bei allen Projekten liegt zudem ein Schwerpunkt auf dem Themenkomplex Klimaschutz und Klimaanpassung.
Zusammenfassung der Ergebnisse der Zwischenbilanzierung:
Die Gebietsentwicklung startete mit intensiven Planungsprozessen. Die Durchführung eines städtebaulich-freiraumplanerischen Werkstattverfahrens zusammen mit der Wohnungswirtschaft und weiteren Investor:innen in den Jahren 2020 und 2021 als gemeinsame Grundlage für die städtebauliche, freiraumplanerische und verkehrliche Entwicklung des Gebiets und eine darauf aufbauende Rahmenplanung standen in der ersten Phase der Gebietsentwicklung als wichtige fachliche Grundlage für die Umsetzung von baulichen Maßnahmen an erster Stelle. Parallel dazu haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie seit Anfang 2020 nicht nur die baulichen Entwicklungsprozesse, sondern auch den Aufbau des Gebietsmanagements und der Beteiligungsverfahren beeinflusst. Aufgrund der erheblichen Verschlechterung der baukonjunkturellen Situation ab 2022 mit stark gestiegenen Baukosten und hohen Zinsen wurden zahlreiche Investitionen zurückgestellt, darunter auch die der größten Bestandshalterin, in dessen Eigentum sich rund dreiviertel der Wohnungen im Fördergebiet befinden.
Die Modernisierung der Wohngebäude im Korallusviertel und von mehreren Objekten im südlichen Teil des Bahnhofsviertels ist bereits überwiegend abgeschlossen. Ein Großteil der weiteren geplanten investiven Projekte und Maßnahmen ist demgegenüber noch nicht realisiert, so dass wesentliche Ziele der Gebietsentwicklung noch nicht erreicht werden konnten.
Seit 2025 werden nunmehr Planungen und Investitionen für viele Projekte wieder aufgenommen und intensiviert. Wichtige Vorhaben für die Gebietsentwicklung wurden teilweise bis zur Baugenehmigungsreife gebracht, darunter das „Neue Korallusviertel“ und die Umbauten des ehemaligen Studierendenwohnheims und des DB-Wohnheims in der Korallusstraße 2. Für die Neuentwicklung des Kirchenstandortes am „Quartierseingang Süd“ liegen positive Bauvorbescheide vor. Die mit RISE geförderten Wohnumfeldmaßnahmen im Korallusviertel befinden sich seit 2025 abschnittsweise in der Umsetzung. Für die Qualifizierung der Parkanlage an der Keindorffstraße (u.a. Wiederherstellung des Bolzplatzes) liegt nach jahrelanger Verzögerung nun eine konkrete Umsetzungsperspektive vor. Für weitere Maßnahmen im öffentlichen Raum, die im Zuge der RISE-Gebietsentwicklung bis Ende 2030 noch umgesetzt werden sollen, ist eine Priorisierung und Entscheidung über die Aufnahme in die bezirklichen Arbeitsvorräte und Bauprogramme zeitnah erforderlich.
Neben den intensiven Planungen lag ein weiterer Schwerpunkt beim Aufbau eines Gebietsmanagements und der Initiierung, Durchführung und Unterstützung von sozialen und kulturellen Projekten im Fördergebiet. Der Quartiersbeirat Wilhelmsburg Ost wurde im Sommer 2022 gegründet und gemäß seiner Geschäftsordnung 2025 neu zusammengesetzt. Er hat sich als engagiertes Beteiligungsgremium etabliert und fordert in mehreren Beiratsempfehlungen die verstärkte Umsetzung von Maßnahmen, insbesondere eine Verbesserung der Verkehrssituation. Zudem entscheidet er über die Mittel aus dem Verfügungsfonds in Höhe von 10.000 Euro jährlich und unterstützt damit zahlreiche kleinere Projekte mit einem Mehrwert für das Quartier. Mit der Eröffnung des Stadtteilbüros in der Thielenstraße 11 wurde eine Anlaufstelle und ein flexibel nutzbarer Raum geschaffen, in dem u.a. eine wöchentliche Mieterberatung stattfindet. Ende 2025 wurde durch das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung die Forderung des Quartiersbeirates nach einem „Runden Tisch“ zum Thema Müll und Sauberkeit umgesetzt, um der verstärkten Müll- und Rattenproblematik entgegenzuwirken.
Um den sozialen Herausforderungen zu begegnen und den Zusammenhalt im Quartier zu stärken wurden und werden Projekte wie die Stadtteilküche „Korallus Kitchen“, „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ und „48 h Wilhelmsburg“ sowie weitere kleine soziale und kulturelle Projekte gefördert und teilweise durch das Gebietsmanagement selbst initiiert und durchgeführt. Auch Projekte des Europäischen Sozialfonds (ESF), wie „Schulmentoren“ oder „Job Coach“, werden anteilig durch RISE unterstützt.
Das IEK umfasst auch Projekte, die für die Zielerreichung von hoher Bedeutung sind, für die absehbar jedoch keine Realisierungsperspektive besteht. So fehlt es für die Neuordnung des ruhenden Verkehrs durch den Bau von Quartiersgaragen an geeigneten Steuerungsinstrumenten. Im nördlichen Korallusviertel besteht kein Zugriff auf die erforderlichen Grundstücke für die Entwicklung einer öffentlichen Grün- und Spielfläche und Anbindung an die Wilhelmsburger Dove-Elbe. Diese Maßnahmen sind somit längerfristig angelegt und sollen in der weiteren Gebietsentwicklung weiterverfolgt werden.
Für die erste Zwischenbilanzierung und Fortschreibung des IEK Wilhelmsburg Ost durch das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung wurden die folgenden Datengrundlagen, Einschätzungen und Rahmenbedingungen herangezogen:
Die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange erfolgte vom 04.06.2026 bis 23.06.2026. Die Stellungnahmen der BSFB / Abteilung Kita-Flächensicherung, der Deutschen Bahn AG und der Hamburger Energienetze GmbH lagen zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Drucksache noch nicht vor. Für die geplante Beschlussfassung des Leitungsausschusses für die Programmsteuerung RISE (LAP) am 28.09.2026 können geringfügige Änderungen am IEK noch erforderlich werden.
Zusammenfassung der Ergebnisse der Fortschreibung des IEK:
Empfehlung zur Verlängerung der Gebietslaufzeit:
Die Bilanzierung belegt einen andauernden hohen Handlungsbedarf im RISE-Fördergebiet Wilhelmsburg Ost. Zur Erreichung und Sicherung der Ziele ist es erforderlich, die gestarteten Projekte, die in Teilen bereits in einem intensiven Planungsprozess stehen, erfolgreich umzusetzen und abzuschließen. Darüberhinausgehend sind Maßnahmen und Projekte neu anzustoßen.
Um relevante Zielsetzungen der Gebietsentwicklung nicht zu gefährden, sind auch für Projekte, für die es absehbar keine Realisierungsperspektive gibt, neue Lösungsansätze zu prüfen und anzustoßen. Dies gilt insbesondere für Maßnahmen zur Neuordnung des ruhenden Verkehrs.
Die Beteiligungsstrukturen sind fortzuführen. Mit der Konkretisierung und Umsetzung von Maßnahmen sollen zunehmend auch anlass- und zielgruppenspezifische Beteiligungsformate durchgeführt werden, insbesondere auch von Kindern und Jugendlichen. Zur Unterstützung der Gebietsentwicklung insbesondere bei der Beteiligung und Kommunikation mit den lokalen Akteuren soll die Lawaetz-Stiftung im bisherigen Umfang weiterbeauftragt werden.
Um die erforderliche Verfahrensgrundlage für die weitere Gebietsentwicklung zu gewährleisten, wird eine vierjährige Verlängerung der Laufzeit des Fördergebiets bis zum 31.12.2030 nunmehr verfolgt.
Nach Zustimmung durch den Stadtplanungsausschuss Süd und die Bezirksversammlung wird die Zwischenbilanzierung mit Fortschreibung des IEK seitens des Fachamtes Stadt- und Landschaftsplanung dem Leitungsausschuss für die Programmsteuerung (LAP) RISE am 28.09.2026 zur Beschlussfassung vorgestellt.
Auf Basis der anliegenden Zwischenbilanzierung und Fortschreibung des IEK des Fachamtes Stadt- und Landschaftsplanung wird um Zustimmung und Unterstützung der Verlängerung der Fördergebietslaufzeit für Wilhelmsburg Ost bis Ende 2030 gebeten.
Die Bezirksversammlung wird um Bestätigung gebeten.
gez. Michael Mathe
Anlage:
Erste Zwischenbilanzierung und Fortschreibung IEK Wilhelmsburg Ost (Juni 2026)
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