Unterstützung des Synagogen-Neubaus am Joseph-Carlebach-Platz/Bornplatz – gemeinsam jüdisches Leben in Eimsbüttel fördern
Letzte Beratung: 05.12.2019 Bezirksversammlung Ö 9.13
Jüdisches Leben prägt Hamburgs Geschichte seit Jahrhunderten. 1860, nach Aufhebung der Torsperre – um die Stadttore zu passieren musste bis dahinnachts eine Gebühr bezahlt werden – zogen immer mehr Menschen aus dem Hamburger Zentrum vor die Tore der Stadt. Das Eimsbütteler Grindelviertel und angrenzende Gebiete zogen besonders viele Jüdinnen und Juden aus der Neustadt an. In der Nähe des schon bestehenden Jüdischen Friedhofs am Grindel (Ecke An der Verbindungsbahn/Rentzelstraße) entwickelte sich somit das Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg. Weitere Institutionen wurden errichtet, u.a.1883 das Deutsch-Israelitische Waiseninstitut am Papendamm, seit 1884 verschiedene Töchterschulen, 1886 ein jüdisches Altenhaus (heutige Sedanstraße 23), viele Synagogen wie 1895 die Neue Dammtor-Synagoge, 1906 die Bornplatzsynagoge,zahlreiche (Wohn)Stifte, 1911 wurde die Talmud-Tora-Schule am Grindelhof eröffnet.
Die Synagoge am Bornplatz, heute Joseph-Carlebach-Platz/Allendeplatz (am Campus der Universität), wurde 1906 eingeweiht und diente der Deutsch-Israelitischen Gemeinde als Hauptsynagoge und war eines der Wahrzeichen des jüdischen Lebens in Hamburg.
Vor 1933 lebten ca. 20.000 Jüdinnen und Juden in Hamburg, sehr viele von ihnen in Eimsbüttel. Während des nationalsozialistischen Terrors und des Holocausts wurden fast alle ermordet, deportiert oder mussten ihre Heimat verlassen. 1938, in der Reichspogromnacht zerstörten Hamburger und Hamburgerinnen neben zahlreichen anderen jüdischen Gebäuden auch die Bornplatzsynagoge, 1939 musste sie abgerissen werden. Zu dieser Zeit war Joseph Carlebach, vorher Rektor der Talmud Thora Schule, Oberrabbiner. Wie viele andere Jüdinnen und Juden seit Oktober 1941 erhielt er Ende 1941 einen Deportationsbefehl. Am 26. März 1942 wurde er, seine Frau und drei seiner Kinder in der Nähe von Riga erschossen. Kurz vor Kriegsende lebten in Hamburg nur noch 647 Jüdinnen und Juden, meist in „Mischehen“.
Zum 50. Jahrestag der Zerstörung der Bornplatzsynagoge wurde der bis dahin als Parkplatz genutzte Platz umgestaltet und nach Joseph Carlebach benannt. Nach einem Entwurf der Künstlerin Margrit Kahl wurde der Grundriss der alten Synagoge auf dem Boden durch Pflaster- und Granitsteine markiert. Initiativen zum Wiederaufbau der zerstörten Synagoge gab es in der Vergangenheit verschiedentlich, diese sind bisher aber aus unterschiedlichen Gründen nie konkret aufgegriffen worden.
2002 eröffnete nach mehr als 55 Jahren die erste jüdische Schule in Hamburg wieder: die Joseph-Carlebach-Schule, die ein Jahr später in das Gebäude der ehemaligen Talmud-Tora-Realschule im Grindelhof zog und mittlerweile stark expandiert. Dort ist heute auch die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde untergebracht. Anfang 2008 eröffnete in unmittelbarer Nachbarschaft das Café Leonar, ein neues Zentrum jüdischen Lebens mit Lesungen, Konzerten und Diskussionsveranstaltungen – und ein weiterer Baustein für ein „neues Grindelviertel“. Weitere jüdische Bildungseinrichtungen siedelten sich an, koscheres Einkaufen ist ebenfalls wieder möglich.
Vor diesem Hintergrund begrüßt die Eimsbütteler Bezirkspolitik mit Nachdruck das Anliegen der Jüdischen Gemeinde, zuletzt vorgetragen vom Landesrabbiner Shlomo Bistritzky, am Joseph-Carlebach-Platz wieder eine Synagoge zu errichten – ein neues Wahrzeichen jüdischen Lebens in Eimsbüttel und Hamburg. Möglichkeiten der politischen Unterstützung sollen geprüft werden.
Die Bezirksamtsleitung wird außerdem gebeten, in enger Abstimmung mit den Jüdischen Gemeinden und unter Berücksichtigung der auf Landesebene angestoßenen und vom Bund unterstützten Aktivitäten zu ermitteln, welchen Beitrag Eimsbüttel zu diesem Vorhaben leisten kann. Dies könnte die (Mit-)Arbeit an folgenden Punkten umfassen:
1) die Geschichte der Bornplatz-Synagoge und ihrer Zerstörung zu erfassen,
2) eine Bestandsaufnahme und Zukunftsplanung für die derzeit genutzte, stark renovierungsbedürftige und denkmalgeschützte Synagoge Hohe Weide und die vor der Synagoge gelegene gesperrte Straße Hohe Weide zu erstellen und
3) die räumlichen und finanziellen Möglichkeiten für einen Synagogen-Neubau am Joseph-Carlebach-Platz/Allende-Platz/Bornplatz zu untersuchen. U.a. steht dort ein denkmalgeschützter Luftschutzbunker, der in die Überlegungen einzubeziehen sein wird.
In alle Prozesse sollen neben Vertreterinnen und Vertretern der Eimsbütteler Bezirkspolitik insbesondere folgende Institutionen einbezogen werden:
Die Ergebnisse der Prüfung – nebst konkreten Vorschlägen, wie ein Beitrag Eimsbüttels aussehen kann – sollen im Hauptausschuss vorgestellt werden.
Jutta Höflich, Johannes Weiler, Hans-Hinrich Brunckhorst, Sören Ehrlich, Sascha Greshake, Rüdiger Kuhn, Dr. A.W. Heinrich Langhein, Silke Seif, Andreas Stonus (CDU-Fraktion)
Sebastian Dorsch, Carl Maria Bohny, Sina Demirhan, Aramak Erk, Jost Leonhardt Fischer, Lynne Hunter, Lisa Kern, Robert Klein, Jan Koriath, Dietmar Kuhlmann, Gabriela Küll, Jim Martens, Ali Mir-Agha, Miriam Putz, Lutz Schmidt, Nina Schübel, Nico Thies, Falk Schmidt-Tobler, Kathrin Warnecke(GRÜNE-Fraktion)
Benjamin Schwanke, Klaus Krüger, Burkhardt Müller-Sönksen(FDP-Fraktion)
Manuela Pagels, Peter Gutzeit, Mikey Kleinert, Kirsten Rautenstrauch, Roland Wiegmann (Die LINKE-Fraktion)
Moritz Altner, Paulina Rügge, Gabor Gottlieb, Ines Schwarzarius, Koorosh Armi, Dagmar Bahr, Ralf Meiburg, Dr. Ann-Kathrin Riegel, Janina Satzer, Ernst Christian Schütt, Annika Urbanski, Torge Urbanski (SPD-Fraktion)
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