Stellungnahme zu den Planungen zum Umbau der Mansteinstraße
Letzte Beratung: 18.08.2022 Hauptausschuss Ö 10.1
Der Mansteinstraße kommt in vielerlei Hinsicht eine besondere Bedeutung für den Fuß- und Radverkehr zu, während auf ihr zusätzlich eine Buslinie verläuft, die eine wichtige Zubringerfunktion zum U-Bahnnetz aufweist.
Die Mansteinstraße zwischen Eppendorfer Weg und Bismarckstraße ist derzeit nicht Teil des Veloroutennetzes, verbindet jedoch de facto den Eppendorfer Weg als Teil der Veloroute 13 und die Veloroute 3, die ab dem Kreisverkehr Mansteinstraße/Bismarckstraße in Richtung Grindelviertel verläuft.
Die Mansteinstraße ist wichtiger Zubringer für viele Schulen und soziale Einrichtungen südlich des Isebekkanals wie beispielsweise:
- Nahe der Kreuzung Mansteinstraße/Bismarckstraße liegt die Grundschule "Schule An der Isebek"
- An der Kreuzung Bogenstraße/Kaiser-Friedrich-Ufer befindet sich das Gemeinsame Oberstufenhaus von Helene-Lange-Gymnasium und des Kaifu
- Die Ida-Ehre-Schule hat ihren Sitz in der Bogenstraße 34
- Das Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium hat einen Standort gegenüber der Ida-Ehre-Schule
- Das Helene-Lange-Gymnasium hat seinen Sitz in der Bogenstraße 32
- Die Evangelische Kita liegt in der Bogenstraße 26
- Ein Waldorf-Kindergarten hat seinen Sitz in der Bogenstraße 45
- Die Kita Pünktchenklecks in der Bogenstraße 56
Nördlich der Mansteinstraße werden das Gymnasium Hoheluft in der Christian-Förster-Straße sowie die Grundschule Hoheluft in der Wrangelstraße erschlossen.
Bedingt durch die hohe Dichte an Schulen und Kindertagesstätten besteht ein besonders hoher Bedarf an die Verkehrssicherheit. Die Mansteinstraße weist keine Fahrradinfrastruktur auf.
In Hoheluft-West wohnen nach aktuellem Stand 1.681 Menschen unter 18 Jahren, die potentiell diese besagten Einrichtungen täglich besuchen und sicher erreichen sollen (Statistik Nord: 67). Außerdem wohnen in Hoheluft-West 1.861 Menschen über 65 Jahren, die in Zukunft mehr als heute darauf angewiesen sein werden, sich sicher und komfortabel auf barrierefreien Wegen fortzubewegen (ebd.).
Da die Mansteinstraße von Bäumen gesäumt ist, die als ortsprägend und erhaltenswert anzusehen sind. Zudem steht die Bordsteinkante unter Denkmalschutz. Daher ist eine Verbreiterung der Fahrbahn ausgeschlossen. Mit der vorhandenen Fahrbahnbreite ist jedoch künftig kein Radfahrstreifen in einer Breite realisierbar, der in dem Fall dass einzelne Radfahrende durch Kfz überholt werden, die Einhaltung des Überholabstands von 1,5 m sicherstellt. Somit ist die mit der 1. Verschickung vorgeschlagene Variante einer Tempo 30 Zone begrüßenswert.
Verkehrssicherheit durch Tempo 30
Damit Tempo 30 Zonen tatsächlich sicherer sind als Tempo-50-Straßen müssen die Straßen-räume so gestaltet sein, dass die Pkw-Fahrenden jederzeit mit querenden Fußgänger*innen rechnen müssen. Der Charakter, der von der Planung aus der 1. Verschickung ausgeht, ist jedoch ein anderer. Die Fahrbahn wird flankiert von parkenden Autos. Es gibt zwischen den angrenzenden Knoten lediglich eine Querungsmöglichkeit, die überdies mangelhaft einsehbar ist. Auf diese Weise besteht die Gefahr, dass der Tempo-30-Charakter bei den Autofahrenden nicht erzeugt wird.
Barrierefreiheit durch ausreichend breite Gehwege und komfortable Querungen
Die Mansteinstraße weist eine wichtige Verbindungsfunktion auf, da durch sie Menschen von Hoheluft zu Fuß ins Grindelviertel und zu den dortigen Geschäften, Gastronomie, Universitätseinrichtungen sowie dem Abaton Kino gelangen. Jogger*innen dient sie als Zuwegung zur beliebten Laufstrecke entlang der Alster oder dem Isebekkanal.
Der Bedarf an Gehwegen in der durch Regelwerke ausgegebenen Breiten wird dadurch verstärkt, dass sämtliche parallel verlaufenden Straßen Hoheluft-Wests von der Mansteinstraße bis einschließlich der Hoheluftchaussee ebenfalls Gehwege aufweisen, die sogar das absolute Mindestmaß von 2,0 m unterschreiten.
Zur Stärkung dieser wichtigen Relation für Zufußgehende schlagen wir die Aufweitung des Gehwegs auf der östlichen Straßenseite vor. Zudem soll es Zufußgehenden einfacher gemacht werden, die Straßenseite zu wechseln und die Bushaltestellen zu erreichen.
Müllabstellbereiche
Es kommt vor, dass Müllbehältnisse für die Müllabfuhr in einer Weise bereitgestellt werden, die den Gehweg einengt. Dies soll verhindert werden, indem in ausreichender Zahl Bereiche ausgewiesen werden, die als Sammelbereiche für Müllbehältnisse dienen. Dies soll mit der Stadtreinigung abgestimmt werden.
Kopfsteinpflaster sinnvoll nutzen
Im Erläuterungsbericht wird erklärt, dass die Kulturbehörde darauf besteht, dass aktuell unter einer Asphaltdeckschicht befindliche Kopfsteinpflaster zu erhalten. Doch um mindestens einen Teil davon zu zeigen, könnte dieser genutzt werden.
Berücksichtigung der Jugendbeteiligung des Klimaschutzkonzeptes
Der zweite Platz der Jugendbeteiligung des Eimsbütteler Klimaschutzkonzeptes wurde durch ein Team mit der Idee gewonnen, den Grünzug für Insekten zu stärken. Dieser Gedanke sollte sich auch in der Mansteinstraße wiederfinden. Dies soll mit dem hohen Bedarf nach weiteren Sitzmöglichkeiten verbunden werden, um insb. älteren Zufußgehenden die Möglichkeit zu geben, sich auf langen Fußwegen zu erholen. Möglicherweise geschieht dies in Form einer neuen Grünfläche an der Kreuzung zum Eppendorfer Weg.
Umsetzung des Schwammstadtgedankens
Der Klimawandel schreitet schneller voran als befürchtet. Damit einhergehen extremere Starkregenereignisse. Durch das Gefälle der Mansteinstraße, hat diese eine potentiell starke Zuflussfunktion zum erst vor kurzem erneuertem sogenannten Innenstadtentlastungssiel in der Bismarckstraße. Hieraus erwächst ein Anknüpfungspunkt zum Beitrag aus oben erwähnter Jugendbeteiligung: Durch eine Erhöhung der unversiegelten Fläche zwischen Gehweg und Fahrbahn kann das Innenstadtentlastungssiel verschont bleiben. Es sollte geprüft werden, inwiefern das Wasser der Gehwege direkt vor Ort versickern kann.
Das Klimaschutzkonzept in die Planung einfließen lassen
Am 27. Januar 2022 hat die Bezirksversammlung Eimsbüttel ein Klimaschutzkonzept verab-schiedet, das folgende für die Überarbeitung der vorliegenden Planung relevante Maßnahmen enthält:
E02: Radverkehrsförderung auf Bezirksebene
E04: Fußverkehrsförderung
E08: Schulisches Mobilitätsmanagement (ggf. auch Kitas einbeziehen)
E12: Klimaanpassung in der Straßenraumplanung
Der Bezirksamtsleiter wird gebeten, eine Überarbeitung der 1. Verschickung der Teilbaumaßnahme Mansteinstraße zu veranlassen:
Konkret sollen folgende Nachjustierungen veranlasst werden:
1. Aufwertung der Fußgängerquerung vor Hausnummer 25 durch eine Vergrößerung der benachbarten Baumscheiben und eine bessere Einsehbarkeit durch Freihalten der näheren Umgebung von Stadtraummöblierung und KFZ-Stellflächen;
2. Prüfung von zwei weiteren Querungsmöglichkeiten bei der Bushaltestelle Mansteinstraße und vor Hausnummer 13. In diesem Zuge Prüfung der besseren Erreichbarkeit der Bushaltstellen;
3. Aufweitung der Gehwege auf der Ostseite auf regelhaft 3,50 m zwischen den Baumstandorten. Wo bei dieser Gehwegbreite nicht ausreichend Platz für KFZ-Stellplätze und Fahrradbügel ist, sollen diese zwischen den Bäumen im Wechsel eingeplant werden.
4. Prüfung von Aufweitungsmöglichkeiten für die Gehwege auf der Westseite, insbesondere um zu vermeiden, dass an Fahrradbügeln abgestellte Fahrräder in den Gehweg hineinragen;
5. Falls die Planungen zum Eppendorfer Weg dem nicht entgegenstehen, städtebauliche Aufwertung des Kreuzungsbereichs Mansteinstraße/Eppendorfer Weg durch teilweise Entsiegelung der Nebenflächen zum Anlegen einer kleinen Grünfläche mit Baumstandorten und Sitzgelegenheiten wie beispielsweise an der Ecke Weidenstieg/Bismarckstraße;
6. Vermeidung der Anordnung von einzelnen Längs- und Schrägparkständen im Wechsel. Stattdessen eine Anordnung von größeren Blöcken mit Längs- oder Schrägparken. Die dadurch nicht mehr zum Parken von KFZ nutzbaren Flächen zwischen Bäumen und Fahrbahn sollen entweder den Baumscheiben zugeschlagen werden oder für Drei- und Lastenfahrradstellbügel auf Fahrbahnniveau genutzt werden;
7. Prüfung der Nutzung des bestehenden Kopfsteinpflasters auf den Flächen für KFZ-Stellplätze;
8. Ausweisung von 3 Prozent der Parkstände als Behindertenstellplätze gemäß ReStra;
9. Einrichtung einer Ladezone je Straßenseite;
10. Prüfung einer möglichen Erhöhung der Anzahl der Ladesäulen;
11. Prüfung einer Ausweitung der Stellplätze für geteilte Mobilitätsangebote durch das Ausweiten der bestehenden Switch-Station;
12. Ausweisen einer zentralen Abstellzone je Straßenseite für e-Scooter, beispielsweise vor den Hausnummern 1-3 und 40-48;
13. Schaffen von 5 neuen Sitzgelegenheiten;
14. Bei den Baumscheiben und der neuen Grünfläche soll eine insektenfreundliche Bepflanzung vorgesehen werden und geprüft werden, wie die lokale Versickerung von anfallendem Oberflächenwasser verbessert werden kann;
15. Für die Haushalte, bei denen die Entsorgung des Hausmülls noch über rosa Müllsäcke erfolgt, sollen in Zusammenarbeit mit der Stadtreinigung Flächen für Müllcontainer im öffentlichen Raum eingeplant werden.
Kathrin Warnecke, Carl-Maria Bohny und GRÜNE-Fraktion
Moritz Altner und SPD-Fraktion
Quellen:
FGSV – Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (2002): Empfehlungen für Fußverkehrsanlagen.
Statistikamt Nord - 2021: Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2020.
Kinder- und Jugendbeteiligung des Eimsbütteler Klimaschutzkonzeptes: https://./unser-klima-eimsbuettel/#/conception/100
Hamburger Morgenpost: Gewitterfront zieht über Hamburg: Starkregen setzt Straßen unter Wasser. Unter: https://www.mopo.de/hamburg/polizei/gewitterfront-zieht-ueber-hamburg-feuerwehr-pumpt-strassen-frei/
Einigung der Bürgerschaft mit dem Radentscheid: https://www.buergerschaft-hh.de//ment/70223/einigung_mit_der_volksinitiative_radentscheid_hamburg_die_fahrradstadt_hamburg_wird_inklusiver.pdf
Hummel, Simon und Tobias Klein (2020): Wie funktionieren Fahrradstraßen? Unter: https://ationaler-radverkehrsplan.de/sites/default/files/pdf/wie_funktionieren_fahrradstrassen.pdf
Anlage
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