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Jüdisches Leben in Eimsbüttel schützen und fördern

Gemeinsamer Antrag

Bera­tungs­reihen­folge
Gremium
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29.04.2021
Sachverhalt

Eimsbüttel ist der Inbegriff eines vielfältigen und bunten Stadtteils und bietet allen Menschen ein Umfeld, in dem sie friedlich zusammenleben können. Im Laufe der wechselnden Geschichte des Stadtteils waren bestimmte Ströme und Einflüsse besonders prägend für den Bezirk. Schon vor mehr als vierhundert Jahren siedelte sich auch eine starke jüdische Gemeinschaft in Eimsbüttel an, die den Stadtteil und ganz Hamburg kulturell, sozial und wirtschaftlich mitprägte. Vor dem schwärzesten Kapitel Deutschlands, dem Nationalsozialismus, lebten über 17.000 Menschen mit jüdischer Konfession in Hamburg. Heute leben in Hamburg knapp 3.000 Menschen als Mitglieder in den jüdischen Gemeinden und eine ähnlich große Zahl jüdische Hamburgerinnen und Hamburger ohne Gemeindemitgliedschaft.

2002 eröffnete nach mehr als 55 Jahren die erste jüdische Schule in Hamburg wieder: die Joseph-Carlebach-Schule, die ein Jahr später in das Gebäude der ehemaligen Talmud-Tora-Realschule im Grindelhof zog und mittlerweile stark expandiert. Dort ist heute auch die Ver­waltung der Jüdischen Gemeinde untergebracht. Anfang 2008 eröffnete in unmittelbarer Nach­barschaft das Café Leonar, ein neues Zentrum jüdischen Lebens mit Lesungen, Konzerten und Diskussionsveranstaltungen – und ein weiterer Baustein für ein „neues Grindelviertel“. Weitere jüdische Bildungseinrichtungen siedelten sich an, koscheres Einkaufen ist ebenfalls wieder möglich.

Obwohl alle aus der Vergangenheit gelernt haben sollten, lässt sich in den letzten Jahren deutschlandweit ein beunruhigender Trend beobachten, der auch vor Hamburg nicht haltmacht. Laut einer aktuellen Studie hat der Anteil der antisemitischen Kommentare im Netz in den vergangenen Jahren stark zugenommen und sich zudem radikalisiert. Mittlerweile haben diese Übergriffe den digitalen Bereich verlassen. Im Juni 2019 griff ein Mann einen hohen jüdischen Geistlichen sowie ein Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Hamburg beim Verlassen des Hamburger Rathauses an, beschimpfte und bespuckte beide. Landesrabbiner Shlomo Bistritzky und Bürgermeister  Peter Tschentscher starteten als Folge die Aktion „Wen siehst Du? Wir sind Hamburg.Gegen Antisemitismus. Gegen Diskriminierung“.

Ebenfalls 2019 und direkt vor unserer Nase in Eimsbüttel wurde eine Gedenktafel zur Erinne­rung an den jüdischen Arzt Paul Gerson Unna im gleichnamigen Unnapark nahe der Oster­straße herausgerissen. Vermutet wird auch hier ein antisemitisches Motiv. Am 5. Oktober 2020 wurde vor der Synagoge an der Hohen Weide ein jüdischer Student mit einem Spaten ange­griffen, als er auf dem Weg zur Feier des Sukkot/Laubhüttenfestes war.

In Eimsbüttel haben wir mit dem Beschluss der Bezirksversammlung „Monat des Gedenkens an die Opfer des NS-Regimes in Eimsbüttel – Erinnern heißt handeln!“ aus dem Jahr 2012 der Judenverfolgung und den jüdischen Opfern im nationalsozialistischen Terrorregime erinnert.

Dort heißt es:Eimsbüttel braucht einen Monat des Gedenkens, der von den politisch Verantwortlichen und Gremien der Bezirksversammlung unterstützt und gefördert wird.“

Seitdem findet diese Veranstaltungsreihe jährlich mit großer Beteiligung und viel Erfolg statt: Mit zahlreichen Veranstaltungen gedenkt Eimsbüttel der Schicksale der Verfolgten und der Opfer des NS-Regimes.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen und Spaltungstendenzen in der Gesellschaft hält es die Bezirkspolitik für wichtig, nicht nur an die grausame Judenverfolgung der Vergangenheit zu erinnern, vielmehr wendet sich Eimsbüttel gegen die Übergriffe und schützt und fördert auch das aktuelle jüdische Leben in unserer Mitte.

Es gilt nicht nur unsere Solidarität zu zeigen, sondern auch das jüdische Leben als Teil Eims­büttels zu erhalten und zu fördern. Das Judentum in Deutschland ist für uns eine unverzichtbare Stimme.

Menschen jüdischen Glaubens bereichern und bereicherten Deutschland, Hamburg und Eimsbüttel, ganz gleich in welchem Lebensbereich. Sie tragen und trugen zur gesellschaftlichen Vielfalt bei und ganz besonders das Grindelviertel profitiert davon. Nun wollen wir einen Beitrag leisten, um jüdisches Leben in Eimsbüttel wieder vermehrt sichtbar zu machen und zu fördern. Wie allen Gläubigen muss es auch Juden möglich sein, ihren Glauben frei von Angst und Sorge auch in der Öffentlichkeit leben zu können.

Die jüdische Kultur und das jüdische Leben soll in der Gegenwart unserer Zivilgesellschaft gefördert und gelebt werden. Hierfür soll nach dem Vorbild des „Eimsbütteler Monats des Gedenkens“ ein Format erarbeitet werden.

 

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