22-0948

Wasserkompetenz stärken – Prävention von Badeunfällen in Neuallermöhe - ergänzte Fassung

Antrag

Letzte Beratung: 27.08.2026 Bezirksversammlung Bergedorf Ö 11.8

Sachverhalt

Antrag

der BAbg. Brodbeck und Fraktion der GRÜNEN

BAbg. Graßhoff, Feiler-Siegert, Cantay, Jobs und Fraktion Die Linke

Der tragische Tod eines 15-jährigen Jugendlichen am Allermöher See in diesem Sommer hat den Bezirk Bergedorf tief erschüttert. Er macht erneut deutlich, wie wichtig eine kontinuierliche Prävention von Badeunfällen ist. Auch an anderen Gewässern in Neuallermöhe kam es in den vergangenen Jahren zu schweren und tödlichen Unglücken. Die Risiken natürlicher Gewässer werden häufig unterschätzt insbesondere dann, wenn ihre besonderen Gegebenheiten wie große Wassertiefen oder steil abfallende Uferbereiche nicht bekannt sind.

Aufmerksamkeit verdient dabei auch der Westensee. Er ist kein ausgewiesenes Badegewässer, wird in den Sommermonaten jedoch faktisch stark zum Baden genutzt. Der See ist stellenweise rund elf Meter tief und stark eutrophiert, sodass es zu Algenblüten kommen kann. Gerade weil hier keine Badeaufsicht und keine Gewässerüberwachung stattfinden, ist eine gezielte Information der Familien über die Gefahren dieses Gewässers besonders wichtig.

Neuallermöhe ist ein besonders kinder- und familienreicher Stadtteil. Viele Kinder und Jugendliche verbringen ihre Freizeit in den Sommermonaten an den Seen und Gewässern im Quartier. Prävention sollte deshalb dort ansetzen, wo Familien erreicht werden.

Neben Jugendlichen müssen ausdrücklich auch Eltern und Erziehungsberechtigte angesprochen werden. Sie können ihre Kinder frühzeitig für Gefahren sensibilisieren, Schwimmkenntnisse fördern und gemeinsam mit ihnen über sicheres Verhalten am Wasser sprechen. Ein jährlich vor den Sommerferien verteiltes Informationsblatt kann dazu beitragen, alle Familien rechtzeitig und niedrigschwellig zu erreichen.

Darüber hinaus ist die Förderung von Schwimmfähigkeit und Wasserkompetenz ein zentraler Baustein der Unfallprävention. Zusätzliche niedrigschwellige Schwimmangebote insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Verein Sicheres Wasser e.V. nnen dazu beitragen, dass mehr Kinder und Jugendliche sicher schwimmen lernen.

Ebenso wichtig ist eine funktionierende Sicherheitsinfrastruktur. Eine gut sichtbare Abgrenzung zwischen Schwimm- und Nichtschwimmerbereichen erleichtert insbesondere ungeübten Schwimmerinnen und Schwimmern die Orientierung. In der laufenden Badesaison war diese Abgrenzung zeitweise nicht durchgängig erkennbar, obwohl entsprechende Hinweise erfolgt waren. Künftig sollte sichergestellt werden, dass fehlende oder beschädigte Bojen und Ketten zeitnah ersetzt werden.

Auch wenn sich tragische Unglücke nie vollständig verhindern lassen, kann eine Kombination aus frühzeitiger Information, gezielter Präventionsarbeit, guten Schwimmangeboten und einer verlässlichen Sicherheitsinfrastruktur dazu beitragen, Risiken zu verringern, Wasserkompetenz zu stärken und Menschenleben zu schützen.

Petitum/Beschluss

Die Bezirksversammlung beschließt nach § 19 Absatz 2 BezVG, die Bezirksamtsleitung zu beauftragen, sowie nach § 27 BezVG die zuständigen Fachbehörden zu ersuchen, gemeinsam mit den zuständigen Fachbehörden, den Schulen, Kitas, Jugendhilfeeinrichtungen, dem Verein Sicheres Wasser e.V. (SiWa), der DLRG sowie weiteren geeigneten Partnerinnen und Partnern ein Präventionskonzept für mehr Badewassersicherheit in Neuallermöhe zu entwickeln und umzusetzen.

Dabei sollen insbesondere folgende Maßnahmen geprüft bzw. umgesetzt werden:

1. hrliche Information der Familien: Rechtzeitig vor Beginn der Sommerferien soll jährlich ein mehrsprachiges Informationsblatt an Familien mit schulpflichtigen Kindern in Neuallermöhe verteilt werden. Dieses soll über die Besonderheiten und Gefahren der Gewässer im Stadtteil insbesondere des Allermöher Sees, des Westensees und weiterer Gewässer informieren und Hinweise zu sicherem Verhalten am und im Wasser, zur Bedeutung ausreichender Schwimmkenntnisse sowie zum Verhalten in Notfällen geben.

2. Sensibilisierung von Eltern und Jugendlichen: Gemeinsam mit Schulen, Elternvertretungen, Jugendhäusern, Sportvereinen und weiteren Einrichtungen sollen Eltern, Kinder und Jugendliche vor Beginn der Sommerferien gezielt für das Thema Badewassersicherheit sensibilisiert werden.

3. Schwimm- und Wasserkompetenz fördern: Es ist zu prüfen, wie in Kooperation mit Sicheres Wasser e.V. (SiWa) zusätzliche Schwimmkurse, Wassergewöhnungs- und Wasserkompetenzangebote für Kinder und Jugendliche über Jugendhäuser und andere niedrigschwellige Einrichtungen vermittelt und in Kooperation mit Bäderland bzw. SiWa durchgeführt werden können. Dabei soll auch geprüft werden, ob und in welchem Umfang der Bezirk diese Angebote finanziell unterstützen kann.

4. Öffentlichkeitsarbeit für SiWa stärken: Es ist zu prüfen, wie die Arbeit des Vereins Sicheres Wasser e.V. (SiWa) stärker bekannt gemacht und das ehrenamtliche Engagement der Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer unterstützt werden kann.

5. Warnhinweise überprüfen: Die bestehenden Warn- und Hinweisschilder an den Gewässern in Neuallermöhe sollen durch die zuständige Fachbehörde hinsichtlich Sichtbarkeit, Verständlichkeit und Mehrsprachigkeit überprüft und bei Bedarf verbessert werden.

6. Sicherheitsinfrastruktur am Allermöher See sicherstellen: Es ist sicherzustellen, dass während der gesamten Badesaison die Abgrenzung zwischen Schwimm- und Nichtschwimmerbereichen am Allermöher See durch Bojen und Ketten jederzeit deutlich erkennbar und vollständig vorhanden ist. Beschädigungen oder fehlende Markierungen sollen zeitnah ersetzt werden. Die korrekte und Nicht-Schwimmer*innen schützende Lage der Trennung ist vor jeder Badesaison zu prüfen und ggf. wieder herzustellen.

7. Dem zuständigen Fachausschuss ist bis zum 31. März 2027 über die Ergebnisse der Prüfungen sowie die geplanten beziehungsweise umgesetzten Maßnahmen zu berichten.

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Lokalisation Beta
Allermöher See

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