22-1013

Eine Seilbahn für Bergedorf

Antrag

Letzte Beratung: 15.10.2026 Bezirksversammlung Bergedorf Ö 12.5

Sachverhalt

Antrag

der BAbg Jarchow und SPD-Fraktion

Die Seilbahntechnik ist keine neue Verkehrsmitteltechnik. Sie hat begonnen mit der Erfindung des Drahtseils 1834 und dem Bau der ersten Fabrik für Drahtseilbahnen im Jahr 1874, was zu einer schnellen Verbreitung der Technik in Deutschland geführt hat. Diese Technik hat sich zunächst im Tourismus im Wintersport und bei Gartenschauen durchgesetzt. Heute gewinnt die Technik als innerstädtisches Verkehrsmittel in Ergänzung des ÖPNV zunehmend an Bedeutung.

Viele Großstädte denken heute über Seilbahnen nach. Bus und Bahn sind dort meist überfüllt. Lange Zeit ist die bolivianische Metropole La Paz mit ihren 2,5 Millionen Einwohnern Beispiel für ein urbanes Seilbahnnetz gewesen, mit dem täglich eine Viertelmillion Menschen transportiert werden. In Amsterdam läuft eine Machbarkeitsstudie für eine urbane Seilbahn, mit der pro Stunde 5500 Personen befördert werden können. In Barcelona und London können die Einwohner und Besucher über der Stadt bereits schweben. Allein in Frankreich verfügen sechs Städte über Seilbahnen, so in Toulouse auf einer Länge von 3 Kilometern. Von daher konnte es nicht überraschen, dass in Paris am 13. Dezember 2025 die Seilbahn Cable C1 ihre ersten Passagiere begrüßen konnte. Auf 4.5 Kilometern verbindet sich die Seilbahn mit fünf Stationen mit südöstlichen Vororten der französischen Hauptstadt, womit sie die längste Stadtseilbahn in Europa geworden ist. Sie transportiert barriere- und CO2-frei täglich 11.000 Menschen und endet nach 18 Minuten Fahrzeit an einer Metrostation. Dies bei einer Taktung der Gondeln von 30 Sekunden, wofür ein Bus 40 Minuten gebraucht hätte.

Auch in Deutschland wird über urbane Seilbahnnetze nachgedacht. In Berlin hat der Bezirk Marzahn-Hellersdorf den Bau einer Seilbahn anlässlich der Internationalen Gartenausstellung unterstützt. Daraufhin hat der Berliner Senat das Potenzial der Seilbahn erkannt und in den Nahverkehrsplan übernommen, um die Seilbahn in den öffentlichen Nahverkehr integrieren zu können. In München wird über eine Seilbahn nachgedacht. Aber nicht nur in Großstädten wird über Seilbahnen als alternatives Beförderungsmittel nachgedacht. In Herne im Ruhrgebiet soll mit einer Seilbahn ein neues Technologiequartier mit dem Bahnhof in Wanne-Eickel verbunden werden.

Viele Städte, so auch Hamburg, haben die Stadtbahnsysteme unter die Erde gelegt und Busverkehre auf den Straßen präferiert. Mit der reifenden Erkenntnis, dass die innerstädtischen Räume und Flächen begrenzt sind, wird die dritte Ebene, der Luftraum, entdeckt. Die Vorteile liegen auf der Hand. Seilbahnen sind kostengünstiger als Straßenbau. Treiber der Kosten im U-Bahnbau ist der Tunnelbau, der Milliarden verschlingt. So hat in Paris der Bau der Seilbahn 138 Millionen gekostet und nicht eine Milliarde, die die Metrostrecke gekostet hätte und aus Kostengründen nicht gebaut worden wäre. Die stützenden Masten der Seilbahn führen zu einem geringen Flächenverbrauch und weniger Eingriff in die Natur. Darüber hinaus ist die Seilbahntechnik ein für das Stadtbild ästhetisch ansprechendes Verkehrsmittel, mit dem in der Luft ein ruhiges Gleiten über alle Hindernisse hinweg möglich wird. Seilbahnen schützen das Klima. Da ein Großteil der weltweiten Treibhausgasemissionen in den Städten anfallen, reduzieren Seilbahnen die städtischen Abgasemissionen. Beim CO2-Ausstoß und der Feinstaubbelastung pro Person und Kilometer schlagen sie wegen des geringen Eigengewichts der Gondeln Bus und Bahn. Der Strom kann über Photovoltaikanlagen erzeugt werden. Planungs- und Genehmigungs- und Bauzeiten sind deutlich kürzer als bei Straßen, S-Bahn und U-Bahn, die oft Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Seilbahnen sind unabhängig von den Staus auf den Straßen. Seilbahnstationen können in Parkhäuser und Mobility-Hubs integriert werden. Sie sind eine Alternative zum Autoverkehr und fördern den Trend in den Städten, mehr Raum für Lebens- und Aufenthaltsqualität zu schaffen. Seilbahnen können sicher nicht das alleinige Lösungsmittel für die urbanen Verkehrsprobleme sein. Seilbahnen können aber in einem Verkehrs- und Mobilitätskonzept, bestehend aus Straßen, Bus und Bahn, ein zu integrierendes Element sein.

Mit dem Beginn der Entwicklung des Stadtteils Oberbillwerder haben wir angeregt, mit einem Seilbahnsystem als zusätzliches Verkehrsmittel und Ergänzung des bestehenden ÖPNV-Angebots Oberbillwerder an die Hamburger Innenstadt anzubinden. Anlass gab das bestehende ÖPNV-Angebot in Form der S-Bahn mit der S-Bahnstation Allermöhe, womit in Frage gestellt wurde, ob mit höheren Taktzeiten und mehr Transportvolumen die geplante Bewohnerschaft aus den Quartieren bewältigt werden kann. Zu den Einwänden gegen die Entwicklung von Oberbillwerder gehört dies bis heute.

Das in Paris durchgeführte Projekt kann für den Ballungs- und Stadtraum Hamburg als Vorbild dienen, Seilbahnen zu einem integralen Bestandteil des öffentlichen Verkehrsnetzes zu machen. Über ein Seilbahngesetz verfügt Hamburg bereits. Da Hamburg konzeptionell nur auf Bus und Bahn setzt, wobei die Busverkehre die Straßen verstopfen und der Bau von neuen S-Bahn- und U-Bahnstrecken Milliarden kosten, ist es an der Zeit, auch Seilbahnsysteme als alternatives Beförderungsmittel mit zu bedenken. Mit dem Antrag soll der Anstoß erfolgen, im Wege einer Machbarkeitsstudie prüfen zu lassen, den Bezirk Bergedorf mit der Hamburger Innenstadt zu verbinden. Eine direkte Anbindung mit einer Seilbahn von Oberbillwerder an das U-Bahnnetz mit der U2 in Mümmelmannsberg wäre bereits umsetzbar, da festzustehen scheint, dass Oberbillwerder keinen Anschluss an das U-Bahnetz erhalten wird.

Petitum/Beschluss

Wir beantragen daher, die Bezirksversammlung möge beschließen:

Die Bezirksamtsleiterin wird gebeten:

  1. mit der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende in Kontakt zu treten, um eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen, die die Umsetzungsbedingungen für eine Seilbahn, die das Zentrum Bergedorf mit der Hamburger Innenstadt verbindet, ermittelt, was Gespräche mit Unternehmen mit einschließt.
  2. in die Machbarkeitsstudie folgende Streckenverläufe mit einzubeziehen: Oberbillwerder-Hamburger Innenstadt, Oberbillwerder-Bergedorfer Zentrum, Oberbillwerder-Mümmelmannsberg U2, Oberbillwerder-Allermöhe S-Bahn
  3. den Stadtentwicklungsausschuss über das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zu informieren.
Bera­tungs­reihen­folge
Datum/Gremium
TOP
Lokalisation Beta
Mümmelmannsberg
Stadtteile

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Themen Beta

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