Waldarbeiten im Forst Klövensteen - Harvester im Naturschutzgebiet? Große Anfrage von Yavuz Fersoglu, Julia Koppke, Karsten Strasser, Andrea Benkert, Claudia Dyroff, Ricardo Bolaños Gonzáles (alle Fraktion DIE LINKE)
Der Erholungswald Forst Klövensteen ist ein öffentliches Gut der Altonaer:innen und wird zu jeder Jahreszeit gut besucht. Im Winter 2024/2025 hatten massive "Waldumbaumaßnahmen" und weitere Pflegemaßnahmen zu Empörung, Nachfragen und Kritik aus der Bevölkerung geführt. Auch die wirtschaftliche Nutzung wird von einigen im Konflikt zur Ökologie gesehen, vor allem, wenn Fällmaßnahmen massive Bodenschäden verursachen. Der Forst in Altona hat in der aktuellen Forstsaison vorbildlich gezeigt, dass die Holzernte auch mit Seilzugtechnik bodenschonend funktioniert und die Waldarbeit keine großen und schweren Maschinen benötigt.
Nach dem Winter 2025/2026 ohne Harvestereinsatz wurde in der AG Schnaakenmoor am 09.06.2026 nun Folgendes (s.a. TOP 6 des Protokolls) vom Bezirksamt verkündet:
"Für diesen Herbst (ab 09/2026) ist Holzeinschlag für den Waldumbau im NSG [Naturschutzgebiet] geplant. Die Kiefernfläche wird entsprechend des PEP [Pflege- und Entwicklungsplan] entwickelt. Es sollen standortgerechte Laubhölzer untergebaut werden. Hierfür wird voraussichtlich ein Harvester eingesetzt, um möglichst breite Rückegassen zu gewährleisten."
Darüber hinaus wird in einem Artikel der Hamburger Morgenpost vom 17. Juli 2026 der Altonaer Revierförster zitiert, dass „voraussichtlich 160 Hektar Fläche“ bis 2029 umgebaut werden. Weiter schreibt die MOPO: „Für die Besucher ist es ein trauriger Anblick: Eisenzäune verhindern an manchen Stellen im Klövensteen den Zutritt ins Revier. Dahinter ist alles weg. Eine helle Lichtung – keine Bäume, nur Stümpfe. Und dazwischen ein paar halbhohe Stängel sowie Gräser, Farne und Moose.“ Das klingt nach Kahlschlag.
Um Missverständnisse zu verhindern, ist eine frühzeitige Einbeziehung der Politik über die im Winter 2026/2027 geplanten Maßnahmen nötig.
Vor diesem Hintergrund fragen wir das Bezirksamt:
[Redaktioneller Hinweis: Antworten des Bezirksamtes im Folgenden in kursiv.]
1. Welche Maßnahmen der Abteilung Forst sind im NSG Schnaakenmoor genau ab jetzt bis März 2027 geplant
Zu 1.:
Im Naturschutzgebiert („NSG“) Schnaakenmoor sind in der Abteilung 305c2 Durchforstungsarbeiten geplant (Durchforstung eines etwa 80-jährigen Kiefernbestandes mit Unterbau aus vornehmlich Spätblühender Traubenkirsche), um in der Folge den Waldumbau auf dieser Fläche umsetzen zu können. Die Maßnahme erfolgt entsprechend der forstlichen Planvorgaben der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA).
und warum sind "breite Rückegassen" s. Aussage oben notwendig?
Die fachliche Formulierung der „Breite“ aus dem Protokoll bezieht sich auf den Abstand zwischen Rückegassen, nicht auf die Breite der Rückegassen selbst. Angestrebt werden durch den maschinellen Einsatz mithin möglichst breite Abstände zwischen den Rückegassen.
Kann die Maßnahme ohne Harvester und Forwarder, sondern mit Rückepferden und Seilzugtechnik durchgeführt werden?
Nein.
Wenn nein, warum nicht?
Die Durchforstung ist grundsätzlich und vorrangig aus Sicherheitsgründen (Arbeitsschutz für Eigenpersonal und Fremdfirmen insbesondere vor dem Hintergrund zahlreicher Kronenbrüche und hängender Starkäste als Spätfolge der Schneelasten des Winters 2025/26) nur vollmaschinell durchführbar.
Im Übrigen siehe Bürgerschaftsdrucksache 19/41 Frage 4.
Inwiefern ist ein Harvestereinsatz im NSG mit den Vorgaben des Forest Stewardship Council (FSC) zu vereinbaren?
Ein vollmaschineller Arbeitseinsatz auf den Waldflächen im NSG Schnaakenmoor ist mit den Vorgaben zum Standard der Forest Stewardship Council („FSC®“) und den Zielen des Pflege- und Entwicklungsplans („PEP“) vollumfänglich vereinbar. Die erforderlichen Arbeiten werden unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und der geltenden Vorgaben durchgeführt.
Zudem ist diese Maßnahme mit dem Amt für Naturschutz und Grünplanung der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) abgestimmt.
2. Welche sonstigen größeren Waldumbaumaßnahmen, Holzeinschläge oder Auflichtungen sind ab jetzt bis Ende März 2027 im Wald Klövensteen geplant? Bitte detailliert auflisten mit Zeitpunkt, Größe und ungefährer Verortung der Fläche, Beschreibung der Maßnahme und Begründung.
Zu 2.:
Siehe Tabelle auf der folgenden Seite.
Zeitpunkt |
Fläche (Ha) |
Revierteil |
Maßnahme |
Begründung |
Herbst 2026 |
3 |
Haidehof |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Entwicklung NSG Wald-fläche |
Herbst 2026 |
7,7 |
Klövensteen |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Verjüngungsdurchforstung |
Herbst 2026 |
3,4 |
Klövensteen |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Verjüngungsdurchforstung |
Herbst 2026 |
4,7 |
Klövensteen |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Regeldurchforstung |
Herbst 2026 |
1,1 |
Klövensteen |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Verjüngungsdurchforstung |
Herbst 2026 |
1,7 |
Klövensteen |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Verjüngungsdurchforstung |
Herbst 2026 |
3 |
Haidehof |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Verjüngungsdurchforstung |
Herbst 2026 |
3 |
Haidehof |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Regeldurchforstung |
Herbst 2026 |
2,2 |
Haidehof |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Regeldurchforstung |
Herbst 2026 |
0,5 |
Haidehof |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Verjüngungsdurchforstung |
Herbst 2026 |
3,3 |
Haidehof |
Vollmechanisiert mit motormanueller Unterstützung |
Verjüngungsdurchforstung |
Winter/Frühjahr 2027 |
1,7 |
Klövensteen |
Motormanuell |
Regeldurchforstung |
3. Wie viele Festmeter Holz sollen ab jetzt bis Ende März 2027 eingeschlagen werden?
Zu 3.:
Die Summe, der bis Ende März 2027 einzuschlagenden Festmeter Holz, kann im September 2026 noch nicht konkretisiert werden, da die Mengen erst nach Einschlag feststehen.
Soll in Bereichen mit Laubholz eingeschlagen werden? Wenn ja, warum?
Ja. Siehe hierzu den öffentlich zugänglichen "Bericht zur Forsteinrichtung Klövensteen" in Drucksache 22-0096.1 (dort Anlage 2) der Bezirksversammlung Altona sowie Bürgerschafts-Drs. 21-19402.
4. Auf welchen Flächen aus Frage 1 und 2 werden die Arbeiten mit schweren Fahrzeugen (Harvester, Forwarder etc.) durchgeführt?
Zu 4.:
Siehe Antwort zur Frage 2.
5. Ist es beabsichtigt, die Arbeiten an die Witterung angepasst auszuführen? Wenn nein, warum nicht?
Zu 5.:
Ja.
6. Inwiefern fließt die Kritik an den Arbeiten im Winter 2024/2025 (massive Bodenschäden, Zerstörung von Naturverjüngung, Stammschäden bei stehengelassenen Bäumen) in das Auftragsbriefing ein, das die ausführenden Unternehmen und/oder Mitarbeiter:innen des Forstes für anstehende Arbeiten erhalten?
Zu 6.:
Das Auftragsbriefing beinhaltet, dass grundsätzlich sämtliche relevante örtliche Gegebenheiten und Anforderungen an eine boden- und bestandsschonende Durchführung berücksichtigt werden müssen. Entsprechende Anforderungen an die Maschinenausrüstung werden in den Ausschreibungsunterlagen dargestellt. Der Maßnahmenzeitraum wird unter Berücksichtigung der jeweiligen Bodenverhältnisse festgelegt.
7. Wann, wo und durch wen sind Aufforstungen geplant? Wie hoch ist die Anzahl der Setzlinge und aus welchen Haushaltstiteln oder Spenden werden Aufforstungen finanziert? Bitte Höhe der Mittel und Herkunft angeben.
Zu 7.:
Derzeit sind keine Aufforstungen geplant.
Flächen, in denen bis Ende voraussichtlich 2027 Pflanzungen vorgesehen sind, ergeben sich aus anliegender Karte „Anlage Fragen 7 und 8 Waldumbau“ (vgl. Erläuterung Frage 8).
Anzahl/ Kosten von Setzlingen sind noch nicht bezifferbar, da abhängig von Ausschreibungsergebnissen. Das Bezirksamt geht zum derzeitigen Zeitpunkt von einer Spendenfinanzierung aus. Diese wird sich nach Abschluss etwaiger Spendenannahmeverfahren aus dem Spendenbericht der FHH ergeben: Spenden, Sponsoring und mäzenatische Schenkungen - hamburg.de
8. In welchen Teilen des Forstes Klövensteen sollen die 160 ha bis 2029 umgebaut werden? Bitte auf einer Karte einzeichnen.
Zu 8.:
Siehe „Anlage Fragen 7 und 8 Waldumbau“.
Legende:
Gelbe Flächen: Waldumbau bis 2029
Gelb schraffiert: Flächen Waldumbau mit geplanten Pflanzungen bis voraussichtlich Ende 2027
9. Wie sieht die Einschlagsplanung bis 2029 genau aus? In welchem Jahr sollen wie viele Einschläge und wo stattfinden?
Zu 9.:
Eine konkrete, jahres- und flächenbezogene Einschlagsplanung bis 2029 liegt derzeit nicht vor.
10. Welche Areale im Klövensteen sind aktuell eingezäunt? Bitte auf einer Karte einzeichnen.
Zu 10.:
Siehe Anlage „10_Eingezäunte Bereiche Abt. Forst“.
11. Wie oft findet dort Kulturpflege statt?
Zu 11.:
Die Pflege der Waldumbauflächen ist stark abhängig von diversen Faktoren wie z.B. den Bodenverhältnissen oder der Witterung etc. Insbesondere durch die jährlich immer stärker schwankenden Witterungseinflüsse wird die Wuchsdynamik wesentlich beeinflusst. Vor diesem Hintergrund liegen die Pflegeintervalle in den einzelnen Waldumbauflächen zwischen 0 bis 3- maliger Pflege.
Wie teuer ist die Kulturpflege?
Die Pflege erfolgt fast ausschließlich durch eigenes Personal. Aussagen zu daraus entstehenden Kosten liegen nicht vor, da das Bezirksamt keine Kosten- und Leistungsrechnung führt.
12. Wie hoch waren die Kosten für Zäune im Forst seit 2020? Bitte einzeln pro Jahr angeben.
Zu 12.:
Siehe nachfolgende Tabelle
Jahr |
Kosten |
2026 |
20.360 € |
2025 |
9.230 € |
2024 |
4.190 € |
2023 |
5.130 € |
2022 |
16.330 € |
2021 |
13.250 € |
2020 |
17.810 € |
Die Bezirksversammlung wird um Kenntnisnahme gebeten.
Die Erkennung von Orten anhand des Textes der Drucksache kann ungenau sein. Es ist daher möglich, das Orte gar nicht oder falsch erkannt werden.