Licht schafft Sicherheit: Den Lessingtunnel mit Kunst und innovativer Beleuchtung weiterentwickeln Antrag der SPD-Fraktion
Letzte Beratung: 24.09.2026 Bezirksversammlung Ö 7.5
Der Lessingtunnel ist eine wichtige Unterführung im dicht besiedelten Altonaer Kerngebiet. Unter den Gleisanlagen des Bahnhofs Altona hindurch stellt er eine Verbindung zwischen den östlich und westlich der Bahnanlagen gelegenen Quartieren her und wird von unterschiedlichen Verkehrsteilnehmenden genutzt. Neben dem motorisierten Verkehr ist der Tunnel auch für den Fuß- und Radverkehr von Bedeutung.
Das Erscheinungsbild und die Situation im Lessingtunnel haben die Bezirksversammlung bereits wiederholt beschäftigt. Zuletzt hat sich die Bezirksversammlung mit derDrucksache 22-1019.2„Lessingtunnel Altona – Sauberkeit und Sicherheit sicherstellen“ ausführlich mit der Situation vor Ort und den unterschiedlichen Zuständigkeiten befasst.
Aus der Drucksache geht hervor, dass insbesondere die Beleuchtungssituation inzwischen verbessert wurde. Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) hatte die Hamburg Verkehrsanlagen GmbH mit dem Austausch der vorhandenen Beleuchtung im östlichen Teil des Tunnels gegen LED-Leuchten mit weißem Licht beauftragt. Auch die Beleuchtungsanlage im westlichen Tunnelbereich wurde angepasst. Mit ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 25. Februar 2026 teilte die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) mit, dass die Arbeiten an der Beleuchtungsanlage mittlerweile abgeschlossen sind. Damit wurde ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Situation im Lessingtunnel umgesetzt. Gleichzeitig besteht weiterhin Potenzial. BVM und LSBG haben in der Drucksache 22-1019.2 ausdrücklich angeregt, zusätzlich die Pfeiler und Wände im alten Teil des Lessingtunnels reinigen zu lassen. Diese Maßnahme sollte mit weiteren gestalterischen Verbesserungen verbunden werden, die dazu beitragen, dass der Tunnel insgesamt heller, sicherer und sauberer wahrgenommen wird. Daran anknüpfend sollte insbesondere das Thema Beleuchtung erneut aufgegriffen werden. Gerade in einer Unterführung erfüllt Licht nicht nur eine funktionale Aufgabe, sondern prägt auch die Wahrnehmung und Orientierung im öffentlichen Raum. Die vorhandene LED-Beleuchtung bietet deshalb eine gute Grundlage, um den Lessingtunnel in einem nächsten Schritt gestalterisch weiterzuentwickeln und dabei insbesondere die Sicherheitswahrnehmung der Menschen in den Blick zu nehmen.
Der Bezirk Altona kann dabei auf Erfahrungen aus bereits durchgeführten und laufenden europäischen Projekten zurückgreifen. Von 2019 bis 2021 leitete das Bezirksamt Altona das EU-Projekt LUCIA (Lighting the Baltic Sea Region). Das Projekt beschäftigte sich mit moderner, energieeffizienter und nachhaltiger Stadtbeleuchtung. Gemeinsam mit europäischen Partner*innen wurden neue Beleuchtungslösungen erprobt und neben technischen und ökologischen Fragen auch untersucht, welchen Beitrag Licht zu lebenswerten und sicheren öffentlichen Räumen leisten kann.
An diese Erfahrungen knüpft das aktuelle EU-Projekt BATS (Baltic Sea region- Active MobiliTy Solutions- in darkness and all weather conditions) an, bei dem das Bezirksamt Altona ebenfalls die Rolle des Lead Partners übernimmt. Gemeinsam mit Partner*innen aus sieben Ländern des Ostseeraums werden Lösungen entwickelt und erprobt, die das Zufußgehen und Radfahren auch bei Dunkelheit und ungünstigen Wetterbedingungen attraktiver und sicherer machen sollen. Das Projekt wird im Rahmen des europäischen Interreg-Programms gefördert und verfügt über ein Gesamtbudget von rund 3,52 Millionen Euro.
Für den Lessingtunnel ist diese Erfahrung besonders relevant, weil BATS dort bereits ganz konkret zum Einsatz kommt. An den beiden Eingängen des Tunnels wurden zwei Projektoren installiert, die über das EU-Projekt beschafft wurden. Der LSBG übernimmt innerhalb des vom Bezirksamt Altona durchgeführten Projekts ein eigenes Arbeitspaket. Damit gibt es im Lessingtunnel bereits einen unmittelbaren Anknüpfungspunkt für die weitere Erprobung innovativer Lichtlösungen.
Die Erfahrungen aus LUCIA und BATS bieten für ein solches Vorhaben einen guten Ausgangspunkt. Diese Erfahrungen sollten genutzt werden, um zu prüfen, welche europäischen oder weiteren Förderprogramme für die Planung und Umsetzung einer solchen Weiterentwicklung des Lessingtunnels infrage kommen und welche Fördermittel dafür eingeworben werden können.
Auf dieser Grundlage sollte geprüft werden, wie die vorhandene funktionale Beleuchtung um gestalterische Elemente ergänzt werden kann. Denkbar sind eine indirekte Beleuchtung von Decken- und Pfeilerbereichen, vertikale Lichtlinien an ausgewählten Stellen und zurückhaltende Lichtakzente entlang der Wege für den Fuß- und Radverkehr. Auch die Eingangs- und Übergangsbereiche könnten gezielt in den Blick genommen werden. Ergänzend könnten farbige Lichtakzente geprüft werden, die sich saisonal oder zu besonderen Anlässen verändern lassen. Auf diese Weise könnte über den gesamten Tunnel hinweg eine einheitliche und wiedererkennbare Lichtgestaltung entstehen.
Eine solche Lichtgestaltung ließe sich mit einer künstlerischen Aufwertung der vorhandenen Wand- und Pfeilerflächen verbinden. Kunst und Licht könnten dabei aufeinander abgestimmt werden und gemeinsam ein eigenständiges Erscheinungsbild des Lessingtunnels schaffen. Perspektivisch könnte daraus eine wiedererkennbare „Lichtsignatur“ für den Tunnel entstehen.
Für eine künstlerische Gestaltung ausgewählter Flächen wäre beispielsweise auch eine Beteiligung von Schülerinnen und Schülern aus Altona denkbar. Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs könnten Entwürfe für die Gestaltung entwickelt und anschließend geeignete Motive umgesetzt werden. Auf diese Weise könnten junge Menschen an der Gestaltung ihres Bezirks beteiligt und gleichzeitig die Unterführung sichtbar aufgewertet werden.
Vor einer Umsetzung müssen jedoch insbesondere die Eigentumsverhältnisse, Zuständigkeiten sowie die rechtlichen, baulichen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen für eine Gestaltung der Wand- und Pfeilerflächen geklärt werden. Bereits die bisherigen Beratungen zum Lessingtunnel haben gezeigt, dass unterschiedliche öffentliche Stellen und teilweise auch die Deutsche Bahn AG für verschiedene Bereiche der Tunnelanlage zuständig sind. Dabei ist auch die zukünftige bauliche Entwicklung des Lessingtunnels zu berücksichtigen. Im Zusammenhang mit der Verlagerung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona nach Diebsteich gab es in der Vergangenheit Planungen, nach denen nicht mehr benötigte Fernverkehrsbrücken im Bereich des Lessingtunnels zurückgebaut werden sollten. Ob und in welchem Umfang diese älteren Planungen weiterhin Bestand haben, ist derzeit nicht hinreichend klar. In der Drucksache 22-1019.2 teilen BVM und LSBG vielmehr mit, dass ihnen weitere geplante Umbaumaßnahmen des Lessingtunnels nicht bekannt sind. Bevor in eine dauerhafte lichtgestalterische und künstlerische Weiterentwicklung des Lessingtunnels investiert wird, sollte deshalb zunächst der aktuelle Planungsstand geklärt werden. Insbesondere ist von Bedeutung, welche Bereiche und Bauwerksflächen perspektivisch dauerhaft erhalten bleiben und damit für eine langfristige Gestaltung geeignet sind.
Vor diesem Hintergrund wird das Bezirksamt Altona gemäß § 19 BezVG gebeten,
Die Bezirksversammlung wird um Zustimmung gebeten.
ohne
Keine Orte erkannt.
Die Erkennung von Orten anhand des Textes der Drucksache kann ungenau sein. Es ist daher möglich, das Orte gar nicht oder falsch erkannt werden.