Integratives Innenstadtkonzept - Lupenraum Reetwerder Hier: Sachstand zum Projekt zur 1. Verschickung
Im Rahmen des Integrativen Innenstadtkonzepts Bergedorf wurde der Reetwerder als zentraler Bereich für eine städtebauliche und funktionale Aufwertung identifiziert. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu steigern, die Freiraumgestaltung zu verbessern und die Nahmobilität zu stärken. Der Reetwerder übernimmt als Scharnier zwischen den Zentrumsbereichen Bergedorf (Sachsentor) und Lohbrügge (Alte Holstenstraße) eine wichtige Verbindungsfunktion und ist geprägt durch eine historisch gewachsene Bebauung sowie vielfältige Erdgeschossnutzungen.
Die Entwicklung des Reetwerder ist Bestandteil des Integrierten Entwicklungskonzepts (IEK) für das RISE-Fördergebiet Zentrum Bergedorf. Im Oktober 2023 wurde die Verwaltung beauftragt, das Innenstadtkonzept als Leitlinie für die Weiterentwicklung der Innenstadt zu verwenden. Im März 2025 stimmte der Stadtentwicklungsausschuss (SEA) dem IEK zu und bestätigte die verbindliche Aufnahme der Entwicklung des Reetwerder in den Maßnahmenplan. Die Umsetzung ist Voraussetzung für die weitere Förderung.
Im weiteren Verlauf wurden umfangreiche Beteiligungs- und Untersuchungsverfahren durchgeführt. Bereits 2024 fand eine erste Beteiligungsveranstaltung mit Anwohnenden statt, gefolgt von einer Parkraumuntersuchung im Sommer 2025. Die Ergebnisse zeigten, dass die vorhandenen Parkstände im Reetwerder überwiegend von auswärtigen Nutzenden belegt werden und im Umfeld ausreichend alternative Parkmöglichkeiten bestehen. Im September 2025 wurden die aktuellen Planungen im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt und diskutiert. Ergänzend wurde eine Online-Befragung durchgeführt, deren Ergebnisse eine breite Zustimmung der Anwohnenden zur Umstrukturierung des Straßenraums zugunsten von größeren Aufenthaltsflächen und einer Verringerung der Stellplätze, bei einer Sicherstellung der Erreichbarkeit für Be- und Entladevorgänge.
Im Rahmen der fachlichen Planung wurden verschiedene Varianten zur Neuordnung der Verkehrs- und Parkstandsflächen geprüft. Die sogenannte „Variante 3“ wurde als Vorzugsvariante entwickelt und im Stadtentwicklungsausschuss am 07.01.2026 vorgestellt. Diese Variante sieht vor, die Durchgangsverkehrsfunktion für Kfz aufzuheben und den Straßenraum durch Modalfilter zu beruhigen. Die Zahl der öffentlichen Parkstände wird zugunsten von Aufenthalts-, Grün- und Angebotsflächen reduziert. Die barrierefreie Gestaltung und die Erreichbarkeit für Anwohnende, Gewerbetreibende, Feuerwehr und Lieferverkehre bleiben gewährleistet. Im mittleren Bereich des Reetwerder („Neue Mitte“) entsteht ein multifunktionaler Aufenthaltsbereich mit Sitzgelegenheiten, Begrünung, Spielflächen und Flächen für Gastronomie und Einzelhandel. Durch Teilentsiegelung, neue Baumpflanzungen und eine einheitliche Pflasterung wird das historische Umfeld nachhaltig aufgewertet. Die Planung wurde bereits durch das Moratorium Parken bestätigt.
Im Anschluss an die Vorstellung und Diskussion der Vorzugsvariante im Stadtentwicklungsausschuss am 07.01.2026 wurde das Projekt in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 04.02.2026 erneut beraten und zur Abstimmung gestellt (22-0612). In der Sitzung wurden die unterschiedlichen Positionen der Fraktionen zu den geprüften Varianten ausführlich dargestellt.
Im Ergebnis der Beratung wurde die Variante 3 mehrheitlich beschlossen und bildet nun die Grundlage für die weitere Ausarbeitung und Umsetzung der Maßnahme. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Arbeit auf dieser Basis fortzuführen und die nächsten Schritte zur Projektentwicklung einzuleiten.
Mit dieser Informationsdrucksache wird der Ausschuss für Verkehr und Infrastruktur (V+I) über den aktuellen Stand informiert. Die Verschickung der Unterlagen an die Gremien erfolgt im Anschluss.
Die konkrete Planung:
Die konkrete Planung für die Umgestaltung des Reetwerder sieht weiterhin vor, die bisherigen Verkehrsflächen deutlich zugunsten von Aufenthalts- und Angebotsflächen umzugestalten. Durch die Reduzierung der Kfz-Parkstände entsteht Raum für eine vielfältige Nutzung des öffentlichen Raumes, neben möglichen Außengastronomieflächen entstehen Räume zum Verweilen und für Nachbarschaftstreffen. Ein besonderer Fokus liegt auf der barrierefreien Gestaltung des gesamten Straßenraums. Die Erreichbarkeit privater Hinterhöfe und Stellplatzanlagen sowie die Sicherstellung der Ver- und Entsorgung für Haushalte und Gewerbebetriebe bleiben gewährleistet. Das kurzfristige Anfahren der Wohnungen für Be- und Entladevorgänge wird weiterhin ermöglicht.
Ein zentrales Element der Planung ist die umfassende Entsiegelung und zusätzliche Begrünung des Straßenraums. Durch die Schaffung neuer Grünflächen, Baumpflanzungen und die Reduzierung versiegelter Flächen wird das Mikroklima im Quartier nachhaltig verbessert. Die Entsiegelung trägt maßgeblich zum sommerlichen Wärmeschutz bei, da sie die Aufheizung des Stadtraums reduziert und für eine spürbare Abkühlung sorgt. Die neuen Bäume und Pflanzflächen bieten Schatten, binden Feinstaub und CO₂ und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung in der Innenstadt. Die einheitliche Pflasterung wertet das historische Umfeld zusätzlich auf.
Die beigefügte Visualisierung verdeutlicht die geplante Neuordnung: Großzügige Grün- und Aufenthaltsflächen mit Baumpflanzungen und Sitzgelegenheiten, neue Aufenthaltsbereiche, Spielflächen und Zonen für Außengastronomie sowie eine deutliche Reduzierung der Verkehrsflächen zugunsten von Lebens- und Erholungsräumen, ganz im Sinne der beschlossenen Ziele des Innenstadtkonzeptes und des IEK Zentrum Bergedorf. Insgesamt entsteht ein attraktiver, multifunktionaler Stadtraum, der die Lebensqualität im Quartier nachhaltig erhöht, das Stadtklima verbessert und einen wirksamen sommerlichen Wärmeschutz bietet.
Der Fachausschuss nimmt Kenntnis.
Darstellung Bruun & Möllers GmbH & Co. KG
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