Bunter Nachmittag für freiwillig Engagierte ist eine schöne Tradition: Vereine, Initiativen und Organisationen brauchen auch in Zukunft verlässliche Unterstützung Interfraktioneller Antrag der SPD-Fraktion, der Fraktion Die Grünen und der FDP-Fraktion
Letzte Beratung: 02.07.2026 Bezirksversammlung Wandsbek Ö 7.1
Bürgerinnen und Bürger, die sich – ihren Möglichkeiten entsprechend – freiwillig und als Ehrenamtliche für das Gemeinwohl einbringen, sind die Stütze für gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Funktionieren von Einrichtungen, die diesem dienen.
Was sie nicht sein sollen und nicht sein dürfen: Ersatz für sozialversicherungspflichtige Anstellung. Das sei vorab klar formuliert.
Und zugleich ist das ein Kernpunkt des Problems.
In Wandsbek hat der traditionelle bunte Nachmittag für freiwillig Engagierte Tradition, auch wenn er dieses Jahr aufgrund der Witterung sehr kurzfristig verlegt werden musste. Das Angebot ist schön, das ist wertschätzend, und das begrüßen wir sehr.
Aber wir haben ein Problem.
In Hamburg leistet laut Freiwilligensurvey mehr als jeder Dritte ehrenamtliches Engagement, manche auch mehrere. Diese Zahl liegt letztlich im Bundesdurchschnitt.
In Hamburg ebenso wie im Bundesgebiet engagieren sich die meisten Ehrenamtsträger im Bereich Sport und Bewegung, das ist der mit Abstand größte Einsatzort. Danach in Freizeit und Geselligkeit, dann Kultur und Musik, laut Häufigkeitsliste dann im sozialen Bereich, in Schule, Kindergarten, Umwelt-, Natur- und Tierschutz.
Ehrenamt ist Einsatz auf dem Sportplatz, im Bürgerverein, im Chor, bei der Freiwilligen Feuerwehr, in der Elternvertretung oder am Ausgabestand der Tafel. Wo wären wir als Gesellschaft, wenn sich diese Menschen nicht mit so viel Engagement einbringen würden? Dass wir alle dieses Engagement wertschätzen, zeigen wir auch mit unseren regionalen und den bezirklichen Bürgerpreisen. Es ist immer eine Freude, zu sehen, wie sehr sich die Geehrten darüber freuen, dass ihr Einsatz sichtbar und spürbar wird.
Und das Gute: Die Gesamtzahl der ehrenamtlich Engagierten nimmt auch nicht ab, jedenfalls nicht viel.
Insofern: Alles fein – also warum reden wir heute darüber?
Aus den zuvor genannten Gruppen und Organisationen hören wir inzwischen immer öfter: Diese und jene Maßnahme kann mangels Ehrenamtler aktuell nicht angeboten werden.
Der Grund: Quantität und Qualität ist nicht dasselbe. In Zahlen ausgedrückt geht das Engagement nicht zurück – aber in seiner Qualität. Hier ist es vor allem die Verbindlichkeit. Langfristiges Engagement und das Einlassen auf eine Aufgabe und eine Verantwortung lässt nach. Man war 20 Jahre Jugendtrainer. Oder 10 Jahre Schatzmeister. Man war unzählbare Jahre im Kirchengemeinderat, im Kulturkreis, hat selbstverständlich wiederkehrende Aufgabenübernommen und mit der langen Erfahrung zuverlässig erledigt.
Entsprechende Untersuchungen zeigen, dass sich viele Menschen heute nicht mehr binden wollen. Man engagiert sich bei einem Projekt, einem speziellen Vorhaben, mit befristetem Zeitaufwand und möglichst ohne verantwortliches Amt. Flexibilität steht im Fokus. Vereine und Organisationen finden Helfer für eine Veranstaltung, aber nicht für kontinuierliche Projektbetreuung oder gar eine Vorstandsrolle.
Hinzu kommt, dass die bisherigen Strukturen und Vorstandsaufgaben durch älter werdende Mitglieder ausdünnen. Insbesondere im sozialen Bereich gefährdet diese Entwicklung die Zukunft der ehrenamtlichen Stütze des gesellschaftlichen Miteinanders. Die durchaus zahlreich nachrückende jüngere Generation engagiert sich eher in Initiativen als in Vereinen, ist eher digital organisiert und punktuell interessiert. Und ihre Anforderungen sind eher auf Beteiligung ausgerichtet als auf Dienstleistung: Sie wollen mitreden, mitgestalten, wenig Hierarchie, klar begrenzte Aufgaben, niedrigschwelliges Mitmachen – und alles gut mit ihrem eigenen Leben verbinden können.
Die Bereitschaft zum Helfen hat nicht nachgelassen, aber die Formen des Helfens haben sich verändert.
Wir müssen neu nachdenken, wie wir mit unseren vielen Vereinen und Organisationen die Zukunft gestalten wollen und können. Und was wir als Politik dazu beitragen können, dass die Menschen wieder mehr zueinander finden: die Vereine, die potentiell Ehrenamtlichen und die Menschen, um die sich die Vereine und Organisationen kümmern.
Aus diesem Grund haben wir mit der Aktuellen Stunde auch diesen Antrag und damit ein Petitum verbunden. Im Fokus steht eine Informations- und Diskussionsveranstaltung, die einerseits die aktuelle Situation darstellt und andererseits Konzepte aufzeigt, wie Vereine, Initiativen und Organisationen sich hinsichtlich neuer Entwicklungen besser aufstellen können. Zudem soll es die Möglichkeit für an einem Ehrenamt interessierte Bürgerinnen und Bürger geben, sich vor Ort zu informieren. Mögliche potentielle Handlungsfelder für Bezirkspolitik und Verwaltung könnten sich fürdie weitere Arbeit der Bezirksversammlung ergeben.
Die Verwaltung und das Präsidium der Bezirksversammlung werden gebeten, rund um den Welttag des Ehrenamtes am 5. Dezember eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Zukunft Ehrenamt - wo, warum und wie?“ auszurichten, an der Vereine, Initiativen und Organisationen aus dem Bereich Ehrenamt sowie an einem Ehrenamt interessierte Bürgerinnen und Bürger teilnehmen sollen.
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