Stellungnahme zum Antrag Fraktion Die Linke betr.: Offenlegung der Bedarfsanalyse für "de Stuuv"
Letzte Beratung: 17.03.2026 Hauptausschuss Ö 3.4
Das Quartiershaus „De Stuuv“ wurde eingerichtet, um Angebote für Nachbarschaft, Familien, Kinder und Jugendliche, sowie Beratungs- und Begegnungsformate an einem zentralen Ort im Stadtteil zu bündeln. Die Planung der Angebote und die Auswahl von Träger*innen beruhen nach Angaben der Verwaltung auf einer zuvor hierfür erstellten Bedarfsanalyse für den Sozialraum.
Diese Bedarfsanalyse ist somit die fachliche Grundlage dafür, wie die inhaltliche Ausrichtung, die Raumverteilung und die Schwerpunktsetzung im Haus festgelegt wurden. Im Regionalausschuss Süderelbe wurde bereits mehrfach darum gebeten diese Bedarfsanalyse vorzulegen, um die getroffenen Entscheidungen nachvollziehen und die weiteren Entwicklungen fachgerecht begleiten zu können. Bislang aber liegt diese Bedarfsanalyse den Fraktionen nicht vor.
Für die weiteren Beratungen in den Ausschüssen und in der Bezirksversammlung ist es notwendig, die Bedarfsanalyse einzusehen. Denn die Angebote und Strukturen im Quartiershaus müssen auf Grundlage der tatsächlichen Bedarfe im Stadtteil bewertet werden.
Das Bezirksamt wird gebeten, die zugrunde liegende Bedarfsanalyse für das Quartiershaus „De Stuuv“ schnellstmöglich den Mitgliedern der Bezirksversammlungen vorzulegen. Sollten im Prozess weitere Bedarfsanalysen erstellt worden sein, wie zum Beispiel die angekündigte Bedarfsanalyse in Kooperation mit der Sozialbehörde nach dem Ausscheiden des Magaretenhort aus dem Gebäude, sollen diese ebenfalls vollständig vorgelegt werden.
FREIE UND HANSESTADT HAMBURG
Bezirksamt Harburg
5. März 2026
Das Bezirksamt nimmt zu dem Antrag wie folgt Stellung:
Sachverhalt
Der Hauptausschuss hat für die Bezirksversammlung Harburg die oben genannte Drucksache beschlossen. Das Petitum besagt: „Das Bezirksamt wird gebeten, die zugrunde liegende Bedarfsanalyse für das Quartiershaus „De Stuuv“ schnellstmöglich den Mitgliedern der Bezirksversammlung vorzulegen. Sollten im Prozess weitere Bedarfsanalysen erstellt worden sein, wie zum Beispiel die angekündigte Bedarfsanalyse in Kooperation mit der Sozialbehörde nach dem Ausscheiden des Margarethenhort aus dem Gebäude, sollen diese ebenfalls vollständig vorgelegt werden.“
Erörterung
Nachdem der Träger Margaretenhort mitgeteilt hatte, die für ihn vorgesehenen und geplanten Flächen des 1. OG des Quartiershauses de Stuuv nicht mehr anzumieten, startete das Bezirksamt Harburg im 2. Halbjahr 2024 Überlegungen, wie diese Flächen gewinnbringend für den Stadtteil verwendet werden könnten.
Ausgangspunkt für die Überlegungen waren zum einen die Leitziele des Hauses (vgl. Anlagen „Leitziele“ und Ergebnispräsentation aus der Fokusgruppe 7 von 2/2021, in der die Bedarfe benannt sowie Leitziele des Hauses erarbeitet und verabschiedet wurden). Zum anderen wurden aktuelle Beobachtungen sowie (teilweise mündliche) Bedarfsmeldungen unterschiedlicher Akteure aus dem umliegenden Sozialraum einbezogen. Gerahmt waren diese qualitativen Datenquellen von quantitativen Daten (Sozialraumdaten[1], RISE-Sozialmonitoring), insbesondere zu den Quartieren Sandbek und Fischbeker Heidbrook bzw. dem zugehörigen statistischen Gebiet und Planungen für das Neubaugebiet Fischbeker Reethen.
Kurz-Zusammenfassung ausgewählter quantitativer Daten des Quartiers Sandbek
Das Quartier zeichnet sich durch eine gewissen Insellage aus und liegt zudem am äußersten Rand des Hamburger Stadtgebietes. Die Wohnsiedlung Sandbek besteht aus ca. 1.200 Wohneinheiten, überwiegend in drei- bis viergeschossigen Zeilenbauten im Plattenbaustil der 1960er mit Abstandsgrün, die sich überwiegend im Besitz der SAGA befinden.
Das gesamte Quartier Sandbek befindet sich lt. RISE-Sozialmonitoring 2023[2] vollständig in einem sehr niedrigen Status mit neutraler Dynamik. Das Median-Jahres-Einkommen (brutto) der Menschen im Quartier liegt zwischen 18.336 Euro bis 23.171 Euro p.a. und ist damit sehr gering. Die Wahlbeteiligung bei der letzten Wahl zur Bezirksversammlung 2024 lag bei 26% (Bezirk: 52,8%; Hamburg: 62,2%).
Im Quartier Sandbek leben derzeit ca. 3.000 Menschen in ca. 1.500 Haushalten. Entgegen dem Trend im Stadtteil Neugraben-Fischbek, der in der Zeit zwischen 2010 und 2023 um ca. 29% gewachsen ist, hat sich die Anzahl der Bewohnenden in Sandbek im selben Zeitraum um über 5% verringert (von 3.192 auf 3.023 Personen).
Die Bewohnerschaft wird lt. Bevölkerungsprognose im Durchschnitt insgesamt zunehmend älter, wenngleich zum derzeitigen Zeitpunkt der Anteil der Minderjährigen mit 20,2% noch vergleichsweise hoch ist (Bezirk: 18,8%; Hamburg: 16,8%). Der Anteil der Menschen über 65 Jahren ist mit 19,4% bereits über dem Durchschnitt (Bezirk: 17,2%; Hamburg: 17,8%) – und wird voraussichtlich weiter steigen. 2010 waren es noch 14,7%.
In 25% der Haushalte in Sandbek leben Kinder. Diese leben mit 43,1% weit überdurchschnittlich häufig in Haushalten mit alleinerziehenden Eltern (Bezirk: 25,5%; Hamburg: 25,7%).
Die unter 15-jährigen im Quartier leben mit 34,4% zudem weit überdurchschnittlich häufig in Mindestsicherung (Bezirk: 24,2%; Hamburg: 18,9%). Auch Menschen über 65 Jahren leben mit 17,6% weit überdurchschnittlich häufig von Grundsicherung (Bezirk: 8,3%; Hamburg: 8,5%). Insgesamt ist die Anzahl der Leistungsempfangenden gem. Sozialgesetzbuch II (SGB II) mit 21,8% vergleichsweise hoch (Bezirk: 13%; Hamburg: 10%).
Der Anteil der Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit im Quartier Sandbek ist mit 51,8% hoch (Bezirk: 28,4%; Hamburg: 20,7%).
Im Gebiet bzw. im näheren Umfeld befinden sich sechs KITAs, eine Schule, drei Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, zwei Angebote für Familien sowie ein aktiver Sportverein und eine stationäre Pflegeinrichtung.
Kurz-Zusammenfassung ausgewählter quantitativer Daten des statistischen Gebiets, in dem der Fischbeker Heidbrook liegt
Das Wohngebiet Fischbeker Heidbrook liegt südlich der B73 am östlichen Rand Hamburgs, angrenzend an Neu Wulmstorf. Das Quartier wurde 2022 weitgehend fertiggestellt und umfasst rund 1.250 Wohneinheiten, davon etwa 30% geförderte Mietwohnungen für Menschen mit geringem Einkommen. Die Bebauung besteht aus Einfamilienhäusern, Reihenhäusern und Mehrfamilienhäusern.
Da der Fischbeker Heidbrook keine eigenständige statistische Einheit bildet, können sozialdemographische Daten nur für das gesamte statistische Gebiet „101010“ ausgewiesen werden. Dieses umfasst neben dem Heidbrook auch weitere Wohngebiete: das Wohngebiet im Osten des Heidbrooks südlich der B73 bis zur Straße Hogenbrook sowie Alt-Fischbek. Insgesamt leben im statistischen Gebiet 6.128 Personen, davon etwa 2.600 im Heidbrook.
Das neugebaute Wohngebiet zieht viele Familien an: Seit dem Baustart 2016 ist der Anteil der Haushalte mit Kindern im statistischen Gebiet von 21,8% auf 32,1% gestiegen (Bezirk: 20,5%; Hamburg: 17,8%). In diesem Zeitraum ist der Anteil der unter 18-Jährigen im statistischen Gebiet dementsprechend gestiegen von 17,5% auf 25,5% (Bezirk: 18,8%; Hamburg: 16,8%). Gleichzeitig ist der Anteil der Menschen ab 65 Jahren von 22,0% auf 15,1% im Jahr 2023 gesunken (Bezirk: 17,2%; Hamburg: 17,8%), wobei die absolute Zahl der Menschen ab 65 Jahre im statistischen Gebiet in diesem Zeitraum um etwa 160 Personen leicht angestiegen ist.
Laut RISE-Sozialmonitoring 2023 leben alle Bewohnerinnen und Bewohner des Fischbeker Heidbrook in einem Gebiet mit dem Statusindex „mittel“ (neutrale Dynamik). Der Anteil der Leistungsempfängerinnen und -empfänger nach SGB II liegt mit 10,3 % unter dem bezirksweiten Wert von 13,0 % (Hamburg: 10,0%), ist jedoch seit 2016 (7,8 %) deutlich angestiegen.
Im Fischbeker Heidbrook gibt es drei Kindertagesstätten. Weitere Einrichtungen und Angebote im benachbarten Quartier Sandbek sind fußläufig erreichbar.
Wohnstruktur im Neubaugebiet Fischbeker Reethen
In den Fischbeker Reethen sind etwa 2.300 Wohneinheiten in Planung. Die Bebauung wird aus Geschosswohnungsbau (teilweise mit Gewerbeflächen im Erdgeschoss), Reihenhäusern, sogenannten „Fischbeker Hybriden“ (Maisonette-Wohnungen im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss sowie Wohnungen im 2. und 3. Obergeschoss) und einigen Einfamilienhäusern bestehen. Ein hoher Anteil der Wohnungen (etwa 57%) ist für den geförderten Wohnungsbau vorgesehen. Die IBA rechnet insgesamt mit rund 5.750 zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner.
In den Fischbeker Reethen sollen Wohnungen für verschiedene Lebenssituationen und Altersgruppen entstehen. Dem Bedarf im Stadtteil Neugraben-Fischbek entsprechend wird insbesondere ein beträchtlicher Anteil der Wohnungen für 1-Personen-Haushalte geplant. Darüber hinaus sind auch verschiedene Wohnangebote für ältere Menschen und Pflegebedürftige vorgesehen.
Bedarfserfassung während des Fach-Workshops im November 2024 zur Nutzung 1. OG de Stuuv
Um vor dem Hintergrund der zuvor genannten Informationen und Daten sowie Erfahrungen in der Planung vergleichbarer Angebote ein Konzept für die Nutzung der freien Räume des 1. OGs des de Stuuv zu entwickeln, das den Bedarfen sowie der Sozialstruktur gerecht wird, hat das Bezirksamt am 15. November 2024 einen Workshop von Fachleuten unterschiedlicher Bereiche der Sozialbehörde sowie des Bezirksamtes (Fachämter Jugend- und Familienhilfe, Gesundheit, Sozialraummanagement) durchgeführt.
Während des Workshops wurden folgende Bedarfe (ohne Priorisierung) benannt:
Aufgrund der Vielzahl der potenziellen Angebote in den Räumen wurde während des Workshops das Konzept einer multikodierten Raumnutzung erarbeitet, die von einem Centermanagement koordiniert wird. Demnach könnten Mischnutzungen Synergien erzeugen, wenn die einzelnen Angebote die Räume des de Stuuv zeitweise (stunden- oder tageweise) nutzten. Nur so können die sehr unterschiedlichen Bedarfe umfassend adressiert werden, die in den betrachteten Gebieten vorhanden sind.
Petitum
Um Kenntnisnahme wird gebeten.
Carstensen
Anlagen
Leitziele Quartiershaus Ohrnsweg
Ergebnispräsentation 2/2021 Fokusgruppe 7 (Leitziele)
Die Erkennung von Orten anhand des Textes der Drucksache kann ungenau sein. Es ist daher möglich, das Orte gar nicht oder falsch erkannt werden.