Stellungnahme der Behörde für Kultur und Medien zum Gemeinsamen Antrag der Abgeordneten Benizar Gündogdu (SPD), Mehmet Kizil (SPD), Markus Sass (SPD), Arne Thomsen (SPD) und Dennis Wacker (SPD) betr. Denkmal für Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter im Bezirk Harburg - Würdigung, Sichtbarmachung und Beteiligung
Letzte Beratung: 30.04.2026 Kulturausschuss Ö 9.1
Harburg wurde durch Hafen, Industrie, Handwerk und Dienstleistungen über Jahrzehnte maßgeblich vom Einsatz und der Lebensleistung migrantischer Arbeitskräfte geprägt.
Ab den 1950er- und 1960er-Jahren kamen im Rahmen der sogenannten Anwerbeabkommen hunderttausende Menschen aus Südeuropa, der Türkei und Nordafrika nach Deutschland, auch nach Harburg. Sie arbeiteten in Werften, Fabriken, Reinigungsbetrieben, in der Pflege und Gastronomie. Ihre Arbeit, oft unter schwierigen Bedingungen und fern der Heimat, bildete eine tragende Säule des wirtschaftlichen Aufschwungs.
Viele dieser Männer und Frauen litten unter Diskriminierung, Heimweh und beengten Lebensverhältnissen und fanden dennoch Wege, sich ein neues Zuhause zu schaffen. Sie gründeten Familien, engagierten sich in Vereinen, eröffneten Geschäfte und prägten mit ihrer Kultur und Vielfalt den Bezirk.
Bis heute existiert in Hamburg kein Denkmal, das die Leistungen und Erfahrungen der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter würdigt. Dabei gehört ihre Geschichte untrennbar zur Identität der Stadt und des Bezirks.
Ein solches Denkmal soll:
Beispiele aus anderen Städten belegen den gesellschaftlichen und kulturellen Wert solcher Projekte:
Diese Projekte zeigen, dass offene Wettbewerbe mit Jurybeteiligung und Beteiligung der migrantischen Communities zu hoher Identifikation und künstlerischer Qualität führen.
Harburg, als industriell geprägter und vielfältiger Bezirk, eignet sich in besonderer Weise, diesen Schritt zu gehen und mit einem Denkmal ein dauerhaftes Zeichen von Dankbarkeit, Respekt und Zusammenhalt zu setzen.
BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG
Der Vorsitzende
2. März 2026
Die Behörde für Kultur und Medien (BSFB) nimmt zu dem o.g. Antrag der Fraktionslosen Abgeordneten, Drs. 22-1107, wie folgt Stellung:
Für die Dokumentation, Erschließung und Vermittlung von Migration und damit verbundene Aspekte soll mit dem „Forum der Migration“ eine „Plattform“ oder „Forum“ geschaffen werden, um in Hamburg eine erweiterte Möglichkeit der Begegnung, der Information, des Austauschens und des Bewahrens zu ermöglichen. Diese „Plattform“, deren konkrete Ausformung im Rahmen des Prozesses erst entwickelt werden wird, soll über das, was in verschiedenen Museen in Hamburg bisher an Migrationsgeschichte behandelt wird,hinaus gehen. Sie widmet sich der Einwanderung nach Hamburg im 20. und 21. Jahrhundert und ihrer Bedeutung für die pluralistische Gesellschaftsordnung und -geschichte Hamburgs. Dieser Ort soll sich an alle Hamburger Bürgerinnen und Bürger und insbesonderean die Menschen richten, die einen persönlichen Beitrag zur Geschichte der Migration nach Deutschland im 20. und 21. Jahrhundert leisten möchten und sich gleichzeitig mit anderen Interessierten austauschen möchten.
Beim Aufbau des Forums der Migration wird die Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter daher eine wichtige Rolle einnehmen. Der Aufbau des Forums wird als transparenter Prozess durchgeführt werden und Möglichkeiten für die Öffentlichkeit und einzelne Interessengruppen bieten, ihre Impulse und Anregungen einzubringen. Eine für das Forum der Migration angemessene Form der Würdigung, Erinnerung und Ehrung der Lebensleistung von Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern und deren Nachfahren beinhaltet einen umfassenden Blick auf das gesamte Lebensumfeld aus möglichst vielfältigen Blickwinkeln. Eine museale Aufarbeitung muss dabei aktivierende Vermittlungs-formate, Räume für Begegnung und Aufarbeitung sowie Räume für Aneignung bieten. Idealerweise wird das Forum der Migration unter Beteiligung von einer breiten Öffentlichkeit und insbesondere mit Gastarbeiterinnen und Gastarbeiterin und deren Nachfahren selbst erarbeitet und selbst gestaltet.
Dieser Prozess befindet sich in der Entwicklung in der BKM und wird von dort zusammen mit einem externen Prozesssteuerungsteam begleitet werden. Zu dessen Aufgaben gehört auch die Entwicklung von Beteiligungsformaten, die sich u.a. in Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen (z.B. zur Errichtung eines Denkmals o.ä.) ausdrücken könnten. Dabei ist zu erwarten, dass es sehr unterschiedliche Erwartungen an einen solchen Ort gibt und auch darüber, welche Geschichten überhaupt erzählt werden sollen. Die BKM wird hier daher keine Präjudiz zu einzelnen gesetzten Themen im Vorwege festlegen.
Zum Themenkomplex „Würdigung der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter“ siehe im Übrigen Bürgerschafts-Drs. 22/17339.
gez. Böhm
f.d.R. Leptien
Die Erkennung von Orten anhand des Textes der Drucksache kann ungenau sein. Es ist daher möglich, das Orte gar nicht oder falsch erkannt werden.