21-0587.01

Antwort zur kleinen Anfrage der GRÜNEN-Fraktion betr. Prävention psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Antwort / Stellungnahme des Bezirksamtes

Letzte Beratung: 10.03.2020 Hauptausschuss Ö 3.20

Sachverhalt

Ausgehend von der stabilen hohen Prävalenz psychischer Belastungen von fast 20 Prozent und psychischer Störungen von zehn Prozent bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, wie es der Kinder- und Jugendsurvey des Robert Koch-Instituts wiederholt aufgezeigt hat, besteht eine drängende Herausforderung in der Prävention psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, sowohl bei Risikogruppen als auch in der universellen Prävention.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:

- Welche Strategien, Angebote und Maßnahmen werden durch welche Träger oder Institutionen zur Prävention und Früherkennung psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Bezirk umgesetzt?

- Gibt es Kooperationen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Abteilung der Asklepios Klinik Harburg?

- Sind weitere Strategien, Angebote und Maßnahmen zur Prävention und Früherkennung psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Bezirk geplant, und falls ja, welche?

- Bestehen Konzepte zur Unterstützung von Eltern mit psychischen Erkrankungen und deren Kinder? Wenn ja, welche?

- Sollten derartige Angebote vorhanden sein, wie ist die Auslastung dieser Angebote?

- Gab es Informationskampagnen zur Prävention und zum Umgang mit psychischen Erkrankungen für Kinder und Jugendliche und wie war das Konzept dieser Kampagnen?

- Werden entsprechende Angebote öffentlich beworben (z.B. in den Schulen)? Bestehen Kooperationskonzepte mit Schulen zur Prävention und zum Umgang mit psychischen Erkrankungen?

- Wie hoch ist der Bedarf an Kinder- und Jugendpsychotherapeutischen Angeboten in Harburg? Wie ist die Abdeckung des Bezirks mit entsprechenden Angeboten? (Bitte Einrichtungen einzeln aufführen)

- Existieren Kampagnen seitens des Bezirks zur Bewältigung des gesellschaftlichen Stigmas psychischer Erkrankungen, insbesondere in Kooperation mit Schulen?

FREIE UND HANSESTADT HAMBURG

Bezirksamt Harburg 20.02.2020

Das Bezirksamt Harburg nimmt zu der Anfrage der Grünen (Drs. 21-0587) wie folgt Stellung:

- Welche Strategien, Angebote und Maßnahmen werden durch welche Träger oder Institutionen zur Prävention und Früherkennung psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Bezirk umgesetzt?

Antwort D3:

Im Rahmen der Begutachtungen zur Heilpädagogischen Frühförderung, der Komplexleistung oder zur Förderung auf einem Integrationsplatz in der Kita findet der Kontakt mit den Kindern bereits im Kleinstkind- und Vorschulalter statt. Wenn diese Frühfördermaßnahmen nicht ausreichend erscheinen, werden die Kinder und Familien zur weiterführenden Diagnostik, zu weiteren therapeutischen Angeboten, zum ASD oder zu den Frühen Hilfen vermittelt. Mit diesen Frühfördermaßnahmen (und weiter in die Wege geleiteten Hilfen) wird versucht, Kinder in belasteten Familien und mit ersten psychischen Auffälligkeiten zu stabilisieren und zu einem besseren Start im Schulsystem und weiteren Leben zu verhelfen. Der ASD wendet sich bei ersten Anzeichen zur fachlichen Abklärung an den JPD, JPPD oder an niedergelassene Fachstellen. Im Rahmen der Hilfeplanung werden entsprechende Erkenntnisse berücksichtig.

Außerdem beraten und unterstützen die Erziehungsberatungstelle des Jugendamtes, die Angebote des Netzwerks Frühe Hilfen / Familienteam (Margaretenhort), die Elternkindzentren (EKIZ) in verschiendener Trägerschaft, die Beratungsstelle Frühe Hilfen (Interaktionsberatung des Kinderschutzzentrums / Kinderschutzbund) und die Suchtberatungsstelle MoPs in Süderelbe Eltern und Betroffene bzw. leiten an entsprechende Fachstellen weiter.

- Gibt es Kooperationen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Abteilung der Asklepios Klinik Harburg?

Antwort D3:
Es finden in regelmäßigen Abständen Kooperationstreffen (AK Harburg, ReBBZ, GA (SÄD und JPD), ASD, EB und JPPD) in regionalen Arbeitskreisen statt. Ergänzt werden diese Treffen durch fallbezogene Zusammenarbeit bei Kindern- und Jugendlichen mit komplexem Bedarf.

- Sind weitere Strategien, Angebote und Maßnahmen zur Prävention und Früherkennung psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Bezirk geplant, und falls ja, welche?

Antwort D3:
Angesichts der steigenden Fallzahlen gibt es beim Gesundheits- und Jugendamt derzeit keine Ressourcen, um weitere präventive und beratende Angebote auszubauen. Ein Mehrbedarf wird von beiden Ämtern gesehen und ist bereits von allen JPDs gemeinsam gemeldet worden. Jedoch fehlt es an Ressourcen für die Umsetzung.

- Bestehen Konzepte zur Unterstützung von Eltern mit psychischen Erkrankungen und deren Kinder? Wenn ja, welche?

Antwort D3:
Derzeit gibt es im JPD keine präventiven Konzepte. Die Jugendhilfe berät und unterstützt bei Bedarf Harburger Familien und verweist auf ambulante und stationäre Behandlungsangebote in der KJPP des AK Harburg sowie im Werner-Otto-Institut (Eltern-Kind-Therapie für Eltern mit psychischer Erkrankung und behandlungsbedürftigen Kindern).

Das Angebot im Bezirk besteht aus Beratungsangeboten der freien Träger der ambulanten Sozialpsychiatrie, dem Elternstammtisch „Irgendwie Anders“ im Treffpunkthaus Heimfeld (Margaretenhort), den jeweils in Harburg und Süderelbe wöchentlich stattfindenden Angeboten (Windlichtgruppen, Margaretenhort) für Kinder von psychisch kranken Eltern. Hinzu kommen die Erziehungsberatungsstellen mit ihrem Anteil psychologischer Arbeit.

- Sollten derartige Angebote vorhanden sein, wie ist die Auslastung dieser Angebote?

Antwort D3:
Die Auslastung ist hoch. Es bestehen überall Wartezeiten.

- Gab es Informationskampagnen zur Prävention und zum Umgang mit psychischen Erkrankungen für Kinder und Jugendliche und wie war das Konzept dieser Kampagnen?

Antwort D3: Fehlanzeige

- Werden entsprechende Angebote öffentlich beworben (z.B. in den Schulen)? Bestehen Kooperationskonzepte mit Schulen zur Prävention und zum Umgang mit psychischen Erkrankungen?

Antwort D3: Fehlanzeige

- Wie hoch ist der Bedarf an Kinder- und Jugendpsychotherapeutischen Angeboten in Harburg? Wie ist die Abdeckung des Bezirks mit entsprechenden Angeboten? (Bitte Einrichtungen einzeln aufführen)

Antwort D3:
Das Gesundheitsamt verweist auf den aktuellen Psychiatriebericht.
https://www.hamburg.de/krankenhaus/5525860/psychiatrische-versorgung/ (ab S. 118).

Im Rahmen der Beratungen und Hilfen sind vielfach lange Wartezeiten bekannt geworden.

- Existieren Kampagnen seitens des Bezirks zur Bewältigung des gesellschaftlichen Stigmas psychischer Erkrankungen, insbesondere in Kooperation mit Schulen?

Antwort D3: Fehlanzeige

Fredenhagen

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