21-2906.01

Antwort zur kleinen Anfrage der GRÜNE-Fraktion betr. Baumfällungen im Fischbeker Heidbrook

Antwort / Stellungnahme des Bezirksamtes

Letzte Beratung: 09.05.2023 Hauptausschuss Ö 1.18

Sachverhalt

Im Februar wurde am Rande des Quartiers Fischbeker Heidbrook (zwischen den Straßen Heideblütenweg und Wildbirnenhof) nahezu der komplette Baumbestand auf dem südlich gelegenen Wall und der angrenzenden Fläche bis zu den Grundstücken abgeholzt. Als Grund gibt das Bezirksamt in einer Pressemitteilung die Verkehrssicherheit insbesondere im Bereich der direkt angrenzenden Wohnbaugrundstücke an. Jedoch erscheinen die großflächigen Fällungen vor dem Hintergrund, dass in der Entwicklung des Fischbeker Heidbrooks sehr darauf geachtet wurde, einen so großen Baumbestand wie möglich zu erhalten, indem beispielweise für Blindgängeruntersuchungen alte Luftbilder ausgewertet wurden, als sehr radikale Maßnahme.

Wir fragen die Verwaltung:

1. Hätte die Verkehrssicherheit der angrenzenden Grundstücke nicht durch weniger radikale Maßnahmen hergestellt werden können?

2. Wie wurde die Standsicherheit der gefällten Bäume überprüft?

3. Wurden auch gesunde, standfeste Bäume gefällt?

4. Warum wurden auch Bäume neben dem Wall gefällt?

5. Warum wurden auch kleinere Sträucher gefällt, von denen keine Gefährdung der Verkehrssicherheit ausgehen kann?

6. Sind in weiteren Bereichen am Rande des Fischbeker Heidbrooks in den kommenden Monaten oder Jahren ähnliche Rodungen geplant?

7. Wann soll die Planung und die Umsetzung des Niederwaldes im Bereich erfolgen? Ist hierzu eine zeitnahe Information und Beteiligung der Bürger:innen des Gebietes vorgesehen?

8. Sind Ersatzpflanzungen vorgesehen? Wenn ja, wo und in welcher Ausgestaltung?

FREIE UND HANSESTADT HAMBURG

Bezirksamt Harburg

14. April 2023

Das Bezirksamt Harburg nimmt zu der kleinen Anfrage der GRÜNE-Fraktion, Drs. 21-2906 wie folgt Stellung:

  1. Hätte die Verkehrssicherheit der angrenzenden Grundstücke nicht durch weniger radikale Maßnahmen hergestellt werden können?

Nein, es gab aus fachlicher Sicht keine Alternative zu der durchgeführten Maßnahme.

Ein vom Bezirksamt Harburg für die Waldflächen im B-Plangebiet NF66 in Auftrag gegebenes Gutachten durch ein forstliches Sachverständigenbüro ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Waldflächen nach forstlichen Kriterien weder erschlossen noch gepflegt sind. Der Herstellung der Verkehrssicherheit zu den angrenzenden Grundstücken ist folglich eine hohe Bedeutung beizumessen.

Das größte Problem im Hinblick auf die Verkehrssicherheit stellt der südlich gelegene Wall dar. Dieser wurde ursprünglich als Sichtschutz für das Kasernengelände aufgeschüttet. Aufbau und Beschaffenheit des Walls entsprechen nicht dem eines natürlich gewachsenen Bodens, so dass von einer verminderten Standfestigkeit auch bei ansonsten gesunden Bäumen auszugehen ist. Zudem haben fehlende Pflegemaßnahmen in Form von Stammzahlreduktionen hier zu einem sehr ungünstigen Verhältnis von Baumhöhe und -durchmesser (HD-Wert) und damit zu einer Instabilität der Einzelbäume geführt.

Erschwerend kommt die Ausrichtung des Walls in Bezug auf die Windrichtung hinzu (Süd-West-Exposition). Eine Stabilisierung des von dem Kahlhieb betroffenen Waldbestandes im Rahmen regelmäßiger Pflegeeingriffe (Durchforstungen) war angesichts dieser Ausgangslage somit nicht mehr möglich.

Diverse Vertreter und Vertreterinnen verschiedener Behörden und Fachbereiche (Oberste Forstbehörde (BUKEA), Naturschutzverwaltung, Landschaftsplanung, Fachamt Management des öffentlichen Raumes, vertreten durch die Abteilungen Stadtgrün und Forst) haben sowohl auf Basis des Gutachtens als auch im Rahmen einer gemeinsamen Ortsbegehung die Notwendigkeit der durchgeführten Maßnahmen festgestellt.

  1. Wie wurde die Standsicherheit der gefällten Bäume überprüft?

Durch Sichtprüfung. Die Bäume waren aufgrund mangelnder Pflege instabil und wiesen eine erhöhte Bruch- und Umsturzgefahr auf.

  1. Wurden auch gesunde, standfeste Bäume gefällt?
  2. Warum wurden auch Bäume neben dem Wall gefällt?

Zu 3., 4.: Es mussten mit Ausnahme einer ausreichend standfesten Eiche alle Bäume gefällt werden, da durch die veränderten Windangriffsflächen mit einem Umstürzen verbleibender Bäume zu rechnen war.

Aufgrund des vorherigen Dichtstands war grundsätzlich bei allen Bäumen unabhängig vom Gesundheitszustand von einer verminderten Standfestigkeit auszugehen

  1. Warum wurden auch kleinere Sträucher gefällt, von denen keine Gefährdung der Verkehrssicherheit ausgehen kann?

Vorhandene Naturverjüngung sowie einzelne Sträucher (Ilex) wurden in der Fläche belassen.

Die Fläche soll sich im Ganzen als Niederwald durch Stockausschlag entwickeln.

  1. Sind in weiteren Bereichen am Rande des Fischbeker Heidbrooks in den kommenden Monaten oder Jahren ähnliche Rodungen geplant?

Es sind keine weiteren Kahlhiebe vorgesehen.

Frühestens ab Oktober 2023 folgen selektive Eingriffe in die verbleibenden Waldbestände durch Entnahme von Einzelbäumen zur Herstellung der Verkehrssicherheit an Grundstücken und Straßen.

Hierzu wird es erforderlich sein, die bisher unzugänglichen Waldflächen durch Anlage von Fahrlinien (Rückegassen) zu erschließen.

Die Maßnahmen erfolgen im Rahmen einer ordnungsgemäßen, naturnahen Waldpflege und werden sich auf das absolut notwendige Maß beschränken.

  1. Wann soll die Planung und die Umsetzung des Niederwaldes im Bereich erfolgen? Ist hierzu eine zeitnahe Information und Beteiligung der Bürger:innen des Gebietes vorgesehen?
  2. Sind Ersatzpflanzungen vorgesehen? Wenn ja, wo und in welcher Ausgestaltung?

Zu 7., 8.: Der Niederwald soll sich auf natürliche Weise entwickeln. Pflanzungen sind vorerst nicht vorgesehen und erfolgen nur, soweit kein ausreichendes Stockausschlagvermögen gegeben sein sollte.

Weitere Informationen der Anwohner sind zurzeit nicht geplant. Die künftige Entwicklung der Fläche kann unmittelbar beobachtet werden.

Zum Schutz der Niederwaldfläche soll entlang der betroffenen Grundstücke ein Wildschutzzaun errichtet werden.

Fredenhagen

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