Antwort zur Anfrage CDU betr. Unfälle mit Radfahrern
Letzte Beratung: 21.11.2023 Hauptausschuss Ö 2.3
Wir fragen die zuständige Fachbehörde:
1. Wie viele Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern haben sich bisher im Bezirksamtsbereich Harburg 2023 ereignet.?
2. In welchem Maße ist es gegenüber den Vorjahren zu einer Steigerung der Unfallzahlen gekommen?
3. Liegen insoweit klare Erkenntnisse über Verursachung und Verschulden durch Radfahrer vor?
4. Nach aktuellen Berichterstattungen tragen insbesondere im Bezirk Harburg überproportional viele Radfahrer Schuld an Verkehrsunfällen.
Wie hoch ist die tatsächliche Quote von entsprechenden Unfällen im Bezirk Harburg?
5. Welche Präventivmaßnahmen können zukünftig zur Vermeidung von Radfahrerunfällen getroffen werden?
Gibt es insoweit Unfallschwerpunkte?
6. Sind auch Sicht der Fachbehörde ggf. auch bauliche Veränderungen vorzunehmen, um die Zahl der Radfahrunfälle zu verringern.
7. In welchem Umfang waren
a) Kinder
b) Jugendliche
c)Senioren
an den Unfällen beteiligt?
8. In wie vielen Unfällen ist es zu Personenschäden gekommen?
Hamburg, am 25.08.2023
BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG
Der Vorsitzende
18.10.2023
Die Behörde für Inneres und Sport, hier die Verkehrsdirektion (VD) der Polizei Hamburg, beantwortet die Anfrage wie folgt:
Die Unfallzahlen wurden durch eine Auswertung der Datenbank „Elektronische Unfalltypensteckkarte“ (Euska) vom 17.10.2023 ermittelt. Ausgewertet wurde der Zeitraum vom 01.01.2023 – 31.08.2023 (bis zum 31.08.2023 liegen valide Daten vor). Es werden bei der Verkehrsbeteiligung sowohl Fahrräder als auch Pedelecs betrachtet.
Frage 1:
Wie viele Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern haben sich bisher im Bezirksamtsbereich Harburg 2023 ereignet?
Bis zum 31.08.2023 sind 119 VU[1] mit Beteiligung von Radfahrern polizeilich registriert.
Frage 2:
In welchem Maße ist es gegenüber den Vorjahren zu einer Steigerung der Unfallzahlen gekommen?
Vom 01.01. – 31.08.2022 wurden 172 VU polizeilich aufgenommen.
Vom 01.01. – 31.08.2023 wurden 119 VU polizeilich aufgenommen
Im Jahresvergleich bedeutet das eine Reduzierung von 30,8 %.
Die Verkehrsunfalllage wurde 2020 und 2021 erheblich, durch die bekannten Restriktionen aufgrund der Corona-Pandemie, beeinflusst. Sie stellen somit keine valide Vergleichsgröße zu den Jahren 2022 und 2023 dar.
Frage 3:
Liegen insoweit klare Erkenntnisse über Verursachung und Verschulden durch Radfahrer vor?
Bei 71 VU wurde dem Radfahrer polizeilich die Hauptunfallursache zugewiesen. Trotzdem können weitere Unfallbeteiligte ebenfalls Unfallursachen beigetragen haben.
Frage 4:
Nach aktuellen Berichterstattungen tragen insbesondere im Bezirk Harburg überproportional viele Radfahrer Schuld an Verkehrsunfällen.
Wie hoch ist die tatsächliche Quote von entsprechenden Unfällen im Bezirk Harburg?
71 von 119 polizeilich aufgenommene VU wiesen den Radfahrer als Hauptunfallverursacher aus. Dies entspricht 59,7%.
Frage 5:
Welche Präventivmaßnahmen können zukünftig zur Vermeidung von Radfahrerunfällen getroffen werden?
Gibt es insoweit Unfallschwerpunkte?
Die Verkehrsdirektion der Polizei Hamburg plant und verwirklicht ihre Repressions- aber auch Präventionsmaßnahmen unter anderem aufgrund von Verkehrsunfallanalysen. Hierfür werden sowohl Unfallörtlichkeiten als auch Unfallhergänge im gesamten Hamburger Stadtgebiet genau betrachtet. Das betrifft insbesondere Unfälle mit Personenschäden. Ungeschützte Verkehrsteilnehmende wie Fußgänger oder Fahrradfahrer stehen in diesem Zusammenhang im besonderen Fokus polizeilicher Verkehrssicherheitsarbeit.
Hierfür werden lageangepasst zielorientierte Kontrollen und Präventionsaktionen unter Einbindung der Abteilung für Verkehrsprävention, der Fahrradstaffeln sowie der Dienstgruppe „Schwerlastverkehr“ durchgeführt.
Die Verkehrsdirektion 6 – Verkehrserziehung und Prävention- entwickelt ebenfalls auf Grundlage der Verkehrsunfallanalysen Präventionsmaßnahmen im Bereich des Fahrradverkehrs und greift dafür aktuelle Entwicklungen wie „Dooring“, „Geisterradler“, Abbiegeunfälle und Überholabstand zu Radfahrern auf. Unterstützt wird die Polizei hierbei außerdem von externen Partnern wie beispielsweise dem „Forum Verkehrssicherheit Hamburg“. An zahlreichen Informationsständen und Aktionen werden die Verkehrsteilnehmenden für die Gefahren des Straßenverkehrs und für gegenseitige Rücksichtnahme sensibilisiert.
Einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der jüngsten Fahrradfahrer leisten darüber hinaus auch die Verkehrslehrer der Polizei, die seit Jahrzehnten bewährte Verkehrssicherheitsarbeit verrichten. So beginnen z.B. am 20.11.2023 die jährlichen Lichtkontrollen an und im Umfeld von Schulen, bei denen neben der Verkehrsdirektion auch alle Polizeikommissariate einbezogen werden. Ein technisch einwandfreier Zustand von Beleuchtungsmitteln an Fahrrädern und eine gute Sichtbarkeit sind insbesondere in der dunklen Jahreszeit nicht nur für Kinder, sondern für alle Fahrradfahrenden wichtig.
Im Zuge der Mobilitätswende nimmt der Radverkehr u.a. durch den Ausbau der Radverkehrsanlagen merklich zu. Eine konkrete Unfallschwerpunktlage im Bezirk Harburg ist nicht zu erkennen. Lediglich im Innenstadtbereich Harburg lassen sich mehrere VU feststellen. In diesem Bereich herrscht ein hohes Verkehrsaufkommen und somit sind Konfliktsituationen bis hin zum Verkehrsunfall mit anderen Verkehrsteilnehmern wahrscheinlich.
Frage 6:
Sind aus Sicht der Fachbehörde ggf. auch bauliche Veränderungen vorzunehmen, um die Zahl der Radfahrunfälle zu verringern.
Die Planung von Radverkehrsanlagen erfolgt nach den rechtlichen Vorgaben der StVO und den daraus resultierenden Regelwerken. Durch die Straßenverkehrsbehörden werden für eine Anordnung von Planungen die Verkehrssicherheitsaspekte betrachtet, die Planung und Ausgestaltung des Verkehrsraums obliegt dem Straßenbaulastträger (Behörde für Mobilitätswende).
Auch Radverkehrsanlagen unterliegen einer ständigen Verkehrsunfallbetrachtung durch die Straßenverkehrsbehörden. Bei der Feststellung von Mängeln im Verkehrsraum, z.B. altersbedingte Abnutzung, werden Optimierungen zur Erhöhung der Sicherheit beim Straßenbaulastträger angeregt.
Die Verkehrsdirektion betrachtet den öffentlichen Verkehrsraum beständig unter dem Aspekt der Optimierung zur Vermeidung von Verkehrsunfällen. Soweit sich hieraus Anhaltspunkte zur Notwendigkeit baulicher Veränderungen ergeben, wird die Straßenverkehrsbehörde ggfls. auch behördenübergreifend tätig, um durch mögliche bauliche Anpassungen des Straßenverkehrsraums die Verkehrsicherheit zu steigern.
Frage 7:
In welchem Umfang waren
a) Kinder
b) Jugendliche
c) Senioren
an den Unfällen beteiligt?
a) an 9 VU im Radverkehr waren Kinder (0-14 Jahre) beteiligt.
b) an 2 VU im Radverkehr waren Jugendliche (15 – 17 Jahre) beteiligt.
c) an 14 VU im Radverkehr waren Senioren (ab 65 Jahren) beteiligt.
Frage 8:
In wie vielen Unfällen ist es zu Personenschäden gekommen?
Bei 84 VU im Radverkehr wurden Personen verletzt.
gez. Heimath
f.d.R.
Riechers
[1] Verkehrsunfälle
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