21-1634.01

Antwort Anfrage gem. §27 BezVG der GRÜNE-Fraktion betr. Schutz vor Binnenhochwasser im Raum Süderelbe

Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG

Letzte Beratung: 09.11.2021 Hauptausschuss Ö 2.8

Sachverhalt

Der Süderelberaum ist stark gefährdet durch Hochwasser. Dabei wird jedoch meist an Hochwasser durch Sturmfluten gedacht. Diese sind in der Tat äußerst gefährlich und haben auch schon dazu geführt, dass die Deichlinie immer wieder angepasst wird.

Ein Thema, das den Raum Süderelbe jedoch ebenfalls beschäftigt, sind Binnenhochwasser durch starke und sehr starke Regenereignisse. Das Bewusstsein in Politik und Verwaltung dazu ist in den letzten Jahren schon gestiegen. Erhöhte Versiegelung in den Neubaugebieten in Neugraben und Fischbek, Neu Wulmstorf und Buxtehude, der Bau der Autobahn A26 und Verschüttung von Gräben erhöhen die Gefahr von Binnenhochwasser.

Die extremen Niederschläge im Westen Deutschlands diesen Juli und ähnliche Ereignisse anderswo in Europa und auf der Welt machen überdeutlich, was Klimaforscher seit Jahren prognostizieren, nämlich, dass Starkregenereignisse zunehmen. Und das es zu Ereignissen kommen kann, die man bislang nicht für möglich hielt.

Dies kann auch in Hamburg passieren.

Der Raum Süderelbe ist doch seine Lage zwischen Geest und Elbe sowie durch die teilweise nur knapp über Meereshöhe liegenden Flächen nicht nur durch Sturmfluten sondern auch durch Binnenhochwasser gefährdet. Die Entwässerung wird hoheitlich durch Be- und Entwässerungsverbände verantwortet und funktioniert über ein ausgedehntes System von Gräben, Fleeten und Wettern sowie Sielen und Schöpfwerken.

Wir bitten die zuständigen Fachbehörden zu den folgenden Fragen Stellung zu nehmen, und als Skala für die Regenmengen die Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes DWD zu verwenden, die da lauten:

· Regenmengen 15 bis 25 l/m² in 1 Stunde oder 20 bis 35 l/m² in 6 Stunden (Markante Wetterwarnung)

· Regenmengen > 25 bis 40 l/m² in 1 Stunde oder > 35 l/m² bis 60 l/m² in 6 Stunden (Unwetterwarnung)

· Regenmengen > 40 l/m² in 1 Stunde oder > 60 l/m² in 6 Stunden (Warnung vor extremem Unwetter

·

Die bisherigen Starkregengefahrenkarte Hamburg ist eine Fließwege-Senkenanalyse und macht daher lediglich Aussagen zu den Fließwegen des Regenwassers. Dieser Karte liegen laut Legende keine Regenbelastungen insbesondere nicht im Sinne der o.a. DWD-Definition zugrunde. Die Karte gibt somit lediglich „erste Anhaltspunkte, wo es aufgrund topografischer Tiefpunkte (Senken) und topografischer Gradienten (Fließwege) zu Überflutungsgefährdungen in Folge von Starkregenereignissen kommen könnte“, aber nicht mit welchen Auswirkungen bei konkretem Eintreten von Ereignissen, wie in Westdeutschland zu rechnen sein würde.

1) Wie funktioniert die Entwässerung im Raum Süderelbe genau. Bitte erläutern Sie dies anhand von präzisem Kartenmaterial

a. das genaue Wassereinzugsgebiet

b. das Gräben-, Fleete- und Wetternsystem

c. die Positionierung und die Kapazitäten (in m3/sec) aller in der betreffenden Region befindlichen Siele sowie die jeweiligen maximalen Wasserstände in der Elbe, Alten Süderelbe bzw. Este, bei der diese entwässern können

d. die Positionierung und die Kapazitäten (in m³/sec) aller in der betreffenden Region befindlichen Schöpfwerke sowie die jeweiligen maximalen Wasserstände in der Elbe, Alte Süderelbe bzw. Este, bei der diese entwässern können

2) Bitte erläutern Sie anhand von hydrologischen Modellen den Wasserabfluss bei den o.a. Regenmengen aus den DWD Warnstufen. Hier ist insbesondere die Fließgeschwindigkeit des Wassers im Gebiet, die Kapazitäten der jeweiligen Gräben, Fleete und Wettern sowie die Kapazitäten der Siele und Pumpen (in m3/sec) anzugeben.

3) Bitte erläutern Sie wie der Wasserstand der Alten Süderelbe sich bei den verschiedenen den o.a. Regenmengen aus den DWD Warnstufenerhöht und was passiert, wenn die Alte Süderelbe über 2 oder drei Tiden aufgrund einer Sturmflut nicht entwässern kann.

4) Bitte erläutern Sie wie der Wasserstand in der Este sich bei den o.a. Regenmengen aus den DWD Warnstufen erhöht und was passiert, wenn die Este über 2 oder 3 Tiden aufgrund einer Sturmflut nicht entwässern kann.

5) Das Gräben- Fleete und Wetternsystem wird im Raum Süderelbe von den Be- und Entwässerungsverbänden verantwortet.

a. Bitte benennen Sie anhand der Karte, wo welcher Verband für welches Gebiet und Entwässerungsanlagenverantwortlich ist

b. Bitte erläutern sie präzise, welche Funktion die Verbände für die Entwässerung übernehmen.

c. Bitte erläutern Sie, wie die Verbände und in welcher Form von welchen Behörden kontrolliert und unterstützt werden.

6) Im Raum Süderelbe wurden in den letzten 10 Jahren eine Reihe von neuen Quartieren gebaut. Bitte erläutern Sie, in welcher Form die Entwässerung bei den o.a. Regenmengen aus den DWD Warnstufenberücksichtigt wurde und welche Maßnahmen zur Entwässerung in den verschiedenen Quartieren getroffen wurden.

BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG

Der Vorsitzende 03.11.2021

Die Behörde für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) beantwortet unter Beteiligung des Landesbetriebes Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) sowie der Behörde für Wirtschaft und Innovation (BWI) die Anfrage der GRÜNE-Fraktion (Drs. 21-1634) wie folgt Stellung:

1) Wie funktioniert die Entwässerung im Raum Süderelbe genau. Bitte erläutern Sie dies anhand von präzisem Kartenmaterial

a. das genaue Wassereinzugsgebiet

b. das Gräben-, Fleete- und Wetternsystem

c. die Positionierung und die Kapazitäten (in m3/sec) aller in der betreffenden Region befindlichen Siele sowie die jeweiligen maximalen Wasserstände in der Elbe, Alten Süderelbe bzw. Este, bei der diese entwässern können

d. die Positionierung und die Kapazitäten (in m³/sec) aller in der betreffenden Region befindlichen Schöpfwerke sowie die jeweiligen maximalen Wasserstände in der Elbe, Alte Süderelbe bzw. Este, bei der diese entwässern können

Zu 1.:

In Karte 1 sind die Einzugsgebiete 7. Ordnung sowie das Gewässer- und Grabensystem dargestellt (Teilfragen a. und b.). Anhand der blauen Pfeile ist die Fließrichtung des Wassers zu erkennen. Aufgrund der Höhenlagen im Süderelberaum wird die Be- und Entwässerung über Sielbauwerke und Schöpfwerke gesteuert. Diese sind aus Gründen der Übersichtlichkeit in Karte 2 dargestellt (Teilfragen c. und d.). Die Leistungsdaten der Schöpfwerke sind der Anlage 1 Leistungsdaten Schöpfwerke zu entnehmen. Bei der Zusammenstellung der Daten war die Zulieferung der entsprechenden Verbände notwendig. Es wurden nicht alle angefragten Daten übermittelt, sodass die Übersicht nicht vollständig ist. Die Leistung der Sielbauwerke hängt von den unterschiedlichen Wasserständen ab. Eine Leistungsangabe in [m3/s] ist daher generell nicht zielführend und wird nicht erfasst. Grundsätzlich ist eine Entwässerung über ein Siel nur möglich, wenn die Wasserstände außerhalb des Deichs niedriger sind als binnenseitig.

2) Bitte erläutern Sie anhand von hydrologischen Modellen den Wasserabfluss bei den o.a. Regenmengen aus den DWD Warnstufen. Hier ist insbesondere die Fließgeschwindigkeit des Wassers im Gebiet, die Kapazitäten der jeweiligen Gräben, Fleete und Wettern sowie die Kapazitäten der Siele und Pumpen (in m3/sec) anzugeben.

Zu 2.:

Allgemein ist die Überflutungshäufigkeit als Maß für den Überflutungsschutz von Entwässerungssystemen die wesentliche Zielgröße bei der Planung und Dimensionierung von Entwässerungssystemen in besiedelten Gebieten. Ob es zu Überflutungen kommt, hängt maßgeblich vom entsprechenden Abfluss innerhalb des Entwässerungssystems ab, d. h. wie viele Liter bzw. Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch einen bestimmten Fließquerschnitt (beispielsweise einen Entwässerungsgraben oder ein Flussbett) fließen. Die Höhe des Abflusses in einem Entwässerungs­system wird maßgeblich bestimmt vom aktuellen Niederschlagsgeschehen im Einzugsgebiet sowie von weiteren Faktoren (u.a. Geländeform, Bodenbeschaffenheit, Versiegelungs­grad, Temperatur, örtliche Gegebenheiten/bauliche Strukturen). Hinsichtlich des jeweiligen Niederschlagsgeschehens ist von wesentlicher Bedeutung, welche Ausdehnung das Ereignis im Einzugsgebiet hat. Damit einher geht wiederum die Eintrittswahrscheinlichkeit.

Das Konzept des Starkregenindex nach Schmitt et. al. sieht vor, Starkregen in zwölf Stufen und vier Kategorien zu unterteilen. Die 12-stufige Skala fußt auf der Extremwertstatistik von Niederschlags­messungen und übersetzt die schwer zu kommunizierenden Parameter von Dauer, Niederschlagshöhe und statistischer Wiederkehrzeit. Die Stärke von Regen kann durch die Einordnung in die 12-stufige Skala besser mit Bürgern kommuniziert werden. HAMBURG WASSER (HW) hat hierfür eine Webanwendung entwickelt, die unter Starkregen - Hamburg Wasser veröffentlicht ist.

Die Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes können relativ gut den Starkregenkategorien des Starkregenindex zugeordnet werden.

Regenwasserindex plus Wiederkehrzeit

In der hier zu beantwortenden Anfrage soll das Verhalten des Entwässerungssystems für die Markante Wetterwarnung, die Unwetterwarnung und die Warnung vor extremen Unwetter anhand von hydrologischen Modellen erläutert werden. Da das Auftreten von entsprechenden Starkregen­ereignissen mit den entsprechenden Dauerstufen gleichzeitig flächendeckend über dem gesamten Süderelberaum extrem unwahrscheinlich ist, wurde bisher kein Modell erstellt, um das gesamte Entwässerungssystem vor diesem Hintergrund zu modellieren. Es gibt Modellierungen zu den Überschwemmungsgebieten der Este (siehe Antwort zu 4.) und des Falkengrabens sowie Modellierungen des Systems Alte Süderelbe, die im Zuge des Planfeststellungsverfahrens „Neuordnung der Wasserwirtschaft Alte Süderelbe“ durchgeführt wurden (siehe Antwort zu 3.). Daten in dem Umfang, wie sie hier abgefragt werden existieren jedoch nicht. Gleichwohl beginnt Hamburg ein entsprechendes System aufzubauen. Ein Baustein ist die derzeit über das Geoportal der Stadt Hamburg veröffentlichte Starkregengefahrenkarte, welche potentielle Fließwege und Senken der Oberfläche darstellt, jedoch keine Starkregenbelastungen, Siele, Pumpen- oder Schöpfwerke berücksichtigt. Es handelt sich somit um eine statische Analyse von Gefahrenbereichen, die real in der Ausprägung nicht existieren müssen. Im Modellprojekt Clever Cities wurde von HW eine starkregenbedingte gekoppelte 2D-Modellierung für das Gebiet Neugraben-Fischbek durchgeführt. Hierbei wurden Siele und Gräben mit den Oberflächenstrukturen des Siedlungsgebiets gekoppelt und mit definierten Starkregenkategorien gemäß Starkregenindex belastet. Die Ergebnisse der Berechnungen liegen als Fließwege inkl. Fließgeschwindigkeiten sowie Überflutungsbereiche mit maximalen Wasserstandshöhen vor. Das Schadenspotential für überflutungsgefährdete Gebäude wurde entsprechend der berechneten Wasserstandshöhen an den Gebäuden in drei Stufen - mäßig, mittel und hoch- eingeteilt. Derzeit werden von HW und der BUKEA weitere dynamische Übersichtsmodelle in Analogie zum Projekt Neugraben-Fischbek erstellt, so dass sukzessive die Informationen der Fließweg-Senken-Karte durch die realitätsnahen Ergebnisse der gekoppelten 2D-Modellierung ergänzt werden sollen.

Teile der Ergebnisse der Untersuchungen des Clever Cities Modellprojektes sind dem angehängten Kurzbericht (Anlage 2) sowie den Karten der Anlage 3 zu entnehmen.

3) Bitte erläutern Sie wie der Wasserstand der Alten Süderelbe sich bei den verschiedenen den o.a. Regenmengen aus den DWD Warnstufenerhöht und was passiert, wenn die Alte Süderelbe über 2 oder drei Tiden aufgrund einer Sturmflut nicht entwässern kann.

Zu 3.:

Aussagen zum Wasserstand in der Alten Süderelbe bei den Niederschlagsspenden entsprechend der Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes (Markante Wetterwarnung, Unwetterwarnung, Warnung vor extremem Unwetter) können nicht getroffen werden. Kenntnisse zu exakt diesen Szenarien liegen derzeit nicht vor, siehe auch Antwort zu 2.

Im Rahmen der bisher erfolgten Untersuchungen wurden verschiedene Szenarien mit Hilfe von hydrodynamisch-numerischen Modellrechnungen betrachtet. Bei den Modellierungen wurden Hochwasserereignisse angesetzt, die statistisch gesehen einmal in fünf Jahren (HQ5) bzw. einmal in 30 Jahren (HQ30) auftreten. Hinsichtlich der Tideereignisse wurden für die Berechnungen verschiedene Szenarien von einer mittleren Tide bis hin zu einer seltenen Sperrtide über 54 Stunden (reale Kettentide 02/1990) herangezogen. Zu beachten ist dabei, dass sich die Jährlichkeit von Niederschlagsereignissen innerhalb eines Einzugsgebietes nicht direkt auf die Jährlichkeit des zugehörigen Abflussereignisses übertragen lässt. Der Abfluss hängt neben dem Niederschlag maßgeblich von weiteren Faktoren im Einzugsgebiet ab (siehe Frage 2), sodass es hier teilweise zu erheblichen Abweichungen der statistischen Einordnung kommen kann.

Die Tabelle 1 gibt einen Überblick über die untersuchten Szenarien für das bestehende System mit jeweils unterschiedlichen Kombinationen aus Abflussereignis und zugehörigem Tideereignis und gibt die jeweils resultierenden maximalen Wasserstände in der Alten Süderelbe (Station 1+202, siehe Abbildung 1) an.

Tabelle 1: Untersuchte Lastfallkombinationen zur Ermittlung von Hochwasserständen im Bestandssystem der Alten Süderelbe

Studie

Lastfall (LF)

Kombination aus Abfluss-
und Tideereignis

Resultierender Wasserstand in der Alten Süderelbe (Station 1+202)

Abflussereignis

Tideereignis

Studie 09/2018

LF 1

HQ5

Sperrtide über 54 Stunden

+ 1,09 m ü. NHN

LF 2

HQ30

Mittlere Tide

+ 0,57 m ü. NHN

Studie 06/2019

LF 1a

HQ5

1 Sperrtide

+ 0,74 m ü. NHN

LF 1b

HQ5

2 Sperrtiden

+ 0,80 m ü. NHN

LF 1c

HQ5

3 Sperrtiden

+ 0,96 m ü. NHN

Ab einem Wasserstand von ca. 0,7 m ü. NHN kann das Schöpfwerk/Deichsiel in Viersielen überspült werden. Bei entsprechenden Wetterprognosen bzw. Warnungen kann der Wasserstand der Alten Süderelbe im Vorfeld abgesenkt werden, um einen größeren Speicherraum zu schaffen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass das wesentliche Einzugsgebiet der Alten Süderelbe über Schöpfwerke entwässert wird und somit eine gewisse Steuerbarkeit vorliegt. Der hauptsächliche Zufluss erfolgt über das Schöpfwerk Hohenwisch. Sollte hier aus Sicherheitsgründen eine Drosselung erfolgen müssen, wären mit dem Moorgürtel im Wesentlichen Flächen mit geringem Gefährdungspotential betroffen.

Im Planfeststellungsbeschluss „Wasserwirtschaftliche Neuordnung der Alten Süderelbe“ vom 28. Januar 2004 wurde der Neubau eines Entwässerungsschöpfwerks am Standort Storchennest planfestgestellt. Die Realisierung wird derzeit durch die BUKEA als zuständige Behörde vorangetrieben. Mit dem Schöpfwerk soll erreicht werden, dass der Anstieg des Wasserstands der Alten Süderelbe auch für den Lastfall 1 (HQ5 und Sperrtide über 54 Stunden) auf 0,7 m ü. NHN begrenzt bleibt.

Abbildung 1: Lage der Station 1+202 innerhalb der Alten Süderelbe

4) Bitte erläutern Sie wie der Wasserstand in der Este sich bei den o.a. Regenmengen aus den DWD Warnstufen erhöht und was passiert, wenn die Este über 2 oder 3 Tiden aufgrund einer Sturmflut nicht entwässern kann.

Zu 4.:

Im Zuge der Umsetzung der Hochwasserrisikomanagementrichtlinie der Europäischen Gemeinschaft betreibt der LSBG im Auftrag der BUKEA ein Niederschlag-Abfluss-Modell für die Este. Dieses Modell wird dazu verwendet, Hochwasserabflüsse einer bestimmten Jährlichkeit zu berechnen (z.B. HQ5, HQ100, HQ200). Dabei erzeugt beispielsweise ein 100-Jährliches Regenereignis über dem Einzugsgebiet nicht unbedingt auch ein 100-jährliches Hochwasserereignis zumal die räumliche Verteilung eines Regenereignisses sehr unterschiedlich sein kann. Vielmehr wird berechnet, welche theoretischen Regenmengen, z.B. vereinfacht als Blockregen über dem gesamten Einzugsgebiet angesetzt, ein HQ100 im Gewässer erzeugt. Daher liegen Berechnungen zu Wasserständen für die Gefragten Regenmengen nicht vor.

Bei sogenannten Sperrtiden staut sich der Abfluss der Este hinter dem Sperrwerk auf. Dieser Tatbestand ist bei der Risikobewertung der Este berücksichtig worden. Für die Ermittlung des 100-jährlichen Ereignisses (also ein Ereignis, dass 1 Mal in 100 Jahren eintritt) wurde die Kombination eines 5-Jährlichen Binnenhochwassers (HQ5) und 3 Sperrtiden zugrunde gelegt. Für ein 200-jährliches Ereignis ein HQ10 und 3 Sperrtiden. Die Auswirkungen dieser Ereignisse sind in den entsprechenden Hochwassergefahrenkarten im Geoportal Hamburg (unter Hochwasserrisiko­management im geoportal-hamburg.de) ersichtlich.

5) Das Gräben- Fleete und Wetternsystem wird im Raum Süderelbe von den Be- und Entwässerungsverbänden verantwortet.

a. Bitte benennen Sie anhand der Karte, wo welcher Verband für welches Gebiet und Entwässerungsanlagenverantwortlich ist

b. Bitte erläutern sie präzise, welche Funktion die Verbände für die Entwässerung übernehmen.

c. Bitte erläutern Sie, wie die Verbände und in welcher Form von welchen Behörden kontrolliert und unterstützt werden.

Zu 5.:

In Karte 3 ist eine Übersicht der im Süderelberaum zuständigen Be- und Entwässerungsverbände sowie der in den jeweiligen Verbandsgebieten liegenden Verbandsanlagen dargestellt.

Die Verbände haben die Aufgabe, die in ihren Gebieten zur Ent- und Bewässerung erforderlichen Anlagen zu errichten, zu unterhalten bzw. deren Unterhaltungen sicherzustellen und zu betreiben. Ent- und Bewässerungsanlagen sind außer Gräben in wasserwirtschaftlicher Hinsicht auch Brücken, Überfahrten mit Rohrdurchlässen, Stege und Siele mit Zubehör. Ausgenommen sind solche Anlagen, für die andere rechtliche Regelungen getroffen worden sind oder getroffen werden (z.B. durch Vertrag oder Planfeststellungen).

Die BUKEA führt (im Shared Service mit der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen) die Rechtsaufsicht über die 28 Hamburgischen Wasser- und Bodenverbände. Die Aufsichtsbehörde achtet darauf, dass sich die Verbände im Rahmen der durch das Wasserverbandsgesetz (WVG), das Hamburgische Ausführungsgesetz zum Wasserverbandsgesetz (HmbAGWVG) und die Verbandssatzungen gesteckten rechtlichen Vorgaben selbst verwalten. Dies beinhaltet u.a. die jährliche Haushaltsprüfung zur Überprüfung der satzungsgemäßen Verwendung der Mitgliedsbeiträge und bestimmte Zustimmungsvorbehalte, z.B. bei Änderungen der Satzung oder der Gestalt des Verbandes, die im Einzelnen in den Verbandssatzungen geregelt sind. Darüber hinaus verwalten sich die Verbände (als sog. Selbstverwaltungskörperschaften) selbst. Im Übrigen werden die Verbände anlassbezogen von den Behörden und Bezirksämtern bei ihren jeweiligen Aufgaben unterstützt.

Die Fachaufsicht wird durch die jeweilig zuständigen Wasserbehörden der Bezirksämter bzw. auch der Hamburg Port Authority wahrgenommen. Diese stehen den Verbänden für Fragen zur Verfügung, nehmen an Gewässerschauen teil und nehmen bei Bedarf z.B. bei Missständen Kontakt mit den Verbänden auf um eine Behebung dieser zu bewirken. Zusätzlich unterstützen BUKEA und die zuständigen Wasserbehörden die Verbände bei der Erstellung und Abstimmung von Gewässerunterhaltungsplänen gemäß der Hamburger Gewässerunterhaltungsrichtlinie.

6) Im Raum Süderelbe wurden in den letzten 10 Jahren eine Reihe von neuen Quartieren gebaut. Bitte erläutern Sie, in welcher Form die Entwässerung bei den o.a. Regenmengen aus den DWD Warnstufenberücksichtigt wurde und welche Maßnahmen zur Entwässerung in den verschiedenen Quartieren getroffen wurden.

Zu 6.:

Die Quartiersentwicklung im Süderelberaum liegt in der Zuständigkeit des Bezirksamtes Harburg. Dort werden die Bebauungspläne erstellt und dazugehörig wird auch die Fragestellung der Entwässerung bearbeitet.

In den neuen Quartieren wurde im Rahmen der Klimafolgenanpassung (RISA) ein offenes Regenentwässerungssystem hergestellt. Dimensioniert wurden die neuen Gewässer gemäß den gängigen Regelwerken, z. B. DWA 117 bzw. DIN 1986-100. Die Gewässer wurden auf ein 5-jährliches 10-minütiges Regenereignis dimensioniert.

Die Regenwasserrückhalteräume für den Bebauungsplan Neugraben Fischbek 66 (NF 66) wurden auf ein 30-jährliches Ereignis dimensioniert, die Rückhalteräume für NF 65 auf ein 5-jährliches. Dabei wird in einem iterativen Verfahren die Dauerstufe ermittelt, für welche das größte Rückhaltevolumen anfällt. Die Rückhaltebecken NF 65 liegen innerhalb von Grünflächen, überfließendes Regenwasser würde dort in Richtung des Naturschutzgebietes Moorgürtel austreten.

Für NF 65 und NF 66 wurde die Überflutungsgefährdung anhand von Überflutungsnachweisen geprüft. Dazu wurde in Wohngebieten ein 10-minütiges, 30-jährliches Regenereignis herangezogen.

Eine direkte Vergleichbarkeit zwischen den Wetterwarnstufen des DWD und den Bemessungsansätzen für Entwässerungssysteme gemäß den o.g. Regelwerken ist nicht gegeben. Ein Vergleich der Regenhöhen und Regendauern lässt jedoch eine ausreichende Dimensionierung bis zur Wetterwarnstufe 2 (Unwetterwarnung) erwarten. Darüber hinausgehende Extremereignisse wurden in der durchgeführten Starkregenanalyse im Rahmen des Clever Cities Projektes betrachtet (siehe Antwort zu 2.).

Gez. Heimath

F.d.R. Martens

Bera­tungs­reihen­folge
Datum/Gremium
TOP
Lokalisation Beta
Moorgürtel

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